Schatten sind viele

31.01.2016 um 22:03 Uhr

Strategie

von: Alcide

Gelingt mir ein Tag, so würde ich ihn am liebsten gleich wiederholen. Ich würde liebend gerne ein nach außen hin langweiliges Leben führen, wenn ich mich selbst dabei nur bereichert und beglückt fühlen würde. Stagnierend in Glück. Liebend gern.

Doch bald wieder lastet die Gegenwart auf mir. Andere Zusammenhänge. Andere mentale Ansprüche. Andere körperliche Voraussetzungen… Momente, in denen der Augenblick zu einer Verkrampfung des ganzen Seins führt. Man möchte ihn am liebsten wegdrücken oder wegklicken, doch schon folgt der nächste unrichtige Moment. Nicht-Stimmigkeit. Wie Schuhe, die drücken, in die man nicht hineinfindet. Nie hineinfinden kann, und der Gang schief und schmerzhaft wird. Doch wie schafft man es heraus aus dieser lastenden Realität und wieder hinein in ein Sich-Identisch-Fühlen, hinein in ein mildes Annehmen und Aufnehmen…

Die Depression ist wie eine Kreissäge im Kopf. Und die Folge ist ein permanentes Gefühl falsch zu sein. Falsch mit dem, was du bist, mit dem was du hast. Was du wünschst und hoffst. Und wo sonst Klarheit und Zuversicht herrschen, sind plötzlich nur mehr Morast und Schlamm, und die Dunkelheit einer Nacht ohne Hoffnung auf die Morgenröte.

30.01.2016 um 22:15 Uhr

Geglückte Kommunikation

von: Alcide

Die Woche war nicht ganz so einfach. Tage voll Müdigkeit und Erschöpfung, die Beklemmung entstehen lassen. Dann besser nicht denken. Sondern hoffen und vertrauen auf bessere Stunden.

Zum Wochenausklang aber wieder viel besser: Gestern nach der Arbeit noch Laufen mit einem guten Freund. Eine wundervolle Kombination ist es Sport zu treiben und sich dabei gut zu unterhalten. Sich auszutauschen. Die Woche Revue passieren lassen. Meinungen abklären. Lachen. Gestern fand ich mich sogar in der Rolle des Medien-Beraters. Denn mein Freund hat aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit eine Rolle inne, die im Augenblick medial sehr gefragt ist. So findet er sich oft in lokalen Radio- oder Fernseh-Talkrunden wieder. Ich sehe sie mir aber meistens nicht an, weil ich meist zu sehr mitfiebere und ich immer hoffe, dass er sich gut verkauft, und er medial auch so intelligent und charmant rüberkommt wie ich ihn persönlich kenne. Dabei bin ich oftmals ganz anderer Meinung als er. Das ist sowieso das wunderbarste an unserer Freundschaft. Bei aller Verschiedenheit können wir frei unsere Meinung äußern, ohne den anderen dadurch zu verletzen. Das trainiert uns auch gegenseitig darin ‚sauber‘ zu argumentieren. Und wenn wir an den Punkt kommen, an dem wir uns nicht mehr folgen können, auf den Grund des Arguments angelangt sind, dann lachen wir gemeinsam und lassen es so stehen und lassen es gelten… Ich glaube das funktioniert, weil wir beide die Menschlichkeit des anderen nicht anzweifeln. Wenn man sich nicht so gut kennt, dann vermutet man hinter jedem Argument, das einem nicht passt, einen Abgrund an Fremdheit und Gemeinheit, das einen dann verstört zurücklässt. Dann setzt die Dämonisierung des Andersdenkenden ein, und das wird der Realität nie gerecht.

Ich habe mit T.C. Boyles „Worlds end“ begonnen. Zu Beginn noch mühsam, aber bei T.C. Boyle bin ich mir sicher, dass sich schon bald dieser Zug in der Handlung einstellen wird, bei dem es dann schwer wird, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

Las die erste Kurzgeschichte von Wolfgang Herrndorfs „Diesseits des Van-Allen-Gürtels“. Sie heißt „Der Weg des Soldaten“, und wie so oft bei Herrndorf kurzweilig und spannend erzählt, und am Ende weiß man nicht so recht, ob man amüsiert oder irritiert sein soll.

