Gedanken am Morgen

25.12.2008 um 11:29 Uhr

Epoche zwei, Kapitel sieben: Funkstille an Weihnachten

Stimmung: nachdenklich - schlechtes Gewissen
Musik: das Plätschern der Regentropfen

Weihnachten ist bekanntlich das Fest der Liebe. Daher habe ich mit meiner Freundin vor einer guten Woche, in meiner ersten Urlaubswoche und damit passend vor Weihnachten Schluß gemacht. Das ist leider überhaupt nicht lustig, für keinen von uns. Dabei ist es aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung.

Nicht daß ich meine Freundin nicht sehr gern habe. Ich habe sie sogar sehr lieb, und sie ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Aber mir hat an der Beziehung in den letzten Monaten etwas gefehlt, und das wäre meine eigene Überzeugung gewesen, daß ich mit ihr den Rest meines Lebens verbringen wollte. Leider sind wir beide mittlerweile in einem Alter, wo man über sowas nachdenken muß. Und damit entbehrte die Beziehung einer wichtigen Grundlage: Sie hatte keine Zukunft. Oder nennen wir es Entwicklungspotential.

Jedenfall habe ich erfolgreich ihr Weihnachten zerstört und noch viel mehr. Das tut auch mir selber sehr weh.

Momentan liege ich auf dem Sofa, schaue mir seit Tagen meine alten Miami-Vice-DVDs durch, lese mich durch technische Dokumentation zu Flugzeugen und bekomme in Wirklichkeit nichts davon mit. Meine Gitarre verstaubt in der Ecke, genauso wie die Hanteln.

Den Heiligabend im großen Familienkreis verbrachte ich mit dem unabsichtlichen Hypnotisieren von Wänden und Tanten.

Sie tut mir einfach so leid, und ich komme mir schlimmer vor als der mieseste Typ, über den ich je lästerte. Mal schauen, wie das weitergeht. Wie gesagt, die Richtung stimmt schon mal.

27.11.2008 um 20:11 Uhr

Epoche zwei, Kapitel sechs: Abschied von Augustiner

von: dynoSense   Stichwörter: Bier, ÖPNV

Stimmung: nach einem langen, produktiven Arbeitstag angenehm müde
Musik: Vorspann der Tagesschau, einmal

So, liebe Leute, es ist soweit: Ab heute bin ich Kunde von Tegernseer. Das kommt nicht ganz von ungefähr. Bier schmeckt mir halt recht gut, während ich mit Wein und Härterem hingegen gar nicht zurechtkomme. Bisher dachte ich mir als Bewohner des Großraums München, daß man Augustiner durchaus unterstützen und deren Biere konsumieren könne. Inzwischen habe ich aber so viele ÖPNV-Säufer sehen müssen - nennt sie meinetwegen auch S-Bahn-Säufer oder U-Bahn-Säufer -, und immer hatten sie vor versammeltem Publikum eine Augustiner-Flasche in der Hand, daß ich mich davon distanzieren möchte. (Außerdem mag ich nur Euro2-Flaschen.) Wie kommt man überhaupt auf die Idee, in einem öffentlichen Verkehrsmittel Bier zu trinken? Oder Kaffee? Oder fleischige Semmeln zu mampfen? Oder überhaupt...? Haltet mich für altmodisch oder unterstellt mir ein Alkoholproblem, aber ich finde, in einer vollen S-Bahn gehört es sich einfach nicht. Genausowenig wie das vernehmliche Hören von Musik. Leider bin ich mittlerweile sooo alt (30), daß ich solch spießige Äußerungen mache. ;-P

Mich wundert es schon, aus welchen Kreisen die ÖPNV-Säufer anscheinend kommen: Genau diejenigen, von welchen man es vielleicht am wenigsten erwarten würde, packen urplötzlich ihre August-Flasche aus: überwiegend junge, gepflegte Männer zu Berufsverkehrszeiten, also keine augenscheinlich Obdach- oder Arbeitslosen. (2988000 Arbeitslose haben wir übrigens gerade.) Warum ist das so? Was haben diese high potentials (diesen widerlichen Terminus mußte ich jetzt mal zitieren) denn alle für ein Problem? Haben sie überhaupt eins, oder fehlt ihnen nur der Anstand?

