Where Rainbows End.... x3

29.08.2011 um 14:40 Uhr

~> Von den Gefühlsebenen

In uns existieren unheimlich viele Gefühlsebenen, auf denen wir den Menschen und uns selbst begegnen.

Mal erfüllen sie uns mit Freude, mal mit Trauer, mal mit so vielen anderen Emotionen.

Und manchmal stellt man fest, dass ein Mensch, der uns wichtig ist, auf einer ganz anderen Ebene ist, als wir dachten, einfach weil die Gefühle zu unterschiedlich sind.

Früher hätte mich das sehr geschmerzt. Doch mittlerweile habe ich verstanden, dass es ist als wären alle Gefühlsebenen durch Wasser miteinander verbunden. Alles fließt.

Und wenn man die Gefühle einfach annimmt, wenn man sich im Fluss der Gefühle treiben lässt, wird man ganz sanft überall hingebracht, ohne anzuecken, ohne vom Druck des Wassers erdrückt zu werden.

Dann ist einfach alles gut, wie es ist und dann tut es nicht so weh. Selbst dann nicht, wenn man sich irgendwo wiederfindet, wo man ursprünglich nicht hinwollte.

Dann ist alles gut, weil alles Erfahrung ist und weil man durch alles lernen durfte.

 

27.06.2011 um 14:27 Uhr

~> Gefühlschaos

Manchmal ist es als wären alle Gefühle mit einem Ausrufezeichen versehen, weil sie alle gesehen werden wollen. Doch dabei vergessen sie, dass sie sich in einem Meer aus Fragezeichen befinden. Dass sie untertauchen und plötzlich wieder da sind. Dass sie nach vorne schwimmen und zurück treiben.

Sie vergessen, dass wir nur Menschen sind und wir nicht alles aufeinmal sichten können.

Wir können nicht gleichzeitig in einem ganzen Meer sein und alles gleich intensiv betrachten. 

Doch immerhin haben wir einen Namen für dieses Meer und seine Bewohner. Es nennt sich Gefühlschaos.

11.10.2010 um 16:18 Uhr

~> Gedanken über die Liebe

In manchen Momenten wünschte ich mir, dass die Menschen einfach das pure Gefühl der Liebe genießen könnten. Dass sie es leben, ohne Erwartungen und Bedingungen.

Doch das tun sie oft nicht. Viele können es nicht, so wie ich es früher auch nicht konnte.

Und darum sind sie unglücklich verliebt, verfluchen die Liebe und wollen nie mehr etwas mit ihr zu tun haben.

Dabei kann die Liebe absolut nichts dafür.

Sie lässt die Schmetterlinge fliegen, das Herz tanzen und weckt durch all ihre Glücklichkeit die Sehnsucht und das Vermissen.

Aber auch diese beiden Zeitgenossen zeigen nur wie wertvoll sie ist.

Die Liebe möchte nichts Böses. Sie wird zu unrecht beschuldigt. 

Denn sie ist einfach nur da. Hand in Hand mit der Freundschaft, der Treue, dem Vertrauen. Sie kommt und geht, wie es ihr beliebt.

Doch nicht ohne das Herz zu bemalen und Eindrücke im Sand des Lebens zu hinterlassen.

Die Menschen sind es, die sie vollpacken mit Tüten voll Gedanken und stapelweisen Erwartungen. Es türmt sich höher und höher.

Da ist es doch nicht verwunderlich, wenn sie irgendwann zusammenbricht, so stark sie auch sein mag.

Denn tief in ihrem Innern ist sie auch nur ein zartes Wesen. Wie ein Windhauch...

Aber wenn er das Herz einmal berührt, lässt er es niemals wieder los.

Irgendetwas von ihr bleibt immer zurück.

Sie geht niemals ganz.

Und seien es die Erinnerungen, die uns ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

06.07.2010 um 19:54 Uhr

~> Die Unendlichkeit der Parallelen

Für dich , aber das weißt du schon.

Noch einmal danke für alles, auch wenn dieses Wort niemals ausreicht.

 

© angelmagia

 

Es sind die kleinen Dinge, die dem Leben etwas ganz Besonderes einhauchen und manchmal ist es nur ein einziger Satz, der alles verändern kann.

Ich weiß es noch, als wäre es erst gestern gewesen, wie ich dort auf dem Platz stand, die Arme ausbreitete und das Leben völlig in mich aufnahm. Ich war umgeben von Menschen, doch ich nahm keinen von ihnen wirklich wahr. Es gab nur diesen Moment und mich, so als wäre die Zeit stehen geblieben.

Ich weiß nicht, wie lange ich dort mit geschlossenen Augen stand und  nichts anderes spüren konnte als die Wunderbarkeit des Lebens...

Ich weiß es wirklich nicht. Aber das spielt auch keine Rolle.

Dieser Moment hat mein Leben völlig auf den Kopf gestellt. Auf einmal fühlte ich mich nicht mehr so allein und unverstanden. Auf einmal war ich nicht mehr die Seltsame, die man belächeln kann, nur weil ich das Leben anders wahrnehme als alle anderen. Auf einmal war da jemand irgendwo, der mir das Gefühl gab, dass ich nicht die einzige bin. Es war nur ein Satz auf einem winzigen Zettel, der vor meinen Füßen lag, als ich die Augen wieder öffnete.

"Parallelen treffen sich im Unendlichen."

Ich wusste nicht, wer es geschrieben hatte oder warum. Auch nicht, warum es dort vor mir lag. Doch ich nahm es an und in mir auf, so wie ich das Leben aufnahm.

Dieser eine Satz gab mir so viel Hoffnung und ich glaubte daran, weil ich daran glauben wollte. Einfach weil es gut tat...

Es ist genau wie das Hufeisen über meiner Tür. Auch daran glaubte ich aus tiefstem Herzen. Es fühlte sich schön an, wenn ich mir ausmalte, dass das Glück hinunter rieselte, wann immer ich hinein oder hinaus ging, und an meinen Haaren hängen blieb.

Doch anders als mein Hufeisen, hatte ich diesen Satz nicht immer vor Augen. Und so vergaß ich ihn mit der Zeit und den Jahren.

Mein Leben ging weiter, wie es das schon immer getan hatte. Es war wunderbar und ich liebte es, wie ich es mehr nicht lieben konnte. Aber allein war ich noch immer. Ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen mich nicht verstehen wollten oder es einfach nicht konnten.

Es war so leicht glücklich zu sein, wenn man es erst einmal verstanden hatte. Man muss es einfach annehmen, jeden Moment genießen, aus tiefster Seele leben.

Und dann ist es wie Magie. Jeder Tag ist ein Geschenk, von dem man nicht genug bekommen kann. 

Ich füllte mein Leben mit unvergesslichen Augenblicken und ließ die Zeit ihre eigenen Geschichten schreiben, während sich ein Tag an den nächsten reihte.

Mir fehlte nichts, denn ich gewöhnte mich immer mehr daran, dass sich mein Leben von dem der anderen völlig unterschied und es vermutlich auch immer so sein würde.

Es war okay für mich, schließlich kannte ich es gar nicht anders.

Doch irgendwann fiel mir durch Zufall dieser kleine Zettel wieder in die Hand. Die Worte weckten solch eine Sehnsucht in mir, dass ich dieses Gefühl nie mehr vergessen konnte und sich dieser Satz in mein Herz einbrannte.

"Parallelen treffen sich im Unendlichen."

Es war beinahe so, als wollte mir das Schicksal ein Zeichen geben und mich daran erinnern, dass ich nicht mehr allein sein musste. Dass es irgendwo auf der Welt einen Menschen gab, der mich verstehen konnte. Zumindest wünschte ich mir nichts mehr als das.

Und so suchte ich an jedem Ort, an den ich kam. Ich hielt die Augen offen, erzählte von mir. Doch es verstand mich einfach niemand. Noch immer nicht...

Noch immer war ich unheimlich glücklich und zufrieden, aber auch voller Sehnsucht nach etwas, was ich nicht kannte und bei dem ich nicht einmal sicher sein konnte, ob es wirklich existierte.

Weitere Jahre vergingen, in denen mir schmerzlich bewusst wurde, dass sich niemals etwas ändern würde... Es gab diesen Menschen nicht und diese Erkenntnis brach mir das Herz. Auf einmal flossen die Tränen und ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Auf einmal war auch die Traurigkeit unendlich. Und mit ihr kam die Einsamkeit...

Warum nur habe ich zugelassen, dass ein einziger Satz ein ganzes Leben aus der Bahn wirft? Warum nur habe ich mich beinahe selbst aufgegeben?

Es waren Tränen, die mich überwältigten und zurück blieb nur unendliche Leere...

Ich konnte einfach nicht dort bleiben. Musste weg. Raus. Ich fühlte mich gefangen in meinem eigenen Kopf und meinen eigenen Gedanken.

Und so setzte ich mich in irgendeinen Zug und fuhr, Stunde um Stunde. Vielleicht würde ich am Meer landen, oder in den Bergen. Wo auch immer...

Alles war besser als der Ort, den ich "Zuhause" nannte.

Die Landschaft raste an mir vorbei. Doch ich konnte keine Einzelheiten erkennen. Die Bilder verschwammen, wurden eins. Alles drehte sich, sodass ich einfach nur die Augen schloss und meinen Kopf gegen die kühle Scheibe lehnte. 

Ich spürte, wie ich beobachtet wurde und als ich aufschaute, blickte ich in ein Gesicht, wie es freundlicher nicht hätte sein können. Ich glaube, ich werde niemals mehr diesen Gesichtsausdruck vergessen...

Er war nicht neugierig oder feindselig, ganz im Gegenteil. Es war ein Blick voller Mitgefühl und Wärme. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte.

"Du brauchst nicht sagen. Ich verstehe dich auch so."

Ich schaute sie einfach nur an. Ich konnte nichts sagen, selbst wenn ich gewollt hätte.

"Du warst auf der Suche und hast dich dabei selbst verloren. Doch du kannst nicht vor dir selbst davon laufen, so wirst du dich nicht wieder finden. Erst wenn du dir selbst verzeihst, wird die Sehnsucht ein wenig vergehen. Doch verschwinden wird sie niemals mehr."