24.01.2016 um 23:51 Uhr

Gespenster des Schalls

von: Alcide

Habe mir zugestanden an diesem Wochenende auch faul sein zu dürfen. Dennoch habe ich viel geschafft. In den Stunden, in denen ich mich dafür bereit fühlte.

Las auch im Dickens weiter. Ein Satz, der mir gefiel: „Eine unangenehme Folge des Flüsterns ist, dass es eine Atmosphäre des Schweigens zu erzeugen scheint, bewohnt von den Gespenstern des Schalls […]“.

Im Augenblick finde ich eine gute Mischung zwischen Arbeiten und Herausnehmen von Druck. Sonst ist es bei mir oft so, dass ich entweder nur funktioniere oder überhaupt nicht mehr funktioniere. So wie ich manchmal auch nur fröhlich bin oder nur unglücklich bin.

Ich würde gerne irgendeinen Plan haben für diesen Sommer. Etwas, auf das ich mich freuen kann. Dass meinem Leben eine Struktur gibt. In den letzten Jahren waren es oftmals sportliche Herausforderungen: längere Rennradwochenenden oder Bergtouren durch die Alpen. Der Vorteil ist, dass man dann automatisch versucht fit zu bleiben. Man trainiert mit einem Ziel. Man hält sich zurück mit schlechter Ernährung. Aber was es in diesem Jahr sein könnte, weiß ich noch nicht. Am Ende gehe ich noch den Jakobsweg.

Die Dinge sind in der Vorstellung ja nie das, was sie dann in der Realität sein werden. Mir ist das immer bewusst. Dennoch hat die Vorstellung einen Wert, weil sie nämlich das Träumen ermöglicht. Die Realität ist dann keine Enttäuschung der Vorstellung. Sie hat ihren eigenen Wert, genauso wie auch das Träumen seinen eigenen Wert hatte. Ich vermische das nicht.

Sehnsucht hingegen ist etwas anderes. Gefährlicher. Weil unbestimmt in der Ausführung, aber konkret hinsichtlich des Objekts. Nicht durch Realität einholbar. Oder durch Träumen heilbar.

21.01.2016 um 22:10 Uhr

Süße Pflichten

von: Alcide

Ich bin dankbar, dass ich diese Woche sehr gut bestehe. Ja, dass sich sogar so etwas wie Routine herstellen lassen konnte. Und das Tollste ist, dass ich wenn ich von der Arbeit komme, immer noch Energie habe: ich gehe dann meinen Lern- und Pflichtenplan durch und drucke mir die Dinge, die ich noch erledigen möchte aus. Ich schaffe nicht alles, aber wichtig ist die Struktur, die es verleiht, und dass ich überhaupt wieder zu einer Regelmäßigkeit in meinem Tun gelange.

Einmal in der Woche koche ich etwas nach Kochbuch. Das geschieht per Losverfahren, so dass ich mich selbst überraschen kann. Diesmal traf es die Karamelsauce. Hatte eigentlich nicht wirklich Lust auf Süßes, aber war doch reichlich gespannt, ob das Ergebnis dann einer Karamelsauce wenigstens nahe kommt. Und tatsächlich: sie ist sehr gut geworden. Verboten süß. Erschreckend lecker.

Ebenso gehört das Blogschreiben zu meinen „Pflichten“. Auch wenn ich nicht immer Lust habe etwas zu schreiben oder erstmal auch keinen Plan habe worüber ich schreiben könnte, (denn so wirklich spektakulär ist mein Leben ja nicht), so gibt es mir die Befriedigung ein paar Sätze formuliert zu haben. Wenn ich sehr depressiv bin, dann gelingt das nicht. Dann fühlt sich das Konstruieren von Sätzen an wie das Kratzen auf einer Tafel.

Nur mit dem Lesen klappt es nicht so ganz. Hoffe auf das Wochenende. Lese zurzeit „Bleak House“ von Charles Dickens. Nach anfänglicher Begeisterung quäle ich mich nun doch sehr durch die vielen Nebenhandlungen. Ständig neue Charaktere. Die Nebencharaktere der Nebencharaktere. Habe mir gestern neue Bücher besorgt. Fange am Wochenende mit T.C. Boyles „World’s end“ und Wolfgang Herrndorfs Geschichtenband „Diesseits des Van-Allen-Gürtels“ an.

