Lyriost – Madentiraden

27.07.2014 um 10:26 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 8

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 8

Chloe „nahm den geschwollenen Kitzler“ und machte mit ihm rum, „als würde sie den Gummiball eines klassischen Blutdruckmeßgeräts bearbeiten“. Wenn man sich das bildlich vorstellt, kommt man ins Staunen. Entweder wir haben es hier mit einem Fall von extremer Klitorishypertrophie bzw. Klitoromegalie zu tun, oder es handelt sich bei dem Meßgerät um Inventar einer Tierarztpraxis, das der Veterinarius bei der Untersuchung von Zwerghamstern benötigt. Ansonsten wirkt der Vergleich, genauso wie die beschriebenen Folgen der Kitzlerbearbeitung, „eine Reihe von kleinen Explosionen“ und „pure Feuerstöße“ im Leib, ein wenig überdimensional, überambitioniert.

Doch bevor das Haus zusammenbricht oder abbrennt, beginnt plötzlich „auf dem Nachtkästchen“, wie man im Süden der Republik und in Österreich sagt, „ein lebendig gewordenes Kunststoffgehäuse“ zu hüpfen und mit „dämlichem Gebimmel“ auf sich aufmerksam zu machen. Frage eins: Ist die, zugegeben relativ neue, Kulturtechneik des Klingeltonwechselns Chloe noch nicht bekannt? Frage zwei: Wie kommt das Mobilfunkgerät ins Schlafzimmer aufs Kästchen? Ist es hereingeschlichen wie die stille, zurückhaltende „Terrorkatze“ und hinaufgehüpft auf den Nachtkasten? Chloe selbst wird es doch wohl kaum auf dem Nachtkastl abgelegt haben, bevor sie mit ihrer autoerotischen Feierabendgestaltung begonnen hat, zumal sie noch kurz zuvor, wir erinnern uns, den „frenetisch blinkenden Anrufbeantworter absichtlich ignoriert“ hatte.

Chloe ist nun erbost und erbittert, hochgradig verärgert, sinkt „wie ein nasser Sack auf die Matratze“ (nasse Säcke auf Matratzen, das kennen wir ja alle), und beinahe „segelt“ das Störgerät „auf den weichen Hochflorteppich zu ihre Füßen“. Diese neuen Handys sind dünn wie Papierflugzeuge, man fragt sich, wie die Entwickler dort auch noch das „dämliche Gebimmel hineinkriegen“.

Ein Blick aufs Display: Mutter ruft an, die Mutter, die bei Chloe wie im weiteren beschrieben, für ausgeprägte Wut und Enttäuschung sorgte und nur anrief, wenn sie etwas brauchte. Wie reagiert nun die „erboste, verbitterte, hochgradig verärgerte“ Chloe? „Sofort erlosch ihre Wut.“ Aha.

 

Ich merke, daß ich angefangen habe, einen Kommentar zum Buch zu schreiben, der sich zu einem Parallelbuch auswächst. Deshalb werde ich mich bei den folgenden Seiten auf die Kommentierung der allerschlimmsten Merkwürdigkeiten und der lustigsten Stilblüten beschränken.

Morgen geht’s weiter mit Seite 9 und „Einzellerniveau“.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenGretchen schreibt am 27.07.2014 um 21:04 Uhr:Hallo, Ly,
    bin 'mal wieder da, und ich lese dankbar Deine Gedanken zum (allg. lit.) Schreiben. Verzeih, wenn ich mich ein wenig unbeholfen hier ausdrücke, aber ich komme wieder 'mal ganz spontan. Die Prosa hat's ja heute bekanntlich in sich. ..;-) .. habe mich sehr amüsiert, Ly .. stark!

    Wo sind Deine starken Verse?
    Klar .. alles zu seiner Zeit ..

    Wünsche Dir Wohlergehen und weiterhin Schöpferkraft ..

    Trotz langer Abstinenz .. bin ich dennoch

    Deine
    Gretchen (Italy)
  2. zitierenUnbreakable schreibt am 27.07.2014 um 23:27 Uhr:Du musst(est) das lesen?
  3. zitierenLyriost schreibt am 28.07.2014 um 15:05 Uhr:Liebe Gretchen,

    das ist aber eine Überraschung. Du mal wieder hier. Was macht die Kunst? Ich danke dir für deine Wünsche und hoffe, du bist kreativ und voller Tatendrang.

    Ja, die Verse. Ich schürfe bisweilen tief im Claim, aber da ist nichts als Geröll und Staub. Es heißt Geduld haben.

    Liebe Grüße
    Ly
  4. zitierenLyriost schreibt am 28.07.2014 um 15:07 Uhr:Unbreakable, was heißt müssen? So wie der Klempner oder der Proktologe oder der Gyn ihrer Arbeit nachgehen, wenn ihnen keiner größere Geldgeschenke macht, so muß ich auch, und es ist nicht immer das reine Vergnügen ...
  5. zitierenUnbreakable schreibt am 28.07.2014 um 22:57 Uhr:Ja, Lyriost ... ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. ;))
  6. zitierenLyriost schreibt am 28.07.2014 um 23:37 Uhr:Das gilt für Frauen gleichermaßen.

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