Theologie sei eine Wissenschaft und heisse Rede von von Gott (ich dachte -logie heisse Lehre, was natürlich so ist). Auf der andern Seite heisst ja Logos auch "das Wort" (.. und das Wort war bei Gott, wie es im Johannes-Evangelium heisst. Man lese mal Vers 1-3 und man sieht, dass es ein ganz rätselhafter Text ist. Gemäss dem bedeutenden Theologen Rudolf Bultmann ist das Evangelium Johanni z.T. einer „gnostischen Erlösungslehre“ zuzurechnen. Das EVJoh wird gerne beim Missionieren verteilt, weil es so schön feierlich ist. Ein Pfarrer hat den schönen Titel verbi Dei minister (Diener am Wort Gottes). Die Worte der Theologen sind manchmal so gut, dass ich sie manchmal gar nicht verstehe, trotzdem ich mal ein Studium absolviert habe und einmal Latein gelernt habe (ich sage nicht, ich könne es). Altgriechisch habe ich leider nicht gelernt, aber einige Wörter weiss man ja, was es bedeuten soll.
Wenn die Theologensprache unverständlich wird, rede ich gerne von Wortgeklingel. Ich gebe zu, die Sprache der Philosophen ist manchmal auch (sehr) unverständlich. Vielleicht liegt es an mir, wenn ich etwas nicht verstehe (who knows?).Logos heisst übrigens auch Sinn, oder Vernunft oder Weltgrund (oder Weltseele) etc. aber primär Rede. Bei der Philosophie, v.a. beim deutschen Idealismus (Hegel, Schelling) muss man sich bewusst sein, dass es sich evtl. um verkappte Theologie handelt.
Gegenstand der Theologie genannten Wissenschaft ist wörtlich Gott (Theos, dessen Existenz, obwohl umstritten, ohne Begründung als gegeben vorausgesetzt wird) bzw. die „Offenbarung“ von Gott. Ich möchte der Theologie nicht die Wissenschaftlichkeit absprechen, aber ich spreche lieber von Geschichten (eigentlich Mythen) über Gott. Als Wissenschaft ist Theologie zunächst einmal Philologie (Sprachwissenschaft), d.h. alte, und daher als autoritativ angesehene Texte auf Latein, Griechisch, Hebräisch, Aramäisch sind zu übersetzten, zu verstehen und auszulegen. Dann ist Theologie Philosophie und Psychologie, die Bedeutung von Gott im Denken allgemein als auch im Denken und Fühlen des einzelnen Menschen ist herauszuschälen. Das ist meines Erachtens im Prinzip Theologie, d.h. Gerede von Gott. Mit „Gerede“ meine ich mal völlig wertfrei eine Gesamtheit, wie im Wort „Gebirge“; aber das muss man sich mal vor Augen halten.
Ein Kommentator schrieb zu meinem Blog (Gott1), was soll ich mich mit Religion beschäftigen, es glaubt eh jeder an etwas anderes. Das ist der springende Punkt: Wenn zwei von Gott reden, wer sagt ihnen, dass sie über denselben Gott reden? Klar: Gott ist immer nur eine mehr oder weniger gemeinsame oder verschiedene VORSTELLUNG von Gott.