Denke viel über die chaotische Weltlage nach. Die Zerstörung der Lebensgrundlagen unserer Spezies schreitet munter voran. Die Spirale aus Verschuldung und Schuldendienst zwingt die Staaten in den globalisierten Markt. Wo sie natürlich keine Chance haben, wo die Menschen noch als billige Arbeitskraft und als Konsument gebraucht wird, während Millionen keinerlei Perspektive geboten wird. Die vielbeschworene Flexibilisierung und der freie Markt. Und ich sehe die Menschen verzweifelt über den Planeten huschen. Doch keiner braucht sie. Keiner will sie. Eine beispiellose Entsolidarisierung hat eingesetzt, und die Nischen werden immer enger, und der Wohlstandskuchen immer kleiner…

Und so bedauerlich, dass es nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, keinerlei utopisches Verlangen mehr zu geben scheint. Kein Ghandi, kein Che, keine Befreiungsbewegungen der Dritten Welt, nur ein Hinterherhatzen nach Arbeitsplatz, Konsum und einem Ort zum Bleiben.

19.01.2016 um 22:08 Uhr

Sich fühlen

von: Alcide

Hatte zwei gute Tage. Gut ist ein Tag, wenn ich mich weder körperlich noch seelisch plagen muss. Ich hoffe so sehr, dass das länger so bleibt und nicht nach ein paar Tagen wieder in sich zusammenbricht.

Denn wirklich angenehm ist das Leben immer dann, wenn ich mich selbst nicht so sehr fühle. Wenn ich also eine gewisse Distanz zu mir selbst habe. Dann geht Arbeit relativ einfach von der Hand. Ich erlaube es mir, mich zu verlieren in der Tätigkeit. Sonst ist es oft ein Ausgeliefertsein an die Tätigkeit. Man fühlt sich wie hinterhergeschleift. Aufgerieben von Pflichten und dem täglichen Lohnerwerbsleben. Dann rebelliert das Bewusstsein und will raus aus der Fremdbestimmung. Sehnt sich nach Freiheit.

Sich-Identisch-Fühlen mit dem was man tut ist die einzige lebbare Form von Arbeit. Oft wenn ich anderen „Arbeitenden“ begegne, an der Supermarktkasse oder im Café, dann sehe ich im Ausdruck und in den Augen, oft dieses Überfordert-Fühlen. Es darf ja auch nicht zugelassen werden, weil Verdrängung dich ja beschützt. Aber ich sehe das oft, und dann fühle ich mich ihnen nahe. Fühle ihr Gefangensein in Verhältnissen und Zwängen, und ich spüre ihre Ängste, die ja auch die meinen sind.

Wie gesagt, im Augenblick geht es mir gut. Bin ich in einem Zustand provisorischer Stabilität. Bin dankbar, wenn Empfindungen in mir verweilen, und nicht die Oberfläche der Wahrnehmungsschwelle erreichen. Bloß kein Gefühlschaos. Hohe, dunkle Mauern um mein Herz. Die Sehnsuchtsangst hat sich auf einen Waffenstillstand mit der Hoffnung geeinigt.

17.01.2016 um 20:47 Uhr

Ringen um Stabilität

von: Alcide

Jeder neue Tag ist ein Ringen um Stabilität. Die ersten beiden Wochen des Jahres waren wie ein Gift für mein nervliches Kostüm. Mit meiner Freundin bin ich auf eine Art „Plateau“ angelangt, wo wir beide versuchen durchzuatmen und die Schrecken der Auseinandersetzung und die Missverständnisse zu verarbeiten…

Vielleicht geht es weiter. Vielleicht noch viel näher. Wir haben festgestellt, dass wir eigentlich dieselben Träume von uns hatten. Zusammenzuleben. Einander Halt geben. Sicherheit gewinnen in diesem existentiellen Chaos durch die Nähe des anderen. All‘ das fühlte sie von mir verraten. Fühlte meinen Rückzug, während ich mich nur zurückzog, aufgrund ihres emotionalen Rückzugs. Jeder mit der Forderung, der andere solle sich bedingungslos zueinander bekennen, und doch beide mit so wenig Vertrauen in die Herzensneigung des anderen.

