Lyriost – Madentiraden

18.08.2014 um 08:59 Uhr

„F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 32

von: Lyriost   Stichwörter: Family, Affairs

F. A. – Verbotenes Verlangen“, Seite 32

Ryan „ignorierte das Brüllen seines Gewissens … Er folgte seinem Instinkt, der jede Vernunft überlagerte.“

Ohne jetzt allzu tief in die Psychoanalyse eindringen zu wollen, muß ich doch darauf hinweisen, daß wir es hier mit einem vollkommen fehlerhaften, absurden Menschenbild zu tun haben.

Tatsächlich ist es so, daß Instinkt und Triebe (in Freudscher Terminologie das Unbewußte) das Primäre, das Laute, das Brüllende sind. Das Ich mit seiner Vernunft als das Sekundäre versucht, das Triebhafte, den Instinkt zu überlagern, nicht etwa umgekehrt. Dabei ist das Gewissen (das Über-Ich) behilflich, und zwar eher leise säuselnd (du sollst doch nicht, das darfst du nicht, was sollen denn die Leute denken) und keinesfalls brüllend. Mit anderen Worten: Die Autorin hat wirklich keine Ahnung von dem, worüber sie schreibt.

Ihre Lippen bewegten sich lautlos.“ Normalerweise machen Lippen nicht nur in Stummfilmen keinen Krach, es sei denn, könnte man glauben, man öffnet sie zum Sprechen; doch selbst dann sind Lippen ganz still, um die Lautbildung nicht zu stören.

Ansonsten wird noch ein wenig heiser gewispert und das „schlechte Gewissen zum Teufel“ geschickt. Was soll denn ausgerechnet der Teufel mit dem schlechten Gewissen, fragt man sich.

Die Erregung, die sie schon seit Wochen plagte, steuerte ungebremst auf den finalen Höhepunkt zu, als er dicht an ihren Rücken heranrückte.“ Auf Seite 26, also in der gleichen Szene, etwa fünf Minuten erzählte Zeit zurück, war es noch die „ständig schwelende Erregung, die sie seit einigen Tagen nicht mehr loslassen wollte“. Wenn innerhalb von Minuten Tage zu Wochen anschwellen, muß man das Schlimmste befürchten, nämlich daß es wir es bald mit Monaten oder gar Jahren qualvoller Erregung zu tun haben werden.

Immerhin erfahren wir, daß dichtes Heranrücken an den Rücken erregungsmäßig von großer Bedeutung ist, während es sprachlich betrachtet eher ärmlich wirkt. Da kritzelt der Deutschlehrer gern mal ein rotes A? (Ausdruck) an den Rand. Ein zweites Fragezeichen gilt dem „finalen Höhepunkt“, denn meistens ist der Höhepunkt einer Veranstaltung das Finale, vor allem dann, wenn das Spektakulum bereits seit Tagen oder gar Wochen seinem Höhepunkt entgegenschwillt.

Morgen geht’s weiter mit Seite 33 und dem „See aus Hitze“.