buchfinder

16.12.2006 um 09:49 Uhr

Papa Hemingway, Ruark und Co.

von: buchfinder   Kategorie: Satiren

Stimmung: supergut
Musik: Mozart: Klarinettenkonzert mit Sharon Kamm

 

 

Papa Hemingway, Ruark und Co.

                      

                 Hemingway                          Ruark                                  & Co.

 


Ich weiß noch genau, wie es dazu kam, dass ich mein erstes Buch schrieb.
Meine Familie und ich machten Urlaub an der Nordsee und hatten eine Menge Zeit totzuschlagen. Wenn man es gewohnt ist, einen arbeitsreichen Tag zu verbringen, dann sind vierundzwanzig Stunden Nichtstun eine Menge Zeit für Langeweile, wenn man sich nicht zu beschäftigen weiß.
Meine Frau weiß immer eine Möglichkeit, sich zu beschäftigen, denn sie ist eine Leseratte.
„Ich habe hier ein Buch für dich ausgesucht", sagt sie mit einem schelmischen Lächeln und übergibt mir einen dicken Wälzer.
„Muss das Buch so unhandlich sein?" frage ich spitz und blättere ein wenig lustlos herum. Dann lese ich ein paar Seiten.
Das Buch selbst ärgert mich immer wieder, weil ich von der kleinen Schrift Kopfschmerzen bekomme. Doch dann zieht es mich in seinen Bann wie niemals ein Buch zuvor.
Das hat einen Grund: Das Buch beschreibt - bis auf die Tatsache, dass jener Autor Geld hatte und ich ein Otto-Normalverbraucher bin - mein eigenes Leben, und wenn man mit ein wenig Phantasie ausgestattet ist, setzt man die Corridas um. Man denkt daran, wie die Männer eigenen großen Hunde gegen fremde Köter gekämpft haben, wie sie diesen Kampf gewannen oder verloren.
„Das Buch gefällt mir." sage ich anerkennend.
„Das wusste ich von der ersten Zeile an, die ich las!" sagt meine Frau.
„Weil es Parallelen hat?"
„Zu deinem Leben, ja! Und weil es ein Autor ist, der zu den wenigen Schriftstellern gehört, die noch »echtes Abenteuer« erleben!"
Ich lese weiter und stelle fest, dass jener Autor einige andere Schriftsteller getroffen hat, deren Ruf weltweit bekannt ist. Einer davon ist Hemingway, den er im afrikanischen Busch traf und mit dem ihn eine Leidenschaft verband:
Die Großwildjagd.
„Willst du nicht mit an den Strand gehen? fragt meine Frau.
„Nein! Jetzt lese ich und wenn ich lese, dann lasse ich mich nicht gern stören!"
Ich sehe ihr Lächeln. Dann geht sie mit meinem Sohn zum Wasser, während ich mich zur Bar des Norfolk-Tower-Hotels in Kenia versetze. Ich stehe mit ihnen an der Bar und trinke auf die Mau-Mau-Aufstände, auf die übergroßen Krokodile im Norden Kenias und auf die Wasserbüffel, die an Gefährlichkeit nicht zu unterschätzen sind, auf die Löwen, derer sie einen Haufen geschossen haben, auf die Springböcke und auf die schneebedeckten Kämme des Mount Kenia.
Mit einem Wort: Das Abenteuer hat mich in seinen Bann gezogen und diesem Abenteuer habe ich mich verschrieben mit Haut und Haaren. Ich liebe die Schilderung der robusten Männer, die sich in der Gefahr bewähren oder untergehen, möglicherweise, weil ich nicht so bin wie sie - aber weil es ein Wunschbild ist, so zu sein. Und ich vergleiche die Dialoge meiner beiden gleichen und doch ungleichen Autoren; während Hemingway mit äußerster Knappheit die Gefühlsäußerungen der beschriebenen Personen lediglich erahnen lässt, beschreibt der andere Autor, dessen Buch mir meine Frau dediziert hat, Gefühlsregungen ausführlicher. Mir gefallen beide Möglichkeiten, vor allem aber das Abenteuer. Ich fasse einen unglaublichen Beschluss:
„Ich werde ein Buch schreiben!" sage ich mit der Lässigkeit meines Autors; in Gedanken befinde ich mich in Afrika.
„Ein Buch?" Meine Frau lächelt. Sie reagiert ganz anders, als ich erwartet habe. Ich habe gedacht, sie wird mich auslachen. Aber nichts dergleichen.
„Gut. Schreibe ein Buch!" sagt sie. „Aber schieb es nicht auf die lange Bank! Schreib es bald, denn schließlich bist du schon vierzig Jahre alt. Und ein Buch muss wachsen!"
Lange bin ich nachts wach.
Aus dem afrikanischen Busch versetze ich mich nach Kuba. Ich sehe die hölzernen Boote der Fischer des vorigen Jahrhunderts vor mir, mit einem spitzen, hohen Bug und einem viereckigen Spiegelheck. Mit der primitiven Takelung und den Farben Weiß-Rot und Blau. Ich sehe die Körbe voll Fisch, die kräftige Frauen und Männer an Land sortieren und zu den Kühlwagen schleppen. Und ich sehe Spencer Tracy in der Figur des alten Fischers Santiago aus Hemingways »Der alte Mann und das Meer«.
Der Hemingway war nicht nur ein Abenteurer, denke ich, der im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger an der italienischen Front gekämpft hatte, der im spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republikaner stand, der den Pulitzerpreis und den Nobelpreis erhielt; Hemingway ist tatsächlich der harte Mann, für den er sich ausgegeben hat.
„Der Tod", sagte Hemingway eines Tages, „ist nichts als eine weitere Hure. Wenn ich spüre, dass ich alt werde, werde ich mir eine Kugel durch den Kopf jagen!"
Am 2. Juli 1961 musste er sein Alter gespürt haben. An diesem Tage jagte er sich eine Kugel durch den Kopf.
Pablo Cordoba, der ehemalige Barmann im »Fishing Club« in Cabo Blanco, einem Ort an der peruanischen Küste, in dem der Heminigway-Film »Der alte Mann und das Meer« gedreht wurde, ist davon überzeugt, dass sich der berühmte Schriftsteller mit der gleichen Waffe umgebracht hat, mit der er jahrelang leere Whiskyflasche in der Luft zertrümmerte, mit der er Mähnenlöwen und Büffel geschossen hatte.
In Hemingways Einstellung zum Leben war er würdig gestorben, wie er eben der Meinung war, dass die von ihm gejagten Tiere einen würdigen Tod gefunden hatten.
„Ich weiß nicht, ob die Schriftstellerei noch diesen Stellenwert besitzt wie seinerzeit ..." sage ich zu meiner Frau. Aber ich werde anfangen zu schreiben.
Für die Arbeit an meinem ersten Buch waren Studien in Israel und der West-Bank erforderlich. Ein Abenteuer ‚ ja. Aber anders als zur Zeit der Hemingways & Co.
Von allen Seiten werde ich belächelt. Keiner traut mir zu, dass ich auf der Suche nach dem »Abenteuer Buch« erfolgreich sein werde. Nur meine Frau, die längst meine Fähigkeit erkannt hat, glaubt an mich.
„Jede Zeit prägt ihre Autoren - und meine Zeit hat mich geprägt", sage ich zu ihr und ein wenig Trauer über die verlorene Epoche der >>gestandenen Männer<< schwingt mit.

