Luselei

08.10.2007 um 13:27 Uhr

Die Stille suchen

Manch einer sucht die Stille. Andere finden sie, ohne sie gesucht zu haben.Ich, zum Beispiel, habe nicht gesucht, aber doch irgendwie gefunden. Wobei so ein Hörsturz keine wirklich ruhige Sache ist. Denn meist wird er begleitet von etwas, das ich "weißes Rauschen" getauft habe. Zunächst meinte der Ohrenarzt ja, es sei damit getan, daß er mir irgendwelche tunlichst nicht näher zu beschreibenden Dinge aus dem Ohr herausgeholt hatte. Stolz auf sich selbst verkündete er: "So, jetzt müßte es wieder gehen!"Neben der Erleichterung, diese nicht schmerzfreie Prozedur überstanden zu haben, konnte ich seine Rede nicht bestätigen, nahm mir allerdings vor, der Sache ein paar Stunden Zeit zu geben.Der Hörtest am nächsten Tag brachte die Gewißheit, daß eben doch nicht alles erledigt war, sondern gerade erst losgegangen. (Und für die, die sich jetzt fragen, wie man mit einem Hörsturz Reden welcher Art auch immer verfolgen kann, sei gesagt, daß es auch einseitige "Schlaganfälle" im Ohr gibt. Sprich: Links hör(t)e ich, neben dem "weißen Rauschen" durchaus auch ganz reale Dinge.)Wie auch immer: Man infusioniert mich nun und hat mir, neben den obligatorischen Tabletten, auch noch eine Magnetfeldtherapie aufgeschwatzt, an die, wie meine Chefin sagt, man glauben muß. Nun ja, ich kann mir durchaus vorstellen, daß die feinen Härchen, die für das Hören zuständig sind, irgendwie auf irgendwelche Felder reagieren. Und wenn nicht, habe ich jedenfalls nichts unversucht gelassen. Oder doch: Den Sauerstoff, den man mir über eine formschöne Maske zuführen wollte, ebenso selbstzahlpflichtig wie das Magnetfeld, habe ich nach einem kurzen Versuch abgelehnt. Meine angeschlagenen Bronchien wehren sich ganz entschieden gegen etwas, das so rein ist.Nun liege ich also jeden Vormittag auf einem netten Relaxstuhl zusammen mit fünf anderen Kandidaten gleichen Krankheitsbildes und bekämpfe den Streß, der als Ursache für derlei Leiden genannt wird. (Natürlich haben wir jeder einen eigenen Stuhl!) Ob alt, jung oder irgendwie so mittendrin, ob Managertyp, Rentner oder Öko - irgendwie macht diese Sache anscheinend vor niemandem halt. Was irgendwie beruhigend ist. Ich wüßte nicht, was ich ernsthaft verkehrt gemacht hätte.Einen aber habe ich heute gesehen, bei d e m weiß ich, was verkehrt läuft. Man stelle sich vor: Da liegen fünf Leute, schon allein wegen ihrer Aufmachung vollkommen kommunikationsunfähig (im Arm die Nadel, an der die Infusion hängt, auf dem Kopf der Hörer mit den Magnetwellen, auf dem Gesicht die Maske mit dem Sauerstoff) und tun, auch aus naheliegenden Vernunftgründen, nichts anderes, als die Stille zu pflegen. Plötzlich kommt er ´rein, sitzt noch gar nicht richtig, als schon sein Telefon läutet (was ansich bereits eine Frechheit ist und nur dem Umstand geschuldet sein kann, daß man sich auf die mangelnde Hörfähigkeit der anderen verläßt). Mit ungebremster Stimme fragt er, leicht ungeduldig, weil er in einer "Besprechung" sei, was denn nun wäre. Und endet nach kurzem Wortwechsel damit, daß er sich wieder melden würde. Um das tun zu können, muß er ein weiteres Gespräch führen, was er tut, ebenso ungeduldig, mit dem gleichen Verweis auf eine laufende "Besprechung". Dann ruft er den ersten Anrufer zurück und erteilt ihm Instruktionen.Meine Infusionszeit war derweil vorbei, was ich durchaus begrüßte, weil ich meine, man sollte im Kampf gegen den eigenen Streß sich nicht auch noch den von anderen Leuten aufladen. Ich denke auch, wär´s nicht ein ortsbekannter Unternehmer gewesen, hätte man ihn wohl der Aufruhr wegen, die er verursachte, zurecht gewiesen.So aber bleibt nur das Fazit, daß zumindest bei d e m  d a klar ist, warum er sich mit Tinnitus, Hörsturz oder was auch immer ´rumplagt. Es sei anderen überlassen, ihm klar zu machen, daß Geld nicht alles ist. Schon gar nichts, womit man sich ein langes Leben kaufen könnte ... 

04.08.2007 um 01:04 Uhr

Szenen einer Ehe gesehen ...

... und verstanden, was vor zwanzig Jahren vollkommen unverständlich war.Es ist wie mit dem Gogol damals: Manche Dinge kommen einfach zu früh ...

