Every generation got its own disease

14.04.2008 um 20:50 Uhr

Hypnose

von: ZooStation   Kategorie: Groß werden

Musik: Foo Fighters: Echoes, Silence, Patience, Grace

Früher konnte ich ohne Musik praktisch nicht überleben. Ich habe ständig Musik gehört. Walkman, Plattenspieler, Sonntagabend vor dem Radio gehockt und "Mel Sundock's Hitparade" auf SWF 3 mitgeschrieben und auf Kassette aufgenommen, beim Einschlafen.

Ich erinnere mich, dass ich in meiner oberen Etage des Doppelstockbettes, in dem mein 7 Jahre jüngere Bruder und ich im einzigen Kinderzimmer schliefen (aber das ist eine andere Geschichte!), meinen Radiorecorder nebst den 10 wichtigsten Kassetten in einer Handelsgold-Zigarrenkiste neben dem Kopfkissen stehen hatte. Mein Schatz!

Ich muss auf diese Weise so ungefähr 1.000 mal jeweils Mike Oldfields "Crisis", Dire Straits "Love over gold" und Van Morissons legendäre "No Guru, no method, no teacher" gehört haben.

Wenn ich diese Platten heute höre, rieche ich den Magnetismus der Bänder, den hauchzarten Rest von Zigarrengeruch, den elektrischen Strom neben meinem Kopf. Meine Zuflucht, meine Oase der Ruhe, meine kleine Höhle.

cuZooN. 

02.04.2008 um 00:49 Uhr

Sturm und Aufklärung

von: ZooStation   Kategorie: Groß werden

Musik: U2: The Joshua Tree

Habt ihr euch nicht auch schon immer gefragt, welche Literaturepoche ihr seid? Guckst Du hier.

Vielen Dank, Sunny!

 

Zu 50 % sind Sie: AUFKLÄRUNG (1720 – 1800): Deine Literaturepoche ist die Aufklärung. Du bist eher ein Kopf- als ein Bauchmensch. Vernunft und Logik sind die Maßstäbe deines Handelns. Für dich ist es sehr wichtig, kritisch die Aussagen anderer zu hinterfragen und nicht blind einem Führer hinterherzulaufen. Du hasst jede Form von geistiger Bevormundung und strebst danach, immer Neues zu lernen und dich weiterzubilden. Was du nicht leiden kannst, sind Intoleranz, Aberglaube und Ignoranz. Du glaubst an das Gute im Menschen und dass jeder das Beste aus sich machen kann. Deshalb siehst du im Allgemeinen optimistisch in die Zukunft. Dein Traum wäre eine Welt, in der alle Völker und Religionen in Frieden und Freundschaft miteinander leben.
Die passenden Bücher für dich:
Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti,
Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise,
Christoph Martin Wieland: Geschichte des Agathon

Halbe-halbe also, wie? Und die andere Hälfte?

Zu 40% Sturm und Drang.

Ich find' das bezeichnend, das passt, zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust...

cuZooN. 

 

14.02.2008 um 22:11 Uhr

Happy Birthday, blog

von: ZooStation   Kategorie: Groß werden

Musik: Coldplay: X & Y

Da ist dieser kleine Musik-Blog doch fast unbemerkt ein Jahr alt geworden. Wie schön.

Weiter geht's.

cuZooN.

23.02.2007 um 23:33 Uhr

Gerechtigkeit

von: ZooStation   Kategorie: Groß werden

Wir gehörten zu den Braven. Wir waren die, die lieber Fussball spielten als Böller in Hundehaufen zu stecken; unsere schlimmsten Vergehen waren eine zerdepperte Scheibe und ein geklautes Ei. Wir bolzten allerdings auf allem, was irgendwie als Wiese durchging, trotz Verbotsbeschilderung, oha.

Oh, wir machten tolle Sachen, keine Frage: Wir bauten regelmässig Staudämme an den Sieben Quellen, wir setzten schlicht den ganzen Rastplatzbereich unter Wasser, im Wald.

Wir spielten Roll-Hockey in der Fussgänger-Unterführung, bis die Nasen blutig waren - auch unsere.

Einmal, einmal da haben wir uns sogar geprügelt..also, ich kriegte Eins auf die Nase, um genau zu sein. Das Schlimmste daran war nicht das Nasenbluten, das ging vorbei. Das Schlimmste war das Unverständnis und das Gefühl, eine ungeheure Ungerechtigkeit sei mir widerfahren.