Copyright by George Tenner 2006

PS. Ich danke meiner Frau Ulla I.T., die nun nicht mehr für mich da sein kann, dass sie mich auf diesen >Dapfer< gesetzt- und mich immer in meiner Arbeit gefördert hat!

 

15.12.2006 um 21:05 Uhr

BOCUSE A LA CARTE

von: buchfinder   Kategorie: Satiren

Stimmung: gut
Musik: Filmmusik by Klassik-Radio

 

 

 

 


BOCUSE A LA CARTE

In unserer Familie hießen die Dinger bisher einfach Eierkuchen. Und diese, meist in Butter ausgebackenen, kreisrunden und verschieden gelungenen, herrlich duftenden Küchlein, waren der Inbegriff besonderen Essens unseres gemeinsamen Sohnes.
Wann immer er einen Wunsch aussprechen durfte, es waren diese Eierkuchen, die er sich bestellte.


Nun gibt es die verschiedensten Arten, den Teig zuzubereiten. Je nach Zutaten werden die Küchlein dann auch; macht man sie mit Buttermilch, bekommt man diese fingerdicken Dinger, die zwar sattmachen ‚ nicht den Gaumen verwöhnen.
Seit einigen Jahren nun bemühe ich mich, in diese typisch deutsche Küche etwas französische Abwechslung zu bringen. Denn, wenn die Franzosen etwas besonders exzellent können, dann sind das drei Dinge: Erstens, sie verstehen es, Filme zu machen, die wie keine andere Nation. Selbst die knifflichsten und verworrendstenVerhältnisse verstehen je, ohne den typisch zur Ermahnung der Moral aufgestellten Zeigefinger der deutschen Filmemacher und - zum Vergnügen des Betrachters auf die Leinwand zu bringen.
Zweitens, was die Damenmode und die Par­fums angehen, steht ihnen noch immer einer der ersten Plätze auf der Weltrangliste zu, wenngleich Italien und man staune, auch die Deutschen, auf diesem Gebiet zu ernstzunehmenden Konkurrenten geworden sind.
Der dritte Punkt der absoluten französischen Überlegenheit, ist ihre Kochkunst.
Es gibt Menschen, die gern essen. Und es gibt solche, die gern essen und ebenso gern kochen. Ich gehöre zu letzteren!
Seit einigen Jahren beschäftige ich mich an den Wochenenden mit Rouladen, die eine besondere Füllung besitzen und über Nacht in einem guten Wein einliegen, um so einen besonderen Geschmack zu entwickeln. Das Fleisch wird zart, wie ein Kinderpopo und zergeht auf der Zunge, als wäre es von einem dieser französischen Spezialköche kreiert! Aber nichts dergleichen, ich, das Familienoberhaupt, habe schon wieder zugeschlagen. Meine Saucen sind schließlich bei Freunden und Skeptikern so berühmt wie die Salate meiner Frau, die sie freilich besser komponieren kann als ich.
In der letzten Zeit bin ich mit meiner Kochkunst ein ganzes Stück weitergekommen. Schuld daran ist ein Franzose. Wie könnte es auch anders sein. Mich ärgert das, denn ich würde, wenn es darum geht, den Gaumen zu verwöhnen, den deutschen Küchenmeistern gern die Stange halten wollen. Aber das wäre - mit wenigen Ausnahmen - eine Heuchelei, die ich nicht über mich bringe.
Wie gesagt, Braten á la Bocuse - so heißt dieser französische Koch, dem das Fernsehen eine ganze Serie gewidmet hat - Gott sei Dank, denn das war ‘mal eine vernünftige Entscheidung der TV-Programmdirektoren - gibt es bei uns schon eine ganze Weile. Wein und Cognac gehören in unsere Küche, wie Butter und saure Sahne, denn diese Zutaten richtig kombiniert, sind der wichtigste Bestandteil für den Geschmack einer ausgezeichneten Speise.
Und dann die Speisenfolge ... Da kann man sich in wahren Orgien ergehen! Ich denke da nur an hausgebeizten Lachs, mit Plun­derteig überbackene Morchelsuppe, Entrecote mit einer feinen Rotweinsauce und selbstverständlich einen guten Burgunder zum Essen und ... Eierkuchen á la George Tenner wären bei aller von mir ausprobierten Kunst nichts gegen die herrlich dünnen Crêpes eben dieses Bocuse‘s.
„Als du dich in deinem Arbeitszimmer eingeschlossen hattest, kam Bocuse", sagt meine Frau mit einem gehässigen Unterton. Sie weiß genau, dass ich keine dieser Sendungen auslasse, so­fern ich mich in der Reichweite eines Fernsehapparates be­finde.
„Du hättest klopfen können!" sage ich bissig.
„Ich habe geklopft!"
„Unmöglich! Ich habe nichts klopfen gehört!"
„Du hast mir sogar geantwortet!"
„Nein!"
„Doch, Liebling!"
Dieses „Liebling" trieft vor Ironie, was mich erheblich ärgert.
„Du hast nicht geklopft, basta!"
„Und doch habe ich geklopft, worauf du gerufen hast, du möchtest einmal in deinem Leben ungestört arbeiten können!" Jetzt kommt mir langsam die Erinnerung. Sie ist im Recht. Irgendeiner pflegt mich bei meiner Arbeit immer zu stören, und irgendwann einmal habe ich dagegen aufbegehrt - und das muss eben zu der Zeit gewesen sein, als Bocuse seine herrlichen Crêpes vorgeführt hat.
An diesem Abend gehen wir ins Bett, ohne uns „Gute Nacht" zu sagen. Auch am Morgen nehme ich meinen Tee und verkrieche mich hinter der Zeitung. Wortkarg lese ich, bis die Nachrichten kommen.
Und dann beginnt das Wundern: Die Bocuse-­Crêpes-Sendung wird wiederholt!
Wie ein Jünger einer dieser aus dem Boden schießenden Sekten, hänge ich an den Worten des Meisters.