Zumindest ist wieder Hoffnung da. Vor Jahren verabscheute ich Hoffnung. Sah die Hoffnung nur als ein „Treibholz für die Schwachen“ wie es Günter Anders einmal so erbarmungslos ausgedrückt hat. Doch nun weiß ich mehr und mehr, dass ein Leben ganz ohne Hoffnung wie ein Leben in einem Raum ohne Licht ist. Es ist wie ein langsames Erdrücktwerden. Immer schwerer lastet ein Gewicht auf dir, und ohne Hoffnung fehlt dir die Kraft es von dir zu stemmen.

Ich habe auch wieder versucht meine Tage besser auszufüllen. Apollinischer zu leben. Seit gestern scheint es mir besser zu gelingen. Habe ein klein wenig Kraftprogramm gemacht, nur 15min, mit Liegestützen, Kniebeugen und Übungen für Rücken- und Bauchmuskulatur. Gestern am Morgen schon ein längerer Lauf mit einem Bekannten. Alles noch eher ein Stapfen. Hoffentlich werden die Schritte bald wieder federnder, beschwingter…

In den Tagen, in denen das Gefühlschaos über mich hinweg geschlagen ist, da konnte ich kaum etwas machen, was längere Planung und geistige Konstanz vorausgesetzt hätte. Es war die Zeit der Ablenkung durch TV oder Serien auf DVD. Heute am Morgen verspürte ich seit langem Mal wieder Langeweile beim Fernsehen, und das Bedürfnis war wieder da am Schreibtisch zu sitzen und zu lernen. Ich hoffe so sehr, dass hält an und ich dass ich wieder mein Leben leben kann ohne ständig auf die Einschränkungen Rücksicht nehmen zu müssen, die einem Depression oder körperliche Erschöpfung auferlegen…

15.01.2016 um 01:42 Uhr

So müde und schwer

von: Alcide

Das Leben: ein Wegbrechen von Sicherheiten… Die Hoffnung, die einen immer weitermachen lässt, dass sich diese Sicherheiten wieder herstellen lassen… Es ist paradox… Und immer im Vergleich mit dem Damals. Als das Glück noch aus der eigenen Begeisterungsfähigkeit gespeist werden konnte. Die Erschöpfung hat nun die Oberhand gewonnen. Alles so mühsam und ich so müde und schwer…

11.01.2016 um 06:59 Uhr

Normales Funktionieren

von: Alcide

Wenn Normalität nicht mehr funktioniert. Wenn man nicht mehr hineinpasst in das Getriebe des Alltags. Als ob der Schmerz gelebt werden möchte. Als ob er sich verweigert, einem Zudecken und Verschließen durch Ablenkung und Tätigkeit. Dabei möchte ich ihn loswerden. Ich weiß im Inneren, dass die Normalität mir Freude machen würde. Erinnere mich an schöne Monate, in denen die Tage dahinfließen. Doch wenn die seelische Bergung fehlt, dann weigert sich etwas in mir. Dann ist es als ob ich das Funktionieren mühsam spielen müsste, und ich zerbreche irgendwann an der Anstrengung, die es mir verursacht.

10.01.2016 um 23:01 Uhr

Engel aus Marmor

von: Alcide

Es gibt Stunden des Tages, in denen fühle ich mich gefestigt und weitgehend sicher. Das ändert sich jedoch schnell und mich überfallen regelrechte Schmerzattacken, aus denen ich mir kaum zu helfen weiß, weil ich dann meistens schon zu ermüdet bin und ich hoffe dann nur auf Schlaf und einen schönen befreienden Traum, um dann den nächsten Tag vielleicht wieder in Sicherheit zu sein vor diesem Schmerz…

