Avenir Incertain ♥

20.09.2011 um 20:29 Uhr

Kapitel 1 - Tag 14

von: enigmatique   Kategorie: ++Kapitel-Tage++

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Das Fruehstueck war heute grauenhaft. M., ist so alt wie ich, aber er ist ein Kerl, den man nicht einschaetzen kann. Er hat seine Aggressionen nicht in Griff und manchmal haut er Sprueche raus, die keineswegs lustig sind. Er sitzt seit meinem Beginn der Therapie immer neben mir. Ich mag seine Blicke auch nicht. Aber seit vorige Woche stinkt er abartig pervers. Ich hab ihn gestern drauf angesprochen und heute, aber da tut sich nichts. Auch traegt er seit dem Beginn immer die gleichen Klamotten. Ob die gewaschen werden, weis ich noch nicht mal, aber wenn ich von den Flecken ausgehe, dann nicht. Ekelhaft.

Danach 30min Entspannungstherapie.

Gruppengespraech. Das heutige Thema unter Leitung der Psychiaterin und einer der 2 Krankenschwestern - wie alt man gerne noch mal sein moechte.
Ich habe mich enthalten und habe gehofft, nicht angesprochen zu werden. Auch ich wuerde die Zeit zurueckdrehen. Meine besagten 4 Jahre. Zurueck als ich 21 wurde. Dinge sagen, die ich gerne noch gesagt haette, Dinge tun, die ich gerne getan haette und die Zeit zurueckdrehen. Aber dies geht ja alles nicht.

Danach bin ich zum Sozialarbeiter, eigentlich nur, damit er meine Sachen ausfuellt fuer die Krankenkasse fuer Fahrtkostenrueckerstattung. Ich habe mich ein wenig eingeengt gefuehlt. Er koenne es nicht verstehen, warum ich mich nicht oeffne und verdraenge. Er war ja vorige Woche im Gruppengespraech dabei.. und da hat er mich ja schon in die Enge getrieben, das ich reden sollte. Ich kann es einfach nicht. Einzelgespraeche sind doch was anderes, als anderen zu erzaehlen wie es in mir ausschaut. Ich kann mich da nicht oeffnen, es geht nicht. Es ist nicht so einfach fuer mich, denn schließlich bin ich fuer mich selbst zustaendig und ich habe nun mal fast alles verdraengt. Was soll ich machen? Ich kann mich nicht von heute auf Morgen aendern. Da muss auch eine Vertrauensbasis dasein um meine Gefuehle zu erzaehlen und Dinge, die mich belasten. Ich brauche einen Menschen an meiner Seite, der mich nicht verurteilt, bei dem was ich sage, der mir seine Hand reicht, mich in den Arm nimmt und mich heulen laesst und mir sagt, dass ich kein schlechter Mensch bin. Und das kann ich nicht in einem Gruppengespraech.
Waehrend des Gespraechs sind bei mir auch viele Traenen geflossen. Er hat zwar versucht, dass ich die Dinge anders sehe, hat mir auch aus seinem Privatleben erzaehlt aber es ist nicht das gleiche.

Danach hab ich eine geraucht.
Nerven lagen blank.

Mittagessen - lecker Nudeln mit Tomatensoße. Ich vermute einfach mal Dienstag ist immer der Nudeltag.

Autogenes Training. Ich konnte mich zum ersten Mal entspannen. Augen zu und der Musik gelauscht, waehrend die Ergotherapeutin noch eine Geschichte dazu erzaehlt hat.

Danach Kultur. Wir sind in den oertlichen Zoo gestampft. Ich halte nichts davon, aber der kleine Mann oben auf dem Bild hat mein Herz erwaermt. Ich haette ihn am liebsten mitgenommen. <3

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du hast dich immer noch nicht gemeldet und ich trau mich nicht.