Schatten sind viele

20.04.2006 um 18:19 Uhr

Hoffnung

von: Alcide

"Ist Hoffnung nicht gleichbedeutend mit Selbstbetrug? Oder vielleicht sogar nur ein anderes Wort für Feigheit. Hoffnung hat man nicht zu machen. Hoffnung hat man zu verhindern. Jeder Hoffende überlässt das Besserwerden einer anderen Instanz. Hoffnung ist nur das Wort für den Verzicht auf eigene Aktion. [...] Wer auf Hoffnung setzt stiehlt sich aus der Verantwortung. Hoffnung ist das Treibholz der Schwachen." (Günter Anders)

20.04.2006 um 18:15 Uhr

Scheitern

von: Alcide

Warum noch fragen nach dem Warum des Scheiterns? Das letzte Aufbäumen maskiert sich immer als Erkenntnisdrang...

20.04.2006 um 18:14 Uhr

Im falschen Leben

von: Alcide

Ich – in der Welt, im ‚falschen Leben‘, umgeben von Menschen, verliebt in ihre Territorialkämpfe, ein Aussätziger, wer die Spielregeln nicht akzeptieren will… Wie war ich stolz auf mein Anderssein, wie war ich geblendet… Damals besaß ich die Kraft; voll im Bewusstsein irgendwann zu scheitern, entschied‘ ich mich gegen die Welt und für mein Ich, gegen die Gesellschaft und für die ‚ewigen Werte‘… das Richtige tun, sich nicht verbiegen lassen, epikureischer Asket, die Sanftheit als Schwert… Nischenbewusstsein und der Kopf voller Träume… ferne Küsten und Sonne auf der Haut… Jetzt verkümmere ich in meiner Nische… - leidend an der Einsamkeit, aber noch mehr leidend an den Menschen… materiescheu, lichtempfindlich… eine Fracht, die es zu schützen galt… nun falle ich… der letzte Raum hat keine Türen…

20.04.2006 um 18:13 Uhr

Verlust der Glücksfähigkeit

von: Alcide

Ich habe solch‘ eine furchtbare Angst nie mehr glücklich sein zu können. Ich fühle mich abgeschnitten von einem Zentrum, das ich einmal besaß, auf das ich doch so stolz war. Schon sehr früh war mir klar, dass die Welt der Erwachsenen für mich unlebbar sein würde. Das da draußen, das war schon damals die äußere, feindliche Welt und sie ist es bis heute geblieben. Das was andere spätestens mit der Pubertät hinter sich lassen, das muss ich als zentralen Konflikt durch mein Leben schleifen.

20.04.2006 um 18:03 Uhr

Verlust

von: Alcide

Einst betrachtete ich mich als Instrument zur Registrierung von Güte, nichts erschien mir schöner, nichts edler, als irgendwo Güte zu gegenwärtigen, die mir als der Funke einer Gottesidee erschien... Gott als zu Leistendes, zu bestehende Welt, optionell erhöhbar... Funke, Material... Ich als Brückenwesen... Wie dumpf und bitter das Erwachen... Ich glaube nicht mehr an ein absolut Gutes. Ich habe auf die falsche Karte gesetzt. Das Ich, reine Wahrnehmungsinstanz, kein Selbst, das unter all' der Verschüttung freizubuddeln wäre - Nichts... Menschsein: nichts als eine Anhäufung physiologischer Vorgänge umhüllt von einem Mantel aus Leid und Elend...

18.04.2006 um 13:34 Uhr

Kurzurlaub

von: Alcide

Die vier Tage Trainingslager in der Nähe von Piacenza sind schon wieder vorbei. Sind schnell rumgegangen. Gab kaum Leerlauf: ich war immer beschäftigt mit Radfahren, Essen und abends dann mit Besichtigung oder Kartenspielen (Schafkopfn). Bin übrigens ein miserabler Kartenspieler. Aber einmal im Jahr ist es auch ganz nett. Was das Sportliche betrifft, so bin ich sehr zufrieden. Wir machten an den Tagen insgesamt ca. 330km mit teilweise doch üblen Steigungen (nördlicher Apennin)… Aber von Tag zu Tag wurden meine Beine besser, und er Puls ging nach unten. Bin überrascht, dass man innerhalb weniger Tage so viel Trainingseffekt erzielen kann…

Dennoch konnte ich meiner seelischen Schwere nicht ganz losmachen. War mir immer bewusst, dass diese Tage in Gemeinschaft, mit regelmäßiger Tagesstruktur nur ein kurzer Ausflug, eine Zwischenetappe sein würden, bevor ich wieder zurückgeworfen werden würde in die alte Ausweglosigkeit… Tourist des Daseins…. Bindungsunfähig, begeisterungsmüde, begegnungsallergisch…

10.04.2006 um 14:33 Uhr

Ansteigende Formkurve

von: Alcide

Gestern hab‘ ich zum ersten Mal im neuen Jahr Lust am Rennradfahren gehabt. Fühlte mich körperlich endlich mal gut und spürte auch den Trainingsfortschritt… Ich bin so froh, dass ich wieder Freude am Sport gefunden habe. War zeitweilig körperlich so matt in den vergangenen Wochen, dass ich schon daran dachte mich ärztlich mal durchchecken zu lassen… Und das blanke Entsetzen bei dem Gedanken, dass mir auch noch die körperlich-ästhetische Orientierung, die mir als einer der letzten Orientierungen noch verblieben ist, entrissen werden würde…

Über Ostern fahre ich mit ein paar Freunden für ein kurzes Trainingslager in die Nähe von Piacenza… Nur leichte Hügel, hoffentlich angenehme Wärme und gutes Essen… wird mir gut tun…

05.04.2006 um 11:07 Uhr

Entscheidung

von: Alcide

Hab‘ mich jetzt durchgerungen mit dem Studium doch erst mal weiter zu machen: es beengt mich zwar ganz fürchterlich, aber offenbar kann ich Einschnitte in meinem Freiheitsdrang noch eher hinnehmen, als im Bewusstsein leben zu müssen, mit etwas gescheitert zu sein… Lebensplanung unter dem Motto: worunter leide ich weniger…

05.04.2006 um 10:53 Uhr

Erledigungen

von: Alcide

So, habe heute schon viel erledigt: erst Steuererklärung machen lassen: mein Berater war augenscheinlich so erschüttert darüber wie wenig ich absetze, dass er meine Rechnung gleich drastisch senkte… immerhin… 

Dann alle drei Jahre dieselbe Prozedur, wenn es darum geht eine neue Brille auszusuchen. Ich stehe dann nach vielem hin und her immer vor derselben Entscheidung: entweder das ausgefallene, flippige Modell, (das man mir auch immer wärmstens anpreist) oder aber doch das bewährte klassische Modell mit den einfachen, unauffälligen Konturen, das ich dann auch immer tatsächlich nehme… und jedes Mal wenn ich sie dann eine Woche später abhole, leicht ungläubiges Entsetzen über die Entscheidung von vor einer Woche… aber zum Glück hab‘ ich ja noch Kontaktlinsen…