Der heutige Tag begann eher unbefriedigend, endete aber doch
mit einem recht freudigen Abend - und das nicht nur, weil ich mir wieder eine
heiße Dusche gönnen musste und konnte.
Aber der Reihe nach:
Kalt war die Nacht und am Morgen unglaublich windig. Erwin
hatte sich also über die Nacht wieder für sein Kartonage-Haus entschieden - und
blieb ihm übrigens auch einige Stunden des Tages treu. Er ist ein richtiger
Haus-Kater geworden, liegt auf unserer Fußmatte vor der Tür, als sei er nie
irgendwo anders gewesen. Er weiß ja auch noch nicht, dass das gute Leben für
ihn am Donnerstag Vormittag endet, weil wir dann sein Haus abräumen müssen und
nur eine große Portion Trockenfutter unter der Terrasse zurücklassen können.
Aber Katzen leben im Hier und Jetzt, also lassen wir ihn genießen!
Ein Blick in die Sauna dann machte mich traurig: Jette hatte
nichts gefressen und vor allem maunzte sie noch immer herzzerreißend, wenn man
ins Bad hineinkam und ein Fauchen ging durch das Kätzchen, wenn man sich ihr
näherte. So musste ich mir für die Antibiotika-Gabe also etwas überlegen, da
sie die Tabletten ja nicht nur wegen ihrer OP, sondern auch wegen des stark
entzündeten und tränenden Auges bekommen sollte.
Morgens sind wir dann also, wie wir es uns vorgenommen hatten,
zu der Katzensichtung des Urlaubers vom vergangenen Tage gelaufen und haben
dort lange ausgeharrt - aber niemanden entdeckt.
Beim Füttern an Per’s Haus (übrigens das letzte Mal, da Per
heute heimkam) begrüßte mich Peter, dessen Verletzung am Hals sich wieder geöffnet
hatte und ich deshalb mein Desinfektionsspray einsetzen konnte. Mit großem
Appetit fraß er anschließend 300 g Feuchtfutter.
Gegen Mittag war dann die Sonne herausgekommen und es wurde
Zeit, unsere Flyer zu verteilen. Zuerst suchten wir das Büro der Ferienhausvermieter
Novasol und dansommer auf. Dort begrüßte man uns sehr freundlich und zeigte
sich sofort bereit, unsere Flyer in dem Infoständer auszulegen. Zudem wies man
uns auf eine Broschüre der dänischen Tierschutzorganisation „kattens vaern“
hin. Wir nahmen eine Broschüre mit und hoffen, dass Hanne sie uns übersetzen
wird.
Auch bei dem Ferienhausvermieter esmarch nahm man unsere Flyer
und brachte sie in dem Infobereich unter.
Noch vor ein paar Jahren trat man uns bei dansommer und
Novasol anders gegenüber: Man wollte von den Ferienhauskatzen nichts wissen.
Sollte sich hier also etwas bewegt haben?
Am Nachmittag kam Per zu uns und, was noch wichtiger war,
Jette hatte zumindest ein bisschen Joghurt geschleckt. Also verweigert sie das
Futter zumindest nicht gänzlich. Auch das ein Anfang!
Per übersetzte uns einen Teil des Flyers von kattens vaern
ins Englische. Man scheint bei dieser Organisation der Meinung zu sein,
dass man die Tiere einschläfern lassen
sollte, um weiteres Leid zu verhindern. Unglaublich! Wir werden nach der
Übersetzung den Text hier abdrucken, damit Interessierte erfahren, wie man in
Dänemark mit dem Tierschutz umgeht. Da wir genau diese Einstellung nämlich auch
kennengelernt hatten, haben wir begonnen, uns hier zu engagieren - um den „Tierschützern“
zu zeigen, dass es auch anders geht! Und dass es anders Sinn macht!
Per brachten wir dann nach einem gemütlichen Kaffee nach Hause
- mit den vielen Dosen Feuchtfutter und den großen Säcken Trockenfutter (vielen
Dank nochmal, Hanne, für Deinen großzügigen Beitrag!)
Und auf dem Rückweg ging ich dann die Häuser nochmal ab, an
denen Katzen gesehen worden waren oder wir selbst welche gesehen hatten. Und -
im Julianevej rief ich wie üblich und mit hoch aufgerecktem
Schwanz erschien Tilly und im Gefolge Leni. Ich wollte es nicht glauben. Nun
waren sie doch tatsächlich der OP entgangen. Wir würden sie morgen, selbst wenn
wir sie morgens einfangen könnten, nicht mehr in die Klinik bringen können, da
wir sie nur noch einen Tag bei uns lassen könnten, damit sie sich von der
anstrengenden OP erholen können. Definitiv zu kurz also!
Trotzdem war ich so glücklich, die Beiden nochmal streicheln
zu dürfen. Auch sie gehören nämlich zu der Sorte Katze, die dieses unglaublich
weiche Fell hat, in das man sich hinein kuscheln möchte. Und Tilly ließ mich
auch kuscheln und spielte dann sogar mit meiner Hand, tatzte dann ein wenig mit
den Vorderpfoten, war richtig entspannt. Es war wunderbar, nur langsam wurde es
kühl. Aber ich wollte nicht gehen…
Beide fraßen zusammen eine 400 g Dose und danach gab es noch
Katzenmilch.
Und dann drehte Tilly mir ihr Hinterteil zu - und ich kann
nun mit Sicherheit sagen, dass Tilly keinen Nachwuchs bekommen wird. Denn Tilly
heißt ab sofort nicht mehr Tilly; sie ist ein ER! Die Hoden und der Penis waren
deutlich zu erkennen. Und „Tilman“ wurde richtig frech, kam an mich
herangeschmust, setzte sich vor mich und schaute mir tief in die Augen - ein wunderschöner
Kater!
Dann tat mir auch Leni den Gefallen, sie näher anschauen zu
dürfen. Bei ihr kann ich leider genauso sicher sagen, dass sie ein
Katzenmädchen ist. Bleibt die Frage, warum Tilman und Leni zusammen sind.
Erwartet er ihre Rolligkeit? Wir können sie nicht fragen.
Und nach fast einer Stunde ging ich dann - durchgefroren,
aber auch ein wenig glücklich - nach Hause.
Und dort erwartete mich die freudige Nachricht, dass Jette
gefressen hatte. So konnte ich ihr mit der nächsten kleinen Portion das
Schmerzmittel geben und nachher (mit der Nachtration) wird sie dann noch ihr
Antibiotikum bekommen.
Gute Nacht, Anke