125 Gramm Mehl mit einem Esslöffel Zucker und einer Prise Salz verrühre man in einem viertel Liter Milch. Dann zerlasse man 125 Gramm Butter - ebenso viel wie Mehl, darauf muss man achten - und ziehe sie unter die bereits erstellte Flüssigkeit ...

Viola, fertig ist der Teig der Crêpes, die nun ohne Butter ausgebacken - und die so dünn werden, als bestünden sie aus Zeitungspapier.
An diesem Mittag mache ich mich über die Herstellung dieser herrlichen französischen.Crêpes her. Als mein Sohn aus der Schule kommt, essen wir zuerst eine Vorsuppe.
„Es riecht hier so eigenartig", sagt unser Sohn und hebt schnüffelnd seine Nase hoch.
„Crêpes, mein Sohn", sage ich fachmännisch. „Crêpes á la Bocuse!" Dann trage ich die feinen Dinger auf. Sie sind wie vom Superkoch empfohlen mit einer bitteren Confitüre aus Zitrusfrüchten gefüllt.
„Iiii, was ist denn das?"
„Was schon?" frage ich verletzt. „Crêpes!"
„Ganz so dünn hast du sie noch nie hinbekommen", sagt meine Frau und beäugt die Crêpes interessiert. „Der Unterschied zwischen den Eierkuchen von früher zu diesen Crêpes ist etwa wie eine Zeitung zu unseren Bettdecken!"
Jetzt bin ich beleidigt. Denn schließlich hat bisher jeder meine Eierkuchen gelobt!
„Du wirst nie wieder von mir gefertigte Eierkuchen essen müssen!" sage ich bissig.
„Und ich, Papa?"
„Wenn deine Mutter sie nicht will ..."
„Aber ich esse sie viel lieber, als diese dünnen, bitteren Dinger!"
Dankbar schaue ich zu ihm.
„Dann wirst du der Einzige in unserer Familie sein, dem ich sie bereiten werde" ‚sage ich und mach mich gleich darüber her, ihm diesen
Genuss zu bereiten.


Copyright by George Tenner 2006

 

 

22.10.2006 um 20:28 Uhr

Bach, Bentley und Bugatti

von: buchfinder   Kategorie: Satiren

Stimmung: optimal
Musik: Klassikhits auf Klassikradio

Bach und Bentley – Mendelssohn-Bartholdy und Bugatti

 

Ich fahre ungern nach Berlin, denn für die rund 27 km bis zum Alexanderplatz brauche ich zur Rushhour bis zu eineinhalb Stunden.

Also gibt es drei Gründe, um mich vom Laptop wegzulocken:

 
  1. Die periodisch stattfindende Zusammenkunft der Berliner Sektion der Vereinigung deutschen Kriminalschriftsteller DAS SYNDIKAT und
 
  1. die notwendige Konsultation einer Spezialärztin, die das immer meine Wirbelsäule wieder richtet, wenn sie durch die allzu wenige Bewegung total vermanscht ist.
  
  1. Am aller liebsten aber fahre ich zu einer Opernaufführung oder zu einem schönen Konzert.
 

Gestern war es wieder so weit: Wir fuhren zu einem Orgelkonzert, das im Konzerthaus am Gendarmenmarkt stattgefunden hat.

Listig, wie ich nun einmal bin, wenn ich etwas erreichen will, fahren wir früher ab, als notwendig, denn: Vom Gendarmenmarkt ist es nicht weit zu den Ausstellungsräumen der Marke Benley, die nun zum VW-Konzern gehört.

Und genau dort will ich hin, obwohl ich mir so einen >>Karren<< niemals leisten können werde.

   

Das erste Bild mache ich von einem Geschoss, das mich nicht wirklich reizt – es ist ein Bugatti, der über eine Million € kostet (1.000.000,00). Mein Gott, mir stockt der Atem. Was man dafür alles anschaffen könnte? 

1001 PS – 407 kmh schnell und stets den Blick zu einer in der Nähe befindlichen Tankstelle; die Blitzer am Straßenrand hat man längst nicht mehr gesichtet, zu schnell fliegt man an der Topp-Stelle vorbei, dem Führerscheinentzug entgegen!

 

Nein, meine Liebe gilt einem anderen Fahrzeug. Zwei verschiedene Bentleys sind ausgestellt und der >>liebe Gott<< hat meiner Kamera gleich verboten, ein ordentliches Bild zu machen.

Schade, aber so ist er nun mal!

 Der Bentley erscheint – in seiner Überberlichtung nur schemenhaft – natürlich als göttliche Strafe für meine Lüsterheit, ein solches Gefährt überhaupt anzusehen.   Schweren Herzens trenne ich mich nach einigen Minuten von diesem herrlichen Stück, dessen Bezinverbrauch im Durchschnitt mit rund 20 Litern auf 100 Kilometer angegeben ist. Mein Gott – ich könnte ihn sicher nur einmal im Monat aus der Garage holen! 

