Frühstück
So, jetzt noch schnell Sachen packen, Stecker rausziehen und dann geht's zum Flughafen. Dank Jet-Stream mit doppelter Beschleunigung.
Ich bring' dann Brötchen mit...
cuZooN.
So, jetzt noch schnell Sachen packen, Stecker rausziehen und dann geht's zum Flughafen. Dank Jet-Stream mit doppelter Beschleunigung.
Ich bring' dann Brötchen mit...
cuZooN.
Musik: Fish: Return to Childhood, live
Am Ende einer 60-Stunden-Woche angekommen, durchaus erfolgreich, atme ich nun durch und geniesse ein Corona-Extra. Es hat aufgehört zu schneien, aber der Schneematsch wird wohl noch bis morgen rumliegen. Bei diesem Wetter ist jeder Gang zum Lieblings-Deli wie ein Gang übers Wasser.
Ich bewundere die Jungs von UPS, die ihre Laster den ganzen Tag in der 26. Strasse parken und von diesen "mobil offices" ihre Pakete, kunstvoll gestapelt, auf Bollerwagen durch den Matsch bugsieren. Nicht einmal sah ich ein Stückgut abgehen.
Oder die Jungs in der Lobby unseres Bürohauses. Es könnte der ödeste Job der Welt sein; aber diese Kollegen singen, chatten, telefonieren, hadern, schwatzen und tanzen gleichsam durch den Tag. Du weisst nie, ob sie dir im nächsten Moment eine Zigarette anbieten, dich verarschen oder einfach nur mit dir quatschen wollen. Wenn sie einen schlechten Tag haben, nicken sie nur mit dem Kopf. Einen guten Tag erkennt man daran, dass sie dir die Türe aufhalten.
Die meisten hier sind hart arbeitende Menschen. Und die Tage sind lang. Aber sie beschweren sich nicht. Und viele von ihnen machen Jobs, die ein Deutscher Hatz-IV-Empfänger als unter seiner Würde bezeichnen würde. Weil sie wissen, was statt dessen käme. Die Jungs, die auf der Strasse leben, die in den Subways ihre Ansprache halten und um 'nen Dollar bitten, die Alten, die ihre meterhoch bepackten Einkaufswagen durch die Strassen schieben und auf Entlüftungsschächten pennen, weil da immerhin noch die warme Luft aus der Subway rauskommt - die haben fast aufgegeben. Denen hilft kein Sozialstaat. Denen fallen einfach die Zähne aus.
Und das ist bitter zu sehen, in einem Land, dass so unermesslich reich ist, das es dafür gar keinen Begriff gibt. Und da schliesst sich der Kreis. Das einzige, was hier hilft, ist Hoffnung.
Never give up.
cuZooN.
Da steh ich so mit meinem Frühstückstee am Fenster, um den Tag zu begrüssen, und wunder mich noch, warum es heute morgen leiser ist als sonst...ich zieh die Jalousie hoch und sehe: SCHNEE.
Alles weiß, mindestens 10 cm und es schneit weiter. Das bedeutet Chaos, oder anders ausgedrückt: den Tag kann man gelassen angehen und sich noch etwas Zeit nehmen. Denn heute dauert alles etwas länger.
cuZooN.
Musik: Johnny Cash: One
Was man nicht alles erlebt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Heute war ich auf dem Polizeirevier, um einen ehemaligen Mitarbeiter anzuzeigen: wegen Scheckbetrug. Naja, wer sich so blöd anstellt, gehört bestraft.
Unsere Accountance kommt aus Odessa und hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Auf dem Weg zu den Sherrifs erzählte sie mir von dieser wunderbaren Stadt und was leider draus geworden sei. Ihr brach es das Herz. Aus einer Mulit-Kulti-Hafenstadt sei eine anonyme Wohnburg für russische Neureiche und Bauern geworden. Aber New York sei immer noch eine Stadt, die man lieben oder hassen könne.
In dieser Stadt weht der Wind grade eisig um die Ecken. Für morgen ist Schneefall angesagt.
cuZooN.
