Schatten sind viele

31.10.2012 um 20:00 Uhr

Unpassende Werbung

von: Alcide

Dass die eingeblendete Werbung in Blogs oder sonstigen Internetplattformen manchmal unpassend oder wenig hilfreich für die eigenen Belange ist, das ist sicherlich jedem schon selbst aufgefallen. Neu war mir allerdings dass auch in den sog. Qualitätsmedien die Werbung offensichtlich nur mehr noch maschinell zugeordnet wird. So las ich neulich einen Artikel in der SZ über die Notwendigkeit nachhaltig zu leben und möglichst jeden unnötigen CO2-Ausstoß zu vermeiden und darunter die Werbung für eine Billigfluglinie. Oder beinahe noch krasser: ein langer Artikel über das Beschneidungsurteil und daneben eine Werbeeinschaltung von einem Messerhersteller…

28.10.2012 um 18:57 Uhr

Glück und Wahrheit

von: Alcide

Mein Leben ist ein fortwährender Kampf zwischen Verklärung und Entkonditionierung. Immer hin und hergeworfen zwischen der Sucht nach Glück und dem tiefen Wunsch nach Wahrheit. Aber Glück und Authentizität sind wie zwei ferne Freunde, die nicht mehr zueinander finden...

25.10.2012 um 01:37 Uhr

Nachtgedanken

von: Alcide

Puuh, seit fast 34h nicht mehr geschlafen und ich hüpfe immer noch auf und ab wie ein Gummiball: war ein guter Tag, trotz schlafloser Nacht… Habe gleich zwei Sachen vorangebracht, die wichtig sind:

1) habe mich wieder um Arbeit bemüht und mich mit einer Frau getroffen, die mir schon länger Nachrichten zukommen ließ, die ich aber immer uncharmant ignoriert habe, weil ich intuitiv nicht so wirklich überzeugt war, ob ich dieses Projekt stemmen kann (vor allem das permanente Agieren in einer Fremdsprache schreckt mich davor zurück, weil ich weiß, dass das Beherrschen der Sprache bei mir enormen Schwankungen unterliegen kann, je nach Müdigkeit und Laune). Jetzt nach dem Treffen schreckt mich eher zurück, dass diese Frau selbst nur Mittelsmann ist und das ihr aufgetragene Projekt an mich weiterreichen würde. Diese Arbeitsform, bei der man dann über Dritte agieren müsste, das widerstrebt mir sehr und ich sehe da schon Zuständigkeitskonflikte entstehen und überhaupt ist der Umfang so gering, dass ich gar nicht verstehe, warum sie die Arbeit nicht einfach schnell selbst in ein paar Wochen machen, anstatt da großartig mit Ausschreibungen herumzumachen… Schüttle da immer den Kopf, mein Gott, was wir früher an Arbeit in das Ausarbeiten von Anträgen für Zuschüsse vom Land oder EU gesteckt haben, die dann meist abschlägig beschieden wurden… Ach diese Vergeudung von Arbeitskraft, letztlich auch Verschwendung von Geld unter dem Vorwand Geld einsparen zu wollen…

2) mein Professor ist mit meinem Thema für die Magisterarbeit ‚tendenziell‘ einverstanden. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Endlich so langsam merke ich, dass ich mich auf die Schiene setzen kann und zu rollen anfange, und dieser ganze bürokratische Irrsinn, an dem ich von Semester zu Semester grandios scheitere (Antrag auf Zulassung beim Prüfungsamt, abwarten bis man Schreiben mit Zulassung erhält, dann erst die eigentliche Anmeldung zur Prüfung, und nebenbei Kurzschließen mit dem Professor, der das Prüfungsthema dann ans Prüfungsamt leiten muss, so dass sie es mir dann zuweisen können…) Aber in den letzten Monaten ständig diese Stagnation, nicht Vorankommen, kein passendes Thema haben… Auch wenn ich schon erste Differenzen mit dem Professor erahne, aber noch habe ich sehr brav geantwortet, später kann ich diesen Konflikt zwischen intellektueller Redlichkeit vor mir selbst und der Erwartungshaltung des Prüfers dann immer noch ausfechten…