Na dann Prost! Ich mache mir jetzt zum Abendessen ein Tegernseer auf - daheim im eigenen Wohnzimmer.

14.11.2008 um 06:13 Uhr

Epoche zwei, Kapitel fünf: Sozial-Eis-Ing.

Stimmung: erleichtert
Musik: bairische Volksmusik im Heimatspiegel auf Bayern 2

"Junge, das war nur ein ganz kurzer, unscharfer Blick in einen riesigen, eiskalten, uralten Kühlschrank, und du hast es wahrscheinlich nicht einmal kapiert...", dachte ich mir in dem Moment, als gestern jemand meine Grenzen überschritt. Dieser Jemand ist ein Kollege von mir, ein, sagen wir mal, Optimist mit Lebenserfahrung, der trotzdem Optimist geblieben ist - ganz ähnlich wie ich, wenn auch vielleicht etwas geschickter, SOZIAL INTELLIGENTER oder / und auch EMOTIONAL INTELLIGENTER als ich.

Grenzen? Was für Grenzen denn? Also: Wenn ich was an nahestehenden / Bezugspersonen nicht leiden kann, dann ist das diese "Du kümmerst dich ja nicht um mich"-Masche, diese emotionale Erpressung mit Schmollen und vagen Drohungen. Und genauso etwas muß man anscheinend leider auch von seiten der lieben Kollegen über sich ergehen lassen. Dabei hatte ich die Kollegen bis eben noch für "sicher" gehalten: für locker, unkompliziert und umgänglich, ohne ihnen zu nahe kommen zu müssen. So wie ich mich den Kollegen gegenüber auch verhalte.

Aber egal, es kam anders. Zunächst einmal hole ich ein wenig aus. Im Spätsommer
dieses schönen Jahres 2008 hatte ich keinen Bock mehr auf meine alte Arbeit und dachte mir sosolala, jetzt suche ich mir was anderes und sage auch bescheid, damit das Projekt unter meinem Abschied nicht leiden müsse. Das war eine Fehlentscheidung, und ich habe gelernt, daß die einzig richtige Methode ist, zuerst den neuen Brötchengeber festzuklopfen und dann erst dem bisherigen Brötchengeber plötzlich die Zunge rauszustrecken und den Rücken zu kehren. Nächstes Mal werde ich das richtig machen. Diesmal habe ich es noch falsch gemacht und hatte daher eineinhalb Monate mehr "Urlaub", als mir lieb war. Aber das ist Geschichte.

Meine neue Arbeit ist dreimal so interessant wie die alte, auch wenn ich nur die Hälfte verdiene. Faktor 1,5 ist ein Gewinn. Die Kollegen sind super in Ordnung, wie auch schon in der alten Arbeit, und ich verstehe mich eigentlich mit allen, schätze sie, bin höflich und umgänglich - siehe oben. 

Dann kam der Abteilungsausflug. Ich hatte an dem Tag weder Zeit noch Lust noch das Geld dazu. Und ich sehe nach wie vor nicht ein, daß ein gemeinsamer Ausflug in der Freizeit eine Pflichtveranstaltung sein soll. Und diese Einstellung wird mir jetzt übelgenommen. Deswegen dieser Artikel. Was soll das denn nun? Der o. g. Kollege gab mir zu verstehen, daß mein Fernbleiben von der gemeinsamen Veranstaltung mehr als einem Teilnehmer negativ aufgefallen sei. Und ich finde das einfach affig. Wie gesagt, ich schätze meine Kollegen sehr, ich halte sie alle für großartige, kompetente, sympathische Mitmenschen - aber für mich ist es das! Meine Familie und meine Arbeit will ich eindeutig, ausdrücklich getrennt voneinander halten, außer vielleicht, wenn ich zufällig was in Richtung Hochzeit vorhätte. Aber da das nicht der Fall ist, ...

Das soll es für heute schon gewesen sein. Sicher ist das nur ein Luxuswehwehchen. Heute beschäftigt es mich. 

