Lichterloh
Es
gab schon Bedenken, ich könne krank sein oder so, weil ich so lange
nicht geschrieben habe – nicht nur hier im Blog, auch einige Mails
stehen immer noch aus. Das tut mir zwar leid, ist aber einfach so:
Ich habe derzeit nicht viele Worte in mir.
Dennoch geht es mir
gut, und ich bin voller Leben. Ganz zum Trotz des üblen
Wetters.
Seit M's Tod ist irgendwas in mir passiert, was ich noch
nicht beschreiben kann. Vieles, was von anderen belächelt wurde, und
dem ich auch selbst eine gewisse Skepsis entgegen brachte, nimmt
immer mehr Konturen an. Wie soll ich sagen? Die Zwischenwelt wird
weiter und sie gewinnt an „Normalität“, ohne ihre wundersamen
Überraschungen auszulassen.
Manchmal – jetzt gerade wieder –
sitzt M. in der Ecke meines Zimmers, raucht eine Zigarette und grinst
mich verschmitzt an. Und ich werde den Eindruck nicht los, dass er,
seit er nicht mehr mit seinem kranken Körper kämpfen muss, eine
gutes Stück seiner Energie auf mich überträgt. Ich fühle mich von
ihm ermutigt, mich freizumachen, und wie selbstverständlich erklärt
er mir, dass das, woran wir beide vor nicht allzu langer Zeit
überhaupt nicht glaubten, doch existiert.
Das ist ein Grund, weshalb mir heute nach dem hier ist.
Doch
es gibt noch einen zweiten Grund dafür. Gestern gab es ein Konzert,
das ich eigentlich gar nicht besuchen wollte – auch weil das
Nachklingen von Anathema noch in allen Ecken meiner Empfindungen
steckt. Doch es war anders, und zwar so gründlich und völlig
anders, dass ich gar nicht erst in Versuchung kam, diese beiden
Konzerte miteinander zu vergleichen. Es war richtig gut. Blues,
Boogie und Rock aus drei Jahrzehnten, perfekt dargeboten von einer
erstklassigen Band und unterstützt von einer äußerst durchdachten
und wirkungsvollen Bühnentechnik. Hinzu kam dieser permanente
frivole Touch. In den Texten, in den Videoeinspielungen oder direkt
auf der Bühne – es hing immer irgendwie eine gewisse sexuelle
Spannung in der Luft.
Und so kam es, dass sogar meine Frau mal
überhaupt nichts zu meckern hatte. ;-)
(Ich muss hier mal noch
einen Satz für Insider einschieben: Der alte Mann hat sich erlaubt,
ganz am Ende einen Titel von Willy Kitz zu covern. :) )
Soweit
ein kleines Lebenszeichen von mir. Ich wünsche Euch ein schönes
Wochenende. ;-)

Mir hilft in solchen Situationen immer das auszusprechen zu versuchen, was mich so bewegt. Aber manchmal müssen sich die Worte erstmal bilden.
Was mich derzeit bewegt, sind vorrangig Gefühle, Träume und unterschwellige Gedanken. In jüngster Vergangenheit hatte ich immer wieder versucht, diese Gefühle zu verbalisieren und ihnen damit Ausdruck zu verleihen. Mal gelingt das, ein ander Mal nicht. Der Vorteil an der Suche nach sprachlichem Ausdruck ist der gleichzeitige Abgleich mit dem rationalen Denken, der automatisch erfolgt, sobald man nach Worten greift. Doch das ist nicht immer gut. Ich habe gelernt, dass es gut und richtig ist, seine Emotionen einfach mal als solche stehen und wirken zu lassen. Man sollte nicht unbedingt versuchen, jedes Gefühl durchs Spachzentrum zu jagen. Zu leicht verlieren sie dabei ihren wahren Inhalt und manchmal auch ihren Zauber.
Wer an non-verbale Kommunikation glaubt, wird mich verstehen. Wer auf Worte angwiesen ist, könnte jedoch derzeit leicht enttäuscht sein von mir. Das ist schade, aber kaum zu ändern. Denn Worte lassen sich von außen nur schwer bei mir abrufen. Sie müssen aus eigenem Antrieb aus mir hervorquellen.
Und wer meine "Phasen" kennt, wird wissen, dass ich auch bald wieder ein sprachliches Ventil brauchen werde. ;-)
Gern geschehen. So wie du es beschreibst, ist es mal ein interessanter Ansatz. Wenn man allerdings seine Emotionen mit anderen teilen möchte, besonders mit Menschen, die nicht durch eine Verbindung visuell oder selten emotional verbunden sind (wie hier im Blog) bleibt Sprache das einzige Rohr. Aber sicher gibt es Dinge, die erstmal in einem solange reifen müssen, bis man bereit ist, sie durchs Sprachzentrum zu jagen. Sprich, sie müssen erstmal ausreichend wahrgenommen werden. Und ich freue mich schon darauf, wenn du wieder eine sprach-intensieve Phase hast.
Nun horch einmal ganz genau in Dich rein...
Das non-verbale Teilen ist einfacher, als Du glaubst. ;-)