Mir mangelt im Augenblick die Phantasie mir vorstellen zu können, nur mehr dein Freund zu sein. Mein Gefühl für dich zu verwandeln erscheint mir beinahe unmöglich. Meine Strategie war es immer gewesen, Dinge zu meiden, wenn sie mich schmerzen. Abstand. Andere Lebenswirklichkeiten. Und irgendwann verschwindet dieser Riss in mir vielleicht, so wie auch die Sterne am Tage verschwinden, wenn die Sonnenstrahlen den Horizont ausfüllen. Wie nur kann es mir gelingen, deinen kalten Atem nicht mehr spüren zu müssen. Schlaflos im Bett mit verkrampftem Herzen, und zu wissen, dass dein Sehnen nicht mehr mir gilt. Unsere Liebe ist zu einem Engel aus Marmor geworden. Ein Hüter der Erinnerung auf dem Friedhof vergangener Freuden…

10.01.2016 um 04:02 Uhr

Schicksalsfäden

von: Alcide

Die Enttäuschung darüber, dass sich ein Faden des Schicksals herauszulösen beginnt aus dem Geflecht des eigenen Lebens… es entsteht eine Lücke, und dieser emotionale Schmerz muss durchlebt werden und bleibt einem nicht erspart.

Wir haben uns ausgesprochen: ich verstehe dich besser und du hast mir endlich das Gefühl gegeben verstanden zu werden. Das ist schon viel wert.

Ja, es gibt eine andere Person in deinem Leben, und das endlich zu wissen und aus deinem Mund zu hören, hat mich erstaunlicherweise nicht in dem Maße verletzt, wie ich das in meinen Vorstellungen angenommen habe.

Wichtiger war, dass ich wieder deine emotionale Nähe erfahren durfte. Ein Wohlwollen und Zutrauen zu mir, das ich lange vermisst habe. Nichts ist schlimmer als immer nur hören zu müssen, dass „es keinen Sinn hat“ mit mir darüber zu reden. Schlimmer ist das Schweigen, und eigentlich merkt man ja doch, durch das Ausgesparte und das Vermiedene, dass die Gedanken woanders sind… das ist noch viel schlimmer, und ich habe es ein halbes Jahr in mich hinein gefressen, aus Angst es anzusprechen, weil ich nicht die Kraft gehabt hätte, es zu verarbeiten… Das steht mir nun bevor… und ich weiß noch nicht, ob ich daran zerbreche oder ob es mich nicht auch stärker machen könnte..

Doch Enttäuschungen nehmen immer auch etwas von der eigenen Lebenskraft. Rauben einem das selbstverständliche Hier-Sein im eigenen So-Sein. Das Gefühl, dass das Ich in der Welt an der richtigen Stelle steht, selbst in Momenten der Fremdheit und im Gefühl des Ausgeschlossenseins.

09.01.2016 um 01:48 Uhr

Kommunikation im Kreis

von: Alcide

Wenn wir kommunizieren drehen wir uns im Kreis. Ich sage, dass ich unter deinem emotionalen Rückzug leide, und du sagst mir, dass du auch gelitten hättest, als ich mich (angeblich) zurückgezogen hätte. Ich hätte „die Tür zugemacht“, wie du sagst… Ich spreche von meinem Leid, daraufhin sprichst du von deinem Leid…

Du hast es geschafft dich von mir zu entwöhnen, brauchst mich als einen Puffer gegen die Einsamkeitsschübe… du brauchst mich als einen Freund, doch ich leide, darunter, dass du Themen aussparst, dass du mir nur mehr Ausschnitte deines Lebens präsentierst, wo ich dich als Mensch in deiner Ganzheit erfahren möchte… Und ja, vermutlich ist es selbstsüchtig von mir, dass ich mich nicht mit diesem Kompromiss zufriedengeben kann… die kleine Flamme, auf der unser Verhältnis weiterlaufen soll, ist für mich unerträglich…

Dazu immer die Erinnerungen an die Zeit, als du mir noch ganz zugewandt warst… als du mir noch Gedichte schriebst, die so wunderschön waren… als du mich ein „Geschenk des Schicksals“ nanntest, was du für mich auch ohne Zweifel gewesen bist…

Ich muss irgendwie versuchen wieder Normalität in mein Leben zu bekommen. Ich bin zu keinem geraden Gedanken fähig. Ein Buch lasse ich nach 10min wieder liegen, weil ich ständig den Faden verliere oder Kopfschmerzen bekomme… Das, was mir immer Sinn gegeben hat, was mein Leben strukturierte, das ist für mich nicht mehr abrufbar (im Augenblick)…

