Lyriost – Madentiraden

17.01.2010 um 19:44 Uhr

AVATAR

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

AVATAR

Welch ein furchtbarer Film muß das sein, der gegenwärtig bei uns in den Kinos auf Hochtouren läuft.

Teddy Adorno hatte zeit seines Lebens Angst, ein Kinobesuch könnte seinem Verstand schwerwiegende Schäden zufügen. Beim Besuch eines 3-D-Blockbuster-Events, wie zur Zeit AVATAR eines darstellt, wird diese Vermutung mehr als bestätigt.
So tm über AVATAR.

Mehr als. Also noch schwerwiegendere Schäden. Man sieht vor dem geistigen Auge, wie aus den Kinos in gebückter Haltung, wild um sich blickend, Scharen geistiger Krüppel schleichen.

Überschrift bei tm: "AVATAR – langweiliger kann Kino kaum sein". Doch trotz dieser Langeweile schafft es der Film, den Zuschauer geradezu zu vergewaltigen:

Der Versuch also, von der vorgegebenen (oder technisch aufgezwungenen) Blickrichtung abzuweichen, wird mit Schmerzen quittiert – so tut der Film dem Zuschauer, verlässt er das vorgegebene Spielfeld (bildlich gesprochen) Schmerzen an, bestraft diesen für seinen Ausbruch, für die Nicht-Einhaltung der vorgegebenen Sichtweise.

So schmerzhaft kann Langeweile sein.

Kulturimperialismus und unterschwelligen Rassismus gar hat Josef Joffe von der ZEIT durch die 3-D-Brille gesehen. Man darf rätseln, welche Brille da unter dem Plastikglas wohl die Blickrichtung vorgab. Oder hat er nur abgeschrieben von David Brooks mit seiner "Weißer-Messias"-Phantasie in der New York Times? Annalee Newitz hätte wahrscheinlich lieber eine schwarze Frau in der Rolle des Jake Sully gesehen, auch wenn sie das nur indirekt sagt, der Vatikan schließlich befand das Ganze als zu unchristlich-pantheistisch, und Nichtraucherorganisationen waren empört über eine paffende Pilotin.

Also: Bloß nicht anschauen, langweilig, rassistisch, chauvinistisch, zu gefährlich für Leib und Leben, Gesundheit und das Seelenheil. 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenNimien schreibt am 17.01.2010 um 19:48 Uhr:Gerade den unchristlich-pantheistischen Teil fand ich besonders nett! :-D
  2. zitierenAquarius schreibt am 18.01.2010 um 12:37 Uhr:Ich habe den Film nicht gesehen. Jedoch ist der bisherige Einspielerfolg von 1 Mrd. $ auch nicht von der Hand zu weisen. Zumindest unter diesem Aspekt war dieser Film mehr als erfolgreich.
  3. zitierenLyriost schreibt am 18.01.2010 um 13:09 Uhr:Ich kann den Film durchaus empfehlen, aber man sollte möglichst ohne Erwartungen hingehen.
  4. zitierenleo14 schreibt am 18.01.2010 um 17:40 Uhr:Kino in 3D mit Sensorround-Sound und special effects bedeuten für mich immer, die Leute können mit sich selbst nichts anfangen und sind bei "normalen" Filmen unfähig, Empathie zu empfinden.
    Oder?

    leo
  5. zitierenAquarius schreibt am 18.01.2010 um 17:44 Uhr:Muss ich bei einem Film Empathie haben? *absolut confused*
  6. zitierenLyriost schreibt am 18.01.2010 um 17:51 Uhr:Lieber leo,

    solch eine Aussage ist mir etwas zu forsch, und ich glaube nicht, daß es bei diesem Film in der Hauptsache darum geht, den Leuten Empathie abzuverlangen. Tränen fließen doch weniger bei actiongeprägten Produktionen wie dieser, sondern eher bei den großen, unglücklich verlaufenden Liebesgeschichten. Im übrigen kommt es natürlich nicht auf die temporäre Empathie im Kino an, sondern auf das echte Mitgefühl und seine Umsetzung ins alltägliche Leben. Das ist wirklich wichtig.

    Gruß
    Lyriost
  7. zitierenNimien schreibt am 18.01.2010 um 18:31 Uhr:Wobei sich Kino-Empathie und Mitgefühl im alltäglichen Leben auch nicht ausschließen müssen.

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