Musik: Muse: Absolution
Im altehrwürdigen Fillmore hängen die Größen der Rockzunft hinter Glas an den Wänden. Als erstes fällt mir tatsächlich ein Bild von Bono ins Auge und es wird mir klar, dass man hier und heute mit zweierlei Maß messen muss. Also denn.
Um Alkohol an der Bar zu bekommen, holt man sich ein grünes Plastikarmband beim Türsteher und ich weiss, dass ohne ein, zwei Bierchen hier nichts geht. Die Bardame macht einen leicht hysterischen Eindruck, vielleicht sind zwei Tage T.H. hintereinander für Rocker nur schwer zu ertragen.
07:43 Die Bude ist voll. Voller Kinder. Am Rand und im hinteren Teil des Saals stehen gelangweilt, besorgt oder belustigt wir: die Elterngeneration.
07:52 Immer wieder wird die Konservenmucke von Kreischattacken übertönt, schrille "Tokio-tel" Eskapaden gehen in ohrenbetäubende, besinnungslose "Aaaaaahs" über.
07:59 Das Saallicht geht aus. 800 Handys werden hochgehalten. Bis zum Ende.
08:00 Gustav im Tank-Top entert gelangweilt sein Drum-Set und beginnt mit dem monotonen 4/4-Takt, der die folgende Stunde vorherrscht. Die Kids flippen aus.
08:12 Ich brauche frisches Bier. An der Theke versucht ein angetrunkener Mit-Dreißiger, der jedenfalls nichts mit dem Konzert am Hut hat, die Bardame anzumachen. Sie ist gelangweilt und spielt mit. Ich gehe wieder zu meiner Elternfraktion und beobachte.
08:19 Das Set erreicht seinen musikalischen Höhepunkt mit der englischen Version von "Monsun", einer recht eingängigen Nummer. Ich halte mit den Füssen den 4/4-Takt. Die ersten Väter nehmen ihre völlig derangierten Töchter in den Arm und führen sie raus.
08:23 Musikalisch hatte ich mehr erwartet, alles ein bisschen schmal, durchsichtig, gähn.
08:24 Bills Gesten wiederholen sich. Mir scheint, dass mit fortschreitendem Konzert der Mixer seine Hand im Spiel hat und Bills Mikro aufdreht.
08:41 T.H. verabschieden sich und bedanken sich für den geilen Abend. Ich rechne in Gedanken den Stundenlohn der Jungs aus.
08:45 Sie kommen zurück. Natürlich. Und spielen ein vermeintlichde unplugged Version von irgendeinem ihrer Songs, den sie eben schon mal gespielt haben. Ich stutze. Und hole mir noch ein Bier. Der Typ an der Theke kommt auch nicht so recht voran und quatscht stattdessen andere Gäste an.
08:58 Nach einer weiteren Wiederholung von "Monsun" verlassen T.H. endgültig die Bühne, nachdem sie alles, aber wirklich alles, was nicht teuer ist, in die völlig aufgelöste Menge geschmissen haben: Drumsticks, Pleks, Handtücher, Wasserflaschen, Setlists, gebrauchte Taschentücher und abgekaute Fingernägel.
08:59 Das Saallicht geht an. Ich fass es nicht. Das war's. Damit wollen sie also den amerikanischen Markt erobern. Aber es wird reichen. Die Kids sind eh alle. Und glücklich. "Did you seeee? He looked at meeee, aaaaaaah....!".
09:17 Am Hinterausgang stehen die Unentwegten. Ich schlage meinen Kragen hoch, um nicht erkannt zu werden. Auf zum Union Square. Der eisige Wind weht durch die Häuserschluchten. Ach Bob, ach Bono.
cuZooN.
Krasse Baustelle, echt jetzt! Ein Kreischkonzert, 800 total ausgeklinkte Teenager reissen ihre Handys in die Höhe und flippen total aus. Nach 58 Minuten war der Spuk vorbei.
Später mehr, nur soviel: naja.
cuZooN.