Ich möchte den folgenden Text von Wolfgang W. MÜLLER (Prof. Dr. theol., Professor für Dogmatik, Professor für Dogmatik DBW, Leiter des Ökumenischen Instituts, Theologische Fakultät, Universität Luzern) mit dem Titel „Das NICHTS als Ausgangspunkt der Rede von Gott in der Moderne“ etwas kommentieren, d.h. mit meinen Gedanken versehen, wie die Glossatoren, welche bei Lehrtexten im Mittelalter Randbemerkungen geschrieben haben. Als der Existenzphilosophie zugeneigter Denker - jeder kann für sich beanspruchen, Denker zu sein, so auch ich als eigenständige Existenz - hat mich der z.T. schwere Text des zweifellos hochgelehrten Autors beeindruckt. Einen solchen Text, mit dem ich mich befasse, gebe ich immer an. Ich fühle mich dabei berechtigt, eigene Gedanken, Anmerkungen in [kursiv] beizufügen. Dies bringt/zwingt einen dazu, den Text genau zu studieren. Wer den Text ungestört davon im Original lesen will, findet ihn unter
http://biblio.domuni.org/articlestheo/dasnichts/
DOMUNI - Theologische Wissensvermittlung über Internet. Das Internet ist eine so wunderbare Sache und dient dem Gedankeaustausch. Nun zum Artikel:
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Theologie wird gemeinhin verstanden als ein der griechischen Antike entstammender Begriff, der eine vernünftige [hoffentlich nachvollziehbare], reflektierende [überlegende] Rede des Menschen über Gott meint. Dieser theologische Diskurs [Diskurs = logische fortschreitende Abhandlung] kann in ganz verschiedenen Textgattungen von seinem Objekt [Gegenstand: Gott wird als seiend vorausgesetzt, was er in Gedanken ist] handeln. Der Diskurs kann hymnisch, mystisch, *philosophisch*, systematisch, biblisch [und polemisch] geprägt sein, immer setzt er den Glauben an die Existenz eines Gottes als alles begründenden Grund der Wirklichkeit voraus. [Da muss ich nun entschieden widersprechen, theologisieren kann man auch, wenn man die Existenz Gottes nicht voraussetzt sondern nur als gegeben annimmt, im Sinne von ‚etsi Deus daretur’, wenn es Gott gäbe, dann …. Wenn von Gott gedacht, geredet und geschrieben wird, so ist meines Erachtens immer nur Gott in der persönlichen Vorstellung des Betreffenden gemeint].
Christliche Theologie zeichnet sich dadurch aus, dass dieser Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist [Das ist mal einfach eine kühne Behauptung wenn auch christliches Dogma. Es bedeutet weiter dass J. Christus ist mit Gott identisch ist und immer war]. In Folge der von Karl Rahner initiierten Transzendentaltheologie [Transzendenz heisst Überschreitung in eine andere Wirklichkeit] kann das Wesen [Kernbedeutung] der Theologie als das ausdrücklich bemühte Hören des glaubenden Menschen [auch ein ungläubiger kann hören, vielleicht wird er dann gläubig] auf die eigentliche, geschichtlich ergangene [tatsächlich geschehen] Wortoffenbarung Gottes [Das eine ist das Wort, das andere ist seine Auslegung. das Wort Offenbarung kommt 7 Mal im Text vor. Was heisst das eigentlich? Ich verstehe darunter die Aufdeckung/Mitteilung eines höheren, zunächst verborgenen Wissens/Erkenntnis. Das ist ein ungeheurer Anspruch] und das wissenschaftlich methodische Bemühen um ihre Erkenntnis [und Verstehen] und die reflektierte Entfaltung des [eingewickelten?] Erkenntnisgegenstandes [ Erkenntnis heisst gr. wörtlich Gnosis, was das Christentum letztlich ist] verstanden werden. Objekt der Theologie ist also nicht Gott, denn Theologie setzt die Wortoffenbarung voraus. [Ja, Gegenstand sind nur die als Offenbarung angesehenen Geschichten = Mythen der Bibel, denn die negative Theologie sagt sehr eindrücklich, dass Gott absolut und jenseits jeder Erkenntnis und Vorstellung ist] „Gotteswort im Menschenwort" [hier kann man folgern: „Gotteswort“ ist Menschenwort] hat bereits im Wissen um begriffliche und satzhafte Art [i.S.v. Satzung = Statut oder Lehrsätze (?), die auf ihre Stimmigkeit überprüft werden können] das Moment des Glaubens [Glauben = es wird etwas vorhanden und so beschaffen oder als wahr vorausgesetzt, daraus resultiert das Bewegende=Moment] und seiner verantwortbaren [was heisst das?] Verkündigung in sich, das zu weiterer Entfaltung, Reflexion und Konfrontation mit anderen Erkenntnissen treibt [Ja! Der Drang zu wahrer Erkenntnis treibt mich zur Reflexion und Konfrontation mit diesem Text]. Ebenso besteht keine feste, allgemeine Grenze zwischen vorwissenschaftlicher und wissenschaftlich methodischer Gotteserkenntnis [theologisieren kann jeder]. Christliche Theologie hat als Gegen-stand der Theologie