Schatten sind viele

17.05.2015 um 19:52 Uhr

Verdichtung des Augenblicks

von: Alcide

Es treibt mich in die Natur. Hinauf auf die Pfade, über Steine, durch überschattete Wälder. In diesen Stunden willentlich-gesuchter Anstrengung ist es als ob sich meine Existenz verdichten würde. Es ist ein Eins-Werden mit der im Moment ausgeübten Tätigkeit. Kein unliebsames Später. Keine intellektuelle Durchdringung. Kein Moralisieren. Nur dein Körper zum Zeitpunkt des Geschehens.

Manchmal mischt sich in diese wonnige Freude eine sanft-unbestimmte Traurigkeit. Darüber, dass ich irgendwann nicht mehr diese Wege gehen kann. Dass der Moment irgendwann zu Erinnerung erstarren wird. Dass es irgendwann einen Blick zurück geben wird, in Wehmut, ja vielleicht in Trauer, hoffentlich aber in tröstlicher Akzeptanz.

10.05.2015 um 22:33 Uhr

Glanzgebeugt steh ich da

von: Alcide

„Und weitum die klare Stille – ein Friede, der daherschwimmt auf dem schimmernden Grün der Wiesenwogen. Es drängt sich auch in meine Seele hinein und streicht sie klar und glatt, dass sie wird wie ein Segel, dass der Sonnenwind des Daseins durch träumende Fluten treibt. Seltsam fühle ich, wie Welle zu Welle klar und friedvoll rinnt: - mein Menschentum.“

„… das Mysterium des Daseins als aufflammende Innigkeit – als strahlende Verwunderung – als wundersame Lust des Seins.“

„Der Himmel und die Berge gehören zu mir und das weite frohe Frühlingsweben ist meiner Seele Teil. Alles, alles ist mein, - die ganze Landschaft, soweit ich nur seh: stammelt wie taumelnd mein trunkenes Gefühl, als mit einem Mal aus zerrissenen, dünnen Nebellaken, einer großen Liebe gleich, alles überflammend, die Sonne bricht …
Glanzgebeugt steh ich da. Meine Menschenseele verweilt wie vor einem Gottesdasein in stumme Schauer gehüllt. - Pan triumphiert.“

(Aus: Carl Dallago: Das Buch der Unsicherheiten)