Erfahrungswissen
Erfahrungswissen
Wenn wir nichts wissen über unsere Erfahrungen, wenn die Reflexion fehlt, werden sie zur Gewohnheit und halten uns von anderen Erfahrungen ab. Wissen ohne Erfahrung wäre wie ein ausgeklügeltes Gefäßsystem ohne Blut und kann unsere Wahrnehmung nicht schärfen, Erfahrung ohne Wissen aber wäre wie Blut, das uns nicht nähren kann, weil es sich planlos verströmt.
Erfahrung und Wissen sind untrennbar miteinander und mit unseren Sinnesorganen verbunden. Sie analytisch zu trennen und gegeneinander auszuspielen ist ein rationalistischer Taschenspielertrick, der nur von Ungeübten nicht als solcher erkannt wird.
Freilich ist die Ausprägung der Apperzeptionsverbindungen von ebenso unterschiedlicher Qualität wie die Ausformung der Sinnesorgane.
Es kommt immer darauf an, wer wie Erfahrungen macht. Und wie und aus welcher Perspektive er sie beurteilt. Für einen Arzt ist ein Schnitt in den eigenen Finger eine andere Erfahrung als für ein Kleinkind.



Viele Menschen glauben, wenn sie etwas wissen, hätten sie es schon erfahren oder verwirklicht. So berauschen sie sich mit der Kenntnis vieler Dinge, die alle stimmen mögen, aber für IHR LEBEN niemals wahr werden, weil sie beim abstrakten Begriff stehen bleiben. (Dr. Volker Zotz)
Bloße Kenntnis wird oft mit Verwirklichung verwechselt.
Theoretisches Wissen ist, auch wenn es die Wahrheit formuliert, immer nur Wirklichkeit aus zweiter Hand. Andere hatten die lebendige Erfahrung und fassten sie in Worte, wir nehmen zunächst nur abstrakte Gedanken auf. Sie mögen uns einsichtig erscheinen, aber unsere innere Zustimmung zu einem Lehrsatz nützt uns nicht viel, wenn wir uns nicht aufmachen, die ihnen zugrundeliegende Erfahrung nachzuvollziehen.