die Offenbarung des Gottes zum Inhalt der sich im Wort (=Jesus Christus) [hier haben wir den LOGOS wieder] und seinem Heiligen Geist den Menschen kundgeben wollte und sich in seiner Gnade [Güte Gottes] selber den Menschen mitteilt. Somit gehören Akt [verstehe ich nicht, das ist aristotelisch] und Inhalt des Glaubens und kirchlicher Glaube zusammen [über den Inhalt des Glaubens an Gott oder nicht an Gott kann man in guten Treuen sehr verschiedener Meinung sein]. In klassischer Weise handelt die Gottesrede zunächst vom Gott der biblischen Offenbarung. Der biblische Gottesbegriff vermittelt keine einheitliche Gottesrede [sondern verschiedene Geschichten von Menschen und Völkern], sondern stellt in einer heilsgeschichtlichen Schau die Erfahrung des Gottesvolkes [Israel] dar, so dass Wesensaussagen Gottes [im AT erscheint Gott zunächst als kriegerischer Stammesgott] deutlich werden. In einem weiteren Zugang wird Gott zum Thema einer christlichen Philosophie [die bei der heidnisch-griechischen Philosophie grosse Anleihen gemacht hat, v.a. bei Aristoteles]. Nachbiblische Theologen haben Transzendenz, Allgegenwart und das Gott-Welt-Verhältnis thematisiert. Die altkirchliche Gotteslehre der Griechen nahm eine Parallelisierung vor: Während die Philosophen das Gottdenken der Griechen reflektieren, wird im Glaubensleben am Gott der Offenbarung festgehalten [Offenbarung kann hier als Erkenntnis verstanden werden]. Das mittelalterliche Denken hat Gott zum Hauptthema. Die thomasische [Thomas von Aquin] Gottesphilosophie deutet Gott im logisch-kausalen Zusammenhang, gedacht als das einzige unabhängige Seiende (,,ens a se" ist Gott allein, alles andere ist ,,ens ab alio"). Die Gottesrede der Neuzeit kennt unterschiedliche Etappen. Nach I. Kant kann die objektivierte Realität Gottes weder bewiesen noch widerlegt werden [Das ist äusserst wichtig: Kant hat mit den (positiven und negativen) sogenannten „Gottesbeweisen“ aufgeräumt. Die Philosophie ist nicht mehr die „Magd der Theologie“]. Wenn die Vernunft Gott als Gedanken [d.h. als reine Idee] seiner reinen Möglichkeit nach deutet, dann konstituiert sie damit das Ideal als oberste regulative Idee der theoretischen Vernunft [Gott als letzte Begründung für die Ethik]. Der solchermassen [rein abstrakt] gedachte Gott beeinträchtigt die Autonomie der transzendentalen Selbstbegründung des Bewusstseins und der Freiheit des Menschen nicht [mehr], er garantiert den Sinn der moralischen *Subjektivität* und ist damit fundamental für die Humanisierung [Dasselbe hat doch Sartre gesagt, der die atheistische Grundhaltung (seines) Existenzialismus als (wirklicher) Humanismus betonte.] Einen anderen Weg schlägt Hegel ein. Sein Denken unternimmt den Versuch, Freiheit, Vernunft unter den Vorzeichen ihrer jeweiligen geschichtlichen Entzweiung [Dialektik?] zu denken. Gott als absoluter Begriff versteht Gott weder als Sein noch als Wesen, sondern als Begriff, der sich zur Idee entwickelt [Gott ist also reiner Geist. Man muss wissen, dass Hegel eigentlich zutiefst vom Glauben an Gott überzeugt war]. Mit Links- und Junghegelianern setzt die radikale Kritik der Gottesrede in der Neuzeit ein. Verstand L. Feuerbach [S. „Das Wesen des Christentums“, bei Reclam] Gott als Projektion aller menschlichen Wünsche [F: „Der Mensch schuf sich Gott nach seinem Bild“ - nicht umgekehrt], postulierte K. Marx die Aufhebung des Wesens Gottes als notwendig für einen theoretischen Humanismus. F. Nietzsche, S. Freud [„Der Mann Moses“, wonach Moses ein Aegypter war und der jüdische Monotheismus eine Erfindung der Aegypter] als weitere ,,Meister des Verdachts" verstehen die Gottesfrage als Resultat eines gestörten menschlichen Verhältnisses [S. Tilman Moser: Gottesvergiftung]. E. Husserl, M. Heidegger und K. Jaspers sparen die Gottesfrage explizit aus der philosophischen Fragestellung aus. Vertreter der sprach- analytischen Philosophie bestreiten, dass von Gott sinnvoll geredet werden könne. Die feministische Theologie weist auf den Andromorphismus der traditionellen Gottesrede hin. [Ja, warum ist nie von einer Göttin die Rede, immer vom Herrgott (Herr Gott). Ich würde mir Gott noch gerne als schöne Frau mit grossen Brüsten vorstellen statt als Mann mit Rauschebart, wie in Michelangelo in der sixtinischen Kapelle gemalt hat. Vielleicht wäre es daher besser von „Das Gott“ zu sprechen. An Gott als für sich existierendes persönliches Wesen zu glauben, mit dem man auf Du und Du kommunizieren kann, ist eigentlich eine unmögliche, groteske Vorsellung.]
