Lyriost – Madentiraden

04.08.2014 um 12:26 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 17

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 17

Im Liebesspiel ist vieles möglich, denn so verschieden die Spielenden, so unterschiedlich deren Wünsche und Fähigkeiten, jenen entgegenzukommen. Da das nicht immer gelingt, gibt es allerlei Gerätschaften, besonders im SM-Bereich, sogenanntes Liebesspielzeug, um den jeweiligen Partner zusätzlich zu stimulieren. Doch oft sind solche Hilfen nicht nötig, wie hier bei Leanne und Ryan: „Er spürte ihre scharfen Zähne, die … elektrische Impulse durch seinen Körper jagten ...“ Also nicht nur scharf, sondern auch an eine Stromleitung angeschlossen.

Zum Glück liegen Spannung und Stromstärke hier offensichtlich im gesundheitlich tolerablen Bereich, denn die Impulse verstärkten sich noch, als Leanne seine „prallgeschwollenen Hodensäcke knetete“. Da ich im Pschyrembel, Stichwort Skrotum, nichts über derartige Mißbildungen der männlichen Genitalien gefunden habe, muß ich davon ausgehen, daß die Autorin nur wenig mit Männern zu tun und im Biologieunterricht nicht aufgepaßt hat, denn Männer haben bekanntlich, dem Konstrukteur sei's gedankt, nur einen Hodensack. Derartige anatomische Anomalien wie hier gibt es tatsächlich nicht – außer im Roman, im unzureichend recherchierten. Zusammen mit Sätzen wie diesen: „Sein Sperma kollidierte mit dem winzigen Zäpfchen in ihrem Rachen“, und: „Abrupt riss er seinen Penis aus dem Käfig ihres Mundes“ sorgt solche Formulierungskunst für wenig erotische Stimulation, aber für viel Heiterkeit.

Auch nicht schlecht: „Seine Stimme ähnelte einem Reibeisen.“ Wie klingt ein Reibeisen? Ich habe in der Küche nachgeschaut: Es hängt nur still da und schweigt beharrlich. Ja, ja ich weiß, Joe Cocker und Co., die berühmten Reibeisenstimmen. Man muß nicht alles abschreiben – und schon gar nicht ungeschickt paraphrasierend.

Um an die bisher nur heiße, inzwischen jedoch „glühende Weiblichkeit“ zu gelangen, zerreißt Ryan einfach die Schutzfolie, „dieses edle Wäschestück, das ein Vermögen gekostet hatte“. Ich weiß, London ist teuer, aber so teuer wohl auch wieder nicht, schon gar nicht für eine Immobilienmaklerin, deren „Terminkalender aus allen Nähten platzte“. Wenn ich daran denke, daß sogar ich mit meinem eher überschaubaren Einkommen vor Jahren regelmäßig Unterwäsche in den Galeries Lafayette gekauft habe, nicht gerade ein Ort für Schnäppchenjäger, finde ich die Bemerkung zum „Vermögen“ maßlos übertrieben, wie so vieles in diesem Buch. Hundert Euro sind kein Vermögen, jedenfalls nicht in Mitteleuropa.

Morgen geht’s weiter mit Seite 18 und „engen Wänden“.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZebulon schreibt am 04.08.2014 um 13:50 Uhr:Es beschleicht einen der Gedanke, dass sich hinter dem Namen der Autorin ganz jemand anderes versteckt ... und einfach mal die Buchkundschaft hochnimmt ... Oliver Kalkofe zum Beispiel wäre ein Kandidat ...
  2. zitierenginablum schreibt am 04.08.2014 um 19:28 Uhr:Das würde mir glatt den Glauben ans Lektorat zurückgeben.... Befürchte jedoch Autorin UND Lektor meinen es ernst.

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