Gern wäre ich noch einige Zeit dort veblieben.

Allein der gelangweiligte Blick von MC, meiner mir von Gott und aller Welt verliehenene, himmlischen Lebensgefährtin mahnt mich zu gehen.

 

Nur wenige Meter weiter ist ein bekanntes französisches Kaufhaus. Wir verirren uns dort hinein, sehen wunderbare Dinge, riechen feinstes Parfum und entschließen uns zu einem Kaffe mit einem Stück Fruchttorte, als wir in einem dieser schönen offenen Cafés einen Mann am Piano hören.

Der Mann spielt zwei Sücke – und geht in die Pause. Wir werden ihn niemals wieder sehen!

Aber wir haben schon bestellt!

Der Kaffee ist herrlich, fast ein Espresso. Auch der Kuchen – selten so guten gegessen!

Dann die Rechnung: € 19,60.

Na ja, denke ich, du hast dich noch niemals angestellt, wenn das Essen ein Genuss war, und zahle.

Dann fällt mein Blick auf die Rechnung. Aufgeführt sind: Kuchen vom Buffet – okay. Aber was ist das?

Zwei Espresso und zwei Kaffe!!!

Hier stimmt was nicht. Obwohl ich derartige Dinge hasse, beschließe ich, aufzumucken – und bekomme tatsächlich mit einer lapidaren Entschuldigung einen Fünfer zurück – für den nicht gehabten Espresso.

Wir gehen weiter zum Gendarmenmarkt – zwei Minuten. 

 

Tenner hat etwas interessantes entdeckt und macht MC darauf aufmerksam!  Dann gehen wir hinein ins Konzerthaus; Michael Schönheit, heit der Interpred, der uns eine Stunde mit wunderbarer Orgelmusik verzaubert.

    

  

Ich stelle fest, dass diese Nachmittagsvorstellung nur zu rund 35% verkauft werden konnte.

 

Schade, denke ich. Aber der Musikgeschmack hat sich gewandelt.

Statt List, Schumann, Mendelssohn-Bartholdy und Bach, die hier zu hören waren, gibt’s heute nur Sprachgesang oder einen mir widerwärtigen Krach, den man Musik tituliert, der aber damit nichts zu tun hat.

 

Nach der Vorstellung fahren wir gleich nach Hause. MC schließt meinen alten aber sehr gepflegten Benz auf, den ich sehr liebe und der mich wieder auf den Boden der Tatsachen

  

Verdrängt wird der Bentley, vom Bugatti ganz zu schweigen.

Ich habe eine Angewohnheit – Neid auf Besitzer derartig feiner Maschinen wäre Sozialneid. Und das ist mir absolut fremd.

 

Das Nummernschild trägt die Buchstaben GT für George Tenner und obwohl sicher schon längst ein neuer Benz nötig wäre, um dem Image nicht zu schaden, werde ich darauf verzichten (müssen).

 

Freudig fahren wir nach Bernau zurück und ich denke schon wieder daran, was ich alles mit dem Laptop anstellen werde.

 

17.10.2006 um 13:33 Uhr

In jedem steckt ein Hypochonder

von: buchfinder   Kategorie: Satiren

Stimmung: In der Regel - immer gut!
Musik: Jenseits von Afrika


In jedem steckt ein Hypochonder

„In jedem Menschen steckt ein Hypochonder sagt meine geliebte Frau. „In dir stecken wenigstens zwei!"
„Wieso stecken in mir zwei, wenn es gegen die Norm ist?" frage ich.
Sie schaut mich herausfordernd an und lächelt.
rudiwinktEigentlich ist es noch ganz anders", sagt sie jetzt und das verwirrt mich nun ganz. Aber es ist die Taktik, dass Frauen immer verwirren! Ganz gleich, was sie machen mögen, immer spielen sie ihr Verwirrspiel. Und ganz gleich, welcher Intelligenzquotient einen Mann ziert, immer wieder fallen die Herren der Schöpfung auf diese Verwirrspiele herein.

„Also", erklärt sie, für meine Begriffe etwas zu umständlich. „Wenn in jedem Menschen ein Hypochonder steckt, dann in den Seelen der Frauen jeweils einer!"
„Von deiner Seite aus kann ich das ja verstehen", sage ich. „Aber alle sind nicht so friedlich, wenn sie etwas haben, wie du es bist! Nicht jede Frau zieht sich in ihr Bett zurück und kommt erst wieder zum Vorschein, wenn es ihr besser geht!"
„Aber die meisten!"
Diese Logik geht mir gegen den Strich, obwohl ich zugeben muss, dass meine Frau besonders verträglich ist, wenn sie sich nicht gut fühlt.
„Dann kommen die Männer in ihrer Gesamtheit ... In denen stecken in der Regel zwei dieser schwermütigen, sich immer bedauernden Seelen!"

„Jetzt gehst du etwas weit mit deinen Spekulationen!" werfe ich ein.
„Und schließlich kommst du!"
„Natürlich!" sage ich beleidigt. „Natürlich! Ich spiele - wie immer - das Schlusslicht!"
„Genau, mein Schatz", sagt sie. Aber ich liebe dich trotz-dem!"
Ich fühle mich beleidigt. Mit dem Tages-Anzeiger bewaffnet, ziehe ich mich auf die Terrasse zurück. Hinter der Zeitung ver-steckt, denke ich nach, was an der ungeheuren Beschuldigung meiner Frau rechtmäßig ist.