Und dann kamen die Tränen.

Ich weinte und weinte, denn ich hatte sie gefunden, die Person, die mich versteht, auch ohne Worte.

Es war ein Gefühl unendlicher Dankbarkeit. Ich hatte sie gefunden, als ich gar nicht mehr daran glaubte. Als ich schon längst aufgegeben hatte.

Wir haben mit der Zeit all den Raum überwunden und zusammen gefunden.

Und auch, wenn zwischen uns so große Entfernungen liegen, könnten wir uns nicht näher sein. Allein das Wissen, dass sie irgendwo dort draußen ist und versteht, ist unbezahlbar.

Heute dreht sich ein Windrad als Zeichen unserer Freundschaft und auf den Flügeln steht ein einziger Satz.

"Parallelen treffen sich im Unendlichen."

13.05.2010 um 23:13 Uhr

~> Vom Licht ins Licht - eine Kurzgeschichte

© angelmagia

 

Vom Licht ins Licht

 

Als ich noch sehen konnte, war mein Leben ein anderes. Es war grau und trist und manchmal kam es mir vor, als würde es nie aufhören zu regnen. Ich stand dort und bewegte mich nicht von der Stelle, während die Menschen um mich herum liefen, mich nicht beachteten, mich nicht einmal wahrnahmen.

Ich war unsichtbar, obwohl ich die leuchtendsten Farben trug. Und niemand konnte mein Lachen sehen. Ich selbst nicht einmal. Denn in meinem Leben gab es nichts zu lachen. Nicht nur mein Leben war grau und trist, die Welt war es auch.

Ich weiß nicht, ob ich es von ihr habe, oder sie von mir. Jeder Tag war gleich, außer dass sich das Datum änderte. Jeder Tag begann mit der Überlegung, wie ich die Stunden am schnellsten hinter mich bringen könnte. Mein Leben lag auf meinen Schultern, wie eine große Last, die ich nicht mehr tragen konnte, nicht mehr tragen wollte. Ich weiß nicht, wie oft ich aufgeben wollte. Wie oft ich kurz davor war all dem ein Ende zu setzen. Augenblicke über Augenblicke stellte ich mir vor, wie es wäre. Doch über mich bringen konnte ich es nie. Ich war zu schwach, zu ängstlich, zu sehr Kopfmensch.

 

Bis zu diesem einen Tag, der alles veränderte.

Der Tag, an dem ich mein Augenlicht verlor.

Für viele wäre dies das Schlimmste, was passieren kann. Aber für mich war es das Beste.

Als ich noch sehen konnte, konnte ich es nicht wirklich. Schade, dass ich mir selbst nicht geglaubt hätte, wenn ich mir einen Spiegel vor das Gesicht gehalten hätte.

Denn erst jetzt vermag ich das zu sehen, was für die Augen unsichtbar ist. Erst jetzt höre ich auf mein Herz.

Und es ist das Schönste, was mir je passiert ist.

 

Wenn ich aufwache höre ich die Vögel zwitschern. Sie haben ihre ganz eigene Melodie, genau wie die Bäume, die im Wind tanzen. Ich liebe es, wenn es so sehr nach Frühling riecht und die Sonnenstrahlen die Haut berühren. Ganz sanft. Und wenn ich dann hinaus gehe, spüre ich aus meinem tiefsten Innern, wie wunderbar es ist, am Leben sein zu dürfen. Ich fühle die Glücklichkeit mit jeder Zelle meines Seins. Und in diesen Momenten ist es, als könne ich fliegen. Hoch hinaus und noch höher. Nach den Sternen greifend beim Tanz auf dem Regenbogen.

 

Es gibt nichts auf dieser Welt, was wunderbarer sein könnte als sie zu lieben an jedem Tag und in jedem Augenblick.

Doch um das sehen zu dürfen, musste ich erst aufhören sehen zu können.

 

19.01.2010 um 02:05 Uhr

~> Das Märchen der vier Wege

Vor Jahren angefangen und nun endlich beendet... 

 

© angelmagia

 

Das Märchen der vier Wege

Es ist noch gar nicht lange her, da gab es ein Land, was ganz gewöhnlich wirkte. Doch wenn man genauer hinschaute, konnte man all die Magie und Wunder sehen, die in der Luft lagen. Dort lebte ein ganz gewöhnliches Mädchen. Tag ein Tag aus träumte sie davon, nur einmal etwas Besonderes zu sein.
Sie war still und schüchtern vom Charakter und half den Menschen in ihrer Umgebung, wo sie konnte. Und dennoch fühlte sie sich unsichtbar.
Sie war und blieb in allen Augen meist nur "das stille Mädchen."

Eigentlich mochten sie die Menschen, weil sie stets zurückhaltend und nie aufdringlich war. Deshalb fiel sie meistens nicht auf. Doch in ihrem Herzen wollte sie anders sein, nur ein bisschen. Sie wollte gesehen werden.

Und so beschloss sie eines Tages spazieren zu gehen. Irgendwohin, wohin ihre Füße sie tragen. Sie lief durch die Natur und erfreute sich an dem saftigen Grün der Wiesen und dem Leuchten der Blumen. Es waren Kleinigkeiten, die ihr Herz tanzen ließen, Kleinigkeiten, die ihr ein Lächeln aufs Gesicht zauberten. Aber plötzlich kam sie in eine Gegend, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Alles um sie herum war fremd. Sie hatte sich verlaufen beim Versuch anders zu werden, anders zu sein. Sie wusste nicht einmal mehr aus welcher Richtung sie gekommen ist. Sie kannte nicht den Weg, der sie wieder sicher nach Hause bringen würde.

 

Was sollte sie tun?

Auch das wusste sie nicht. Es war zu gefährlich einfach auf der Stelle zu verharren, aber vielleicht war es noch gefährlicher weiter zu gehen. Nie zuvor hat sie sich so einsam gefühlt, nie zuvor so verlassen und verzweifelt.

Sie setzte sich auf einen kühlen Stein, während Tränen ihr Gesicht hinab liefen. Und der einzige Gedanke, der ihr in dieser scheinbaren Ewigkeit immer wieder in den Sinn kam war, dass sie weiter gehen musste. Immer weiter. Es war wie ein Zwang, der sie aufstehen ließ, der sie dazu brachte nach vorne zu schauen. Plötzlich tauchten Nebelfetzen vor ihr auf. Es war als würden sie ihr den Weg zeigen wollen. So folgte sie ihnen, ohne zu ahnen, was dies zu bedeuten hätte. Es zog sie unaufhörlich hinter sich her, durch Dunst und Wald, auf Wegen, die nicht existierten, bis hin zu einem Ort, der vielleicht nur in der Fantasie vorhanden ist.

Und wie sie da so stand und sich umschaute klarte der Nebel auf und sie konnte sehen, dass sie sich auf einem runden Platz befand. In jede Himmelsrichtung führte ein Weg scheinbar unendlich lang geradeaus. Einer sah aus wie der andere. Und je mehr sie sich umschaute, desto schneller schlug ihr Herz. Mit jedem Schlag wuchs die Verzweiflung und die Traurigkeit. Wie sollte sie jemals wieder nach Hause finden?

 

Sie schloss die Augen und lauschte dem Klopfen in ihrem Innern. Die Stille um sie herum kam ihr unendlich laut vor. Unerträglich. Sie lastete auf ihr, wie es schwerer nicht mehr ging.

Und genau in dem Moment wurde es ruhig.

Es war, als hätte die Welt den Atem angehalten. Als würde sie stillstehen und warten, was als nächstes passiert.
Die Träumerin öffnete die Augen. Vor ihr standen vier Frauen. Sie sagten nichts. Sie bewegten sich nicht. Sie schauten sie einfach nur an.

 

„Komm mit mir, ich kenne den Weg.“ Sie hörte die Worte in ihrem Kopf, doch niemand hatte die Lippen bewegt. „Komm, da geht’s lang.“ Niemand wies ihr die Richtung.
Und so stand das Mädchen da und konnte nicht antworten. Man hatte ihr die Worte genommen, die Sprache, ihre Stimme.

 

„Folge deinem Herzen.“

Dann schloss sie wieder die Augen. So fühlte sie sich nicht ganz so fremd und verlassen. So konnte sie sein, wo sie wollte. Denn der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Bis bald.“

Und als sie die Augen erneut öffnete, war sie wieder allein. Verlassen auf einer Lichtung, fern von ihrem Zuhause. Sie war sich nicht einmal sicher, ob das überhaupt alles passierte.

Vielleicht war das auch alles nur ein Traum. Denn manchmal machen Träume nun einmal, was ihnen gefällt und manchmal wirken sie so sehr wirklich… so sehr real.

 

Doch dann hörte sie das Rauschen des Windes, das Rascheln der Blätter. Sonnenstrahlen küssten ihre Haut und warmer Regen fiel vom Himmel. Es war kein Traum.

 

„Komm mit mir, ich kenne den Weg.“

„Komm, da geht’s lang.“

„Folge deinem Herzen.“

„Bis bald.“

 

Sie schloss ein drittes Mal die Augen. Was sollte das alles bedeuten? Welcher Weg war der richtige? … Sie drehte sich im Kreis. Wieder und wieder, bis sie einen Fuß vor den anderen setzte und einfach ging, wohinauchimmer ihre Füße sie tragen würden.

 

Schritt für Schritt tastete sie sich vorwärts, bis ihr der Boden so vertraut vorkam, dass sie die Augen nicht öffnen musste. Sie sah mit ihrem Herzen genug.

Sie hatte das Gefühl mehr zu sehen, als jemals zuvor. Sie blieb stehen. Und wieder lief ihr eine Träne die Wange hinunter. Doch diesmal war es nicht der Traurigkeit wegen, sondern aus Dankbarkeit. Dankbarkeit im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

 

Sie wurde überflutet von Wärme und Geborgenheit, auch wenn sie sich dieses Gefühl nicht erklären konnte.

 

Sie fühlte sich zu Hause. Und als sie die Augen wieder aufschlug, war sie das. Vor ihr standen vier Frauen. Sie sagten nichts, aber sie lächelten. Und dann nahm eine ihre Hand.