14.03.2007 um 10:07 Uhr

Liebes Lusel!

Es ist ja immer wieder das Gleiche: Hat man einmal Gelegenheit, während der Woche auszuschlafen, gibt es da bestimmt jemanden in der Nachbarschaft, der irgendwelche geräuschintensiven Arbeiten ganz unbedingt an ebendiesem Tag und zwar am ganz frühen Morgen verrichten muß. Mindestens aber kommt die Müllabfuhr.Insofern dürfte es keine ganz unberechtigte Frage sein, wie all diese Leute, die da alleweil schreiben, sie hätten - wieder einmal - bis vormittags um elf oder gar mittags um eins geschlafen, das wohl anstellen. Vermutlich wollen die einfach nicht zugeben, daß das gar nicht geht. Oder aber sie wohnen weit vor den Toren der Stadt. Oder aber sie haben aus manch leidvoller Erfahrung heraus allerhand Vorkehrungen getroffen, die ich nicht beherrsche. Ganz einfach, weil mir das viel zu selten passiert, daß ich während der Woche ausschlafen darf.Oder aber sie haben halt bis tief in die Nacht ferngeschaut, so daß sie vor lauter Erschöpfung den Krach draußen gar nicht hören können. Das übrigens würde auch erklären, warum des Nachts, mitten in der gemeinen Arbeitswoche, das Fernsehprogramm so unglaublich gut ist. Gut genug mitunter, sich zu fragen, warum man eigentlich Gebühren zahlt für Sachen, die man partout nicht sehen wollen würde, wenn man stattdessen das Nachtprogramm zur Verfügung hätte, was wiederum man nicht sehen kann, weil man ja tagsüber arbeiten muß, um die Gebühren zu verdienen. Also das gute Fernsehprogramm in der Nacht soll vielleicht die Leute, die am Tag nichts anderes zu tun haben, ruhigstellen.Jedenfalls habe ich, genau wie so manches vorangegangene Mal, am Ende kapituliert. Ich bin nicht nur aufgestanden, sondern sogar brav unter die Dusche geschlüpft, um diesen Urlaubstag nicht im Schlafanzug zu verplempern. Ich war schon draußen (schweinekalt), und mein Mac ist nach langer Schlampigkeit frisch ge-updatet. (Hat gar nicht weh getan, und Mäcki kann jetzt sogar wieder bei Blogigo schreiben, was zuvor ohne Firefox nicht ging.) Ich habe einer Biene, die meine Fenster nicht nur für durchsichtig (nana!), sondern auch für durchgängig hielt, das Leben gerettet. Und ich habe bei NIELSSON gelesen (der wenn es sich um den Herrn Nielsson an anderer Stelle handelt, den ich auch fand, sich mit seinen 35 Jahren nicht wundern muß, wenn er von den Frauen gefunden werden will oder muß). Nielsson ist nach eigenen Blogangaben Sekundenglückfinder und Frauenversteher. Junge Frauen suchen ´was anderes. Und die Alten (wie ich), die solcherart Eigenschaften zu schätzen wüßten, haben eben diesen Fehler: Sie sind zu alt. Naja, auch kein Beinbruch.Der Tag hat sozusagen gut angefangen. Machen wir weiter!

27.02.2007 um 19:53 Uhr

Liebes Lusel!

Gerade eben war der Moment, in dem ich mir wünschte, so schlagfertig reagieren zu können wie dieser Vater aus "Schlaflos in Seattle". Erinnernst Du Dich? - um das Rendezvous mit der "lachenden Hyäne" zu verhindern, ruft Söhnchen im Restaurant an und Vati fragt: "Ist dir schlecht? Blutest du? ..."

Dein Bruder, eben, nach fünfmaliger verzweifelt klingenden Ansprache auf meinen AB hat es geschafft, mich aus dem Bett zu holen. Wo ich mich wohlig wand, nachdem ich meine sparsam bemessene Gutzeit, hart erarbeitet, für genau diesen Zweck geopfert hatte: Einen schönen Nachmittagsschlaf. Ich hätte gleich wieder auflegen sollen, als ich hörte, was er will. Sofort. Aber so verschlafen, wie ich war, reichte es nur zum Funktionieren, nicht zum Reagieren: Söhnchen hatte die PIN, PUK oder was weiß ich für sein Handy nicht dabei, selbiges aber gesperrt, so daß ihn Dickes Mädchen nun wohl nicht erreichen konnte, was wahrscheinlich das größte aller Weltprobleme darstellt.

Erst hernach, als die Verbindung zu DM wieder gesichert war, fragte er mich, wie es mir ginge. Ich antwortete, daß es mir "Sch..." ginge (das Wort ist bekannt) und er mich morgen noch mal fragen solle. Dann legte ich, spät, aber nicht zu spät, auf. 

Wieso Kinder jenseits der Zwanzig noch immer glauben, ihre Mütter hätten kein anderes Bestreben, als ihnen die vergessenen Köpfe hinterher zu schleppen, werde ich ja nie begreifen. Aber sie tun´s. Und seit ich hier erfahren habe, daß sogar Mittdreißigerinnen, die selbst bereits Mütter sind, ihre eigenen Mütter als selbstverständliches Hilfsunternehmen bar jeder eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, wundert mich gar nichts mehr.