08.01.2016 um 03:57 Uhr

Vertrauen

von: Alcide

Ich fühle mich an einem Abgrund stehend: Wie kann ich die Welt bestehen, wenn ich die Menschen nicht mehr ertrage? wie schaffe ich es ab Montag wieder in die Arbeit zu gehen, wo doch die drei Wochen Urlaub alles nur noch schlimmer gemacht haben? Von wegen Erholung… Es hat mir nur gezeigt, wie verloren alles ist…

Ich empfinde deinen emotionalen Rückzug wie die Abwesenheit der Sonne. Nichts mehr, das mich wärmt, nichts mehr, das mir die kalte Welt lebbar erscheinen lässt…

Und vor allem dieser Schmerz über den Verlust an Vertrauen. Das Enttäuschte meiner Seele schmerzt so unendlich… und nun bin ich völlig haltlos in einer Welt ohne Seele und Verzauberung… nur mehr Ansprüche, die ich nicht mehr erfüllen werde können, weil der Motor in mir nicht mehr kann und will…

Dein Blick, deine Zuversicht, deine Augen des Mitfühlens… das alles ist Vergangenheit, und mit dem Untergehen deiner Zuneigung schwindet für mich die erfahrbare Welt… das Außen verblasst, wird zu einer Wüste des Grauens, verwandelt die frühe Verzauberung in eine liebgewordene Illusion… der Abschied fällt schwer… und unendlich schwer…

Ich weiß, ich darf nicht mehr an dich denken… Muss diesen Strich ziehen, der mir doch so schwer fällt… Ich beweine mich und ich beweine dich, doch vor allem beweine ich das Zerplatzen einer Seifenblase, in der wir vermeinten eine Zukunft zu sehen…

Um mich her nur Zank und Zwietracht… Menschen, die nicht mehr fähig sind, die Dinge als das zu sehen, was sie sind… nur mehr noch eine Rhetorik der Ironie, der Diffamierung, der falschen Schlüsse… die Welt ist vergiftet und mir ihr die Kultur der Zwischenmenschlichkeit, die Kultur des Zuhörens, Vertrauens und Verstehens…

Im Außen gibt es kein Wesen, dem ich mich wirklich nahe fühle; im Innen ist nur Schmerz und zerstörte Hoffnung… Seelentrümmer… weder Außen noch nach innen… Schach matt… nur mehr noch das Registrieren eines Scheiterns, ein selbstmitleidiges Wehklagen vor der Morgenröte in einer Nacht des Schwindens und Verlusts...

08.01.2016 um 01:08 Uhr

Es gelingt nicht

von: Alcide

Noch immer gelingt es mir nicht mir ein Leben ohne dich vorzustellen. Doch genauso wenig kann ich mir vorstellen, dass diese Situation noch immer so weiter geht. Ich, an deiner ausgestreckten Hand, hungernd nach deiner Zärtlichkeit… Nun behandelst du mich wie einen „Fall“, wie eine „Störung“, eine „psychische Auffälligkeit“, die vorbeigehen wird wie eine leichte Sommergrippe… Dabei bist du die Medizin, die mir fehlt, und ich muss dich aufgeben und dich aus meinem Denken verbannen, damit ich nicht länger an dir leide…

04.01.2016 um 01:17 Uhr

Abschiednehmen von deiner Liebe

von: Alcide

Du sagst ich solle etwas tun gegen meine Depressionen. Und weißt doch genau, dass es deine Erkaltung war, die mich krank gemacht hat. Wenn ich versuche mich dir verständlich zu machen stößt mir nur noch mehr Unverständnis entgegen. Du weißt wie sehr ich deine wärmenden Worte brauche und doch stößt du mich von dir. Ja, machst mir den Vorwurf dich herzlos behandelt zu haben. Du willst mich als Freund, doch als dein Freund verdorre ich. Deine Kälte nimmt mir die Luft zum Atmen. Und immer weiter würde ich warten und hoffen und bitten von dir in die Arme genommen zu werden, und niemals wieder wird es sich erfüllen.