 

„Auf der Suche sich selbst zu finden verliert man sich oft. Auf dem Weg aus sich selbst jemand anderen zu machen, muss man oft die größten Verzweiflungen ertragen. Denn so wie du bist, so sollst du sein. Nur so wie du bist, kannst du glücklich sein.

Wir sind die Hüter der Wege. Wir helfen deiner Seele den Weg zu gehen, für den du dich entscheidest. Den Weg der Zuversicht, der Güte, des Mutes oder des Herzens. Nach jedem Weg hast du ein anderes Leben als vorher und dennoch dasselbe.

Du bist den Weg des Herzens gegangen. Du hast auf es gehört, als du es am meisten brauchtest und so bist du zu Hause angekommen. Hier und hier.“

 

Die Frau zeigte erst auf den Kopf des Mädchens, dann auf ihr Herz. Ihr Lächeln brannte sich tief in die Seele der Träumerin. Es war das letzte Mal, dass sie diesen Frauen begegnete. Denn eine Begegnung reicht, um sie niemals wieder zu vergessen…

 

„Und so bist du zu Hause angekommen. Hier und hier.“ Die letzten Sätze in ihrem Kopf, bevor die Seelenwesen sich umdrehten und den Weg zurückgingen, den das Mädchen gekommen war.

 

Und zum ersten Mal in ihrem Leben musste die Träumerin nicht mehr träumen jemand anderes zu sein. Denn alle Veränderungen fangen in einem selbst an. Manchmal muss man einfach nur seinem Herzen folgen, um da anzukommen, wo man ankommen möchte. Und dann fühlt man sich besonders, auch wenn man es eigentlich immer war.

Das hatte das Mädchen gelernt.

 

Und vielleicht liegt auch heute noch dieses Lächeln auf den Lippen, was sie von da an nie wieder verlor. Dieses Lächeln, was die ganze Magie ihrer Welt widerspiegelte, ihrer Heimat.

Wer weiß das schon?

24.08.2009 um 21:49 Uhr

~> Davongeflogen.

„Du bist wundervoll….“ Und immer, wenn sie sich diesen Satz in Erinnerung rief, liefen Tränen ihre Wangen hinunter. „Du bist wundervoll…“

Dies war sein letzter Satz gewesen… Du bist wundervoll. Du bist wundervoll…. Du bist wundervoll…

Gänsehaut.
Tränen über Tränen.

Dann breitete er seine Flügel aus und sie wusste, sie würde ihn niemals wieder sehen.

 

20.08.2009 um 20:08 Uhr

~> Rumpelstilzchen (von heute... )

Eine etwas andere Geschichte, als die, die ich sonst schreibe, aus einer etwas anderen Art entstanden als es sonst der Fall ist. Ein altbekanntes Märchen modern gemacht, um jemandem zu helfen, den Kampf der Worte zu gewinnen.

© angelmagia

Rumpelstilzchen.

Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es einen Vorort am Rande der Stadt, in dem ein armer Schreiner mit seiner Tochter lebte. Er bekam nur wenige Aufträge, sodass das Geld, das er verdiente gerade reichte, um sich und seine Tochter zu ernähren und um die Miete zu bezahlen. Eines Tages jedoch fertigte er einen besonders schönen Tisch an, welcher am darauf folgenden Tag in einer Auktion versteigert werden sollte.

So kam es, dass sich mehrere Geschäftsleute und Vertreter von Möbelhäusern versammelten, in der Hoffnung durch ein erstandenes Prachtexemplar ihrem Arbeitsplatz eine persönliche Note geben zu können. Unter ihnen befand sich auch der jüngste und zugleich reichste Unternehmer der Stadt.

Sein Wunsch den Tisch in seinen Besitz zu bringen war so groß, dass er keine Mittel scheute, um das Letztgebot immer noch ein wenig zu überbieten. So war es nicht verwunderlich, dass das Höchstgebot schließlich von ihm stammte.

In Aussicht auf weitere Aufträge nutzte der Schreiner die Gelegenheit sein Ansehen bei dem Geschäftsmann zu steigern und sagte zu ihm: „Ich habe eine Tochter, die kann Kohle zu Diamant pressen.“ Der Unternehmer überlegte nicht lange. Dann antwortete er: „Das ist eine Kunst, die mir gut gefällt. Wenn deine Tochter so geschickt ist, wie du sagst, bring sie morgen in meine Firma, da will ich sie auf die Probe stellen.“

Als nun das Mädchen zu ihm gebracht wurde, führte er es in ein unterirdisches Büro, das ganz voller Kohle war und sprach: „Jetzt mache dich an die Arbeit, und wenn du diese Nacht durch bis morgen früh diese Kohle nicht zu Diamant gepresst hast, dann kommst du hier nie wieder hinaus.“ Darauf schloss er die Tür und sie blieb allein in dem Raum. Voller Todesangst saß nun die arme Schreinerstochter vor dem Kohleberg und wusste weder ein noch aus. Sie wusste nicht, wie man Kohle zu Diamant pressen konnte und ihre Angst wurde immer größer, sodass sie schließlich zu weinen anfing.

Doch auf einmal ging die Tür auf und ein kleinwüchsiger Mann trat herein. Er sagte: „Guten Abend, schöne junge Frau, warum weinen Sie so sehr?“

„Ach“, antwortete das Mädchen, „ich soll die Kohle zu Diamant pressen und weiß einfach nicht wie.“ Der Mann musterte sie von oben bis unten und sagte: „Was gibst du mir, wenn ich dir die Kohle presse?“ „Meine Kette“, erwiderte das Mädchen und hielt sie ihm entgegen.

Der Mann nahm sie, setzte sich vor den Kohleberg und begann mit seiner Arbeit. Diamant um Diamant wurde aus der Kohle gepresst und so ging es die ganze Nacht durch. Am Morgen war alle Kohle verschwunden und im Licht des unterirdischen Raumes glänzten die Diamanten.

Bei Sonnenaufgang kam schon der Geschäftsmann und als er die Diamanten erblickte, war er zugleich erstaunt und erfreut, doch sein Herz wurde nur noch geldgieriger. Er ließ die junge Frau in ein anderes unterirdisches Büro bringen, welches noch viel größer war als das erste und befahl ihr, auch diese Kohle in einer Nacht zu Diamanten zu pressen, wenn ihr ihre Freiheit lieb wäre.

Wieder blieb sie alleine in dem Raum zurück, ohne zu wissen, wie sie ihre Aufgabe erfüllen sollte. Ein weiteres Mal brach sie in Tränen der Verzweiflung aus und ein weiteres Mal öffnete sich die Tür und der kleine Mann trat ein. „Was gibst du mir, wenn ich dir die Kohle zu Diamant presse?“

„Meinen Ring“, antwortete sie unter Tränen und die Hoffnung erwachte, dass sie bald wieder frei sein würde. Der Mann nahm den Ring an sich, ließ ihn in seiner Tasche verschwinden und fing mit der Arbeit an, sodass am Morgen tatsächlich der ganze Raum voller Diamanten war und man nicht einmal mehr erahnen konnte, dass es vorher einmal Kohle gewesen ist.

Als der Firmenchef schließlich das Büro ohne Fenster betrat und er das Diamantenmeer erblickte, freute er sich. Doch genug war es ihm immer noch nicht. Seine Geldgier und der Wunsch nicht nur der reichste Mann der Stadt zu sein, sondern mit Abstand der reichste, veranlasste ihn das arme Mädchen in einen noch größeren Raum voller Kohle zu bringen, damit sie auch diesen Berg in Diamanten verwandeln könnte. Bevor er die Tür ein drittes Mal schloss, sagte er: „Diese Kohle musst du noch in dieser Nacht zu Diamanten pressen und wenn du es schaffst, dann werde ich dich heiraten.“

Er wusste, dass diese arme Frau, die reichste sein würde, die er jemals auf der Welt bekommen könnte.

Dann war sie wieder allein in einem Raum voller Kohle, die sie nicht zu Diamanten pressen konnte. Sie zählte die Fliesen auf dem Boden und betrachtete das Lampensystem, welches den Raum in künstliches Licht tauchte. Und dann öffnete sich zum dritten Mal die Tür und wieder stand der kleinwüchsige Mann vor ihr, der ihr bereits zwei Mal das Leben gerettet hatte.

„Was gibst du mir, wenn ich dir dieses Mal noch die Kohle zu Diamant presse?“ Er schaute sie fordernd an. „Ich habe nichts mehr, das ich dir geben könnte“, antwortete die junge Frau. „Du hast bereits alles, was ich besitze, bekommen.“ Der Mann überlegte und mit einem flüchtigen Lächeln auf den Lippen unterbreitete er ihr seine Forderung: „Ich bin ganz alleine. Ich liebe Kinder. So versprich mir, wenn du die reichste Frau dieser Stadt wirst an der Seite des Firmenchefs, dass ich dein erstes Kind bekomme.“

Und in ihrer Hilflosigkeit ging sie auf die Forderung ein. Der Mann setzte sich ein letztes Mal vor den Kohleberg und presste jedes Kohlebrikett zu einem Diamanten, wobei einer schöner funkelte, als der andere. Am nächsten Morgen kam der Geschäftsmann wieder in sein unterirdisches Büro, um seine neuen Reichtümer zu begutachten. Aus dem leerstehenden Büro war eine Schatzkammer geworden, die seine Vorstellungen noch übertraf. Am selben Tag noch, heiratete er die junge Frau und aus der armen Schreinerstochter wurde eine reiche Geschäftsfrau.

Über ein Jahr später brachte sie per Kaiserschnitt ein Kind zur Welt. Den Mann, der sie aus ihrem unterirdischen Gefängnis befreit hatte, hatte sie längst vergessen. Sie war noch im Krankenhaus, als dieser auf einmal vor ihr stand und sagte: „Nun gib mir, was du versprochen hast, dein erstes Kind!“ Die Geschäftsfrau erschrak und bot dem kleinen Mann viel Geld, ein großes Haus in der Stadt oder die Möglichkeit in weit entfernte Länder zu reisen, wenn er ihr nur ihr Kind lassen würde. Doch der Mann blieb hart. „Nein. All das will ich nicht. Etwas Lebendes ist mir lieber als alles Materielle dieser Welt.“

Und dann fing die junge Mutter an zu schluchzen und zu weinen, sodass der Mann Mitleid mit ihr hatte und einen letzten Kompromiss einging: "Ich gebe dir drei Tage", sagte er, "wenn du bis dahin meinen Namen weißt, kannst du dein Kind behalten. Findest du ihn jedoch nicht heraus, wird es mir gehören."

