Lyriost – Madentiraden

09.06.2006 um 10:04 Uhr

Bücherverbrennung

von: Lyriost

Bücherverbrennung

Wie es scheint, sollen in Deutschland wieder Bücher verbrannt werden. Das jedenfalls muß man annehmen, wenn man die gegenwärtige Debatte und die Meinungsäußerungen im Streit um Peter Handkes politische Handlungen, Wortmeldungen und Ansichten verfolgt, ohne genauer hinter die Überschriften und Schlagworte zu schauen, die durch die Gegend geistern.

"Wir erkennen, dass Meinungsfreiheit auch im Westen nicht mehr besteht", sagt Claus Peymann und schlägt Handke für den Nobelpreis vor.

Für Marlene Streeruwitz ist gar „das Ende der Kunst, wie wir sie kennen, das Ende der Aufklärung“ gekommen.

In der "Zeit" werden politisch irrende Größen der literarischen Vergangenheit beschworen, um eine neue Auflage des Geniekultes ins Werk zu setzen.

Nun ist es aber in Wirklichkeit so, daß es nicht darum geht, Handke den Mund zu verbieten oder sein Werk madig zu machen, nein, es geht um seine politische Haltung und die damit verbundenen Handlungen.

Ich finde, daß jeder, der sich in der Öffentlichkeit äußert, mit Begleiterscheinungen wie Lob und Kritik rechnen muß, und zwar unabhängig davon, ob er die ihm eigene Intelligenz nutzt oder nicht.
Einen besonderen Geniebonus sollte es ebensowenig geben wie einen Rechtsanspruch auf dotierte Preise.

Und ich kann durchaus nichts Falsches dabei entdecken, wenn diejenigen, die solche Preise ausloben und finanzieren, ihr Mitspracherecht bei der Vergabe in Anspruch nehmen.

Immerhin hat Peter Handke nun mit großer Geste und nicht ohne Worte mit Leberwurstgeruch rechtzeitig abgewinkt. Auf jeden Fall immer noch honoriger, als wenn er den vielleicht doch noch verliehenen Preis mit noch größerer Geste abgelehnt hätte, wie weiland die obengenannte Frau Streeruwitz den Badener Kulturpreis.

There's No Business Like Show Business.


Diesen Eintrag kommentieren