Aber heute habe ich endlich dieses ‚inneren Schweinehund‘ überwunden, mit dem ich so oft kämpfen muss und der, ich muss es zugehen, manchmal auch einfach die besseren Argumente hat…  aber wahrscheinlich ist er nur sehr listig, um mich nicht zu überfordern, aber heute habe ich ihn überlistet, auch mit viel Koffein, aber sei‘s drum… und abends wo ich eigentlich schlafen wollte machten die Dortmunder auch noch so ein beeindruckend-gutes Spiel gegen Real… Habe nach dem Erledigen dieser Brocken heute dann auch gleich soziale Kontakte reaktiviert und morgen Mittag sowie auch am Abend eine Verabredung, aber wahrscheinlich bin ich dann schon längst nicht mehr so überdreht wie im Moment, aber vielleicht schlafe ich auch überhaupt nie mehr, so was denkt man dann manchmal, wenn man einfach nicht müde wird und das Gehirn immer nach neuen Stimuli verlangt… nein, Einschlafen war noch nie meine Stärke… man kann sich doch nicht einfach so selbst den Stecker ziehen… neulich träumte ich von einem Fußballspiel ganz oben auf einer Bergspitze. Ich war immer der Einzige, der den Ball über den Zaun schoss und der flog dann Tausende von Metern zu Tale und alle Spieler waren furchtbar sauer auf mich... mir machte das aber nichts aus, ich war einfach angefressen auf die anderen, dass wir auf diesem idiotischen Fußballfeld spielen müssen, wo ein anständiges Spiel nicht möglich ist… man ist allein eigentlich hilflos und muss immer darauf hoffen, dass einem von irgendwo wieder ein Ball zugeworfen wird, und dann kann man nochmal für ein wenig weiterspielen… nur darum geht es, ums Spielen… um eine Geisteshaltung, die mich das Alles als Spiel erleben ließe… der existentiellen Härte dieser kreatürlichen Veranstaltung den Stachel nehmen, irgendwie… das Ziel des Spieles ist nie der Sieg… der hat mich selten interessiert… mir ging es eigentlich auch immer meist um den Sieg über mich, um das Erreichen einer Zeit beim Laufen und das Durchhalten einer Kilometerzahl auf dem Rennrad… aber wenn es um andere geht, so genieße ich die Freude des Siegers auch über mich… ja, ich glaube ich bin ein guter Verlierer… und verlieren werden wir alle im Leben und die existentielle Panik wird greifbar beim Gedanken an dieses Verlieren… eine Taubheit, eine Ohnmacht, ja dort liegt der Stachel, der ewig-menschliche Stachel… sagte der Seismograph, und registrierte seine Ausschläge…

15.10.2012 um 20:21 Uhr

Wahrheit

von: Alcide

„Denn die meisten Menschen auf der Welt glauben nicht die Wahrheit, sondern lieber etwas, von dem sie wünschen, dass es die Wahrheit wäre.“

(Aus: Haruki Murakami: 1Q84)

12.10.2012 um 20:43 Uhr

Heimaturlaub

von: Alcide

Die letzte Woche verbrachte ich in München bei der Familie. Meine Schwester und ihr Mann, die auch im Ausland leben, hatten sich zu einem Besuch angekündigt und so fuhr auch ich für einige Tage hinauf.

Auch wenn ich die ersten Tage mit einer Erkältung zu kämpfen hatte. Blieb den ganzen Tag auf der Couch liegen, schnäuzte mich unablässig und las ein Buch, das mein Bruder auf seinem Stapel liegen hatte in einem Zug durch: ‚Die Tribute von Panem‘. Ärgerte mich etwas, dass es mir so gut gefiel, weil ich am Anfang meinen Bruder noch beweisen wollte, was das doch für ein schlechtes Buch sei. Aber es stellte sich dann doch als ein richtiger Pageturner heraus! Und die Geschichte gibt ja auch wirklich viel her. Ich lese das Buch vor allem als eine  fundamentale Kapitalismus-Kritik… (vielleicht an andermal mehr dazu).

Am Montag machte ich mit meinem Schwager eine Wanderung auf den Wendelstein. War schön nochmal so an das gemeinsame Wandern von vor einem Jahr anzuschließen. Abends dann ein interessantes  Wiedersehen mit einer Freundin meiner Schwester, auf die ich früher mal ziemlich gestanden bin. Immer wenn ich sie ansah, merkte ich, dass sie mich auch schon amüsiert musterte. War eine sonderbare Spannung, der wir uns beide bewusst waren und sie auch beide amüsant fanden…

Wieder zu Hause falle ich in alte Muster: depressive Verstimmung als willkommener Vorwand einer Konfrontation mit anstehenden Missliebigkeiten auszuweichen…

12.10.2012 um 19:59 Uhr

Fahrradsturz (langatmig erklärt)

von: Alcide

Gestern hatte ich einen Sturz mit meinem Fahrrad. Das erste Mal seit meiner Schulzeit: damals versuchte ich herauszufinden, ob ich auch mit überkreuzten Armen fahren kann. Ja, konnte ich, aber dabei zu lenken hat mich offensichtlich dann doch überfordert und ich verlor das Gleichgewicht und klatsch - …

