Lyriost – Madentiraden

04.05.2007 um 11:51 Uhr

Kitsch

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Kitsch

Das Belachenswerteste am Kitsch ist nicht der Kitsch selbst, sondern daß es Leute gibt, die sich ständig von ihm distanzieren, weil sie befürchten, irgend jemand könne glauben, sie seien empfänglich für seine Reize. Was sie tatsächlich sind, wenn sie im stillen Kämmerlein die Maske des geborgten Geschmacks abgelegt haben.

04.05.2007 um 10:04 Uhr

Bild in Berlin

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Bild in Berlin
 
Weil der Spiegel in Hamburg ist, kann sich der Berliner kein Bild von sich selbst machen. Damit sich das ändert, kommt Bild jetzt nach Berlin. Den Berliner freut's, denn so braucht er auch weiterhin nicht direkt in den Spiegel zu schauen und kann mit noch mehr Berechtigung als bisher behaupten, die Bilder von ihm seien Zerrbilder.

04.05.2007 um 08:14 Uhr

Konferenz der Wörter

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Rechtschreibung

Konferenz der Wörter

Auf der turnusgemäßen Konferenz der Wörter wurde beschlossen – wie jedes Jahr und mit nur einer Enthaltung –, daß sich die Wörter in ihrer Bedeutung auch weiterhin nicht von den wechselnden Schreibmoden und den verbeamteten Wortbilddekorateuren, genannt Rechtschreibreformer, stören lassen werden.

Im Anschluß folgten alle einer Einladung der Professoren Gräulich und Greulich, auf der es, wie zu hören ist, beim Haschischtee zu nicht endenwollendem Gelächter über den Duden kam, was dazu führte, daß Doktor Duden, dem nachgesagt wird, er sei neuerdings Abstinenzler, vorzeitig den Saal verließ, vor sich hin brummelnd, das nächste Mal werde er sich nicht mehr nur der Stimme enthalten.

"Wer weiß, vielleicht wird der Konny demnächst gar nicht mehr zur Konferenz eingeladen", soll Frau Doktor Deskriptiv, auf ihren Ex-Mann angesprochen, süffisant gesagt haben. Aber das scheint mir doch etwas spekulativ zu sein.

02.05.2007 um 22:34 Uhr

Tirade 113 – Maut

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 113 – Maut

Die Hosen sind schwer
immer feinden die Steine
noch in den Taschen

schwerer als deine Beine
als gingest du auf Watte

02.05.2007 um 11:25 Uhr

Alters

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges

Alters

Von jeher schreibt man "von alters her". Und nicht "von Alters her". Warum Bastian Sick so sick ist, zu "Alters" zu substantivieren, ist mir ein Rätsel.

Spiegel online

Sick

02.05.2007 um 08:36 Uhr

Vanity Fair

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Vanity Fair

"Der Text ist in mehrfacher Hinsicht eine Kopfgeburt: Gedanken und Schlagzeilen, Assoziationen und Lektürefrüchte rieseln, nein: nicht aufs Papier, sondern ins Internet, ohne je mit der Wirklichkeit in Berührung kommen zu müssen." Märkische Allgemeine

Das schrieb ein gewisser Frank Dietschreit in der Zeitung eines größeren Dorfes über ein Projekt der "vermeintlichen Literaturgöttin" Elfriede Jelinek.

Wie mir scheint, hat er sich da in mehrfacher Hinsicht ein wenig vermeint, der gute Frank Dietschreit, denn daß die Schreibfrau aus Österreich eine Göttin sei, wird doch wohl weder von ihr behauptet noch von irgendeinem ihrer verständnisvollen Leser. Nicht mal der Rowohlt Verlag käme auf so eine krude Idee. Und Leser wie ich, die den Jelinek-Stil bisweilen als übertrieben geschraubt und diffus empfinden, schon gar nicht.

Literaturgöttin. So euphorisch ist kein Euphoriker. Aber was soll man machen: Wenn man jemandem etwas absprechen will, muß man es ihm vorher zuerkennen. Also erfindet der verhinderte Feuilletongott die Bezeichnung Literaturgöttin, um in dem nichtschmückenden Epitheton "vermeintlich" seine eigene abneigende Meinung (oder auch seinen Neid?) unterzubringen. Das ist das eine.

"Der Text ist eine ... Kopfgeburt." Ja, was denn sonst? Jeder Text, sogar der im Fäkaldunst sanitärer Einrichtungen von Zeitungsredaktionen ersonnene Mumpitz ist letztlich nichts anderes als eine Kopfgeburt, selbst wenn ihm das Odium der erfolgreichen Darmperistaltik anhaften mag. Kopfgeburt? Kopfgeburt!

"... ohne je mit der Wirklichkeit in Berührung kommen zu müssen." Daß das Internet inzwischen in weit höherem Maße Teil unserer Wirklichkeit geworden ist als eine vermiefte Redaktionsstube, sollte sich doch inzwischen bis in die allerletzte Hinterwaldtoilette herumgesprochen haben.

Hat es tatsächlich. Nur wird es noch immer nicht so richtig verstanden. "Denn das Internet ist heute der denkbar öffentlichste Marktplatz der Eitelkeiten", schreibt der Herr Dietschreit selbst, ohne zu merken, daß er damit das Internet als einen vollassimilierten Teil der Wirklichkeit beschreibt, die doch in Gänze und im Kern nichts anderes ist als ebendieser "Jahrmarkt der Eitelkeiten", um mit Thackeray zu sprechen. Das ist das andere.

"Vanity Fair" ist überall.