So, jetzt gilt's, ich geh' jetzt auf's Tokio Hotel Konzert im Fillmore. Mal sehen, was die Jungs so draufhaben. Eine Kollegin bekam schon leichte Kreischanfälle, als ich den Namen erwähnte. Die scheinen echt bekannt zu sein hier....
cuZooN.
Musik: U2: The Joshua Tree
Walter, unser junge Kollege aus Südkorea, begrüsste mich heute morgen freudestrahlend, beide Arme in die Luft gestreckt "Zooooo..." - ich konnte nicht anders, ich schleuderte meine Arme ebenfalls in die Luft und rief "Flying maaaaan...".
Die Logistik in Madland ist ausgeklügelt und vom Feinsten, das merkt man daran, dass man zwar eine Magnetkarte für die Eingangstür der Lobby und einen Büroschlüssel haben kann, wenn aber der Schlüssel für den Aufzug nicht greifbar ist, hat man schlechte Karten - und muss warten; zum Glück gibt's an jeder zweiten Ecke ein Starbucks.
Es hatte über Nacht ein wenig geregnet. Mit der Folge, dass zwischen den Gleisen der Subway nun ein munter Rinnsal fliesst, das deutschen Stadtvätern das Grauen in die ohnehin blassen Gesichter jagen würde. Hier interessiert das nur neugierige Europäer.
Im Deli meines Vertrauens (wo ich gerne mit Salam Aleikum begrüsst werde) hatte der Cousin des Besitzers heute leichte Probleme zu verstehen, welches Brot ich für mein Chicken-Sandwich haben wollte; er zog seinen Verwandten zu Rate und nuschelte "Which bread for the German...?".
Ein älterer Herr japanischer Herkunft, dezent gekleidet in okker-braun-beige-grau, einen Jansport-Rucksack auf seinem Rücken, beladen mit seinen Träumen (?), stand in der Subway versunken in seinen Gedanken; sprachlos redete er mit sich selber; mit seinem rechten Zeigefinger schrieb er sie auf seiner linken Hand nieder, mentale Visualisierung.
Auch hier: Zoostations .
cuZooN.
Meine Füsse brummen. Nach diesem, ich nenn' das jetzt mal ausgedehnten Spaziergang bin ich froh, die Latschen hochlegen zu können. Das passiert mir öfters, dass ich mit einem konkreten Ziel losgehe, und dann Stunden später ganz woanders ankomme...
Nach dem Frühstück im Cafe gegenüber bin ich also nach Manhatten reingefahren, um ins MoMa zu gehen. Central Park South, da wo die Kutschen losfahren; und entlang der teuersten Wohnmeile New Yorks, der 5th Avenue, immer Richtung Norden. Das MoMa habe ich erst mal links liegen gelassen, weil ich dachte: guckste mal ins Guggenheim, das liegt nur ein paar Blocks weiter.
Von der tollen Fassade konnte man leider gar nix sehen, wird gerade renoviert. Drinnen auch. Millionen Touristen. Ich bin kurz pinkeln gegangen und dann nichts wie raus.
Also nächster Versuch: MoMa. Ich war da scho'ma, fiel mir dann auf. Ja, ein paar van Goghs, Picassos etc., aber leider alles so kunterbunt durcheinander, dass es eigentlich eine völlige Reizüberflutung darstellt. Die Eingangshalle war so voll, dass man sich vorkam wie in der Subway morgens um 8. Ich also wieder raus, diesmal ohne Pinkeln, denn im MoMa hätte man bestimmt dafür bezahlen müssen (normaler Eintritt: 20$!).
Jetzt hatte ich Bock auf Rambo. Ok, es war erst halb Eins, aber hey: ich bin in Amerika, wenn ich Rambo sehen will, will ich Rambo sehen. Naja, ich bin dann losgegangen, und irgendwann war ich dann am Union Square, gefühlte 10 km weiter südlich, und das einzige Kino auf dem Weg zeigte schnöde 4 familientaugliche Filme.
Ich kaufte mir die New York Post, die man eigentlich sofort wegschmeissen kann, aber ich musste zuerst wissen, wo Rambo läuft. Dabei stiess ich auf eine Anzeige für U23D, den 3-D Konzertfilm, der auch noch auf meiner Liste stand.
