Nur ein paar Memos

28.07.2010 um 13:41 Uhr

Mit mir streiten

Eine sehr liebe Freundin warf dieser Tage die Frage auf, wie es wohl wäre, mit mir zu streiten, und ob das überhaupt möglich sei.
Ehrlich gesagt, habe ich mir da bisher sehr wenig Gedanken drüber gemacht, und auf einen großen Erfahrungsschatz kann ich diesbezüglich eher nicht zurückgreifen.
Ich diskutiere gerne, auch kontrovers.
Aber ist das Streit?
Im Geschäftsleben trage ich Kämpfe aus, manchmal regelrechte Schlachten.
Aber ist das Streit?
Manchmal setze ich meinen Willen gegen die Meinung anderer durch - mit Vorliebe durch Diplomatie, selten mit einem Machtwort.
Aber ist das Streit?

Ja, ich weiß durchaus, was Streit ist. Streit ist für mich eine Auseinandersetzung, bei der die Gefühle ungefiltert hochkochen, Stück für Stück die Argumente ausgehen und Unfairness oder gar Boshaftigkeit mitspielen. Oder anders gesagt: sinnlose Energieverschwendung.
Hmm... diesbezüglich bin ich offenbar ein echter Öko, denn für diese Art der Energieverschwendung habe ich nichts übrig. Deshalb gehe ich echtem Streit gerne aus dem Weg. Was jedoch nicht heißen soll, daß man mich nicht zum Streiten verleiten könnte. Wer mich unberechtigt emotional verletzt oder mir mit einer Überdosis Dummheit oder gar Arroganz kommt, kann durchaus auch mal meine aggressive Seite kennenlernen, und derjenige wird sich wundern, wie unfair und verletzend auch ein Zwischenweltler sein kann.
Aber mal ehrlich, will das jemand?

Also, meine Liebe, diskutiere mit mir, was immer Du möchtest, aber sei versichert: Wie es ist, mit mir real zu streiten, willst Du nicht wirklich wissen. ;-)

12.07.2010 um 13:03 Uhr

Veränderung träumen

Heute bekam ich einen Link zu einem sehr interessanten Artikel zum Thema "Projektionen in Beziehungen" zugesandt - ein Thema, das mich schon seit langem beschäftigt, ohne daß ich es bisher völlig durchdringen konnte. Für einen Moment war ich geneigt, meine Gedanken dazu hier festzuhalten, jedoch mußte ich feststellen, daß mir noch immer die geeigneten Worte dazu fehlen.

Doch ungeachtet dessen war dieser Link eine wahre Goldgrube für mich. Ein weiterer (scheinbar zielloser) Klick führte mich zu einem Eintrag, der auf ebenso einfache wie prägnante Weise einen Kerngedanken meiner gegenwärtigen Lebensphilosophie beschreibt.
Wer möchte, sollte also einmal hier klicken.
Ich bin sicher, auch unter den übrigen Artikeln dieser Seite findet sich allerlei Lesens- und Bedenkenswertes für Euch.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an meine Herzensseherin für diesen Tipp. ((@))

07.07.2010 um 15:19 Uhr

Schwungradauto

Ich komme mir gerade vor wie ein Schwungradauto - aufgezogen aber ohne Lenkung.
Der Grund: Ein wichtiges Projekt liegt hinter mir. Eines das ich, mit harter Arbeit zwar, aber ohne negativen Streß zu einem guten und pünktlichen Abschluß bringen konnte.
Nun will der eine Teil von mir weiter durchziehen, die Inspiration und Motivation mitnehmen in das nächste, bereits geplante Projekt. Sicher wäre es keine schlechte Idee, diesen Schwung auszunutzen, solange er anhält. Etwas zeitlichen Vorlauf könnte ich so schaffen. Arbeiten ohne Druck.
Doch der andere Teil in mir verlangt nach Abschalten - möglichst völlig. Regeneration von Körper und Geist. Klingt auch wichtig, oder? Dazu muß ich jedoch sagen, daß sich mein Körper gerade recht gut anfühlt und mein Geist... nun ja, der könnte schon etwas Abwechslung vertragen, mal wieder die Strukturen etwas fallenlassen, den eher leisen Schwingungen folgen, Einkehr, Entschleunigung, eine Spur mehr Emotionalität. So ganz in der Mitte bin ich gerade nicht. Trotzdem fühle ich mich nicht schlecht mit und in mir.
So behakeln sich nun also diese beiden Seiten. Die eine meint, ich würde in meine alten Vermeidungsmuster zurückfallen und die Arbeit leichtfertig vor mir her schieben, während die andere eher die Leichtigkeit des Seins feiern möchte, sich zurücklehnen, und dabei den Standpunkt vertritt, ich würde ohnehin nur unter echtem Zeitdruck wirklich effektiv arbeiten, und dieser Druck fehlt eben noch.
Ein Kompromiß ist nicht in Sicht. Dennoch scheint sich ein Lösung ganz von alleine zu ergeben. Denn wo ich gerade diese Worte schreibe, klingelt mein (Dienst-)Telefon und ich habe nicht die geringste Lust ranzugehen. Das Schwungrad trudelt also langsam aus, was wohl sogar besser ist bei diesem Wetter.   :)