„Soll ich dir ein Bier bringen", fragt meine Frau.
Ich ziehe vor, die Frage zu ignorieren. Schließlich hat sie mich soeben beleidigt und ich bin weit und breit bekannt dafür, dass ich möglicherweise tagelang nicht zu sprechen gewillt bin, wenn man mich beleidigt hat. Es braucht schon besondere Anstöße, mich wieder zu einem normalen Mitglied der Gesellschaft zu machen. Ein Besuch etwa, der sich so unmöglich be-nimmt, dass meine Frau pikiert über ihn herfällt - nachdem er unsere »heiligen Hallen« verlassen hat - ist es schon wert, sich einzumischen und mitzuhalten.
Das harte Aufsetzen der Flasche auf den Tisch lässt mich zu-sammenzucken.
„Hier ist ein schönes kühles Bier!" sagt sie. „Und wenn du jetzt aufhörst, dich selbst zu bemitleiden, können wir uns endlich ein wenig unterhalten."
Gemächlich blättere ich die Seite um. Als hätte ich ihre An-sprache nicht vernommen, fahre ich demonstrativ fort, die Spalten nach interessanten Angeboten abzusuchen.
„Nur ein hochgradiger Hypochonder reagiert so unbeherrscht auf eine unmaßgebliche Aussage ..."
Aha, denke ich. Jetzt schwächt sie schon ab ...
„Du kannst keinen Spaß vertragen ..." lockt sie.
Aber ich bleibe stur.
„Na, schön! Du willst also behaupten, du seist keiner dieser Menschen, die sich wegen jeder Kleinigkeit in ihr Schneckenhaus zurückziehen?"
„Wenn du so unmaßgebliche Aussagen machst, dann musst du dir die Resonanz schon gefallen lassen!"
„Es war auf deine Empfindlichkeit gemünzt ..."
„Künstler sind nun mal sensibel, nein, geradezu sensitiv!" sage ich. „Und nur Menschen, die überhaupt keine künstlerische Ader haben, können so urteilen!"
„Gut", sagt meine kluge Frau. „Möglicherweise habe ich keine so künstlerische Ader wie du ... Aber ich bin dein Finanzminister. Ich lektoriere deine Arbeiten als Erste, korrigiere sie, berate dich, sie zu ändern, wenn ich merke, dass du - rein künstlerisch gesehen - etwas danebengegriffen hast ... Mit einem Wort ..."

„Mit einem Wort kann man das nicht fassen, was du mir schon wieder antust!" sage ich um kein Jota weniger beleidigt als zuvor.
Dann denke ich daran, dass sie Recht hat, mit dem, was sie soeben aufzählte, und muss zugeben, dass meine Empfindlichkeit um ein Mehrfaches höher ist, als die ihre.
Doch was - in Gottes Namen - hat das mit einem Hypochonder zu tun?top

12.10.2006 um 13:29 Uhr

Liebe ist ...

von: buchfinder   Kategorie: Satiren

Stimmung: Supergut
Musik: Klassik pur... wie immer!

Liebe ist ...

copyright by George Tenner 2006

„Schläfst du?"
Keine Antwort. Aber sie atmet nicht wie sonst, wenn sie schläft. Also ist sie munter, antwortet nur nicht.
Demonstrativ stöhne ich.
„Hast du etwas?" Ihre Stimme klingt verschlafen. Aber stöhnen ist der Trick, mit der man ihre fürsorgliche Seite weckt.
„Zahnweh Ich hab‘ lausiges Zahnweh! Seit gestern... Im Trägerzahn der unteren Eckklammer!"
„Aha."
Ruhe.
„Liebst du mich noch?" frage ich.
„Jetzt???"
„Nicht nur jetzt in diesem Augenblick. Sondern an jedem Tag, in jeder Stunde, in jeder Minute, ja in jeder Sekunde!"
„Das ist schwer!"
Abwartende Ruhe. Da nichts kommt, bohre ich nach: „Wieso ist das schwer?"
„Liebst du mich denn in jeder Sekunde deines Lebens?"
Ich denke nach.
Wie ich mich immer >freue<, wenn ich auf eine von ihr geschlossene Kommodenlade stoße, die zwei Zentimeter offen steht. Oder auf den nicht ganz geschlossenen Kühlschrank. Oder wenn sie in meinem Arbeitszimmer aufgeräumt hat und ich nicht mehr finde, was in wohlgeordneter Unordnung auf meinem Schreibtisch, bestenfalls auf den Beistelltischen, in seltenen Fällen auch auf dem Boden liegt.
„Na???"
„Moment noch, Schatz!"
Dann denke ich an das mir und unserem Sohn gemeinsam so verhaßte Rauchen. Seit nunmehr zwanzig Jahren bitte ich diese jetzt neben mir liegende Frau, die nicht sagen kann, ob sie mich in jeder Sekunde unseres gemeinsamen Lebens liebt, dass sie mit dieser Sucht, die uns alle vergiftet, aufhören möge. Umsonst.
