Lyriost – Madentiraden

22.02.2012 um 00:09 Uhr

Demokratisch ist das nicht

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Demokratisch ist das nicht

Kaum ist ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gedrungen, wer in Kürze der neue Bundespräsident sein wird, mit einer breiten Mehrheit gewählt und ebenfalls von einer Mehrheit der Bevölkerung mit Wohlwollen betrachtet – was erst mal natürlich nichts heißt –, da geht die Netz-Nörgelei derart massiv los, daß man sich verwundert die Augen zu reiben gezwungen ist. Ob nun aus dem Zusammenhang gerissene Zitate überinterpretiert oder obskure Stasilegenden wiederaufgewärmt werden, daß es nur so kracht: "Der Herr Diestel wollte was sagen" – oder gar geraunt: Die Eltern waren NSDAP-Mitglieder –, hier wird versucht, jemanden zu diskreditieren, noch bevor er ins Amt gewählt und eingeführt wurde. Demokratisch ist das nicht, und da sind wohl noch Rechnungen offen. Ich für mein Teil bin nicht so naiv, zu glauben, der Bundespräsident müßte grundsätzlich meine Meinung vertreten. Das kann ich nur selbst tun.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensternenschein schreibt am 22.02.2012 um 07:29 Uhr:Lieber Lyriost,
    es ist schon richtig, ein Bundespräsident muss und soll auch nicht beliebig sein, nicht Mainstreammässig die Meinung aller teiilen. Ginge ja auch garnicht, da die Meinungen der Menschen unterschiedlich sind und auch nicht statisch.
    Wir sollten unsere Meinung schon selbst vertreten.

    Nur, wenn einem etwas an diesem Kandidaten nicht passt oder negativ auffällt, dann sollte man es auch benennen dürfen.
    Und je mehr ich über Gauck mich informiere, um so weniger halte ich ihn für einen guten Kandidaten.
    Ich hatte damals gegen den Natodoppelbeschluss demonstriert. Gauck verherrlicht ihn noch heute. Die Anerkennung der Oder-Neisse Linie als Westgrenze Polens hielt ich für richtig um den Freiden zu fördern. Gauck sieht dieses und die Aufgabe der Ostgebiete als Fehler der DDR Regierung an. Darüber, dass auch die BRD sie anerkannte, sagt er nichts.Früher hätte man sob etwas revanchistisch genannt und Menschen die so denken Kriegstreiber genannt. Er fördert den Nationalismus, sagt wir sollten und müssten einen natürlichen Stolz auf unser Vaterland unsere Heimat Deutschland haben. Nationalismus nach den Naziverbrechen fällt mir schwer, da könnte, wenn überhaupt ich eher stolz sein ein Bürger Europas zu sein. Obwohl es in beiden Fällen ja keine eigene Leistung ist, irgendeiner Volks oder Staatengruppe zuzugehören.
    Und merkwürdig finde ich seinen Tweet als bekannt wurde er wird nominiert, als er fragte, ob er schon der neue Präsident ist. In der Regel müssen diese ja erst einmal gewählt werden. Anschliessend setzte er noch einen Tweet ab, in dem er sich bei der FDP für die Nominierung bedankte und dazu äusserte, die FDP sei die einzige und letzte Partei die noch den Willen des Volkes vertritt.
    Da frage ich mich, wo lebt Gauck, wenn er diese dahinsiechende FDP als Vollstrecker des Volkes Wille ansieht?
    Ich fand schon Kohls geistig moralische Wende unsagbar, auf einmal wurde zum Sendeschluss oder um Mitternacht wieder die Nationalhymne im Rundunk und Fernsehen abegespielt, war für mich fast unerträglich, dieser Nationalismus, der dazu führt, dass das rechte Gedankengut wieder salonfähig wird, was man zur Teit ja in diversen Foren zur Griechenlandkrise gut erkennen kann.
    Da kann ich nur sagen, wehret den Anfängen.
    Und Gauck steht so ziemlich am rechten Rand mit seinen Meinungen und Ausserungen, wenn und falls er sich da nicht korrigieren sollte, wird seine Präsidentschaft den Rechtslastigen in unserer Gesellschaft sowie dem Kapital Auftrieb geben. Für freie Märkte scheint er zu sein, für wenig Staat und vor allem
    nicht für einen sozialen Ausgleich. Sonst würde er ja nicht die Thesen der Initative für neue soziale Marktwirtschaft vehement vertreten. Wobei das Sozial bei dieser Initative nur der Verschleierung und Ablenkung dient.
    Und nur nebenbei, ich war auch damals gegen Kiesinger und Filbinger.
    Liebe Grüsse
  2. zitierenLyriost schreibt am 22.02.2012 um 10:28 Uhr:Lieber sternenschein,

