Schatten sind viele

26.09.2013 um 22:29 Uhr

So sind wir...

von: Alcide

… so sind wir… Gefangene des Tages… Ausgelieferte der Stunden… zerrinnend in Ausweglosigkeit… immer nur dies…

26.09.2013 um 21:24 Uhr

So viel Außen, und doch nichts...

von: Alcide

Alle Elemente meiner praktischen Lebenswelt ziehen mich im Moment in ein Außen, das mir doch zugleich so erschreckend leer und lieblos entgegentritt. Als wollte ein gütiger Gott mich mit mir selbst versöhnen: ‚Sieh nur, dort ist nichts, das Anteil an DIR nimmt, du bist reduziert auf deine Leistung, auf den Ertrag, den du erbringen sollst.‘ So spiele ich meine Rolle. Uninspiriert. Prokrastination ersetzt Revolte, verschafft zumindest Lichtungen angespannter Entzentrierung.

19.09.2013 um 14:55 Uhr

Diplomatische Halbheiten

von: Alcide

Vor Jahren schon las ich eine Biographie über Ingmar Bergmann. Er lebte und arbeitete Mitte der 70er Jahre vorübergehend in München. Auf einer öffentlichen Veranstaltung begegnete er Franz Josef Strauß, wurde mit ihm fotografiert, schüttelte ihm die Hand… Bergmann beschreibt später die Schwierigkeit, die ihm diese Begegnung bereitete: mit jovialer Herzlichkeit in ein fremdes Element gezogen zu werden, Verachtung nicht zeigen zu können (dürfen), weil es sonst sofort zu einem Eklat geführt hätte. (Strauß war in gewisser Weise auch sein oberster Dienstherr, da Bergmann für ein Landestheater arbeitete)…

Ich denke oft an dieses Dilemma: dieser Zusammenprall zwischen Künstlertum und Macht… Dieses Geworfenwerden in ein fremdes Element, mit fremden Regeln, das Unterdrücken, ja Scheitern des individuellen Anspruchs gegenüber Autorität, Etikette und Image…

Ich saß vor einigen Tagen auch mit einflussreichen Menschen beim Mittagessen. Hocherfreut begrüßten sie den Wahlausgang in Bayern, zogen mich (als Bayern, den sie offensichtlich in mir sehen zu müssen vermeinten) ins Gespräch, fest voraussetzend, dass ich ihnen und ihrem Weltbild  begeisternd beipflichte… Was tue ich? Ich habe diese Situationen schon oft erlebt. Ich würde gerne schweigen, da ich nicht lügen will. Da ich aber direkt angesprochen bin muss ich reagieren und mich in Diplomatie üben. Ich wähle meine Sätze mit Bedacht, versuche einen lockeren, scherzhaften Ton zu behalten, mir nicht anmerken zu lassen, dass es mich emotional trifft… Natürlich wird das Gespräch schief, weil ich nicht sagen kann, was ich eigentlich denke… zu verletzend wäre es… zu deutlich würde sich der unüberbrückbare Graben auftun, und ich mich alleine auf der anderen Seite…

08.09.2013 um 15:47 Uhr

Der mündige Bürger

von: Alcide

‚Dann muss man sich eben auch mal selbst darum kümmern seine Daten zu verschlüsseln‘ hieß es neulich in einem Leser-Kommentar auf Zeit Online... Bei der ‚Maischberger‘ meinte ein ‚Publizist‘, dass es eine verständlichere Kennzeichnung von Lebensmitteln nicht bräuchte, weil die Menschen sehr wohl befähigt seien, sich alle relevanten Informationen bei ihrem Supermarkt-Einkauf selbst zu verschaffen… Die FDP weigert sich hartnäckig einen Mindestlohn einzuführen, weil sie dadurch die Autonomie der Tarifpartner (auch so ein übles Wort) bedroht sieht…