Ich denke auch daran, dass sie hin und wieder einen Schluck zuviel trinkt. Nicht, daß ich das nicht auch tun wurde. Aber erstens handle ich nach dem alttestamentarischen Spruch: "Was der Herr tut, das ist wohlgetan" und zweitens bin ich, wenn ich denn etwas getrunken habe, nicht so entsetzlich aufmüpfig wie sie. Mit Schrecken denke ich daran, wie unangenehm, ja geradezu unerträglich es ist, wenn eine Frau in einem Zustand des >nicht ganz normalen Denkenkönnens< neuralgische Streitpunkte sucht.
„Fällt dir die Antwort so schwer?"
„Absolut nicht! Nur geht mein Denkvermögen um diese Zeit ebenso langsam wie deines!"
Dann denke ich daran! wie oft ich allein ins Bett gehen muss, weil meine Frau eine Schönheitsmaske auflegen- und im Bad eine Stunde meditieren muss. Was für eine furchtbare Angewohnheit.
Dagegen bin ich mit meinen kleinen Macken ein Waisenknabe! Was tue ich schon Unrechtes?
Ich gehe hin und wieder - natürlich mit dem Einverständnis meiner Frau - alleine ein Bier trinken. Daran kann ich nichts Anstößiges finden. Darüber hinaus bestimme >ich< selbstverständlich nach demokratischer Abstimmung, bei der ich mich - unter Beeinflussung unseres gemeinsamen Sohnes - der Mehrheit im Voraus versichere, unseren gemeinsamen Wohnort. Gut‚ diesmal ist er nicht so ausgefallen, wie ihn sich meine Frau, die ein ausgesprochener Stadtmensch ist, gewünscht hat. Eigentlich wohnen wir jetzt dort, wo sich im Winter Fuchs und Hase: „Gute Nacht!" sagen. Doch im Sommer leben wir nur 20 Meter vom Bodensee entfernt sehr reizvo11.
Andere Menschen müssen hunderte von Kilometern fahren, um ihren Urlaub in einer solchen Umgebung verbringen zu können. Malerisch ist`s hier! Nur meine liebe Frau wäre sehr viel lieber in der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin geblieben.
Was habe ich noch für kleine Unarten an mir? Aus meiner Sicht - selbstverständlich keine! Und ich werde meine Frau nicht in Versuchung fuhren, mich dahingehend zu belehren, dass ich die Hälfte meiner Unsitten vergesse hätte, aufzuzählen.
„Genau betrachtet... Mein Gott habe ich Zahnschmerzen!"
Sie richtet sich auf und macht Licht.
„Ich hole dir eine Tablette", sagt sie. „Dann wird‘s gleich besser!" Dabei streichelt sie mir über den Kopf.
„Mein armer, armer Georgino... Zahnschmerzen sind etwas Ekelhaftes!" Damit hüpft sie behänd aus dem Bett und hinaus in die Küche. Am Klappern des Deckels höre ich, wie sie in unserer Medikamentenbüchse herumfischt.
Immer wenn ich über eine Krankheit klage, ist sie die Fürsorge in Person Was fiir eine Frau Und du hast daran gezweifelt, dass sie dich liebt!
Sie bringt die Tablette und selbstverständlich ein Glas Mineralwasser, da ich Leitungswasser geradezu verabscheue.
„Ob ich dich noch lieb habe, hast du gefragt..."
„Es ist schon gut, Liebes!"
„Erinnerst du dich an den »Fiddler on the roof?"
„Anatevka... Ost-Berlin. Aber es ist Jahre her, dass wir die Vorstellung besucht haben!"
„Das ist richtig... Tevje, der Milchmann, fragt auch seine Frau, ob sie ihn liebe... Erinnerst du dich?"
„Ja..."
„Und was antwortet sie?"
„Ich habe es vergessen...", weiche ich aus.
„Umgesetzt etwa so... »Seit zwanzig Jahren koche ich für dich, wasche und plätte, ich ziehe dein Kind auf und sitze an deinem Bett, wenn du Zahnschmerzen hast. Und auch in diese »gottvenlassene Gegend« bin ich dir gefolgt, denn ich will bei dir sein, bis dass der Tod uns scheidet... Und du fragst, ob ich dich noch liebe«?"
Tränen in den Augen nehme ich sie in meine Arme und flüstere ihr zu: „Entschuldige, Liebes! Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht!"
Und dann schlafen wir selig nebeneinander - Arm in Arm - bis zum anderen Morgen.

