Lyriost – Madentiraden

20.08.2014 um 12:20 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 34

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 34

Chloe ist wieder (oder besser immer noch) sehr erregt und „glaubte, sich in ihre Bestandteile aufzulösen“. Ob das nun physikalisch (Atome machen sich selbständig) oder biochemisch (körpereigene Laugen und Säuren fließen ungeordnet ineinander und vermischen sich mit Basen*) gemeint ist, anatomisch (die Finger fallen ab und Zehen gehen fort*) oder eher allgemein biologisch (die Molekülstruktur löst sich auf*), das erfährt man leider nicht. Ich vermute, sie vertut sich in glaubensmäßiger Hinsicht und verwechselt einen gewissen Orientierungsverlust im Oberstübchen mit Auflösungserscheinungen.

Eine nicht mehr einzudämmende Welle an heißkalten Schauern überschwemmte sie von Kopf bis Fuß.“ Heißkalt? Fühlt sie diese Welle innen oder außen, ist sie heiß oder kalt, warm oder lauwarm – und warum nur eine einzige Welle, wo doch jede Menge Schauer ihr Unwesen treiben? Das sollte doch für mehrere Wellen reichen. Überhaupt: eine Welle von Schauern, eine Schauerwelle, was soll das sein, und wie könnte man eine Welle eindämmen? Lauter Fragen, die leider unbeantwortet bleiben.

Immerhin bekam sie trotz der Welle das „kleine Zäpfchen an seinem Reißverschluss zu fassen und wollte es nach unten ziehen“. Tatsächlich heißt das Ding am Reißverschluß Schieber oder Schlitten und hat einen kleinen Griff zum Ziehen oder zum Schieben, nicht etwa ein Zäpfchen. Ein Zäpfchen schiebt man zwar auch, vor allem bei Enddarmerkrankungen, aber man zieht es nicht.

Nachdem die „nicht mehr einzudämmende heißkalte“ Schauerwelle nun doch ohne Gewinne und Verluste irgendwie eingedämmt wurde, rollt die nächste Welle heran, diesmal eine heiße: Chloe „ging beinahe unter in der Welle heißer Scham, die sich über ihr aufbaute und sie dann unter sich begrub“.

Das ist zwar Blödsinn, aber im Gegensatz zur „Welle an heißkalten Schauern“ fast eindeutig. Eindeutig heiß, eindeutig von außen. Leider gibt es einen Widerspruch zwischen dem „beinahen“ Untergehen und dem „unter sich begrub“. Das ist nun ganz und gar nicht eindeutig. Wenn ich nur beinahe untergehe, werde ich nicht begraben, und umgekehrt ist klar: Wenn mich eine Welle begrub, dann bin ich nicht beinahe untergegangen.

Morgen geht’s weiter mit Seite 35 und „wütenden Fäusten“.

* Bitte nicht zur naturwissenschaftlichen Theoriebildung verwenden, weil diese scherzhafte Hypothese weder auf dem Papier noch im Labor einer ernsthaften Prüfung standhält.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenFrau_VonUndZu schreibt am 20.08.2014 um 20:01 Uhr:*grins*, immer wieder...
    Aber: jetzt muss der Naturwissenschaftler in mir doch glatt mal meckern, weil: Lauge = Base. Und wenn Säuren und Laugen sich mit Basen mischen, bedarf es schon eines großen Konzentrationsunterschiedes, damit sich etwas Organisches darin auflöst.
  2. zitierenLyriost schreibt am 21.08.2014 um 09:19 Uhr:Liebe Frau_Von UndZu,
    vielen Dank für den Hinweis, aber als späterer Geisteswissenschaftler hatte ich in Chemie natürlich immer ne vier oder fünf. Da die Laugen-Basen-Geschichte und auch das Fingerabfallen usw. hier nicht im naturwissenschaftlichen Sinne gebraucht wird, sondern nur zur scherzhaften Hypothesenbildung, lasse ich das nun jedoch so, wie es ist, werde aber eine Fußnote einfügen. ;-)
  3. zitierenFrau_VonUndZu schreibt am 22.08.2014 um 16:58 Uhr:* Zu viel der Ehre für einen notorischen Nörgler und Gelegenheitsbesserwisser.
    Für den Laien hört sich das wunderbar dramatisch an :-)
  4. zitierenLyriost schreibt am 22.08.2014 um 18:23 Uhr:In diesem Fall ist es ja keine Besserwisserei, sondern Besserwissen, auch wenn es hier in der Relevanzliste nicht ganz oben steht. ;-)

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