Der gestrige Sturz war gänzlich anders geartet. Der Grund lag auch weniger in meinem Fahrvermögen, als in einer mangelnden handwerklichen Begabung. Ich habe nämlich, als ich den Schlauch meines Stadtrads (Mountainbike) im Sommer gewechselt habe, den Mantel nicht mehr sachgemäß befestigen können. Auf der rechten Mantelseite entstand so eine höhere Ausformung (ja eine regelrechte Wand) während auf der linken Seite der Reifen eine gewöhnliche Rundung machte. Dass ich damit vorsichtig fahren und mich besser nicht in Kurven legen sollte, war mir schon klar. Aber für das Fahren in der Stadt reichte es und ich war einfach auch zu faul in der Sommerhitze nochmal die Luft abzulassen und wieder eine Stunde herumzufriemeln bis ich den Mantel in die Felge bekommen würde. Ja und genau das wurde mir jetzt zum Verhängnis. Es geschah kurz nach dem Aufsteigen: will vom Bürgersteig auf den abgesenkten Fahrradweg einschwenken, ein schneller Blick nach links und schon verhakte sich das Vorderrad an der abgeflachten Kante zum Bürgersteigs und ich merke schon wie sich mein Körper dem Asphalt nähert. Unglaublich wie viele Gedanken einem da durch den Kopf gehen: bloß nicht auf die Hüfte fallen (habe das bei einem Kumpel live miterlebt) und bloß nicht auf den Kopf fallen, das waren die letzten Gedanken… Und wer das alles tatsächlich bis hier gelesen hat, dem kann ich auch freudig mitteilen, dass mir nichts aber auch gar nichts passiert ist, außer ein paar Schrammen am Unterarm mit dem ich versucht habe den Sturz abzufangen. Natürlich ist man dann erst mal leicht geschockt und, ich gebe es zu, auch in seiner Eitelkeit gekränkt. Eine nette Frau fragte mich auch gleich, ob es mir gut geht und ich sah sie mit großen Augen an und sagte: „Das hoffe ich doch sehr“. Dann schnelle Kontrolle: alle Gelenke funktionieren, Schmerz nach Prellung nimmt schon wieder ab… ja, ich bin O.K. Ich bedankte mich noch bei der Frau für ihre Anteilnahme und fuhr missmutig meines Weges…

02.10.2012 um 05:20 Uhr

Ein neuer Tag

von: Alcide

… die Strahlen einer kalten Sonne töten die letzten Reste von Nacht… schamlos dringt ein neuer Tag in die Flure meiner Auffassungskraft… Gegenwärtigkeit bemächtigt sich meines Ichs… wie ein unbeteiligter Inspektor schreitet sie entlang der Korridore meines Kerkers... verwaiste Gitterstäbe… niemand mehr, der aufbegehrte... gefangene Traumgeister, nur noch Lumpen verweigern sie neue Nahrung... sie liegen auf ihren Pritschen in staubiger Verzweiflung... in der Stille einer Abwesenheit, die niemals Stille ist…

02.10.2012 um 02:11 Uhr

Glück und Leid

von: Alcide

Unvermutet überkommt mich eine melancholische Stimmung. Ich grabe Lieder wieder aus, die ich beinahe zehn Jahre nicht mehr gehört habe. Lieder, die ich mit einer Zeit verbinde, in der ich glücklich war, aber auch eine Zeit, in der das Glück zerbrochen ist… so nach und nach…

Wenn ich auf die Texte achte, dann stelle ich fest, dass darin so viel Freude ist (darüber, dass die Liebe Erfüllung fand) und zugleich Wehmut (dass sie zerbrochen ist oder nicht erwidert wurde)…

Der großartige Lucio Battisti: in einem seiner Lieder (Mi ritorni in mente) heißt es: „un sorriso e ho visto la mia fine sul tuo viso, il nostro amore dissolversi nel vento, ricordo sono morto in un momento…“ (ein Lächeln und ich habe mein Ende in deinem Gesicht gesehen, unsere Liebe löste sich im Wind auf, ich erinnere mich, dass ich in einem Moment gestorben bin)… Ja, leider begraben wir immer auch die vielen schönen Dinge mit, wenn uns das Unglück ereilt, nicht in dem Maße geliebt worden zu sein, wie wir es voller Anmaßung und Stolz, gewünscht und erwartet hatten... ein Licht, das entflammt und wieder verlischt...