Schatten sind viele

29.07.2011 um 04:20 Uhr

Sinnfrustrationstoleranz

von: Alcide

"Das Glücksdefizit, das viele heute beklagen, besteht in der Differenz von Glückserwartung und Glückserfüllung. Wenn zwischen beiden eine Kluft besteht, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine: man erhöhe das Angebot an Glückserfüllung. Die andere, die aber nicht exklusiv verfolgt werden muss: man vermindert die Nachfrage. Die erste vom Menschen selbst abhängige Bedingung fürs Glück [...] liegt vermutlich sogar in der Bereitschaft und Kompetenz, auch ohne das vollkommene Heil, auch ohne die totale Versöhnung und den ewigen Frieden, ein glückliches Leben zu führen."

(Aus: Otfried Höffe: Persönliches Glück und politische Gerechtigkeit)

28.07.2011 um 02:38 Uhr

Mein Zustand unnützer Trauer

von: Alcide

Immer der Wunsch das Fragmentarische, das So-Hingeworfene des eigenen Lebens zu überwinden. Pessoa schreibt: 'Mein Durst nach Ganz-Sein hat mich in diesen Zustand unnützer Trauer versetzt'. Sein Leben betrachten: keine strahlende Vollkommenheit, kein kühnes Agieren aus einer Mitte erworbener Schätze... auch kein mühseliges Balancieren... also bleibt: Flucht und die Hoffnung auf Neuentzündung von Traumfähigkeit.

26.07.2011 um 04:30 Uhr

Ideologie ist der Tümpel des Denkens

von: Alcide

Musik: Guiding light (Seekers)

Meinungen haben... warum nur muss die Welt ständig auch noch in mir gebrochen und gespiegelt werden... als ob es nicht schon genug andere täten... wenn es mir nur vergönnt wäre, in meinem Geiste Stille walten zu lassen... Denken schmerzt... Immerfort die Diskrepanz zwischen dem Ideal und der Wirklichkeit... Eigentlich will man doch, wenn man ehrlich zu sich ist, dass die ganze Menschheit so denkt und handelt wie man selbst... alle Konflikte, alle Kriege wären sofort beendet... alle würden sich in Frieden ihres Lebens freuen... Nichts als eine Vorstellung meines Gehirns... Ich erinnere mich einer begeisterten jungen Katholikin, die (in der Meinung alle in der Runde würden ihr Recht geben), vor sich hinseufzte: 'Ach, wären doch alle Menschen katholisch'. Ich strafte sie nur mit dem verächtlichsten Blick, den ich aufzubieten vermochte... Aber genau hier besteht das Problem: sobald wir unsere Vorstellungen vom Sein auf andere übertragen wollen, vergewaltigen wir die Wirklichkeit, erdrosseln wir das Dynamische, nehmen wir anderen den Sauerstoff.

Denken, dass ideologisch wird, ist wie ein gekipptes Gewässer, ohne Sauerstoff, ohne Leben.