Die Geschäftsfrau grübelte die ganze Nacht über alle Namen, die sie jemals gehört hatte. Noch am selben Abend rief sie ihren Anwalt an und beauftragte mehrere Journalisten durch die Welt zu reisen und sich überall zu erkundigen, was es sonst noch für Namen gäbe. Als der Mann ihr am nächsten Tag wieder einen Besuch abstattete, fing sie an mit Tim, Tom, Jack, und sagte alle Namen, die sie wusste. Doch bei jedem davon verneinte der Kleinwüchsige und sagte unter Kopfschütteln: „Nein, so heiß ich nicht.“ Am zweiten Tag ging sie die Mitarbeiterliste der Firma durch und ließ in der Nachbarschaft herumfragen, wie die Leute dort genannt würden. Als der Mann auch diesen Tag wieder zu Besuch kam, nannte sie ihm die ungewöhnlichsten und seltsamsten Namen.

„Heißt du vielleicht Washington oder Paco oder Pekro?“ Aber egal was sie sagte, er antwortete immer: „Nein. So heiß ich nicht.“

Am dritten Tag schließlich, bekam sie mehrere Anrufe und E-Mails von den Journalisten, die für sie durch die Welt reisten. Sie hatten alle keine neuen Namen finden können.

Diese Nachricht erschütterte die reiche Schreinerstochter sehr, sodass sie wieder einmal vor lauter Verzweiflung zu weinen anfing. Sie wollte ihr Kind nicht abgeben, um nichts in der Welt.

Und auf einmal klingelte das Telefon ein weiteres Mal. Ein Förster hatte die verzweifelte Namenssuche der Geschäftsfrau in den Medien verfolgt und wollte ihr helfen. Bei einem seiner Streifzüge im Wald kam er an einem kleinen Blockhaus vorbei, aus dem laute Musik ertönte. Er ging näher heran und schaute durch das Fenster. Drinnen sang ein kleinwüchsiger Mann lauthals Karaoke, während er auf ungelenkige Weise zu tanzen versuchte. Der Förster konnte wenige Textzeilen heraushören:

"Heute sing ich,
Morgen flieg ich,
Übermorgen werd ich Vater sein; und niemand kann es ändern.
Ach, wie gut ist, dass niemand weiß,
dass ich Rumpelstilzchen heiß!"

Und mit dieser Nachricht fiel der jungen Mutter ein Stein vom Herzen. Erleichterung machte sich breit. Als kurz danach der Mann in ihr Krankenzimmer trat und fragte: „Nun, Frau Firmenchefin, wie heiß ich?“ fragte sie erst: „Heißt du Mike?“ „Nein.“ „Heißt du Stuart?“ „Nein.“ „Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“

Und als sie dies sagte brach der Kleinwüchsige in einen cholerischen Wutausfall aus. Sein Gesicht rötete sich vor Zorn, seine Pulsadern pulsierten. Er schrie sie an: „Das hat dir der Teufel gesagt! Das hat dir der Teufel gesagt!“ Und im selben Atemzug stürzte er sich aus dem Fenster.

 

 

 

10.03.2009 um 22:58 Uhr

~> Zwischen Wirklichkeit und Illusion

Weil manche Worte einen Ort brauchen, an dem sie aufgehoben werden können... Und für manche ist dieser Ort hier. 

© angelmagia

  Zwischen Wirklichkeit und Illusion

Manchmal, wenn ich abends am Fenster sitze und in den Nachthimmel schaue, kommen alle Erinnerungen wieder…

Erinnerungen, an ein ganz anderes Leben. An früher, an damals…

Manchmal kommt es mir vor, als wäre es eine Erinnerung aus ganz alter Zeit… Aus einem Leben, was nicht einmal mir gehört.

Auch heute Abend saß ich dort und habe in die Sterne geschaut. Es ist immer noch so unendlich schön, weil es mir die Grenzenlosigkeit zeigt, die es auf dieser Welt nirgends gibt… Doch es war auch anders. So wie es immer anders ist, seit ich gelernt habe loszulassen…  Seit ich gelernt habe, dass man Vieles ändern kann, aber längst nicht alles… und die Vergangenheit schon gar nicht. 

Heute saß ich dort draußen auf der Bank vor meinem Haus, völlig versunken in Gedanken, in einer Welt, die ganz mir allein gehört und plötzlich war sie wieder da: die Erinnerung an diesen einen ganz bestimmten Tag… Diesen Tag, der mein ganzes Leben auf den Kopf stellte und es zugleich zum schönsten und auch schlimmsten der Welt machte.

Ich spüre es jetzt noch, als wäre ich gerade erst aus diesem Traum aufgewacht… 

Es war als würde ich fallen, ohne jemals auf dem Boden anzukommen…. Es war, als hätte man mir die Luft zum Atmen genommen, nur um mir die Augen zu öffnen…. Es war so unendlich grausam, dass ich mich selbst jetzt noch manchmal frage, wie ich das ausgehalten habe…. 

Damals…. 

Als er gestorben ist, ist für mich eine Welt untergegangen…. Er war der einzige Mensch, der die ganze Geschichte kannte… Er hat mich niemals verurteilt für das, was ich bin und für das, was ich erlebt habe…. Er war immer da …. Mein Lichtblick in einem Leben voller Schatten. Er war der Mensch, der mich immer verstanden hat und der mir das Gefühl gegeben hat, dass ich besonders bin…

Und auf einmal war er nicht mehr da. Weg. Einfach weg.

Warum musste er nur an diesem Tag zu mir kommen? Warum musste es so kalt sein und so glatt? ... Und warum musste dieser Autofahrer es so eilig haben….? Unendlich viele Warum und keine einzige Antwort…

Vielleicht wäre er auch heute noch hier, wenn er mich nicht besucht hätte…. Wenn es mir besser gegangen wäre und ich niemandem gebraucht hätte, der mir zuhört und mich in den Arm nimmt…

Vielleicht, vielleicht. Wer weiß das schon….

An diesem Tag bin auch ich gestorben. Innerlich. Wieder und wieder….

Ich saß einfach dort auf dem Fensterbrett und habe meine alten Tagebücher gelesen… Erinnerungen an ihn. An eine wunderbare Freundschaft, an eine Liebe, für die es keine Worte gibt… Wie sehr wünschte ich mir, es wäre alles nur ein Traum…. Ich wollte nichts mehr als aufwachen und wissen, er ist da…

Meine Augen flogen über die Zeilen… Hier hin und dort hin und es war, als würde ich in genau diesem Moment gefangen sein….

Es war so unendlich still um mich herum… Das einzige Geräusch war das Rascheln der Seiten, wenn ich in einer weiteren Erinnerung versank….Umblättern. Festhalten wollend…. Ich weiß nicht, wie lange ich dort saß… Wie viele Stunden ich gelesen hatte… Wie viele Worte an meinen Augen vorbeizogen, wie Vögel auf einer langen Reise…. Ich weiß es wirklich nicht und ich glaube, ich möchte es auch gar nicht wissen….

Zeit war egal… Zeit war unwichtig… Alles war unwichtig ohne ihn.

Ich konnte nicht aufhören zu lesen…

Es war wie ein Zwang, eine Sucht… Etwas, was ich nicht steuern konnte… Ich musste lesen. Alles…. Jeden einzelnen Moment meines Lebens, den ich dort verewigt hatte…  So, als würde er wieder lebendig werden, wenn ich die Geschichte rückwärts erzähle…

Meine. Denn er war sie komplett mit mir in die andere Richtung gegangen.

Er war Teil eines jeden Moments… Auch, wenn es nur aus der Erinnerung war…

Ich saß dort, vor den Scherben meines Lebens und wusste nicht, was ich tun sollte… Wer würde jetzt mein Herz zusammenflicken? Wer würde mich jetzt an die Hand nehmen und sagen: „Schau, das Leben ist gar nicht so schlecht?“ …. Wer?

Niemand…

Ich war ganz alleine… So sehr alleine, wie noch nie in meinem Leben, obwohl ich immer alleine war… Obwohl ich immer auf mich selbst gestellt war. Ich hatte niemals jemanden, der mir geholfen hat… Noch nicht einmal versucht haben sie es…

Ich war egal. Ich war unwichtig. Und ich durfte es jeden Tag spüren…. Eltern. Was ist das? Freunde. Was ist das? Kindheit. Jugend.
All das durfte ich nie erleben…

Ich hatte es nie einfach, aber er hat mir geholfen damit klarzukommen…  Und auf einmal war er weg.

Ich weiß noch, wie ich plötzlich ganz ruhig wurde und im nächsten Moment lautlose Tränen über meine Wangen liefen… Wenn ich die Augen schließe kann ich beinahe immer noch das Salz auf den Lippen spüren und die unendliche Leere im Herzen, von der ich nie gedacht hätte, dass sie jemals wieder gefüllt würde….

Ich merkte gar nicht, wie die Worte plötzlich vor meinen Augen verschwammen… Wie sich alles drehte und ich weinend zusammenbrach….

Denn auf einmal war er wieder da….

Auf einmal kniete er dort neben mir und hielt mich einfach nur fest… Mein Kopf an seiner Schulter, seine Lippen auf meinem Haar…

„Alles wird gut… Du hast nur geträumt… Alles ist gut… Mach dir keine Sorgen…“

In diesem Moment war wirklich alles gut… Er war wieder da… Er war niemals weg… Zum ersten Mal in meinem Leben schien etwas richtig zu laufen… Zumindest fühlte es sich so an.

