Schatten sind viele

26.07.2006 um 15:14 Uhr

Ist Sein ein Prädikat?

von: Alcide

Der Termin für die letzte mündliche Zwischenprüfung steht jetzt auch fest. Es wird der 23.8. sein. So habe ich jetzt noch gut einen Monat Zeit mich mit Platons und Aristoteles metaphysischen Entwürfen herumzuplagen. Metaphysik kann bisweilen ziemlich schräg sein: gestern arbeitete ich allein eine halbe Stunde an einem Diskurs über die Frage, ob Sein ein Prädikat ist oder nicht? Da seid ihr doch auch schon nächtelang wachgelegen, und habt euch das gefragt, stimmts? Aber macht bis jetzt großen Spaß wieder mal den ein oder anderen Philosophen zu lesen. Hab' die Philosophie ja ab einem bestimmten Punkt meines Lebens nicht mehr so recht ernst nehmen können. Auf der einen Seite: das rein Empirisch-Gesicherte bringt einen nicht voran, da bewegt man sich im Bereich von Tautologien, Klassifikationen und Definitionen; dagegen geben die spekulativen Systeme literarisch mehr her, regen die Phantasie an, aber unter dem Strich bleibt doch meist nur Hokuspokus, Begriffszauberei und Nebelwerfen, um sich über die zumeist fragwürdigen und wackligen Prämissen, auf denen sich das ganze Gebäude befindet hinwegzumogeln.

26.07.2006 um 15:00 Uhr

Fühl' mich gut

von: Alcide

Fühle mich in den letzten Tagen und Wochen wieder recht gut und auch einigermaßen ausgeglichen. Diese Lasst-mich-bloß-in-Ruhe-Attitüde ist weg; ich habe wieder Lust und Freude raus zu gehen, teilzunehmen, körperlich in der Welt zu stehen und das ablaufende Spektakel zu begleiten...

Es gelingt mir jetzt auch sehr gut morgens aufzustehen; so schaffe ich dann auch alle Projekte, die ich mir vorgenommen habe für den Tag und es bleibt noch Zeit zu bummeln. Erdrücke mich auch nicht in Planungen und Konzepten, wie sonst meistens, sondern arbeite und lerne dann, wenn es nötig ist...

20.07.2006 um 15:01 Uhr

Hochsommer

von: Alcide

Bin im Moment nicht wirklich glücklich, aber auch nicht übermäßig unglücklich. Das ist schon viel wert. Es ist mehr so ein Sich-Hinduchschummeln durch diese hochsommerlichen Tage; alles ein bisschen matt und verhangen im Zentrum meiner Wahrnehmung, und auch das ist gut so...

Spielte gestern abend mal wieder eine Stunde Tennis mit Th. Hat gut getan, diese körperliche Verausgabung. Danach tranken wir noch ein Bier und plauderten. War es gar nicht mehr so recht gewohnt dieses Kommunizieren. T. sprach ganz begeistert über Pessoas "Buch der Unruhe", auf das ich ihn das letztemal offenbar Lust gemacht hatte... Auch ich würde gerne wieder Begeisterung für etwas entwickeln: alle Vorschläge, die an mich herangetragen werden, etwa eine mehrtägige Bergtour zu unternehmen oder eine einfache Verabredung, blocke ich erstmal ab. Ich bin in meinen Stimmungen immer noch viel zu schwankend, um mich auf etwas festlegen zu lassen. Meine Freunde lassen mich dann auch mal eine Woche in Ruhe, aber (zum Glück) melden sich dann doch immer wieder bei mir, um mich aus meiner "Versumpfung", wie sie es nennen, herauszureißen...

20.07.2006 um 08:29 Uhr

Ein Lächeln

von: Alcide

Dann sind da noch die seltenen Begegnungen mit Menschen, die einem immer wieder ein Lächeln in die Seele zaubern: meine Buchhändlerin zum Beispiel: immer wenn ich ein Buch benötige, freue ich mich schon, weil mir dann eine Begegnung mit diesem zarten, stillen Geschöpf, und ihrem schüchternen, aber doch offenen Lächeln, bevorsteht. Neulich begegnete ich ihr auf der Straße, sie lächelte schon von weitem, bekam etwas Farbe, dann nickten wir uns zu, und... gingen aneinander vorbei. Dann sehe ich sie morgens im Zug, erkenne sie aber nicht sogleich, weil sie ihre Brille nicht aufhatte, sehe aber noch im Vorbeigehen, wie die Erwartung in ihren Gesichtszügen durch Enttäuschung ersetzt wird. Und was mache ich jetzt? Richtig, ich nehme den Zug davor bzw. den Zug danach...

Verliebtheit ist eine Software, die mit meinem Betriebssystem nicht kompatibel ist. Es kommt zu unvorhergesehenem Leistungsabfall, der ganze Mechanismus ist in allerhöchster Alarmbereitschaft, denn die Gefahr, dass sich der Eifersuchts-Virus und sein Verwandter der Minderwertigkeits-Virus dauerhaft einnisten ist sehr hoch und offenbar kommt es nebenbei auch zur Produktion ganz unverzeihlicher Metaphern... ;o)

11.07.2006 um 13:29 Uhr

Nachtrag Italien

von: Alcide

Italien ist also Weltmeister! Schön, freut mich mittlerweile ja doch (zumindest für die Mannschaft)... Aber die Gehässigkeiten der letzten Wochen, dieser Rückfall in Chauvinismus und nationaler Überhebung, der das Verhältnis Deutschlands zu Italien ausgesetzt war, hat mich schon etwas bedrückt...

Mir war vorher nicht so bewusst deutlich, für wie arrogant und präpotent uns die Italiener halten. Der Spiegel-Artikel und der Abschuss vom guten "Orso Bruno" dienten wohl eher als äußerer (willkommener) Anlass, um daran das Barbarentum des Außenfeindes aufzuzeigen und die eigene Größe demgegenüber zu heroisieren... Wenn es in der deutschen Presse heisst, die Welt hätte Deutschland neu kennengelernt und sei voll des Lobes etc., dann gilt das sicherlich nicht für den italienischen Medienkonsumenten, denn durch die italienische Brille war Deutschland hässlich, arrogant, eine Mannschaft, die ihren (im übrigen völlig unverdienten) Sieg gegen Argentinien dazu benutzt hat, sich über den Gegner lustig zu machen, mit einem rauflustigen Olliver Bierhoff, der von Argentiniern zur Besinnung gebracht werden musste...

Ich könnte mich jetzt noch dafür ohrfeigen, mir diesen ganzen Redemüll und Medienschrott abseits der Spiele reingezogen zu haben. Die Meinungen anderer sind wie eine Tüte Chips, man weiß, dass sie schlecht für einen ist, aber wenn man mal angefangen hat, dann kann man gar nicht genug davon bekommen, und hinterher ist einem schlecht...