Wahrscheinlich hältst du meine Abschiedsworte für theatralisch und emotional erpresserisch und manipulativ… Aber da irrst du dich… ich kann nur einfach nicht mehr… ich bin am Ende… Es tut mir leid, wenn du dich auf mich und meine Freundschaft verlassen hast… Diese Sicherheit habe ich dir offensichtlich zerstört und es fällt dir jetzt schwer überhaupt noch Vertrauen zu mir zu fassen…

Dich beschäftigen andere Dinge, Dinge über die du mit mir nicht sprechen willst und kannst… das ist ok… so läuft das Leben nun mal… ich kenne mein Schicksal, und das passt da genau rein, das war immer schon so und wird immer so bleiben… Du kannst dich in mich nicht mehr einfühlen, ich bin dir einfach nur mehr lästig… eine Gewohnheit, die nicht mehr so richtig in die Zeit passt und sich überlebt hat.

Das Alleinsein war mir in den letzten Jahren durch dich erträglich. Ja oft spürte ich die Einsamkeit nicht einmal, weil ich dich in meinen Gedanken wusste… Ich bin dem schon zu lange ausgewichen. Es stimmt, dass wir viele Gespräche an einem gewissen Punkt abgebrochen haben, bestimmte Fäden nicht wieder aufgenommen haben… mal war ich es, mal warst du es… und meistens war es uns wohl klar, dass ein Ausdiskutieren uns zu einem Punkt geführt hätte, an dem wir den anderen (noch mehr) als fremd empfunden hätten…

Ich hätte mir wenigstens gewünscht, du hättest es nachempfinden können, was mich zu diesem Schritt bewogen hat… Dass du verstehen kannst, was ich empfinde, und in welcher Situation ich bin… und es nicht einfach als einen lästigen Faktor, der dir Stress verursacht abtust…

Gestehen wir es uns einfach ein, dass es vorbei ist… ich tue das auch für dich… Du hast noch die Chance ein anderes Glück zu finden… für mich ist das vorbei und ich will nicht, dass du mich begleitest in meinem langsamen Versickern… früher oder später musste es so kommen…

Es war schön, dass du mir lange Zeit die Ruhe und Zuversicht gegeben hast, dass da jemand ist, der einen mag und schätzt und lieb hat… Du kannst mir das nicht mehr geben… Du lebst in anderen Zusammenhängen… die Vergangenheit ist verblasst und lässt sich nicht für immer bewahren… ich sehe das ein… ich möchte nur gerne, dass wir uns nichts nachtragen… ich möchte, dass du an mich denkst und wenn du an mich denkst, dass ich dir als anständiger Mensch in Erinnerung bleibe…. und vielleicht irgendwann können wir über meine jetzigen Worte lachen und sie für überspannt halten oder depressives Geschwätz… was auch immer… nur jetzt schafft es mein Herz nicht mehr dich nahe zu wissen…. jetzt bin ich zu schwach als dass ich deine Un-liebe weiter ertragen könnte… lass mich gehen…

03.01.2016 um 06:53 Uhr

Ohne dich

von: Alcide

Einst war ich glücklich. Mein Leben aufgeräumt. Du an meiner Seite. Die Gewissheit des Herzens machte die Welt mir angenehm. Ich darin und du. Du gabst mir Halt und Sicherheit und Ruhe.

Dann entferntest du dich. Andere Menschen, andere Herzlichkeiten. Jetzt spüre ich nur mehr noch deinen kalten Atem. Meine Zuneigung ist dir lästig geworden. Und ich weiß nicht wie ich damit leben kann. Ohne dich.

Es schmerzt so sehr, dass ich es irgendwo schreiben muss, weil es mich sonst zerfrisst. Bin wie gelähmt. Unfähig mich abzulenken. Die Gedanken auf anderes zu richten, dem Leiden irgendwie auszuweichen. Es ist jetzt da. Schon lange wusste ich, dass der Moment kommen würde, aber das Herz ist so dankbar für Hoffnung. Sie hielt mich immer aufrecht. Nun ist sie dahin und ich rutsche ab, rutsche weg und weiß nicht wie ich weiter leben kann. Ohne diese süße Hoffnung. Ohne dieses Glück. Ohne dich.