Ich erlaube mir deshalb, hier und in aller Form, darauf hinzuweisen, daß Mütter nebenher auch Frauen, sozusagen Menschen sind. Mütter haben, ebenso wie alle anderen, Träume, Wünsche und sogar Begierden (die sich nicht allein im Griff nach der Schokoladentafel erschöpfen, auch wenn das ihre Tendenz zum Dickerwerden erklären würde). Mütter haben PMS, ihre Tage und hernach den Eisprung (der nicht selten einhergeht mit einer Vorstellung davon, wie Männer sich fühlen müssen, die - wissenschaftlich erwiesen - ständig an Sex denken; auch Mütter tun das, wenn ihnen der Körper die geschlechtliche Vermehrung vorschreibt). Mütter träumen, wenn sie so träumen, nicht von dicken, gleichaltrigen Männern (schon gar nicht vom eigenen, wenn da einer ist), sondern von jungen, knackigen Kerlen, die ihre Söhne sein könnten. Ihr schlechtes Gewissen kriegen sie erst hinterher (aber schön war es doch) und wissen natürlich, daß sie so etwas im wahren Leben nie tun würden. Wozu schließlich sind Träume da?

Mütter schreiben solche Bekenntnisse nur in Weblogs, die erwiesenermaßen nicht von ihren eigenen Kindern oder irgendwelchen wirklich nahestehenden Menschen gelesen werden.

Denn: Mutti ist die Beste und hatte ja nur gerade so oft Sex, wie es nötig war, um ihre heißgeliebten Blagen zu kriegen. (Und nicht einmal das mag Kind sich vorstellen. - Nur daher kommt die Idee von der unbefleckten Empfängnis.) 

 

 

25.02.2007 um 09:37 Uhr

Liebes Lusel!

Es liegt nicht an der Besserung des Zustandes, daß ich hier kaum noch berichte. Vielmehr liegt es daran, daß man in Monaten gelernt hat, unaufgeregter mit dem scheinbar Unabänderlichen umzugehen.

 Sohn liebt Dickes Mädchen.

 Dickes Mädchen liebt es nicht, ohne Sohn zu sein.

 Am Ende streitet man sich immer.

 Wenn man sich streitet, kommt Mutti (ich) und bittet, das Telefonat zu beenden.

Auf diese Weise kommen wir alle miteinander aus. Sohn ist entspannter, weil er es haßt, sich an allen Fronten zu streiten. Ich bin entspannter, weil ich mich schon hier und da wieder auf die Ankunft meines Halbgaren jeden zweiten Freitag freuen kann. Dickes Mädchen ist nach wie vor nicht entspannt, fällt aber - zum Glück! - in den Zuständigkeitsbereich einer anderen Mutter.

Allerdings denke ich mit Grausen an Halbgarens Praktikum im Mai (drei Wochen), in denen zu befürchten steht, daß Dickes Mädchen tüchtig abdrehen wird. Sie ist es nicht mehr gewöhnt, den Halbgaren so lange Zeit aus ihrem Wirkungsbereich schwinden zu sehen. Lassen wir uns überraschen, im wahrsten Sinne des Wortes. Etwas anderes bleibt einem ja ohnedies nicht übrig.

Und was Dich angeht: Neulich, als ich erklärte, das Kinderbett auf den Boden geschafft zu haben, weil es mir ja nur das Schlafzimmer verstellt und ja offenbar langelange nicht die Aussicht besteht, es mit kindlichem Leben zu befüllen, hast Du mich erstaunt. Tatsächlich war Dir just in jenem Moment eingefallen, daß Du erst neulich darüber nachgedacht hättest, samt Nachwuchs hier zu nächtigen. Demnächst. Damit sich Kind an die Oma und ihre Wohnung gewöhnt.

In der Tat würde es höchste Zeit, wenn da nicht ein ängstliches, fremdelndes Bübchen dermaleinst hier überreicht werden soll. Wenn Du´s dann irgendwann mal brauchst.

Aber diese Idee ist nun auch schon wieder einige Wochen her und der Gedanke hat nichts an Konkretheit gewonnen seither. Vielmehr schien er spontan geboren angesichts eben meiner Gelassenheit, die Dinge auf mich zukommen zu lassen. (Was anderes bleibt mir ja ohnedies nicht übrig. - Es scheint, als würde eine Mutter erwachsener Kinder einen Gutteil ihrer Zeit damit zubringen, die Kinder "kommen" zu lassen. Denn ganz entschieden gehöre ich nicht zu jenen Nervemüttern, die alleweil anrufen und drängeln und jammern und all das.) 

Man ist also entspannter, an allen Fronten, so als Mutter, Großmutter und - wie zu befürchten steht - auch Schwiegermutter in spé.

Ganz entschieden ist das für die Blogleser nicht amüsant genug ...Â