Und dann saßen wir dort auf dem Boden und unterhielten uns… Planten, redeten, malten uns die Zukunft aus…

Überall um uns herum lagen Zettel mit einzelnen Worten… Liebe. Glück. Freiheit. Unendlichkeit. Märchen. Freundschaft. Hoffnung. Zauberei. Zirkus…. So viele Worte…. Und ich weiß bis heute nicht, warum sie alle dort zwischen uns lagen…

Doch es spielte auch keine Rolle…

Es war egal. Denn er war da und mit ihm Gedanken an eine Zukunft, die so wunderbar sein würde, wie nichts zuvor.

Es würde ein ganz neues Leben beginnen…

Ein Leben, in dem alles anders werden würde. Ein Leben voller Glücklichkeit, voller Vertrauen. …

Ein Leben ohne Albträume und ohne Erinnerungen an eine Welt, in der ich niemals leben wollte….

Wir saßen dort die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag und es war das erste Mal, in meinem Leben, dass ich mir sicher war, dass ich ihn niemals mehr verlieren würde….

*

Die Zeit verging so schnell und mit ihr die Augenblicke und die Gedanken… und die Momente, die sich tief in mein Gedächtnis gebrannt hatten…

Plötzlich war das Jahr zu Ende und ich weiß gar nicht, wo es geblieben ist. Wohin gehen die Sekunden, die man gelebt hat? Und wohin gehen die, die man vergeudet hat?

Wenn ich könnte, würde ich sie festhalten. Immer nur festhalten und sie ihm schenken… Denn er weiß am besten, wie man die Augenblicke füllt.

Ich weiß gar nicht, warum ich mir auf einmal über solche Dinge den Kopf zerbrach. Es war doch egal, wohin die Zeit geht, solange man sie gemeinsam verbringen darf.

… Und das folgende Jahr wurde zum schönsten meines Lebens. Manche Momente tanzten als Bilder in meinem Kopf herum.

Nie vergessend. Da war der Winterspaziergang im tiefsten Schnee und die Engel, die wir in die weiße Wunderwelt setzten. Schneeengel. Oder vielleicht auch Schneeadler.

Ich glaube, das trifft es besser…

Ich war wie neugeboren. So frei. So glücklich. So schwerelos….Ich war ein neuer Mensch in einem völlig neuen Leben.

Es war, als würde das alte gar nicht existieren. Als wäre es ein Ausschnitt aus einem Buch, das sich irgendjemand irgendwann ausgedacht hat…

Es war so weit weg alles.

Und ich war glücklich. Einfach nur glücklich… Mit ihm an meiner Seite. Ich sah ihn nicht. Oft war er gar nicht da. Doch irgendwie war er es trotzdem immer…

Manchmal sah er nicht einmal aus wie er selbst. Aber meine Gefühle konnten sich nicht täuschen.

Er war es.

Er würde es immer sein…

Denn ich kenne niemanden so wie ihn…

Und manchmal in all der Zeit habe ich mich gefragt, ob man nur einen Menschen in seinem Leben haben darf, der so sehr besonders ist… Der einen versteht, der einem vertraut…

Ich habe nie eine Antwort darauf bekommen.

Und vielleicht wollte ich auch gar keine haben… Ich weiß es nicht. Denn vielleicht haben die wenigsten so einen Menschen an ihrer Seite… Vielleicht war es gar nicht das Normale. Das Selbstverständliche.

Manchmal ist es besser, wenn man nicht alles weiß.

Und wieder waren da Bilder und noch mehr Bilder in meinem Kopf…

Wir saßen in meinem Zimmer auf dem Boden und haben unsere Weltreise geplant. „Immer den Sternen nach“, sagte er während sein Blick die Unendlichkeit streifte….“Immer den Sternen nach“ … Ich fand, es war eine schöne Idee…

Es war die Idee,  die er durch Worte in mein Herz geschrieben hatte, in dem Moment, als ich mir wünschte mein Leben mit ihm verbringen zu dürfen….

Nicht nur für immer, sondern auch für ewig…

*

Als ich dann wieder aufblickte, war ich völlig alleine… Mein Tagebuch lag aufgeschlagen neben mir… Tränen hatten die Worte verwischt, sodass sie nicht mehr lesbar waren… Nur eines noch, ganz am Ende der Seite… Sehnsucht…

Und plötzlich musste ich wieder weinen… Es war, als müsste ich ersticken…. Als würde die Traurigkeit niemals mehr vergehen… Wie kann man träumen aufzuwachen und ganz normal weiter leben? Wie kann man nur träumen, dass die Wirklichkeit bloß eine Illusion ist und der Traum die Realität?....

Er würde niemals mehr wieder kommen… Er ist für immer gegangen…. Und in diesem Moment ging meine Welt ein weiteres Mal unter…

Als hätte das Schicksal aus meinem Leben ein Kartenhaus gebaut und die unterste Karte herausgezogen...  Ich war alleine…. Und es würde sich niemals mehr ändern….

Allein…. Allein… Allein… Worte, die mit der Zeit leiser wurden und irgendwann nur noch als Echo in meinen Erinnerungen verhallten….

Allein…

Ich erinnere mich so gut an diesen einen Moment, der mein Leben völlig auf den Kopf stellte… Dieser eine Moment… Dieser eine Traum. Einschlafen und dabei aufwachen. Wirklich aufwachen und endlich lernen loszulassen….

Und jetzt bin ich endlich frei….

Das Fundament meines Lebens hat sich nicht geändert… Doch nun habe ich es akzeptiert… Ich kann damit leben, weil ich damit leben muss… Könnte ich es ändern, würde ich es tun…

Doch manche Dinge sind unmöglich.

Und manche Dinge sollen nicht geändert werden…

Man kann Vieles verstehen. Aber niemals alles… Ab jetzt geht mein Leben den Sternen nach ohne das Wunder der Zeit.

Denn manchmal braucht man keine Zeit, einfach weil man mehr als genug davon hat.

Einfach weil manche Momente ewig sind.

Zumindest im Herzen…

20.04.2008 um 19:12 Uhr

~> Der Glaube zählt

Alle sind im Drabblefieber hier so langsam...

 

Ich hab noch eins ;)


Der Glaube zählt 

Sie streckte die Hände zum Himmel. Ein einziger, langer Schrei tönte durch die Stille. „JAAAAAAAAAA!!!“ Sie war glücklich. So unendlich glücklich, wie wohl noch nie in ihrem Leben. Alles war gut gegangen. Alles war so, wie es sein sollte. Sie wusste jetzt, dass sie über den Wolken tanzen durfte. Sie wusste jetzt, dass sie alles schaffen konnte, wenn sie nur wirklich daran glaubte. Und sie wusste, dass es immer einen Weg geben würde, egal woher er führte.

Es war nicht schwierig, wenn man erst einmal angefangen hatte. Und diesen ersten Schritt hatte sie getan, auf dem Weg zurück ins Leben.  

 

17.04.2008 um 19:16 Uhr

~> Drabble "Ein Leben verborgen hinter Masken"

Becca hat mich auf die wunderbare Idee gebracht, es auch mal mit Drabbles zu versuchen.

Und ich muss sagen, es macht unglaublich Spaß.

Drabbles sind Geschichten, die genau aus hundert Wörtern bestehen (ohne die Überschrift). Keins mehr und keins weniger.

Hier, bitte. :) Mein erster Versuch!


Ein Leben verborgen hinter Masken

 
Das Buch lag aufgeschlagen auf dem Tisch. Nur ein einziger Satz stand in ihm geschrieben… Auf der ersten Seite. „Ich habe Angst…“ Daneben lag eine Eintrittskarte für den Zirkus… Doch die Person, die es geschrieben hatte, war schon lange nicht mehr da. Niemand wusste warum sie verschwunden war und wohin sie gegangen war. Niemand.

Sie hatte einfach nur Angst. Und es gab nichts was sie mehr fürchtete als diese Menschen. Waren es überhaupt Menschen? - Clowns. Sie wollte nicht in den Zirkus gehen. Denn sie waren niemals sie selbst. Angst. Ein Leben verborgen hinter Masken löste Panik in ihr aus.

 

10.10.2007 um 18:24 Uhr

~> Irgendwo zwischen den Welten

© Angelmagia

 

Für Menschen, die mir sehr wichtig sind.

 

Irgendwo zwischen den Welten

Und manchmal ist es nur ein einziger Augenblick, der alles verändern kann. Der aus gut schlecht macht und aus Pech Glück...

Ein einziger Schritt, der dich wissen lässt, ob du leben oder sterben willst...

Und ich habe mich entschieden, vor über tausenden von Jahren...

Entschieden zu leben in der Unendlichkeit...

Es gibt kein vorwärts und kein zurück. Keine Vergangenheit und keine Zukunft...
Denn hier spielt Zeit keine Rolle mehr...

Als ich gegangen bin, habe ich alles zurückgelassen...

Meine Freunde, meine Familie, mein komplettes Leben und dennoch bin ich glücklich...

Manchmal muss man einfach seinen eigenen Weg gehen, egal was die anderen sagen ...

Noch bin ich alleine... ganz alleine hier zwischen den Zeiten...

Doch vielleicht wird eines Tages jemand eben diese Entscheidung treffen... So wie ich es tat.... Vielleicht.

Man weiß ja niemals, was passieren wird.. So muss man einfach leben in jedem Augenblick.

Wie gut kann ich mich noch an den Tag erinnern, als ich für immer gegangen bin...

Damals.

Es war ein Tag, so schön, dass es keine Worte dafür gibt. Märchenhaft. Traumhaft.

Der erste Schnee lag wie Watte auf den Bäumen.. So sanft, so anmutig... Zum Träumen schön.

Es war einfach perfekt....

Und ich habe nie mehr etwas Schöneres gesehen...

Vielleicht wäre ich geblieben, wenn mein Schicksal es zugelassen hätte...

Doch ich konnte nicht. Mit jedem Atemzug liefen Tränen meine Wangen hinunter... Machten all den Schmerz unendlich viel schwerer als ihn zu lindern...

Ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten....

Wahrscheinlich wisst ihr nicht einmal, was ich meine... Könnt nicht verstehen, dass etwas so schmerzt, dass es die Luft zum Atmen nimmt...

Doch ich sage euch, es ist die Wahrheit...

Diesen Tag, welchen ich als schönsten in Erinnerung halte, ist auch gleichzeitig der traurigste, den ich je erleben musste...