02.08.2008 um 07:25 Uhr

Epoche zwei, Kapitel vier: Lichtpaläste contra Sternenhimmel

von: dynoSense   Stichwörter: Lichtpaläste, Sternenhimmel

Stimmung: zuversichtlich und entspannt
Musik: beim Schreiben würde Musik nur stören

So, es war eine lange, nicht ganz einfache Zeit der "Arbeitslosigkeit", die ich jetzt hinter mir habe. Die letzten zwei kurzen Wochen, in denen ich "frei" habe, kann ich endlich in der Gewißheit verbringen und genießen, danach wieder einer regelmäßigen vergüteten Erwerbstätigkeit nachgehen zu dürfen, also quasi wieder als kompetent und leistungsfähig anerkannt zu sein, in wessen Augen auch immer. Ich war ja selber schuld, da ich mich beruflich verändern wollte, und dabei den Fehler machte, zuerst die alten Aufgaben aufzugeben und dann nach neuen zu suchen. Egal, vorbei ist vorbei.

Was anderes: Wer außer mir wollte kürzlich mal nur einfach nachts ein paar Sterne sehen und mußte feststellen, daß dynamische Junguntenehmen, mittlere Industrieanlagen, wichtige Supermärkte oder geistesgestörte Nachbarn inzwischen mit Megawatt-Einsatz alles daran setzen, dem Himmel ihre eigene optische Note zu verleihen? Es wird immer schlimmer. Und es nützt ja nichts, wenn man es dem Nachbarn frühzeitig sagt und der Einsicht zeigt, daß es nervt, denn gleichzeitig stellen fünf andere Nachbarn wieder neue Scheinwerfer auf, die Garten und Himmel künstlich erhellen. Die Anschaffung eines Luftgewehrs und das Absolvieren von Zielübungen auf kleine, grell leuchtende Punkte kann da allmählich sinnvoll erscheinen. Hat denen außerdem keiner gesagt, daß der Menschheit das Öl ausgeht? Warum müssen sich Menschen immer gedankenlos gegenseitig das Leben schwer machen? Na gut, ich höre ja gleich auf zu jammern. Eins noch: Ich jedenfalls käme nie auf die Idee, Anderen eine Beleuchtung aufzuzwingen, die ich nicht einmal selber brauche.

10.06.2008 um 05:50 Uhr

Epoche zwei, Kapitel drei: Neue Perspektive

Stimmung: Aufbruch

Das kommt davon, wenn man seinem Brötchengeber (indirekt) sagt, daß man sich bei ihm langweilt und daß man sich gerne was Anderes suchen will: Rausschmiß. Jetzt hätte ich noch mehr Zeit, über alles und nichts nachzudenken. Besser ist es, Bewerbungen zu verschicken. Jeden Tag eine, lautete meine erste Vorgabe. Da ich aber ein bestimmtes Ziel habe und die dazu passenden Stellenangebote auch nicht in unendlicher Menge veröffentlicht werden, sind es eher zwei bis drei pro Woche. Zu dem Zweck habe ich wieder gute Bewerbungsphotos machen lassen und feile ständig an meinem "Profil". Jede Bewerbung muß in irgendeiner Hinsicht "besser" sein als die vorhergehende.

Heute früh direkt vor dem Aufwachen (Wecker) habe ich von meiner Frau geträumt. Eine humor- und liebevolle, attraktive, vertrauenerweckende und absolut nicht arrogante Person. Das Erwachen war ernüchternd, wie immer nach solchen Träumen. ;-) Aber ich weiß dann wieder, daß ich mich nicht nur beruflich verändern will.

Heute gibt es wieder schönes Wetter, jedenfalls bis zum frühen Nachmittag. Das ruft nach Gartenarbeit und Sonnenbad.

Allen, die heute für einen motivierenden Arbeitgeber produktiv sinnvolle Arbeit schaffen dürfen, wünsche ich hier viel Erfolg. Den Anderen viel Glück. Ich genieße vorerst meinen Urlaub, der hoffentlich nicht zu lange dauert.