Aber das Aller-, Allerschlimmste Erlebnis meiner bewegten Kindheit und Jugend war doch das im Sandkasten, damals:

Ich muss so 5 oder 6 gewesen sein, wir waren neu in dem Viertel und es gab diesen herrlichen, feinkörnigen Sand in den Sandkästen, der liess sich ganz hervorragend modellieren, das war was anderes als dieser Bausand aus meiner alten Heimat. Jedenfalls bauten wir ungeheure Burgen, Strassen, Tunnel und Steilwände, mit Rampen so glatt wie ein Babypopo. Und da flitzten dann unsere Matchbox-Autos drüber. Aber ich schweife ab.

Ich lass mich also an einer Stelle nieder, wir waren schon einen halben Meter tief oder so, in diesem Sandkasten, und sitze "PRATSCH!" in einem Hundehaufen! Mitten in der Scheisse, mitten im Sandkasten, mitten auf dem Kinderspielplatz! Ich war entsetzt. Ich wusste mit einem Mal, was Ungerechtigkeit war.

Habe ich erwähnt, dass ich eher ein Katzentyp bin?

cuZooN.

 

21.02.2007 um 22:47 Uhr

Kinderspielplätze

von: ZooStation   Kategorie: Groß werden

Und schön: die Plätze meiner Kindheit malen mir ein Grinsen ins Gesicht - nur die Ecken, die meide ich noch...

(..kommt noch!).

cuZooN.

 

15.02.2007 um 22:26 Uhr

Gewissenhaft

von: ZooStation   Kategorie: Groß werden

Musik: Soundtrack: Moulin Rouge

Was wir unserer Vorgänger-Generation voraus haben ist ein Gewissen. Zwar wissen wir nicht so genau, wozu das gut sein soll (denn schließlich sind wir doch die Nachgeborenen), aber vorsichtshalber haben wir mal ein schlechtes, man kann ja nie wissen...

Unsere Alten wollten nur vergessen oder nicht wissen. Dann haben sie bei all dem verkrampften Nicht-nach-Hinten-Schauen das Nach-vorne-Schauen kultiviert - und dabei das Leben an sich vorbei rauschen lassen. Oder mit Neurosen verkleistert. Überhaupt Neurosen; die explosionsartige Ausbreitung kommt ja nicht von ungefähr. Alles unbewusste Erklärungsversuche überforderter Seelen, die großen Vereinfacher, die Gesund-Schrumpfer; das Schreckliche war nicht der Kalte Krieg, das Schreckliche war diese geistige Leere.

cuZooN.

13.02.2007 um 23:43 Uhr

Gepriesen sei der Herr

von: ZooStation   Kategorie: Groß werden

Musik: Genesis: Home by the sea

Aus der Seichtigkeit wieder heraus zu kommen, das gleicht einem komplizierten chirurgischen Eingriff. Ich empfinde das als einen ständigen Kampf. Man darf sich keine Minute aus den Augen lassen. Die kleinste Nachlässigkeit wird sofort bestraft; laufen lassen führt dich in die Sackgasse.

Man lehrte mich nie, Ellenbogen zu entwickeln. Mich durchzusetzen. Ich eigne mir das mühsam an, wie ein zu groß geratener 9.Klässler, der gerade Fahrradfahren gelernt hat und sich unsicher umguckt, ob einer was merkt.

(Phil Collins: ...But seriously)

Ich gehöre zu der Generation von Leuten, deren Illusionen sich entweder in Luft aufgelöst haben, oder die immer noch so tun, als ob sie in einer Studenten-WG leben. Ich verzichte lieber auf meine Illusionen.

In meiner Kindheit hatte ich noch einen Geschmack von Wertigkeit im Mund; in meiner Jugend mutierte ich vom Batida-Kirsch- zum Portwein-Trinker - muss ich noch mehr sagen?

Ich ließ das alles hinter mir und war eine Zeit lang frei, tatsächlich. Bis ich aufwachte. Und erschrak. Und den Deckel fest verschnürte und mit Gewichten an schweren Eisenketten befestigte. Aus Vorsicht wurde Angst. Keinen background. Fast wäre ich weg vom Fenster gewesen.

Nicht zuletzt die Musik half mir da durch und da raus, aber auch die Liebe zu den Menschen. Denn im Grunde meines Herzens bin ich ein Menschenfreund, auch wenn's nicht so aussieht.

Und zu meinem allergrößten Glück, zu meinem allergrößten Erstaunen, geschah das Wunder: Ich stolperte quasi in meine Traumfrau, meinen Engel, und präsentierte mich sozusagen stumm auf dem Silbertablett - und, noch ein Wunder - sie erhörte mein wortloses Flehen und griff zu!

Hosianna und Hallelujah, aber Hallo!

cuZooN.