Ich werde nie die Zeilen vergessen, die in diesem Brieflein standen, was so unschuldig vor meiner Haustür lag....

Niemals...

"An einen Menschen, dem immer mein Herz gehört hat....

Wenn du diese Worte liest, bin ich schon nicht mehr am Leben... Das Schicksal hat mir die Chance genommen dir 'Lebwohl' zu sagen. Dir zu sagen, dass ich dich liebe..... Schon immer geliebt habe...

Du warst mehr als ein Freund für mich, schon seit Anfang an...

Mehr als ich mir jemals erträumen konnte....

Doch ich musste schweigen...

Ich werde auf dich warten...

Irgendwo in einer anderen Welt.

Das verspreche ich.
Ich liebe dich."

Und als ich damals diesen Brief fand, ging für mich eine Welt unter...

Warum nur? Warum sie?... Ich hatte sie auch geliebt... So sehr geliebt.... Doch dachte ich, sie hielt mich nicht einmal für einen Freund...

Kann das Schicksal so grausam sein?...

Warum nimmt es einem die Dinge, für die man alles geben würde? Wirklich alles, wo sie einem so sehr wichtig sind?...

Warum nur?....

Und immer noch keine Antwort nach scheinbar unendlich langer Zeit...

Ich wollte weg, einfach nur noch weg... Wünschte mir nichts mehr als das....Irgendwohin, wo niemand mich kennt... Irgendwohin, wo Zeit keine Rolle mehr spielt...

Wo ich vergessen kann, dass in meinem Puzzle immer ein Teil fehlen wird...

So bin ich hier gelandet....

Ich weiß auch nicht so genau...

Wenn man sich nichts mehr wünscht als etwas zu erreichen, so wird man es auch erreichen...Das ist mir bewusst geworden...

Und vielleicht wird auch sie irgendwann hier erscheinen....

Vielleicht werden wir uns eines Tages zeigen dürfen, was wir so lange versäumt haben...

Vielleicht....

Ich glaube daran...

Denn auch Seelen wandern hier...

 

 

29.06.2007 um 00:30 Uhr

~> Über das Glück

Damals ist das Märchen über den kleinen Stern entstanden...

Und damals ist auch eine weitere Reflexion über das Glück entstanden...

 


Als ich diese Geschichte über den kleinen Stern schrieb, habe ich nicht nachgedacht, ob sie überhaupt von Glück handelt, habe mir keine Gedanken darüber gemacht, ob sie der Aufgabe entspricht.

 

Doch hinterher, als bereits der letzte Satz geschrieben war, und ich dieses Märchen ein weiteres Mal las, fragte ich mich, was Glück eigentlich ist..., was Glück für mich bedeutet...

Ob ich zu einer Antwort gekommen bin?.. Ich weiß es selbst nicht...

Manchmal hat man keinen Einfluss darauf, ob man glücklich sein kann.., glücklich sein darf. Denn Glück kreuzt oft dann den persönlichen Weg, wenn man es gar nicht erwartet...

Glück ist das Kleine und Glück ist das Große.. Alles zugleich und doch nichts...

Es ist nicht greifbar, aber immer vorhanden.. Es bleibt nicht immer bei einem selbst, doch man kann weiterhin glücklich sein..., mit offenen Augen und einem Herzen, das es zuläßt...

Glück ist ein kleiner Augenblick, der alles verändern kann...

Ein Augenblick, der den Mensch lehrt, was es bedeutet zu leben - richtig zu leben...

Glück ist nicht das Ziel, das ich erreichen möchte.. Nein, es ist der Weg, der den meinen ab und an überschneidet...

Es ist etwas, was jeder einmal hat, aber doch niemand besitzt.

Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken könnte...

Glück ist so viel und auch so wenig...

Viele Menschen streben danach es zu finden, es für immer zu haben..

Aber würden sie die Augen öffnen, würden sie ihr Leben wahrnehmen, könnten sie sagen, sie hätten das Glück schon immer gehabt...

Denn ist es nicht ein Teil des Lebens?

Ein Teil, der immer vorhanden war?...

Jeder darf doch durch die Welt laufen und sich an den Dingen erfreuen... Jeder darf doch ganz persönliche Erfahrungen sammeln, die Erinnerungen schreiben.. Oder etwa nicht?... Ist das nicht Glück genug?...

- Für mich schon.. Aber ich weiß selbst, dass unglaublich viele Menschen diese Einstellung nicht teilen können...

Ich habe aufgegeben nach Glück zu suchen, denn ich merkte, eine solche Suche ist unmöglich..

Es war nur ein Versuch, der mich traurig machte..., nachdenklich stimmte..

Irgendwann kommt das Glück von selbst zu einem...Dann wenn es sieht, dass der Mensch die Augen öffnet für Dinge, die wirklich wichtig sind...

Und ja, das Glück kam dann zu mir, als ich es am wenigsten erwartete.. Denn ich habe gelernt, was es bedeutet wirklich zu leben.. So zu leben, dass ich fast immer sagen kann, ich bin glücklich...

Und vielleicht hilft gar ein kleiner Stern dort oben, anderen auch den richtigen Weg zu zeigen...

Vielleicht...

Wer weiß...


 

Es ist einer der wenigen Texte, auf die ich wirklich stolz bin...

 

Stolz war, auch bevor die Note drunter stand...

Ich wünsche euch alles Glück, was ihr erreichen könnt!.. <3

 

11.06.2007 um 21:21 Uhr

~> Brief eines irakischen Häftlings

Und auch diesen Brief (hier) habe ich für sie geschrieben...

Thema Sehnsucht nach Freiheit...


Brief eines Irakischen Häftlings.

Nach seinem Tod wurde ein Brief in seiner Zelle gefunden – Nie abgeschickt. Nie angekommen.

Meine liebste Chalida.

Es ist lange her, als ich gehen musste; als unser gemeinsamer Weg dort endete, wo er hätte anfangen können… Es ist lange her. So unendliche Zeit vergangen, dass ich nicht einmal genau weiß, wie viele Tage es nun sind. Ich weiß nicht, ob Nacht ist, oder Tag… Wann morgen ist und wann gestern war.

Ich weiß nicht mehr, wie viele Jahre ich noch leben werde, wenn ich so einsam bin und ob ich dich jemals wieder sehe…

Wie sehr wünschte ich, ich müsste nicht mehr diese ewig graue Welt sehen… Müsste nicht mehr Tag ein Tag aus diese Gitterstäbe zählen um immer wieder zu wissen, dass es niemals weniger werden und dass ich niemals mehr hier rauskomme… Niemals…

Ich habe mein Leben verloren, ohne dass ich etwas hätte ändern können. Ich weiß nicht einmal mehr, wer ich bin…

Warum ich bin.

Ich wünschte, ich könnte nach Hause kommen… Jetzt. Für immer… Doch es geht nicht. Denn dieser Ort existiert schon lange nicht mehr für mich.

Es tut mir Leid, dass ich dir diese Worte schreibe; dass ich dein Herz brach am Anfang und am Ende… Doch glaub mir, hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich dich niemals verletzt. Niemals.

Ich möchte vergessen, dass mein Leben aus grauen Wänden besteht. Möchte vergessen, dass nichts kälter ist als die Einsamkeit. Ich möchte nicht mehr mit dem Gedanken aufwachen, dass irgendwo dort draußen Freiheit ist, und ich möchte auch nicht mehr mit diesem Gedanken einschlafen. Doch das Schwerste und das Schmerzhafteste ist zu vergessen, dass ich dich liebe… Es schon immer tat.

Ich kann einfach nicht, obwohl ich mir nichts mehr wünsche… Dich zu vergessen, vielleicht wäre es einfacher. Vielleicht wäre es der einzige Weg, ein bisschen länger durchzuhalten hier in dieser Zelle. Denn wenn die Einsamkeit mich nicht umbringt, dann wird es die Sehnsucht.

Es tut mir Leid. Das wollte ich nie…

So lebe wohl, für immer.

In Liebe Binyamin.

 

11.06.2007 um 21:19 Uhr

~> Innerer Monolog einer Jüdin, auf der Fahrt ins KZ

Hier (~> ) habe ich diesen Monolog angesprochen... Worte, um ihr zu helfen... Und jetzt ist es Zeit sie auch euch zu zeigen... Denn jetzt stehen die Noten bereits fest...

 

Innerer Monolog einer Jüdin, auf der Fahrt ins KZ.

Fahrt ins Nirgendwo. Angst. Angst. Ungewissheit… Möchte erlöst sein… Möchte Leben.. Möchte nicht ich selbst sein… Sterben. Leben. Angst… Warum?... Möchte weg.. Einfach nur weg…

Möchte frei sein. Möchte nichts mehr als frei sein.. Doch leider geht es nicht… Nie mehr..


Es ist aus… Vorbei.. Ende… Immer… Nie mehr… Möchte doch auch nur leben dürfen… Nicht mehr die graue Tür sehen und diese furchtbaren Menschen… Möchte irgendwo dort draußen sitzen… frei sein… Nur frei sein..

Wie es ihm wohl geht.. Meinem lieben Freund… Gut? Schlecht…? Noch lebend?...

Angst… Verzweiflung… Möchte raus.. Weg. Unendlichkeit…

Angst… Grenzenlose Angst… Wo bist du?

Wo bin ich?

Warum ist das so schwer, so schmerzhaft? .. So… Ich weiß auch nicht…

Laster ruckelt…

Dunkelheit… Schon so lange Dunkelheit…

Warum?

Möchte Licht sehen… Den Himmel, die Wolken… Tag oder Nacht… Egal.. Einfach raus.. Nur Freiheit..

Einsam. Allein. Wo bist du?

Sterne im Kopf.. Sterne in Gedanken. Nacht? Tag… Hab Angst. Möchte weg… Möchte leben. Nur leben. Mein Kopf schmerzt. Hände gebunden. Gefangen… Immer, immer… Möchte doch nur frei sein… Raus.. nicht ich selbst…

Nie mehr.

Zu schlecht diese Menschen… Angst. Aber Hoffnung.. Ein bisschen… Nur ein bisschen… Leben können? Sehnsucht…

Warum nur so?...

Warum so sehr?