Diese kurze Skizzierung der Gottesthematik bestimmt bis auf den heutigen Tag den geistesgeschichtlichen Hintergrund sowohl des theologischen Diskurses als auch der vorwissenschaftlichen Rede von Gott. Die Postmoderne kennt ein Wiedererwachen der Gottesfrage. So hat die Zeitschrift ,,Merkur" im Jahr 1999 eine Doppelnummer zum Thema ,,Nach Gott fragen. Über das Religiöse" herausgegeben, der französische Philosoph Régis Debray publizierte ,,Dieu, un Itinéraire", in dem er die Gottesfrage unter den postmodernen Bedingungen bedenkt. Der Grazer Philosoph Peter Strasser nennt in seinem ,,Journal der letzten Dinge" das SCHWEIGEN GOTTES die Bedingung seiner Existenz in der Moderne. Die Gottesrede oszilliert angesichts der Herausforderung des postmodernen Pluralismus zwischen gegenläufigen Tendenzen: einer TOTALEN BELIEBIGKEIT oder GLEICHGÜLTIGKEIT einerseits, eines fanatischen Fundamentalismus andererseits [es gibt auch die Gott- und Papstschwärmerei]. Von Hause aus ist man entweder Christ, Jude, Buddhist, Moslem, ... , nichts" [übrigens kommt der Buddhismus ohne einen persönlichen Gott aus, nur schon das macht den Buddhismus so anziehend]. Die theologische Relevanz der Frage nach der Erfahrung des Nichts verliert ihre Berechtigung auch dann nicht, wenn von der Wiederkehr des Religiösen ausgegangen wird. Die Frage nach Gott wird in diesem Kontext gerade nach(!) einer Erfahrung des Nichts gestellt. [Nichts ist ein grosses Wort. Der Übergang zum NICHTS erscheint hier abrupt und nicht nachvollziehbar. Sich das Nichts als solches vorzustellen, ist praktisch unmöglich. Anders ist es mit der Vorstellung der eigenen Nichtigkeit. Ausgangspunkt dieses Artikels war aber die Rede von Gott. Die meisten Menschen, ausser die religiös oder philosophisch Interessierten, was eine gewisse Denkfähigkeit und Bildung voraussetzt, können mit der Frage nach Gott schlicht nichts anfangen, weichen ihr aus und verharren im Unbestimmten oder geben Gemeinplätze von sich. Die grosse Mehrheit der Menschen beantwortet entspr. Umfragen, ob sie an ein wie auch immer geartetes höheres Wesen (Gott) zu glauben, mit Ja. Die wenigsten stellen sich aber die Frage: „Was (nicht wer!) ist das eigentlich – Gott?“]
Glaubensrede von Gott [das ist die eigentliche Definition von Theologie, der Gegenstand dieser Wissenschaft ist der Glaube an etwas, das für wahr gehalten wird und nicht bewiesen werden kann], zweifelnde [!] und fragende Suche nach Gott, radikale Kritik an der Gottesrede artikulieren sich - schultheologisch klassisch - im normativen Dispositiv negativer und positiver Theologie. Einen Schritt weiter geht der theologische Diskurs der Moderne, der die Rede von Gott angesichts des Schweigens Gottes und der Erfahrung des Nichts im theologischen Diskurs bedenken will.
Eingedenk der klassischen, neuzeitlichen wie aktuellen Fragestellung der Theologie nach den Bedingungen der Möglichkeit einer verantwortenden Rede von und über Gott muss man sich, so lautet die vorgelegte Arbeitshypothese, mit dem Phänomen des Nichts auseinandersetzen.
[Da muss ich meine Kommentierung des Artikels abbrechen, das Nichts kann ich hier (noch) nicht behandeln; es ist mir im Moment zu schwierig. Den Rest des Artikels werde ich bei späterer Gelegenheit behandeln, ebenfalls die „Gnosis“].