Diesmal bin ich mit der Subway gefahren. Bono ist mir fast ins Gesicht gesprungen. Krass.
cuZooN.
Ich habe 12 Stunden geschlafen! Das habe ich seit meiner Pubertät nicht mehr hinbekommen, glaube ich. Aber das war nötig. Jetzt wird geduscht, gefrühstückt und dann mal sehen, was das MoMa so bietet.
cuZooN.
Bin fast wieder gesund (...) und nicht ganz so munter (Jetlag) im Big Apple angekommen. Der Flug war angenehm, habe den neuen Matt Ruff (!) schon halb durch...
Im Flieger war dann auch einer, der mir auf den ersten Blick sofort auf die Eier gegangen ist; der Knabe, so 1.90, Amerikaner mit Migrationshintergrund, leichter arabischer Einschlag (o-oh), sportive Pyjama-Hose über Badelatschen, rannte erst mal super wichtig beim Einstieg ungefähr zwölfmal den Gang rauf und runter und schleppte jedesmal mehr Kissen und Decken zu seinem Platz. Dabei grinste er, als könnte ihn kein Wässerchen trüben. Konnte es wahrscheinlich auch nicht.
Endlich waren alle geseatet, der Herr auch, und die Stewardessen (!) zogen ihr Kasperl-Theater ab. Der Vogel ging in die Luft (also, das Flugzeug jetzt!) und ich wurde neugierig. Ich mache mich auf den Weg zur Toilette, gehe an unserem testosteronverseuchten Kollegen vorbei und sehe, dass er sich ein schönes, gemütliches Bettenlager über 3 Sitze (alle leer) bereitet, sich das Polo-Shirt vom Leib gerissen und unter seinen Deckenhaufen gekuschelt hat.
Mein anfängliches Grollen ging in ein Grinsen über. Ich begann, dem Kinn innerlich zu applaudieren; mit nix was am Hut, immer freundlich lächelnd, schäkernd, rücksichtslos, charmant - faszinierend.
Man schert sich viel zu sehr um Konventionen, Regeln und Vorschriften. Ich ertappte mich dabei, bei mir einen automatischen Respekt vor Uniform- und Kostümträgern zu entdecken, aber einen falschen. Die meisten sind kleine Lichter und machen stumpf ihren Job. Warum soll man nicht das tun, wonach einem ist, solange man niemanden belästigt?
Das gab mir zu denken, aber nicht lange und ich schiffte mich unverzüglich nach Manhatten ein.
cuZooN.
So, letzte Etappe, Rückreise. In 4 Stunden sitze ich im Flieger nach New York, JFK. Von dort heute abend nach Frankfurt, dann in den Zug, und gegen mittag bin ich wieder zu Hause. Die Freude auf meine beiden Frauen ist enorm (um das Mindeste zu sagen)!
cuZooN.
Ein kleiner Sonnenstrahl, eine frische Brise, ein Lächeln im Vorübergehen. Kinderlachen. Der Moment, wenn das Rauschen der Autos auf der Interstate abgelöst wird vom Geräusch des Flusses. Eine Hand voll Erde in die Hand nehmen und langsam zerbröseln lassen. Ein Hund, der aus vollem Lauf seinem Stöckchen hinterher ins kalte Wasser springt. Ein junger Taxifahrer, der leise zur Musik eines Radiosenders ("encouraging music") summt.
Zwei Kindergärtnerinnen, die ein Dutzend Kids durch Mannhatten schieben, in knallroten 6-Sitzern, die aussehen, wie überdimensioniertes Playmobil. Alte reiche Frauen mit riesigen Sonnenbrillen, die es einfach nicht wahr haben wollen.
Die Melodie, die dir nicht mehr aus dem Kopf geht. Die Freude auf das Wiedersehen. Das Warten.
cuZooN.
