Lyriost – Madentiraden

07.02.2007 um 08:15 Uhr

Fortschritt

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Fortschritt

Die Menschheit besteht zum größten Teil aus parfümierten Barbaren, die ein bißchen Zivilisation spielen.

05.02.2007 um 09:20 Uhr

Verletzungen und Persönlichkeit

von: Lyriost

Jesin

Verletzungen und Persönlichkeit

Gerade die Art und Weise, wie wir mit unseren Verletzungen umgehen, seien es die in der Kindheit oder die alltäglichen, macht uns zu unverwechselbaren Persönlichkeiten. Niemand, der nicht wirklich gelitten hat, kann eine unverwechselbare Persönlichkeit entwickeln. Aber mancher zerbricht an der Aufgabe, sich selbst zu heilen.

05.02.2007 um 02:27 Uhr

Ehe und Prostitution

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Ehe und Prostitution

Immanuel Kant sagte: "Die Ehe ist ein Rechtsbündnis zum wechselseitigen Gebrauch der Geschlechtsorgane."

Und ist es nicht tatsächlich so? Ist nicht eine gelungene Ehe oder eheähnliche Dauerbeziehung zwischen gleichberechtigten Partnern eine Art wechselseitige Prostitution? Nicht nur im Bereich der Sexualität, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Geben und Nehmen.

Wenn dieses Verhältnis auf Liebe gründet, ist es um so schöner.

04.02.2007 um 01:10 Uhr

Das Bild zum Sonntag

von: Lyriost   Kategorie: Grafik

Sakral

03.02.2007 um 14:31 Uhr

Reibung

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Reibung

Auch für die Beziehung zwischen Mann und Frau gilt: Auf Dauer gibt es für beide keine Wärme ohne Reibung.

02.02.2007 um 14:12 Uhr

Thomas Manns Betrachtungen betrachtet

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Thomas Manns Betrachtungen betrachtet

Beinahe unerträglich für heutige Leser ist der revolutionär sein wollende betuliche Konservativismus Thomas Manns in den "Betrachtungen eines Unpolitischen", der so bieder daherkommt mit der Mannschen Überbetonung der eigenen Rolle als pantheonisch-überkünstlerischer Zivilisationsliteraturkritiker und seiner pathetischen Herumreiterei auf dem Pferd des wahren, faltenerzeugenden Künstlertums. Und der dabei den Autor doch sichtbar immer wieder hinter der (damals wohl noch vorgestellten) Lesebrille aufschauen läßt, als wolle er fragen: Bin ich nicht ein Überkünstler, auch wenn ich wie ein Überbürger ausschaue? Seht ihr, wie spritzig ich bin?

02.02.2007 um 06:50 Uhr

Fratzen schneiden

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Fratzen schneiden

Allem Lebendigen haftet der Geruch des Todes an. Und wenn man genau hinschaut, sieht man den Tod in jedem Gesicht verschmitzt und wissend lächeln. Auch beim Blick in den Spiegel. Man muß ihm Fratzen schneiden.

01.02.2007 um 07:58 Uhr

Ringeltaube

von: Lyriost

Ringeltaube

Meiner Mutter zum Geburtstag: Ringeltaube ist man nicht, Ringeltaube wird man mit den Jahren. Jedes Jahr ein kleines weißes Fleckchen mehr.

01.02.2007 um 07:48 Uhr

Beten

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Beten

Was ist das für ein Gott, der Wert darauf legt, daß wir uns vor ihm in den Schmutz werfen oder vor ihm knien, uns noch kleiner machen, als wir ohnehin sind, wenn wir mit ihm sprechen? Ehrfurcht, Demut, Unterwerfung, warum tun wir das?

Wenn wir einen Freund um etwas bitten, fallen wir üblicherweise nicht auf die Knie, und auch bei einem verschmähten Liebenden hat eine solche Geste nicht nur wenig Aussicht auf Erfolg, sondern ist vielmehr Quelle allgemeiner Erheiterung oder schmunzelnden Mitleids.

Die Liturgien in den theistischen Religionen sind voller Unterwerfungsgesten, wobei die widerständigen Kirchenbänke (und die Beichtstühle des katholischen Christentums) schon so manches Kniegelenk auf eine harte Probe gestellt haben. In dieser Hinsicht ist der Islam mit seiner Teppichkultur wesentlich knochenfreundlicher.

Immerhin, im privaten Bereich darf der Christ auch im Schaukelstuhl mit seinem Gott sprechen, wenn er etwas auf dem Herzen hat – und sei es, daß seine Mannschaft nun doch endlich mit Gottes Beistand wieder mal ein Spiel gewinnen möge.

Wie auch immer, man stelle sich einen Gott vor, der mit alldem konfrontiert ist: Angesichts solcher menschlichen Kindereien ist es ist vielleicht ein heiterer Gott, der sich göttlich amüsiert, obgleich er Mitleid mit diesen devotionsbedürftigen Würmchen hat, die da unten herumkriechen.

Möglich ist jedoch auch, daß er sehr, sehr zornig ist, weil die Menschen glauben, er wäre genauso blöd wie die Blödesten von ihnen, nämlich die, die Wert darauf legen, daß man sich vor ihnen verbeugt oder ihre Schuhe oder Ringe küßt.

Es gab mal einen Bischof, ich weiß nicht mehr, wie er hieß (wahrscheinlich war es nur ein anekdotischer Witzbischof), der sagte, als Gläubige den Mund zum Kuß spitzten und verwundert auf seine ringlose Hand starrten: Ja, der Bischof bin ich schon, aber der Ring liegt dahinten neben der Blumenvase, ach nein, er ist noch beim Pfandleiher – ich hatte ihn meiner Haushälterin geliehen. Nahezu göttlicher Humor.