Epoche zwei, Kapitel sieben: Funkstille an Weihnachten
Stimmung: nachdenklich - schlechtes Gewissen
Musik: das Plätschern der Regentropfen
Weihnachten ist bekanntlich das Fest der Liebe. Daher habe ich mit meiner Freundin vor einer guten Woche, in meiner ersten Urlaubswoche und damit passend vor Weihnachten Schluß gemacht. Das ist leider überhaupt nicht lustig, für keinen von uns. Dabei ist es aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung.
Nicht daß ich meine Freundin nicht sehr gern habe. Ich habe sie sogar sehr lieb, und sie ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Aber mir hat an der Beziehung in den letzten Monaten etwas gefehlt, und das wäre meine eigene Überzeugung gewesen, daß ich mit ihr den Rest meines Lebens verbringen wollte. Leider sind wir beide mittlerweile in einem Alter, wo man über sowas nachdenken muß. Und damit entbehrte die Beziehung einer wichtigen Grundlage: Sie hatte keine Zukunft. Oder nennen wir es Entwicklungspotential.
Jedenfall habe ich erfolgreich ihr Weihnachten zerstört und noch viel mehr. Das tut auch mir selber sehr weh.
Momentan liege ich auf dem Sofa, schaue mir seit Tagen meine alten Miami-Vice-DVDs durch, lese mich durch technische Dokumentation zu Flugzeugen und bekomme in Wirklichkeit nichts davon mit. Meine Gitarre verstaubt in der Ecke, genauso wie die Hanteln.
Den Heiligabend im großen Familienkreis verbrachte ich mit dem unabsichtlichen Hypnotisieren von Wänden und Tanten.
Sie tut mir einfach so leid, und ich komme mir schlimmer vor als der mieseste Typ, über den ich je lästerte. Mal schauen, wie das weitergeht. Wie gesagt, die Richtung stimmt schon mal.