Alles wird schwarz… Zu viel Angst. Warum jetzt? Freiheit? … Höre den Regen… Stimmen.. Stimmen… Mein Herz schlägt… Oder? Schon tot?... Frei?... Nie mehr…

Möchte doch auch nur ein Leben.. Nicht allein sein. Nicht aufgeben.. Nein, nein…

Möchte nur frei sein… Möchte nach Hause…

 

30.05.2007 um 21:30 Uhr

~> Der Mensch - Freier Geist oder Gefangener seiner Triebe.

Mein Lieblingstext von den heute zurückbekommenen... ;)

Der Mensch - Freier Geist oder Gefangener seiner Triebe

Freiheit, Freiheit, was ist das? Was macht sie aus?

Und ich könnte wieder und wieder über diese Frage nachdenken, mir wieder und wieder bewusst werden lassen, dass ich sie nie werde beantworten können.

- Nicht richtig zumindest... Nicht endgülltig.

Und würde ich dich fragen, ob du frei bist, würdest du lachen, deine Arme ausstrecken und dich einmal im Kreis drehen... Würdest mit einem Wort antworten... - Natürlich, ja natürlich... -

Jeder, der nicht gefangen ist, ist frei... Oder nicht?

Denkst du so?

Natürlich.. Wie könnte es sonst anders sein?

Aber wenn ich dich fragen würde, warum du so denkst, könntest du mir nicht antworten, könntest nicht einmal etwas dazu sagen... Denn du weißt deine Gedanken selbst nicht zu erklären...

Mit großen Augen würdest du mich anschauen, leise vor dich hin murmeln:"Aber ist doch so... Ist doch wahr.... Oder etwa nicht?"

Doch glaub mir, so einfach ist es nicht...

Was ist für dich frei? Was ist für dich gefangen?...

Wenn du dies an Gitterstäben vor deinen Augen misst, dann hast du Recht.. Dann ist frei, wenn man nicht gefangen ist... Dann ist Freiheit, wenn man dahin gehen darf, wohin man möchte...

Körperliche Freiheit.. .Unglaublich viel und unglaublich wenig zugleich...

Und würde ich dich fragen, bist du geistig genauso frei, wie du körperlich frei bist, was würdest du sagen?

Natürlich... Ja, natürlich...

Deine Worte wären unanzweifelbar.. So als könnte dich niemand davon abhalten, es dir selbst immer und immer wieder zu bestätigen.

Warum, frage ich. Warum denkst du so?

Wieder könntest du nicht antworten... Und wahrscheinlich würdest du mir nicht glauben, wenn ich dir sage, es kann auch anders sein.. Ganz anders...

Kennst du es, zu denken ohne es auch nur irgendwie beeinflussen zu können?

Nein? Dann versuche so lang du es schaffst, nicht zu denken... Einfach ein weißes Bild vor Augen sehen zu können...

Ich denke, es wird nicht lange halten.. Einen kurzen Augenblick nicht mehr...

Vielleicht würdest du dich fragen, warum es so ist, warum es so schwer fällt sein Denken unter Kontrolle halten zu können...

Ich würde sagen, weil es so sein muss...

Menschen können nicht leben ohne zu denken..., können nicht leben ohne den Dingen zumindest einen kleinen Gedanken geschenkt zu haben... Ja... Menschen sind frei... Aber sie sind auch gefangen...

Gefangen in ihren eigenen Köpfen, in ihrer eigenen Welt... Gefangen in Trieben, die sie ausleben müssen früher oder später...

Es ist ihnen frei zu entscheiden, wann sie es tun...

Aber irgendwann müssen sie es..

Vielleicht schüttelst du immer noch den Kopf darüber, dass ich denke, Menschen können zugleich frei und gefangen sein... Können so große Widersprüche in sich selbst beherbergen...

Doch glaube mir, Menschen sind so Wesen...

Gefangen, weil es Dinge gibt, die sie machen müssen, da es ihre natürlich Triebe sind...

Frei, weil sie entscheiden dürfen, wie sie es ausleben wollen, wie es in ihr Leben passt...

Und manchmal könnte ich fast Menschen hinter Gitter beneiden.. Beneiden um ihre Eingeschränktheit...

Sie können nicht ihre Triebe ausleben, aber sie können denken.. So frei und so viel sie es wollen...

Und vielleicht können sie gar weiter denken als andere, weiter als Menschen, deren Gedanken durch ihre Umwelt wieder und wieder beeinflusst werden...

Wer weiß das schon? - Du nicht, ... ich nicht... Niemand...

Aber nun lasse ich dich gehen... Deine Freiheit genießen...

Du musst nichts mehr dazu sagen... Denn es steht dir frei...

Frei wie so vieles...

 

 


Auch dafür habe ich eine eins bekommen... Was mich noch mehr verwundert...

Denn nach ihrer Aussage, darf ich so nicht schreiben... Darf weder ... noch Fragen in meinem Text aufbringen... Darf keine Fragen aneinander reihen und schon gar keine unvollständigen Sätze benutzen...

Darf dies nicht und das nicht...

Und einen argumentativen Text schreiben kann ich ja angeblich auch nicht...

Das wird sie aber noch sehen...

Dann schreib ich eben zwei Texte... Einen zu meinem Spaß und einem zu ihrem... Möchte sie ja gerne haben... Erst den einen, dann den anderen...

Ich müsse es ja noch üben.. (Aha... Das denke ich nicht...)

Hm... Wie sich Menschen verändern im Lauf der Zeit.. Unglaublich.

Es gab eine Zeit, da ging ihr nichts, fast nichts über mein Schreiben... Doch jetzt ist alles falsch mittlerweile...

Warum gibt sie mir dann dennoch meine einsen, wenn meine Texte nie der Aufgabenstellung entsprechen?.. Warum schreibt sie drunter "Ungewöhnliche Darstellungsweise, sehr gut und sehr tiefgründig beschrieben?"

Hach, ich verstehe diesen Menschen einfach nicht.. Aber was solls ;)

 

30.05.2007 um 21:10 Uhr

~> Der Mensch - ein lernfähiges Wesen

Im Bezug auf einen vorherigen Eintrag. (hier )

(K) Ein Sachtext...

 


Manchmal fragt man sich, warum menschen lernen können, überhaupt lernen dürfen. Doch es gibt keine genaue Antwort dadrauf, außer zu sagen, sie müssen es. Müssen lernen um zu überleben, um sich auf der Welt zurechtzufinden. Müssen lernen Entscheidungen zu treffen und zu akzeptieren, dass manche Dinge nicht geändert werden können...

 

Vielleicht denkt man, nicht jeder Mensch könne diese Dinge. Ja, vielleicht nicht. Aber es gibt niemanden, der nicht lernen kann.... Ob es nun bedeutet zu lesen oder zu schreiben oder andere ganz allgemeine Dinge...

Lernen kann jeder, aber es auch zu wollen ist etwas anderes... Manche Menschen können Dinge lernen, die für andere unmöglich sind..., immer ein Rätsel bleiben werden... Zum Beispiel zu verstehen, dass es auf manche Dinge keine Antwort gibt; beinahe zu wissen, was andere denken... und noch vieles mehr...

Sagen zu dürfen "Ich lerne" muss aber nicht immer etwas Positives sein.

Wie oft lernt man Dinge, wie sie eigentlich nicht sein sollten?...

Manchmal weiß man, dass es falsch ist.. Doch oft erkennt man es erst hinterher... Was ist mit Vorurteilen? Mit Lügen und Betrügen? Was ist mit falschen Entscheidungen, die wir aufgrund unseres Wissenstandes treffen müssen?...

Jeder Mensch macht in seinem Leben unglaublich viele Erfahrungen. Aus manchen lernt er sofort, aus anderen jedoch nie...

Kann man deshalb sagen, der Mensch sei kein lernfähriges Wesen?

Ich denke nicht, denn vielleicht weiß man im ersten Augenblick nicht einmal, dass man etwas gelernt hat?...

 

 


Naja gut.. Was soll ich sagen. Es ist ja kein Sachtext, gab statt 'ner eins "nur" eine zwei.. ;)

 

Auch gut ;) Mir gefällt er sowieso nicht.. Dieser Text ;)

Kann mich gar nicht erinnern sowas mal geschrieben zu haben oO

- sehr komisch - ^^

30.05.2007 um 21:02 Uhr

~> Über das Glück

Als ich diese Geschichte über den kleinen Stern schrieb, habe ich nicht nachgedacht, ob sie überhaupt von Glück handelt, habe mir keine Gedanken drüber gemacht, ob sie der Aufgabe entspricht.

Doch hinterher, als bereits der letzte Satz geschrieben war, und ich dieses Märchen ein weiteres Mal las, fragte ich mich, was Glück eigentlich ist..., was Glück für mich bedeutet...

Ob ich zu einer Antwort gekommen bin? ... Ich weiß es selbst nicht.

Manchmal hat man keinen Einfluss darauf, ob man glücklich sein kann... Glücklich sein darf. Denn Glück kreuzt oft dann den persönlichen WEg, wenn man es gar nicht erwartet...

Glück ist das Kleine und Glück ist das Große. Alles zugleich und doch nichts...

Es ist nicht greifbar, aber immer vorhanden... Es bleibt nicht immer bei einem selbst, doch man kann weiterhin glücklich sein... Mit offenen Augen und einem Herzen, das es zuläßt.

Glück ist ein kleiner Augenblick, der alles verändern kann... Ein Augenblick, der den Menschen lehrt, was es bedetet zu leben.. - richtig zu leben...

Glück ist nicht das Ziel, das ich erreichen möchte... Nein, es ist der Weg, der meinen ab und an überschneidet... Es ist etwas, was jeder einmal hat, aber doch niemand besitzt

Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken könnte... Glück ist so viel und auch so wenig.. Viele Menschen streben danach es zu finden, es für immer zu haben...

Aber würden sie die Augen öffnen, würdensie ihr Leben wahrnehmen, könnten sie sagen, sie hätten das Glück schon immer gehabt... Denn ist es nicht ein Teil des Lebens? Ein Teil, der immer vorhanden war?...