    der allseits geehrte ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt wurde 2010 „für seine Standhaftigkeit beim Nato-Doppelbeschluss" geehrt, und aus heutiger Sicht erscheint der Beschluß nicht so ganz falsch gewesen zu sein. Helmut Schmidt dazu: "Es tut weh, wenn man so viele Leute demonstrieren sieht und weiß, sie haben unrecht." Ich selbst war damals übrigens auch Anhänger der Friedensbewegung und gegen den Beschluß. Heute glaube ich, daß der Beschluß wahrscheinlich richtig wahr. Deshalb will ich ihn nicht "verherrlichen", klar, aber das wird Gauck auch nicht tun, nehme ich an.

    Ich bemühe mich um Vorurteilsfreiheit, und deshalb auch mein Eintrag hier zum Thema, denn mir fällt bei Gaucks Kritikern auf, daß den meisten doch eine gehörige Portion Mundschaum anhaftet und, schaut man genauer hin, beim Quellenstudium die Bereiche Kolportageroman und Verschwörungsgeschichte sehr in den Vordergrund geraten.

    Auch ich bin nicht stolz darauf, Deutscher zu sein, aber nicht wegen der deutschen Geschichte, sondern weil Nationalstolz eine der billigsten Arten von Stolz ist, und ich allenfalls den Stolz auf ganz persönliche Leistung akzeptieren kann, wenngleich mich jede Art von Stolz verlegen oder auch ärgerlich macht – auch der eigene Stolz, wenn ich bei mir einen Anflug von Stolz darüber ausmache, alles Stolzierende zu verachten.

    Den Kapitalismus in seiner abgeschwächten Form als soziale Marktwirtschaft halte ich übrigens nur so lange für erste Wahl, wie nichts Besseres entdeckt wurde. Leider ist mir bisher keine erfolgversprechende Alternative bekannt, denn der Mensch ist leider nicht so, wie wir ihn uns wünschen, und die Geschichte lehrt uns, daß Pragmatismus weniger blutige Folgen hat als der Versuch, Utopien in Politik umzusetzen.

    Was den künftigen Bundespräsidenten betrifft, so halte ich ihn für einen Pragmatiker, und ich finde, wir sollten ihm Gelegenheit geben, etwas zu sagen, bevor wir ihn kritisieren. Auch wenn er, machtpolitisch gesehen, nichts zu sagen hat.

    Herzliche Grüße
    Lyriost
  3. zitierenSarah schreibt am 26.02.2012 um 13:08 Uhr:Die Idioten von der Presse haben nichts besseres zu tun, als alles auszuschlachten bevor er überhaupt im Amt ist, denn er verhält sich ja noch mit Antworten/ seinen Vater haben sie Anfang der 50ger nach Sibirien verschleppt, denke er wird keinem zum Munde reden, man sollte sich vielmehr darüber Gedanken machen, warum der sogen. Alte Westen keine guten Kandidaten hat und aus Hannover kam ja bis jetzt nichts über längere Zeit haltbares...den Linken ist er ein Dorn im Auge, weil er die Staasis aufgedeckt hat, hab die Liste von den Offiziellen ohne Nebenberufler Ims, ohne Ende Leute im Überbau und den Medien, die noch im Amt sind, besonders in Brandenburg. Meinen Vater haben sie auch eingesperrt als wir in die Ostzone kamen,
    aber die anderen, manchmal denke ich die DDR ist wieder da, sorry, kennst mich ja, urteile mehr aus dem Bauch heraus,
    JogginghosdenHARTZ4billigfernsehgesellschaft,
    Demokratie kommt ja von Volksherrschaft, na dann, jeder hat was zu sagen incl. Coiuchpotatoes, ein Theologe ist wohl das Beste fürs Land momentan, denke ich, Grüße aus Berlin.
  4. zitierenLyriost schreibt am 27.02.2012 um 19:55 Uhr:Ja, Sarah, schön, daß du mal wieder da warst. Vielen Dank für deinen Kommentar, und liebe Grüße nach Berlin
  5. zitierenSarah schreibt am 03.03.2012 um 22:43 Uhr:Liebe Grüße ins Sauerland, Frühlingserwachen...

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