So, Wochenende. Der Inder war ganz lecker....äh, also das Essen beim Inder. Das Wetter scheint sich noch ein wenig zu halten, etwas kühler, aber Sonnenschein. Darum werden wir heute auch mal wieder den Kopf in die Sonne halten, coole Sonnenbrillen tragen und uns durchlüften. Morgen kann dann durchaus noch ein Museumsbesuch in der Hauptstadt auf dem Plan stehen, bevor es zurück nach Deutschland geht.
Die Freunde, bei denen ich hier sein darf, kenne ich schon seit mehr als 20 Jahren. Insofern ist der Entspannungsfaktor immens. Have a great weekend.
cuZooN.
Jetzt wird's abenteuerlich: wir gehen indisch Essen. Ich bin gespannt.
cuZooN.
Jaaaha, diese Hauptstädter! Mein Gott, Platz ohne Ende. Breiteste Strassenkreuzungen, allüberall. Schicke Fassaden, saubere Mülltonnen, säulenverzierte Monumentalbauwerke, Teppiche in den Metrowaggons!!!
Ja, geht's denn noch?!? Meine Fresse, was hier fehlt, ist ein bisschen Punk! Ein wenig Rock 'n Roll! Etwas mehr Rotz in der Nase!
Diese Stadt ist völlig übertrieben. Man hat quasi 5 Meter breite Bürgersteige für sich alleine. Ein Starbuck's an jeder zweiten Ecke. Aber in den verdammten Hot-Dog-Wagen verkaufen sie nur Hundefutter!
Diese Stadt ist ganz offensichtlich ein in Stein gehauenes Symbol US-Amerikanischer Psychosen: so nach dem Motto: So möchten wir gerne sein, so soll uns die Welt sehen, das saubere Amerika.
Puuhu...
Sicherlich gibt es auch die coolen Viertel, schliesslich ist hier jeder dritte Bewohner Student. Aber diese Disneyland-Attitüde ist schon sehr auffällig. Ich kann mir gut vorstellen, dass 99% der US-Bevölkerung das genau so sieht. Hier wird die grosse Politik gemacht - die hatte noch nie was mit den Menschen vor Ort zu tun. Insofern eine ehrliche Stadt, weil sie gar nicht erst versucht, hip zu sein. Hier wird nur das peinliche Saubermann-Image einer Nation verkauft, die es so nicht gibt.
cuZooN.
JFK, Sam Adams Bar, 9.1.2008
Jetzt ist es also passiert! Das erste Mal in meinem Leben habe ich einen Flieger verpasst. Naja, die 50 Bucks sind für die Tonne. Wer kann denn ahnen, dass man im entscheidenden Augenblick kein verdammtes Taxi erwischt? Wer kann denn denken, dass man in der Rush-Hour von Astoria nach JFK mehr als eine Stunde braucht…äh, well, hätte man vielleicht wissen können..
Wie auch immer. Sitze nun in einer Bar am Flughafen, trinke ein völlig überzogen teures Bier und warte auf den nächsten Flieger. Das Leben kann so einfach sein.
Aber alles ist gut. Die Stimmung fein. Der Tag im Büro war ausserordentlich erfolgreich. We made a difference.
Nach den ganzen Personalgesprächen war die Atmosphäre doch gelöster, mehr nach Aufbruch als nach Rückzug. Als ich mich von allen verabschiedet hatte, raunt mir eine Kollegin noch zu: „New York loves you!“.
Na, das nenn’ ich einen Abgang…
Jetzt also 4 Tage Washington DC, die Hauptstadt. Mein Eindruck beim letzten Mal war der eines riesigen Freilichtmuseums. Seht her, was wir können, so sauber, so viel Platz, so wenig los. Ein Puppenhaus im Stadtformat.
Hoffen wir mal, dass sich der Frühling hier noch ein wenig hält, dann wird am Wochenende flaniert.
cuZooN.
Wenn New York der melting-pot ist, dann ist die Subway die Suppe, das Surrogat. Leben pur.
Ich frage mich schon seit längerem, was diese Stadt, die Menschen, die hier leben, eigentlich ausmacht. Oder, anders ausgedrückt, warum ich glaube, dass hier etwas ganz besonderes stattfindet. Klar gibt es hunderte von Millionenstädten, Metropolen, Menschenmassen; und kein einzelner Mensch hat sie je alle gesehen. Aber in der Subway von New York findest du alles, was du über die Menschen dieser sogenannten westlichen Welt wissen kannst.
