Lyriost – Madentiraden

30.07.2014 um 11:02 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 11/12

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 11/12

Seite 12 ist eine achtzeilige Spitzkolumne, und deshalb handle ich sie heute gleich mit ab.

Beim Plappern, ob nun in Romanform oder beim Nachbarschaftstratsch, kann man sich schon mal verplappern, das kommt vor und geschieht bisweilen, und zwar ganz ohne Absicht, nämlich aus Versehen. Der Duden definiert „verplappern“ als „aus Versehen etwas ausplaudern“. Da nun dem Ausdruck „verplappern“ das Versehen immanent ist, ist die Erklärung: „Ich hatte Angst, dass du dich aus Versehen verplapperst“ ziemlich ungeschickt, und die Wendung „aus Versehen“ hätte, weil überflüssig, dem Stift des Lektorats zum Opfer fallen müssen, wenn es bei der Buchherstellung denn eines gegeben hätte, das diesen Namen verdient. Ich erwähne das nur, weil dieserart Füllmaterial überall in dem Buch zu finden ist.

... und bitte sei pünktlich“, sagt die Mutter zu Chloe, „wenn du deinem zukünftigen Stiefvater das erste Mal begegnest.“ Dieser „Stiefvater“, von dem im weiteren Verlauf noch öfter unwidersprochen als solchem die Rede ist, ist ganze sechs Jahre älter als seine „Stieftochter“, könnte jedoch auch gleichaltrig sein oder jünger, wenn man den „Begriff“ so gebraucht, wie er hier völlig neben der Spur gebraucht wird: Wenn also eine geschiedene sechzigjährige Mutter einen dreißigjährigen Mann heiratete, dann wäre der nach diesem Verständnis der Stiefvater der vielleicht vierzigjährigen Tochter, was natürlich wie so vieles in diesem abenteuerlichen Buch kompletter Quatsch ist.

Nun, da Mutter, wie es scheint, wieder einen Mann bekommen wird, liegt Chloe neidisch auf dem Bett „und starrte Löcher in die Decke“. Sie fragt sich, ob sie wohl auch einen Kerl abbekäme, „oder würde sie mit einer Katze alt werden, die sie nicht mal leiden konnte?“ Mal abgesehen davon, daß hier sprachlich nicht klargemacht wird, wer wen nicht leiden kann: Chloe ist 24 und die Katze vielleicht zwei, drei, wir wissen es nicht so genau, aber es kommt nicht auf ein, zwei Jahre mehr oder weniger an an. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen und Katzen unterscheidet sich aus noch nicht bis ins letzte erforschten Gründen nicht unerheblich, und bei Stubenkatzen liegt sie bei etwa 15 Jahren. Gemeinsames Altwerden erscheint deshalb höchst unwahrscheinlich.

 

Morgen geht’s weiter mit Seite 13 und „mehr als bereit“.



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