Nur ein paar Memos

21.10.2010 um 12:11 Uhr

Lichterloh

Es gab schon Bedenken, ich könne krank sein oder so, weil ich so lange nicht geschrieben habe – nicht nur hier im Blog, auch einige Mails stehen immer noch aus. Das tut mir zwar leid, ist aber einfach so: Ich habe derzeit nicht viele Worte in mir.
Dennoch geht es mir gut, und ich bin voller Leben. Ganz zum Trotz des üblen Wetters.
Seit M's Tod ist irgendwas in mir passiert, was ich noch nicht beschreiben kann. Vieles, was von anderen belächelt wurde, und dem ich auch selbst eine gewisse Skepsis entgegen brachte, nimmt immer mehr Konturen an. Wie soll ich sagen? Die Zwischenwelt wird weiter und sie gewinnt an „Normalität“, ohne ihre wundersamen Überraschungen auszulassen.
Manchmal – jetzt gerade wieder – sitzt M. in der Ecke meines Zimmers, raucht eine Zigarette und grinst mich verschmitzt an. Und ich werde den Eindruck nicht los, dass er, seit er nicht mehr mit seinem kranken Körper kämpfen muss, eine gutes Stück seiner Energie auf mich überträgt. Ich fühle mich von ihm ermutigt, mich freizumachen, und wie selbstverständlich erklärt er mir, dass das, woran wir beide vor nicht allzu langer Zeit überhaupt nicht glaubten, doch existiert.

Das ist ein Grund, weshalb mir heute nach dem hier ist.

Doch es gibt noch einen zweiten Grund dafür. Gestern gab es ein Konzert, das ich eigentlich gar nicht besuchen wollte – auch weil das Nachklingen von Anathema noch in allen Ecken meiner Empfindungen steckt. Doch es war anders, und zwar so gründlich und völlig anders, dass ich gar nicht erst in Versuchung kam, diese beiden Konzerte miteinander zu vergleichen. Es war richtig gut. Blues, Boogie und Rock aus drei Jahrzehnten, perfekt dargeboten von einer erstklassigen Band und unterstützt von einer äußerst durchdachten und wirkungsvollen Bühnentechnik. Hinzu kam dieser permanente frivole Touch. In den Texten, in den Videoeinspielungen oder direkt auf der Bühne – es hing immer irgendwie eine gewisse sexuelle Spannung in der Luft.
Und so kam es, dass sogar meine Frau mal überhaupt nichts zu meckern hatte. ;-)
(Ich muss hier mal noch einen Satz für Insider einschieben: Der alte Mann hat sich erlaubt, ganz am Ende einen Titel von Willy Kitz zu covern. :) )

Soweit ein kleines Lebenszeichen von mir. Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende. ;-)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAquarius schreibt am 21.10.2010 um 18:45 Uhr:Es gibt solche Zeiten und solche Zeiten, das ist ganz normal ...
  2. zitierendie_amoremia schreibt am 22.10.2010 um 10:58 Uhr:Ich denke ganz oft an Martin!!! Unbekannterweise. Aber trotzdem! Wenn man einem Menschen zu Lebzeiten versucht hat, Energie durch das "An-ihn-denken" zukommen zu lassen, hört das nicht mit dem Tod auf!
  3. zitierenVomFeuerkind schreibt am 26.10.2010 um 13:50 Uhr:Aber es ist schon merkwürdig für jemanden, der so mit Worten umgehen kann, wie du, wenn der dann keine Worte mehr findet.

    Mir hilft in solchen Situationen immer das auszusprechen zu versuchen, was mich so bewegt. Aber manchmal müssen sich die Worte erstmal bilden.
  4. zitierenZwischenweltler schreibt am 26.10.2010 um 15:43 Uhr:Danke für die Blumen, liebes Feuerkind. (Ich finde nur, meine sprachlichen Qualitäten sind extrem von meiner Tagesform abhängig. ;-) )
    Was mich derzeit bewegt, sind vorrangig Gefühle, Träume und unterschwellige Gedanken. In jüngster Vergangenheit hatte ich immer wieder versucht, diese Gefühle zu verbalisieren und ihnen damit Ausdruck zu verleihen. Mal gelingt das, ein ander Mal nicht. Der Vorteil an der Suche nach sprachlichem Ausdruck ist der gleichzeitige Abgleich mit dem rationalen Denken, der automatisch erfolgt, sobald man nach Worten greift. Doch das ist nicht immer gut. Ich habe gelernt, dass es gut und richtig ist, seine Emotionen einfach mal als solche stehen und wirken zu lassen. Man sollte nicht unbedingt versuchen, jedes Gefühl durchs Spachzentrum zu jagen. Zu leicht verlieren sie dabei ihren wahren Inhalt und manchmal auch ihren Zauber.
    Wer an non-verbale Kommunikation glaubt, wird mich verstehen. Wer auf Worte angwiesen ist, könnte jedoch derzeit leicht enttäuscht sein von mir. Das ist schade, aber kaum zu ändern. Denn Worte lassen sich von außen nur schwer bei mir abrufen. Sie müssen aus eigenem Antrieb aus mir hervorquellen.
    Und wer meine "Phasen" kennt, wird wissen, dass ich auch bald wieder ein sprachliches Ventil brauchen werde. ;-)
  5. zitierenAquarius schreibt am 26.10.2010 um 15:45 Uhr:Geht mir auch manchmal so und ich kann das gut verstehen.
  6. zitierenVomFeuerkind schreibt am 26.10.2010 um 16:17 Uhr:@Zwischenwelter:
    Gern geschehen. So wie du es beschreibst, ist es mal ein interessanter Ansatz. Wenn man allerdings seine Emotionen mit anderen teilen möchte, besonders mit Menschen, die nicht durch eine Verbindung visuell oder selten emotional verbunden sind (wie hier im Blog) bleibt Sprache das einzige Rohr. Aber sicher gibt es Dinge, die erstmal in einem solange reifen müssen, bis man bereit ist, sie durchs Sprachzentrum zu jagen. Sprich, sie müssen erstmal ausreichend wahrgenommen werden. Und ich freue mich schon darauf, wenn du wieder eine sprach-intensieve Phase hast.
  7. zitierenZwischenweltler schreibt am 26.10.2010 um 16:22 Uhr:Du hast mich verstanden. Schön! *smile*
    Nun horch einmal ganz genau in Dich rein...
    Das non-verbale Teilen ist einfacher, als Du glaubst. ;-)
  8. zitierenVomFeuerkind schreibt am 26.10.2010 um 19:25 Uhr:Ich finde es einfacher, wenn ich die Person persönlich wahrnehmen kann. Oder eben am Telefon. Dann kann ich auch sensibel sein...
  9. zitierendie_amoremia schreibt am 26.10.2010 um 19:36 Uhr:Ich liebe non-verbale Kommunikation und bin so glücklich, dass es Menschen gibt, die ich spüre und Menschen, die mich spüren ;-)
  10. zitierenVomFeuerkind schreibt am 27.10.2010 um 00:15 Uhr:@mia: Wie viele Namen hast du eigentlich?
  11. zitierendie_amoremia schreibt am 27.10.2010 um 08:24 Uhr:23 ich hab die Nachnamen aller Ehemänner behalten,die ich geehelicht habe;-)

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