 

 

03.10.2006 um 18:49 Uhr

Von Flicka für`s Leben gelernt

von: buchfinder   Kategorie: Satiren

Stimmung: In der Regel - immer gut!

 

Flicka, Lady, Karol und Krümel - eine kleine Satire, die das Leben schrieb!

 

aus diesem Stoff werden die Fragen für das nächste Gewinnspiel kommen - also, lesen lohnt sich!

Flicka, Lady, Karol und Krümel
Copyright by George Tenner 2006


Lange wohnen wir noch nicht in dem kleinen Haus am See. Es gibt Nachbarn, an die kann man sich gewöhnen und andere, die man am besten nicht zur Kenntnis nimmt.
Nun begibt es sich, dass die Nachbarn, die mit ihrem Grundstück uns am nächsten wohnen, eine Hündin haben, die gern herumstreunt. Dieses Herumstreunen hat, kaum, dass wir eingezogen sind,
Folgen.
Diese Folgen bestehen aus drei jungen Hunden, einer Hündin namens Lady und zwei Rüden, Karol und Krümel.
„Der Hundelärm macht mich noch krankt, Geliebte!“ sage ich morgens um halb sieben. „Ich habe die halbe Nacht gearbeitet und das Gewinsel stört meinen verdienten Schlaf empfindlich.“
„Kleine Hunde müssen sich erst an die Umwelt gewöhnen“, belehrt mich die Frau an meiner Seite.
Eigentlich hätte ich das wissen müssen. Schließlich habe ich selbst zwei deutsche Schäferhunde, einen Whippet und einen Pudel großgezogen. Aber die Zeit rennt und scheinbar habe ich die Aufregungen vergessen, die so kleine Hunde bereiten können. Oder aber ich bin nicht mehr tolerant genug gegenüber der domestizierten Tierschaft meiner Umgebung, in diesem Falle der Spezies Hund.
Tags darauf treffe ich die Nachbarin am Zaun.
„Haben Sie schon die kleinen Hunde gesehen, die unsere Flicka hat?“ fragt sie ahnungslos.
„Gesehen nicht“, sage ich, „aber gehört!
Sie geht und kommt mit drei winzigen Knäulen zurück. Im Gefolge die Mutter der kleinen Hunde, die immer wieder ver-sucht, das eine oder andere Knäuel zu erreichen.
„Sind die süß!“ sage ich und streichle den kleinen buschigen Hunden über den Kopf.
Meine Familie ist neugierig geworden und kommt ebenfalls an den Zaun.
„Ach Gott!“ ruft meine Frau aus. „Was sind die niedlich!“
Dass der Schöpfer jedes Mal angerufen wird, wenn etwas niedlich ist! Kein Mensch schreit: „HERRGOTT, wo warst du!“
– wenn er auf eine Ungerechtigkeit stößt, beispielsweise auf den missgestalteten Körper eines unschuldigen Kindes. Aber so ist die Welt nun einmal, und ich werde wohl kaum etwas daran ändern können!
Selbst mein Sohn, der bis vor kurzer Zeit ein ausgesprochener Stadtmensch war und Angst vor Tieren hat, lässt sich dazu herab, die Hundebabys zu streicheln.
Nebst der Hundemutter und der kleinen Lady ist Krümel der Munterste, ja geradezu der Frechste. Aber er ist auch der Sonderbarste, denn, war sein Vater auch kein reinrassiger Schäferhund, so hat er die Augenfarbe der Mutter, die, so witzig das klingt, ein braunes und ein blaues Auge besitzt.
Diesen Umstand hat sie möglicherweise der Tatsache zu verdanken, dass sie kein reinrassiger Husky ist.
Die Zeit vergeht. Wir haben uns an das Gewinsel der Kleinen gewöhnt, wenn ihre Mutter mit ihrem Herrchen spazieren geht.
„Die Lady ist weg!“ ruft eines Tages die Nachbarin über den Zaun.
„Warum ausgerechnet die Lady?“ frage ich entrüstet. Diese kleine Hundedame war so lebhaft, dass sie mein Herz erfreute. Alle Vorstöße bei meiner klugen Frau, sie als künftigen Wachhund bei uns einzusetzen, waren fehlgeschlagen.
„Wahrscheinlich hat ihre Lebhaftigkeit den neuen Besitzer erfreut!“
„Das denke ich mir“, sage ich, und mir ist ein wenig wehmütig ums Herz.
Wir streicheln die übrig gebliebenen kleinen Hunde.
In der Folgezeit wird die Lady vergessen, denn Krümel, jener kleine Hund, der die beiden verschiedenfarbigen Augen der Mutter geerbt hat, macht immer mehr auf sich aufmerksam. Er kriecht durch den Zaun auf unser Grundstück und zeichnet erst einmal sein neues Revier, indem er sein Beinchen hebt.
„Komm Krümel, komm!“ lockt der Filius.
Immer mehr merke ich, dass der kleine Kerl das Herz meines Sohnes erobert.
„Wollen wir ihn nicht kaufen?“ frage ich meinen Filius.
Er schüttelt den Kopf. Es ist eine Trotzreaktion, denn ich wollte schon vor einiger Zeit einen Hund anschaffen, wurde aber durch das Veto meiner Frau davon abgehalten.
Am Abend kommt wieder ein Hundeinteressent zu meinem Nachbarn. Wahrscheinlich geht unser Krümel weg. Doch der Käufer störte sich an den verschiedenfarbigen Augen, und nimmt den etwas langweiligen Karol.
Unsere ganze Familie atmet auf.
Am nächsten Tag kommt der kleine Krümel wieder auf unser Grundstück. Auf der Terrasse stehen – schön in einer Reihe – unsere Hausblumen. Sie sind draußen, um sich zu erholen, denn einige haben offensichtlich unter der fehlenden Sonne im Zimmer etwas gelitten.
„Was ist mit dem Hund?“ fragt meine Frau.
Krümel steht da. Er hat das Fell seines Nackens gesträubt und fängt wie wild an zu bellen. Dazu macht er kurze und in seinen Augen vermeintlich mutige kleine Sprünge auf das Ungeheuer zu. Das Ungeheuer entpuppt sich als Riesenspinne auf einen ausgemusterten Blumentopf, der etwas abseits von den anderen steht.
„Krümel fass!“ ermuntere ich den kleinen Kerl. „So ist`s brav!“
Meine Frau und mein Sohn versuchen, den kleinen Hund zu beruhigen.
Am Abend ruft mich meine Frau hinaus auf die Terrasse.
„Schau!“ sagt sie. „Dort sind wieder Leute am Zwinger! Vielleicht interessieren die sich für Krümel. Ich würde ihm ein schönes neues Zuhause schon wünschen!“
„Der Karol ist erst gestern weggegangen“, sage ich beruhigend. „So viel Glück wird die Gabi nicht haben!“
Dann gehen wir ins Haus zurück. Jeder hängt einen Augenblick seinen eigenen Gedanken nach.
„Noch können wir ihn kaufen“, sage ich zu meinem Filius.
„Und wer geht mit ihm dreimal am Tag spazieren?“
Er hat recht, denke ich. Das würde wieder an mir hängen bleiben. Schließlich muss der Junge zur Schule und in einigen Jahren!
Daran will ich lieber nicht denken. Aber es ist nun mal der Lauf der Welt. Er wird aus dem Hause gehen, wie diese Hunde, und ich werde, sofern ich kann, ihm dabei behilflich sein. Auch wenn mich der Gedanke daran schmerzt.
Am Morgen ruft unsere Nachbarin Gabi am Zaun. Wir stürzen heraus, fragen, was los sei.
„Krümel ist nun auch weg. Gestern Abend waren Leute da. Die haben ihn gleich mitgenommen! Die Flicka ist ganz ruhig und trauert!“
Ich sehe die Hundemutter, die immer wieder nach ihren Kindern sucht und ich denke mit Wehmut daran, wie mir zumute sein wird, wenn mein Filius uns verlässt.
Nachdem ich die trauernde Hündin versucht habe mit ein paar Scheiben Knäckebrot, das sie so liebt, zu trösten, gehe ich sehr nachdenklich ins Haus zurück.
Nachsatz: Irren ist menschlich!



Inzwischen ist der Filius 36 Jahre alt. Er nennt mich auch nicht mehr ehrfurchtsvoll Sir. Leider! Dafür nutzte er bis zum Tode seiner Mutter eifrig das Hotel Mama, dann das Hotel Papa – und natürlich mit zwei warmen Mahlzeiten pro Tag!
Um eine gemeinsame Vergreisung zu vermeiden, bin schließlich ich ausgezogen. Das war vor einem Jahr!
Aber das ist nun mal der Lauf des Lebens.

28.09.2006 um 07:32 Uhr

Eine fast perfekte Frau...

von: buchfinder   Kategorie: Satiren

 

 

Eine fast perfekte Frau

 

Wer, mit Ausnahme Ephraim Kishons, hat schon eine fast perfekte Frau vorzuweisen? Ich gehöre zu den wenigen glücklichen Männern, die das behaupten können!

Nun, den Beweis dafür anzutreten, fällt sogar mir manches Mal nicht so ganz leicht. Aber es ist, wie es ist.