Da war dieser Typ im grauen Anzug. Schlank, fast dünn, sehr groß. Seine lederne Aktenmappe hielt er fest an sich gepresst. Ein weisses Anstecktuch strahlte Seriosität aus. Er stand im Gang, obwohl Sitzplätze frei waren und hielt sich nicht an irgendwelchen Stangen fest, sondern glich die Zuckungen des Waggons durch geschmeidige Gegenbewegungen aus. Er wankte nicht, er korrigierte.
Seine Blicke erkundeten das Personal, die Kundschaft, die Gemeinde. Mehrmals schien es, als wollte er um Gehör bitten. Als wartete er nur auf den richtigen Moment, die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu ziehen. Ihnen die Botschaft zu vermitteln. Die Kunde.
Doch irgendetwas fehlte, irgendetwas, dessen Nichtvorhandensein ihn davon abhielt, seiner Bestimmung zu folgen. Er zögerte. Er zauderte. Er haderte mit seinem Schicksal. Und das machte ihn fertig. Nagte an ihm, wie ein Kaninchen an einer Karotte.
Dieser hagere Typ wollte uns alle teilhaben lassen an seiner Erleuchtung - aber es mangelte ihm an Zuversicht.
cuZooN.
Der allmorgendliche Wahnsinn in den Subways von NYC hat schon was - mit einer routinierten Gelassenheit balancieren die New Yorker ihre Aktentaschen, Zeitungen und einen Kaffee to-go in der einen und natürlich das unvermeidliche Handy in der anderen Hand, nämlich am Ohr.
Dabei weichen sie wahlweise Pfützen, leckenden Bahnsteigdächern oder einfach nur Löchern im Boden aus, ohne an Tempo zu verlieren. Tempo bestimmt diese Stadt. Jeder hat es eilig. Kaum einer schaut nach oben. Auf den Strassen tummeln sich alle Arten von mobilen Vehikeln, die meisten fett und gelb, LKW in allen Formen, Farben und Grössen, Busse, Rikschas, Strech-Limousinen aber auch immer mehr Radfahrer, besser: -raser. Jeder, der Mut genug hat und noch ein bisschen verrückter als die anderen ist, zischt auf seinem minimalistischen, also von allem unnötigen Tand (wie Beleuchtung, Schutzbleche oder Bremsen...) befreiten Bike zwischen den Auto-Clustern und den Menschenmassen hindurch. Ich glaube, wenn in Manhatten Fussgänger umgefahren werden, dann von Radfahrern.
Bei all dem bleiben die New Yorker aber erstaunlich höflich und freundlich. Überall hört man "Excuse me!" oder "Sorry!". Leute rufen sich aus fahrenden Autos "How are you?" zu und schnippen ihre Kippen in den Bordstein.
cuZooN.
Musik: Marillion: Clutching at Straws
So, ihr Lieben, ich melde mich mal wieder für ein paar Tage aus Madland, wo alles ein bisschen größer ist, auch die Psychosen.
Der Flug mit Singapore Airlines war ein Genuß - wer die Auswahl hat, dem kann ich diese Airline nur empfehlen, der Unterschied liegt im Detail.
Aufgrund einer gewissen Unverfrorenheit meinerseits und einer unvermeidlichen Ahnungslosigkeit seitens irgendwelcher Nachbarn habe ich jetzt auch in der Wohnung in Queens Internet-Zugang. Es lebe der freie Datenverkehr!
Das Tagesgespräch ist natürlich immer noch die Iowa-Klatsche von Hillary bzw. ob Obama es wirklich packen kann; naja, New Hampshire folgt und dann bald der Super-Tuesday. Aber "Change" ist in aller Munde und Hillary steht eben für das Establishment.
Morgen im Büro stehen die Zeichen auch auf "Change", mal sehen, wie ernst sie es damit nehmen.
cuZooN.