02.07.2010 um 11:11 Uhr

Brückenbau - Teil 3

von: Zwischenweltler   Kategorie: Brückenbau

Wenn wir bei dem Bild bleiben, zwischenmenschliche Beziehungen als Brücken zu sehen, liegt es auch irgendwie auf der Hand, zu sagen, wir sind selbst die Architekten unserer sozialen Netzwerke.
Nun versuchen die Architekten ja bekanntermaßen ständig den Spagat zwischen technischer Notwendigkeit und ästhetischem Anspruch - sie sind halb Ingenieur und halb Künstler, wobei die wirklich genialen Architekten ganz Ingenieur und ganz Künstler sind (eine Kombination, die m.E. nur extrem selten zu finden ist). Es wird also immer solche geben, die besonderen Wert auf die Solidität ihres Bauwerks legen - die Konservativen also - und solche, die alle statischen Notwendigkeiten verfluchen, weil ihnen die Ästhetik viel mehr am Herzen liegt - die Kreativen.
Die einen bevorzugen massiven Stahlbeton, der allen widrigen Umständen trotzt, und nehmen dafür in Kauf, daß ihr Werk als langweilig, grau und einfallslos verschrieen wird, die anderen jedoch konstruieren komplizierte Gebilde aus filigransten Elementen, die in ihrer Gesamtheit einem einzigartigen Kunstwerk gleichen und von denen jedes einzelne eine kleine Last trägt und somit zur Gesamtstabilität des Bauwerks beiträgt.

Ist es Euch auch schon einmal so ergangen? Ihr steht auf einer Brücke, mächtig und solide, kein Sturm, keine Flut können ihr je etwas anhaben, ihr spürt, wie diese Solidität eine Art Geborgenheit ausstrahlt, aber irgend etwas in Euch rebelliert und sagt: Ein paar Zierelemente würden diesem Bauwerk guttun, ein paar Lichteffekte wenigstens oder je nach Geschmack eine Jugendstil-Rosette oder ein kubistischer Aufsatz, ein Sims, ein Ausleger, irgend etwas Besonderes. Das Auge ißt schließlich mit - in jedweder Weise.
Und an einem anderen Ort seht Ihr eine Brücke aus feingliedrigem Fachwerk, Ihr seht die Verbindungsknoten zwischen den zahlreichen tragenden Elemente, die Schönheit des Zusammenwirkens, die Eleganz der Leichtigkeit, Ihr seid fasziniert, und dennoch beschwert da ein Gefühl Euer Herz beim Anblick dieses architektonischen Kunstwerkes - es ist die Zerbrechlichkeit, die Euch flacher atmen läßt, die Angst, eines dieser vielen tragenden Elemente könne versagen und damit alles einstürzen lassen.

Manchem wird sich der Zusammenhang zwischen diesen Zeilen und dem System der zwischenmenschlichen Beziehungen sicher nicht gleich erschließen, doch es gibt da mindestens einen Menschen, der das Fachwerk so sehr liebt, weil er ganz und gar Künstler ist, sich gleichzeitig aber unwohl fühlt, weil ihm die Vergänglichkeit dieser ebenso schönen wie komplizierten Konstruktion bewußt geworden ist.
Es ist der Spagat zwischen der "Kraft der Beständigkeit" und der "Leichtigkeit des Seins", die es zu meistern gilt.