Meine Frau ist an Geduld kaum zu überbieten. Und wird sie hin und wieder etwas krüsch, dann liegt es sicher daran, dass ich ihre Gutmütigkeit, ihre Einfühlsamkeit und ihren überaus lie­benswürdigen Charakter überzogen in Anspruch genommen habe. Wenn ich das jetzt so ohne weiteres zugebe, dann nur des­halb, weil ich weiß, dass sie diese Zeilen nie zu lesen bekommt. Denn das hätte geradezu katastrophale Folgen. Wir haben Föhn. Sie wissen, das ist so ein laues Lüftchen, das bei uns von den Alpen herkommt und verschiedenen Menschen gesundheitlich zusetzt. Manche liegen dann da, als müssten sie jeden Augenblick vor ihren Schöpfer treten, andere werden plemplem, im Hirn. Ich scheine zu beiden Seiten zu tendieren! Leider!

Ein solcher Föhn herrscht seit drei Tagen und in diesen drei Tagen und Nächten habe ich mehr gelitten als andere auf dem Sterbebett!

Es gibt Autoren, die den Tod gelobt haben - so Gerhard Hauptmann, der da schrieb. „Der Tod ist die mildeste Form des Lebens, der ewigen Liebe Meisterstück!"

Eigentlich halte ich es nicht mit den Ansichten des Herrn Hauptmann über den Tod. Nicht, dass ich ihn sonderlich fürchte; ist man erst einmal tot, so schert einen die Welt wenig. Das Sterben macht mir Angst. Das elendigliche Siechen, ohne sich wehren zu können! Das ist's, das mich in Angstzustände versetzt.

In einem solchen Zustand aber befinde ich mich seit drei Tagen und drei Nächten, ebenso lange, wie dieser lausige Föhn von den Alpen herüberkommt!

„Ich kann ja verstehen, dass es dir schlecht geht", sagt meine verständnisvolle Frau. „Aber deshalb musst du nicht gleich »sterbender Schwan« spielen!"

„Was heißt hier sterbender Schwan? Ich sterbe!"

„Reiß dich zusammen, mein Lieber! Wir alle sind am Ende, wenn wir uns gehen lassen!"

„Du willst doch nicht etwa behaupten, ich würde mich gehen lassen?" frage ich beleidigt. „Ich habe so wahnsinnige Herzschmerzen, dass ich jeden Augenblick denke, es wäre das Ende!"

„Dein Herz ist absolut gesund ... Mit einer Ausnahme!"

„Mit einer Ausnahme ...?"

„Du hast ein nervöses Herz. Das haben ein halbes Dutzend EKGs festgestellt. Und EKGs lügen nicht!"

„Und wenn sie doch lügen?"

„Vielleicht sind‘s ein paar Blähungen vom Zwiebelgemüse!"

„Unsinn! Und meine entsetzliche Schlaflosigkeit?"

„Iss am Abend weniger!" sagt sie erbarmungslos. „Du wirst über den Erfolg staunen! Erstens wird dein Übergewicht abgebaut ..."

„Ich habe unter achtzig Kilo!" maule ich.

„Bei deiner Größe ist das geradezu ein Verbrechen an der Gesundheit! Und zweitens wirst du wesentlich besser schlafen!"

„Vielleicht habe ich auch zu hohen Blutdruck!"

„Wieso?"

„Ich schlafe kurz ein und dann erwache ich, weil ich Herzklopfen bis zum Halse hinauf habe, laut und drohend! Das ist ein Anzeichen von Bluthochdruck!"

„Du isst zu scharf! Salz verursacht Bluthochdruck und ..." Gleich holt sie zu einem weiteren schlag aus: „Auch deine Gicht kommt vom übermäßigen Salzgenuss!"

„Was bleibt mir noch vom Leben?" klage ich.

„Alles, wenn du es mit Maßen genießt!"

Gut, denke ich. Möglicherweise werde ich mich bessern. Zu­mindest, was mein Übergewicht angeht; die leichten Fett­falten am Bauch und über den Hüften müssen etwas abnehmen. Auch mein Gesicht hat schärfere Konturen, wenn das Aufge­dunsene weggefastet ist. Das kann nicht von Nachteil sein!

Aber eine Nacht möchte ich wieder einmal richtig durchschlafen!

„Wo sind die starken Schlaftabletten, die mir der Arzt bei meiner vorigen Schlaflosigkeit verschrieben hat?"

„Wo schon? Über deinem Bett in der Schublade!"

Ich nehme eine solche Tablette und gehe schlafen, lange, bevor meine Frau ins Bett geht! Endlich schlafe ich wieder eine Nacht durch - und fühle mich am Morgen erheblich besser.

„Schatzi", sage ich. „Bis auf die Sommererkältung und den Rest des Föhns, der mir noch immer zusetzt, fühle ich mich schon erheblich besser!"

„Kein Wunder, wer so schnarcht wie du in dieser Nacht, der schädigt seine Mitschläfer du hast geschlafen - ich fühle mich völlig zerschlagen!"

Am Mittag 1ege ich mich etwas hin. Wie an den Vortagen ereilt mich das gleiche Herzklopfen, das eine unbekämpfbare Todesangst in mir mobilisiert.

Meine Frau hat sich vor dem Fenster auf der Terrasse niedergelassen und liest.

„Schatzi", rufe ich. „Schatzi!"

Als niemand kommt, krieche ich mühsam aus dem Bett und schleiche hinaus zu meiner Frau.

„Hier kann man krepieren. Niemand hört, wenn man ruft! Es wäre kein Wunder, wenn ihr mich eines Tages tot im Bett auffindet!" lamentiere ich.

„Mein armer alter Kater", sagt meine Frau. „Du musst schon so rufen, dass man dich hört!"

Ich fälle eine katastrophale Entscheidung!

„Heute nehme ich noch einmal eine Schlaftablette!"

„Gut", sagt meine Frau verständnisvoll. „Aber wenn du das machst, dann schlafe ich in deinem Arbeitszimmer!"

„Warum?"

„Weil auch ich meinen Schlaf dringend brauche! Und bei deinem Geschnarche kann ich nicht schlafen!"


Aus Angst, nachts allein sterben zu müssen, verzichte ich natürlich auf die besagte Tablette, die einen unkon­trollierbaren aber heilsamen Schlaf bringen würde.

Aber ich registriere unwiderruflich, dass auch meine sehr duldsame Frau nur eine fast perfekte Frau ist.