Stimmung: fernweh
Immer wieder zieht es mich in die Städte. Zu den Menschen, den Farben, der Hektik. Paris, Moskau, Dublin, Wien, New York, London und nun Berlin. Dabei habe ich die Stille eigentlich sehr gern. Gelegentlich. Nunja, Großstadtkind eben.
Berlin ist anders, hat so viel Atmosphäre. Greifbare, lebendige. Ist groß, weit und dennoch eng. Eine Stadt voller Touristen und trotzdem ist es nicht schwer, dem Trubel zu entgehen. Man muss nur ein paar Ecken weiter gehen, entfernt von kamerablitzenden Sehenswürdigkeit. Dort auf Kopfsteinpflasterstraßen, zwischen schattigen Häusereingängen. Dort wartet mehr. Kleine gemütliche Restaurants, eine Menge Dreck und ausgefallene Geschäfte. Parks mit tobenden Kindern und fahrradgefüllte Hinterhöfe. Erinnerungen an gar nicht so lang vergangene Zeiten, Überreste der Mauer, mittlerweile voller Graffiti aber weiterhin bedrohlich.
In der U-Bahn Station riecht es nach Londons Untergrund, Heimat, irgendwo. Gegenüber von mir beißt sich eine junge Frau nervös auf die gepiercte Lippe, spielt mit den Fingern in ihren gefärbten Haaren und grinst in sich hinein, aus sich heraus. Die Kleider sind alternativ, lässig, betont unangestrengt. Schick, passend. Jung.
Die Menschen sind jung, genau wie die Stadt. Ihr Geist von Geschichte geprägt, ohne eingeengt zu sein. Eine Menge Armut, aber sie wirkt nicht unglücklich. Sie lachen von dreckigen Betontreppen dem blauen Himmel entgegen. Sind echt, viel echter als ich selbst mich fühle. Sind grell, überlebendig. Sie haben wenig Halt, außer sich selbst, ihre erkalteten Zigarrettenstummel und ein paar Hunde. Genügen sich selbst oder tun zumindest so. Sie haben nur heute, heute und wieder heute. Wenig vor und wenig zurück. Sie haben das Leben der ganzen Stadt in sich eingesogen und strahlen es aus, voll und ganz. Gegensätzlichkeiten verbinden sich hier stimmig und wirken einheitlich schön.
Berlin ist einladend laut. Ist Wandel, Aufbruch. Ist Geschichte mit viel Zukunft. Facettenreich. Und vor allem: menschlich.
...Es war so schön mit euch.