Jeder darf doch durch die Welt laufen und sich an den Dingen erfreuen... Jeder darf doch ganz persönliche Erfahrungen sammeln, die Erinnerungen schreiben... Oder etwa nicht?

Ist das nicht Glück genug?

- Für mich schon... Aber ich weiß selbst, dass unglaublich viele Menschen diese Einstellung nicht teilen können... Ich habe aufgegeben nach Glück zu suchen, denn ich merkte, eine solche Suche ist unmöglich...

Es war nur ein Versuch, der mich traurig machte..., nachdenklich stimmte...

Irgendwann kommt das Glück von selbst zu einem...

Dann wenn es sieht, dass der Mensch die Augen geöffnet hat für Dinge, die wirklich wichtig sind...

Und ja, das Glück kam dann zu mir, als ich es am wenigsten erwartete.. Denn ich habe gelernt, was es bedeutet wirklich zu leben... So zu leben, dass ich fast immer sagen kann, ich bin glücklich..

Und vielleicht hilft gar ein kleiner Stern dort oben, anderenauch den richtigen Weg zu zeigen...

Vielleicht.

Wer weiß...

 


Im Januar ist diese Reflexion entstanden... Und heute habe ich sie endlich wieder bekommen...

 

Ich sehe wieder und wieder diese Note, die darunter steht..

1+

Das kann doch nicht wahr sein... Ich glaub des einfach nicht... <3 :)

 

30.04.2007 um 18:02 Uhr

~> Aus der Sicht eines Clowns...

Für Janina .

 

Und wenn ich mich umschaue, sehe ich nur die Traurigkeit auf den Gesichtern. Sehe, dass die Menschen verlernt haben, was es bedeutet zu leben, glücklich zu sein, man selbst sein zu dürfen...

Wie gerne würde ich so vielen von ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubern können. Ihnen einen Moment voller Freude schenken dürfen...

Und vielleicht ist dies auch der Grund, warum ich hier lachend stehe, mit bunten Bällen jongliere und Luftballons Freiheit schenke... Vielleicht ist dies der Grund, dass ich so geworden bin, wie ich bin, wie ich immer sein wollte.

Ein Clown. Ein Lebenskünstler. Ein Mensch, der die Worte zwischen den Zeilen liest...

Und manchmal glaube ich der Einzige zu sein. Der einzige Bunte in einer tristen, grauen Welt...

Anders sein. Ich selbst sein. Ich kann nicht mehr ohne dieses Gefühl leben. Kann nicht mehr aufhören zu lachen und mit den Kindern zu tanzen.

Ich habe nichts in meinem Leben. Keine Familie mehr, keine Freunde, in keiner Weise Reichtum.

Aber dennoch, nichts könnte mich daran hindern glücklich zu sein; so unendlich glücklich, so wie ich bin und so wie ich lebe.

Den eines habe ich gelernt: Auch, wenn die Menschen mich nicht verstehen; auch wenn sie nur den Kopf schütteln können über einen kleinen, bunten Clown, der nicht in ihre Welt zu passen scheint, irgendwie kann ich niemand anders sein als ich bin. Und irgendwie kann das auch sonst niemand.

So habe ich nur ein Ziel: Niemals möchte ich mich hinter einer Maske aus Traurigkeit verbergen müssen.

Was soll ich sagen? - Eigentlich ist es gar nicht so schwer glücklich zu sein. Zu leben, statt zu existieren... Zu lachen, statt zu weinen...

Es ist gar nicht so schwer, wenn man es nur will...

Und jetzt stehe ich hier, schaue in den Himmel.. Beobachte die Wolken und die kreisenden Vögel... und es macht mich glücklich.

Überall gehen die Menschen vorbei. Traurig. In ihrer eigenen Welt versunken. Nichts bemerkend....

Warum ist es bloß so schwer einfach zu lächeln, die Augen zu öffnen für die kleinen Dinge?

Es gibt zwar immer einen Grund traurig zu sein, aber es gibt auch immer einen Grund glücklich sein zu können, oder etwa nicht?....

Und ich sehe die Eltern, die ihre Kinder hinter sich herziehen. - Ich sehe die leuchtenden Augen, die sich nichts sehnlicher wünschen als nur einmal kurz stehenbleiben zu dürfen - bei mir, dem Clown der Straße....

Wie gerne würde ich ihnen diesen Wunsch erfüllen....

Viele Menschen können nicht nachvollziehen, warum ich ein kunterbuntes, eher armseliges, Leben führe auf diese Art und Weise. Warum ich die Straße einem Büro vorziehe und die Menschenmassen meinen Freunden...

Niemand versteht, warum ich diesen Weg gegangen bin, wo ich doch so viele andere Möglichkeiten hätte...

Aber das ist mir egal...

Denn durch manche Türen darf man ein Leben lang gehen, durch andere nur ein einziges Mal.

Und dies ist meine einzige Chance, so zu sein, wie ich bin.

Lehren dürfen, was leben bedeutet....

Das ist mein Schicksal....

* ... * ...

"Und glaubt ihr mir, wenn ich euch sage, dass dieser Clown sehr viele Menschen verändert hat vor vielen vielen Jahren?... Glaubt ihr mir, dass ich auch einer von ihnen war, denen er den Weg ins Leben gezeigt hat?..." , fragt der Geschichtenerzähler seine gebannten Zuschauer...

"Und dieser Lebenskünstler wird niemals sterben... Niemals, das verspreche ich euch... Denn seine Taten und sein Lebensmut sind ewig in den Herzen verankert... Dürfen ewig weiterleben, wenn auch nur einer seine Botschaft weitergibt.."

* ... * ...

Und viele Jahre später sitzen ein kleiner Clown und ein kleiner Geschichtenerzähler nebeneinander auf der Straße... Dort, genau dort, wo einst die Geschichte ihrer Vorfahren begann...

Ein einzelner Gedanke wird in diesem Augenblick vom Wind davon getragen.

- Vergiss niemals, was es bedeutet zu leben!.... -

 

© Angelmagia

14.03.2007 um 20:14 Uhr

~> Dann kannst du wissen wie Schmetterlinge lachen und Wolken schmecken... - Oder einfach eine Geschichte über Freundschaft...

© Angelmagia

 

Und jedesmal wenn er sie anschaute, könnte er weinen. Niemals hatte er sie sprechen gehört, niemals hatte er die Möglichkeit ihr in die Augen zu schauen... Aber dennoch, war sie der wichtigste Mensch in seinem Leben.

Seine Schwester. Seine beste Freundin. Sein ein und alles...

Und jeden Tag saß er stundenlang an ihrem Bett. Wartete, dass sie endlich aufwachte... Nach so vielen Jahren... Wartete, dass er endlich eine Antwort auf all seine Fragen bekommen würde...

Wie oft hatte er das Gefühl er redete mit sich selbst, wie oft war nichts in dem Raum zu hören außer seinen verhallenden Worten.

Und jedesmal, wenn er sie anschaute flüsterte er: " Kleine... Sag mir, was ist für dich Freundschaft?"....

Doch niemals bekam er eine Antwort auf diese Frage... Er wusste nicht einmal, ob sie ihn hörte, ob sie jemals sprechen würde... Aber er gab die Hoffnung nicht auf... Glaubte immer an sie...

Denn manchmal weiß man einfach, dass man einen besonderen Menschen vor sich hat... Egal, was passiert... Manchmal reichen keine Worte um dieses Gefühl auch nur ausdrücken zu können...

So war er da, Tag für Tag, und erzählte ihr, was Freundschaft war... Was Liebe bedeutet, was es bedeutet zu leben und jeden Augenblick zu genießen...

Er erzählte ihr, wie wichtig sie ihm doch war und wie besonders, erzählte ihr wie Schmetterlinge lachen und wie Wolken schmecken... Erzählte alles, was ihn selbst bewegte, was ihn lachen ließ und glücklich machte...

Niemand konnte verstehen, warum er seine Zeit opferte für ein Mädchen, was eh nie wieder aufwachen würde... Niemand wollte es verstehen, weder Freunde noch seine Familie... Niemand glaubte an ein Wunder und daran, dass sie je wieder aufwachen würde...

Und sie wollten längst den Stecker ziehen... Sie endgültig einschlafen lassen...

Doch er kämpfte... Für sie und für ihr Leben... Für einen Augenblick auf Wolken sein und das Gefühl von Freiheit kennen lernen dürfen. Er kämpfte dafür ihr seine Welt zeigen zu dürfen... Eine Welt voller Kleinigkeiten und großer Wunder, voller Liebe und Glücklichkeit...

Und niemals gab er sie auf... Niemals dachte er auch nur daran...

Und eines Tages saß er wieder dort an ihrem Bett... Es war fast wie immer... Wie friedlich sie dort doch lag... Würde er sie nicht kennen, hätte er niemals das sanfte Lächeln gesehen, das jetzt viel lebendiger wirkte... Doch so war es das erste, was ihm auffiel...

Er setzte sich neben sie und begann zu erzählen...

"Weißt du, wenn du mich fragen würdest, was Freundschaft ist, ich könnte dir keine Antwort darauf geben.. Für mich ist Freundschaft alles... und nichts zugleich.. Zumindest nichts Greifbares... Und es ist eines der schönsten Dinge, die es gibt...

Und was ist es für dich, Kleine?"...

Er schaute sie einfach nur an ... Wartend und wissend, dass er wieder keine Antwort bekommen würde... So wie jeden Tag...

Und dann stand er auf, stellte sich ans Fenster....

Auf einmal drangen Leise Worte an seine Ohren.. Ein Flüstern, was er kaum verstehen konnte...

"Du fragst was Freundschaft ist?.. - Es ist das, was du mir mein Leben lang geschenkt hast.. Dieses Gefühl unendlicher Dankbarkeit. Dieses Wissen, da ist jemand, der immer für dich da ist... Freundschaft, das bist du mein Bruder. Und dafür danke ich dir!... Du hast mein Leben gerettet mit jeder einzelnen Sekunde, die du hier warst... Mit jedem einzelnen Wort... Danke. Wenn Träume wahr werden und die Zeit Märchen schreibt... "

Er drehte sich langsam um... "Dann kannst du Schmetterlinge lachen hören und wissen wie Wolken schmecken... - Ja " ...