Lyriost – Madentiraden

01.04.2010 um 11:41 Uhr

Erdmann – Szenische Monodialoge 8

von: Lyriost   Kategorie: Sonstiges   Stichwörter: Mixa, Prügel, Pädagogik

Erdmann – Szenische Monodialoge 8

ERDMANN verknittert, verläßt das Schlafzimmer, geht zum PC und startet ihn, dann begibt er sich ins Bad.

Schon erstaunlich
findest du nicht auch
mein lieber Spiegel
genau wie du
noch nicht richtig wach
aber schon ein freundlicher
Gesichtsausdruck
na ja unlängst
erst blankgewienert
mußt dich erkenntlich zeigen.

Apropos freundlicher Gesichtsausdruck
gestern hab ich aus aktuellem Anlaß
ich bin ja von Geburt katholisch, r.k.
den Herrn Mixa bildgegoogelt
herrje o Herr
Ritter im Kreuzzugsritterorden
selbst sein seltenes gequältes
Lächeln hat noch etwas Bedrohliches
ansonsten bis in die Mundwinkel
tiefempfundene Härte.
Schlägt so einer Kinder
wie jetzt Irregeleitete behaupten?
Man weiß es nicht.
Aber glaubt es gern.

Es könnte sein
müßte man ihm zugute halten
wenn die Vorwürfe nicht
gerichtlich verboten werden
was die Kirche angedroht hat
einmal Schläge immer Schläge
es könnte sein
daß in den Kindern
die geschlagen worden sein sollen
oder wollen
nicht nur der Satan
nein, auch der
Geist der Achtundsechziger
gefährlich aufblitzte
und deshalb  – präventive
schwarze Pädagogik
ist Putativnotwehr –
bekämpft werden sollte
und mußte
jener Geist, der dafür
verantwortlich ist
daß unschuldige Kirchenleute
die Macht über ihre
gebetgewöhnten Hände
verloren und bekümmert
zusehen mußten
wie ihre Finger
unter die Soutanen
und in die Wolle der
Schäfchen wanderten.

Nichts zum Lachen
nicht mal zum Lächeln.

Mathias Richling
kann sich die Parodie sparen
das Original ist
unübertrefflich.*

"War einmal ein Bumerang  ..."

Verläßt das Bad, hört ein Summen
Diese blöde Kiste.
Hat sich beim Runterfahren
gestern abend wieder aufgehängt
die ganze Nacht gelaufen
bei den Strompreisen
oder hab ich Trottel im Vorschlaf
nur wieder vergessen
das Ding auszuschalten?
Setzt sich kopfschüttelnd
an seinen Arbeitsplatz.

 

* Original

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLyriost schreibt am 01.04.2010 um 12:44 Uhr:Ach Erdmann, laß doch den armen alten Mann in Ruh, er weiß es ja nicht besser. Auch ich bin katholisch zur Liebe erzogen, mein Hintern ist rohrstockerprobt. Lang ist's her, und die den Stock schwangen, sie wurden allesamt bestraft: Todesstrafe. Ich besuche sie manchmal auf dem Gottesacker, um ihnen ein paar verblühte Disteln zu bringen.
  2. zitierenUnbreakable schreibt am 01.04.2010 um 22:38 Uhr:Todesstrafe? Todesgnade? Wir wissen es ja nicht besser.
  3. zitierenLyriost schreibt am 04.04.2010 um 00:02 Uhr:Ganz erstaunlich auch, was man jetzt so hört. Der Bischof sagt, er könne sich nicht an die Leute erinnern, die ihm jetzt Vorwürfe machen. Also könnten die sich auch nicht an ihn erinnern. Toll, logische Glanzleistung. Und es gemahnt ein wenig an Kinder, die sich bei Angst die Decke über den Kopf ziehen, weil sie davon ausgehn, das niemand mehr sie wahrnimmt, wenn sie selbst nichts mehr sehen.
  4. zitierenUnbreakable schreibt am 04.04.2010 um 19:15 Uhr:Das war auch mein Gedanke, als ich den Artikel las. In meiner Vergangenheit gab's ein Kind, das sich - im Glauben, man könne es dann nicht sehen - immer die Augen zuhielt beim Versteckspiel oder wenn es Schelte fürchten musste.

    Wie tief mag der Glaube des Bischofs (an seinen und anderer Gedächtnisverlust) sein.

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