Schatten sind viele

22.05.2013 um 00:43 Uhr

Fragile Ausgeglichenheit

von: Alcide

Gleichgewicht… einerseits genieße ich die Eintönigkeit des Alltäglichen… Ankerpunkte an das Leben im Außen… in diesen Stunden bin ich tätig ohne die Tätigkeit zu hinterfragen… ich verliere mich, gehe auf in der Tätigkeit, und sehe täglich Fortschritt… beständiges Voranschreiten… ich spüre mentale Entlastung durch diese Art von Außenlenkung… sie befreit mich von der Last des Lebens im Widerspruch... doch andererseits ist da die Angst vor dem Aufbäumen des Dämons... der Dämon, der mich in den Widerspruch treibt, und von dort in das Bewusstsein des Scheiterns... denn er liebt keine Schranken, keine feste Bahnen, keine Tagesordnung, kein Leben nach Tagesplan… in den Stunden der Pflichterfüllung weiß ich ihn in mir… und bisweilen bilde ich mir ein, ihn mir zum Verbündeten gemacht zu haben… wenn ich Routine als Rausch erlebe, wenn Alltag mir in farbiger Beglückung widerfährt und ich mich in der Normalität des Augenblicks geborgen fühle…

14.05.2013 um 20:40 Uhr

Die Vorzüge des anderen

von: Alcide

„Gegen große Vorzüge eines anderen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe.“

(Aus: Johann Wolfgang von Goethe: Die Wahlverwandtschaften)

10.05.2013 um 01:48 Uhr

Ein kleines bisschen Innenschau

von: Alcide

Der Schriftsteller Bruno Schulz drückt es sehr passend aus, wenn er über das Schreiben anmerkt, es sei ihm „wie das Herunterlassen einer Sonne in die Tiefen des Unsagbaren“. Ein bewusster, intellektueller Vorgang... Er lässt die Sonne nach unten und sie bescheint das Innere, legt es frei… die Vorstufe eventueller Bergungen… Wenn ich das Bedürfnis verspüre etwas aufzuschreiben, dann ist das Schreiben für mich eher wie ein unsicheres Torkeln in dunklen Verließen… auch ich will etwas finden, will zumindest spüren, dass da etwas ist über dessen Existenz ich vorher im Unklaren war… aber mir fehlt es an der Konsequenz die Dinge, über die im Dunklen stolpere zu beleuchten… ich will spüren, aber nicht sehen… eine Art von Wille zu unschlüssiger Wahrhaftigkeit… ein ‚bisschen‘ Innenschau eben nur… aber wenn’s weh tun könnte, dann doch besser raus aus dem Keller und ans Tageslicht… da ist alles Sagbare sichtbar und braucht nicht erst über den Umweg des Schreibens in Erlebnis verwandelt werden…

04.05.2013 um 22:22 Uhr

Motivation und Disziplin

von: Alcide

Menschen unterscheiden sich in der Art wie sie zu motivieren sind.  Es gibt die Hin-zu-Motivation und die Weg-von-Motivation… Ich gehöre zweifelsfrei zu letzteren… Ich weiß immer sehr genau, was weg soll, was mich im Moment belastet, was aufhören muss, damit ich wieder atmen kann…

Gleichzeitig erkenne ich die Gefahren, die in einer Lebensausrichtung der bloßen Vermeidung liegen. Es führt zu gefühlter Passivität. Man hat den Eindruck lediglich ein Spielball des Willens anderer zu sein… In diesem Zusammenhang war der Sport für mein Leben immer von zentraler Bedeutung: Hier konnte ich mir Ziele setzen, konnte sozusagen die Hin-zu-Motivation in einem abgesicherten Modus erproben… Im Moment merke ich wie mir ein sportliches Ziel einfach fehlt. Ich war in diesem Frühjahr bislang erst 4x beim Rennradfahren, und habe mich zwar halbwegs passabel mit Jogging über den Winter gerettet (Ruhepuls: 50), aber Sport macht mir irgendwie keine Freude gerade. Jede Ausrede zu Hause zu bleiben wird freudig akzeptiert… Mal ist es der Heuschnupfen, mal ein aufziehendes Gewitter… Ich bin so weit weg von einer Disziplinierung…  Gerade das war immer die Stärke… Aber um diszipliniert zu sein, braucht es eine überzeugende Hin-zu-Motivation… in den letzten Jahren treibe ich Sport nur aus Freude an der Bewegung, um der Befriedigung mich fit und trainiert zu fühlen… das ist mir zu wenig im Moment… ich brauche ein Ziel… Jetzt überlege ich, was ich tun soll… Ich will zwar fit sein, aber will auch gleichzeitig nicht stundenlang Kilometer herunterreißen… vielleicht sollte ich wieder Laufen, das fordert weniger Überwindung… geht schneller… vielleicht komme ich ja auch langsam ins Marathon-Alter… da könnte ich auch meine früheren Zeiten noch verbessern, was bei den kürzeren Strecken kaum noch möglich sein dürfte… oder ich verlege mich aufs Wandern… das wären schöne Naturerlebnisse… aber es ist da schwer sich Ziele zu setzen… vielleicht ja in die Höhe… die bislang höchste Spitze war irgendwas über 3400m… ich möchte in den nächsten Wochen irgendeinen Plan haben in dieser Hinsicht… ich bin wie der törichte Esel, den es nach einer überzeugenden Möhre vor seiner Nase verlangt, um sich in Bewegung setzen zu können…