Diese Argumentation kommt daher mit dem hohen Ethos des Glaubens an den Menschen, der vernunftbefähigt ist, sich informiert, dazu noch die richtigen Quellen von den falschen zu unterscheiden weiß… Gleichzeitig werden wir von früh bis spät mit Informationen zugemüllt, die unsere Entscheidungsfähigkeit behindern sollen… Werbung hat den einzigen Zweck uns nicht zu informieren… Sie soll uns einlullen… unsere Kritikfähigkeit stumpft sie uns ab… hüllt uns in eine Vorstellungsblase von Gesundheit, Familie, Erfolg, Glückseligkeit... der Weg dahin führt über den Konsum von Produkten, so die Botschaft…

Es ist verdammt noch einmal Aufgabe der Politik sich um den Schutz der Bürger zu kümmern… Ich mache kein Informatikstudium nebenbei, bin kein Lebensmittelchemiker, ich segle nicht auf den Weltmeeren umher und extrapoliere lebensgefährliche Plastikmoleküle aus Fischen… es ist verdammt nochmal Aufgabe von Politik…

Warum eigentlich muss ich in einen Bioladen gehen wenn ich naturbelassene, unbehandelte Produkte kaufen möchte… soll es doch stattdessen Chemie- und Zusatzstoffe-Läden geben, wenn jemand unbedingt gepantschten Dreck zu sich nehmen möchte... Warum muss ich eine völlig aus dem Ruder geratene Finanzwirtschaft unterstützen, wenn ich im Alter würdevoll leben will?

Immer wenn Sie uns kommen mit ihrem Gesabbel vom ‚mündigen Bürger‘ heißt das nichts anderes als dass sie versagt haben… sich gegen Lobbyisten-Verbände nicht durchsetzen konnten oder wollten…

Sie pflastern unseren Weg mit Sprengfallen und werfen uns dann vor, dass wir nur zu faul sind uns um das Entschärfen zu kümmern…

04.09.2013 um 00:42 Uhr

"Wenn Freude kommt aus Mühe des Bestrebens..."

von: Alcide

Musik: 'Soave sia il vento...' (Mozart: Così fan tutte)

Die Tage ziehen eilend an mir vorbei… als gäbe es mich gar nicht… in all diesem Gestrüpp an Außenwelt… eingebettet in Pflichten, die bewältigt werden müssen, entschwindet mir ein Bewusstsein für die Differenz von mir als Handelndem und meinen Handlungen… ich verschwinde… bin nur mehr ausführendes Organ fremder Zwecksetzungen… um zu funktionieren muss ich sie als die meinen anerkennen… das ist überlebenswichtig… als wäre mir der Zutritt in das Reich des Tuns nur gestattet, wenn ich gleichzeitig Sehnsuchtspotentiale abtöte…

Doch dieses Spiel kann ich nie sehr lange durchhalten… einem Freund beschrieb ich neulich mein Lebensgefühl als ein ständiges Bergsteigen… immer im Fokus das nächste Plateau zu erreichen, um kurz durchatmen zu können… vielleicht auch mich umzusehen, zurückzublicken, mir mich selbst zu vergegenwärtigen… um mich dann doch wieder in den nächsten Anstieg zu begeben… Glück ist für mich nicht das Erreichen und nicht der Aufenthalt in diesen Plateaus… diesen Oasen der Befreiung von fremder Lebensgestaltung… nein, Glück ist es vorübergehend der Illusion zu erliegen sich nicht in diesem permanenten Anstieg zu befinden…

Bei Hölderlin las ich neulich (ein spätes Gedicht übertitelt mit ‚Zufriedenheit‘), dass aus der Mühe des Bestrebens Freude entstünde… Vielleicht ist diese Zufriedenheit nichts anderes als die von mir gewünschte Illusion… Ich kenne die Zufriedenheit, die Disziplinierung verschaffen kann… ein Gefühl abgerundeter Existenz durch Sammlung und Konzentration… dass aber doch immer am schwachen Faden der körperlichen und geistigen Belastbarkeit hängt… bei Müdigkeit oder Regungen der Furcht und Sinnleere verliert der Disziplinierungsdrang seinen Treibstoff… ich falle zurück… versuche anzuschließen... wobei doch nur eine andere Seinsweise sein Recht einfordert an mir... deshalb auch kann ich die Nacht gleichzeitig hassen und lieben...