Lyriost – Madentiraden

26.01.2007 um 08:44 Uhr

Hierarchisches Denken

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Hierarchisches Denken

Ob im gesellschaftlichen Leben oder bei der Herausbildung einer philosophisch-religiösen, spirituellen Weltanschauung in einem Kopf: Nichts erzeugt im Menschen so zuverlässig Ohnmacht wie der Glaube an die Natürlichkeit hierarchischer Strukturen. Dabei ist dieser Glaube nichts anderes als ein epiphänomenales Konstrukt der Naturbetrachtung und entspringt einem tiefverwurzelten Bedürfnis nach Sicherheit durch Unterordnung.

Es ist ebenso wie in einem Wolfsrudel: Wer nicht die Kraft und den Mut hat, einem Alpha-Tier, und sei es auch ein imaginierter Gott, Paroli zu bieten, der versucht durch Unterordnung zu vermeiden, in die Rolle des Omega-Tieres gedrängt zu werden. Und genau das geschieht häufig gerade durch diese Willfährigkeit.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenbuchzeiger schreibt am 26.01.2007 um 17:08 Uhr:Ich mag eigentlich nicht so gerne an die Natürlichkeit hierarchischer Strukturen glauben, frage mich aber, warum diese vor allem in der Natur vorkommen.
  2. zitierenLyriost schreibt am 26.01.2007 um 17:17 Uhr:Die Natur ist hierarchisch. Keine Spur von Demokratie. Kein Hauch von statusunabhängigem Respekt oder mitfühlender Akzeptanz. Wenn wir etwas anderes wollen, müssen wir das der Natur und uns selbst abringen. Ich glaube aber nicht, daß das dauerhaft gelingt.
  3. zitierenbuchzeiger schreibt am 26.01.2007 um 17:22 Uhr:Lass es uns wenigstens versuchen!
  4. zitierenDierk Helmken schreibt am 24.10.2010 um 13:01 Uhr:Das hierarchische Denken scheint mir ein notwendiges Produkt des menschlichen Erziehungs- und Enkulturationsprozesses zu sein. Es ist daher von zweitrangiger Bedeutung, ob es auch genetisch bedingt ist.
    Jedenfalls bin ich der Überzeugung, dass es gelingen kann, durch möglichst frühzeitige (Krippe, Kindergarten), flächendeckende Einübung demokratischer und rechtsstaatlicher Tugenden diese natürliche Erblast des Menschen zu überkommen. Da die Angst um das eigene überleben und Wohlleben die Menschen in die hierarchische Abhängigkeit bringt, kann ein nachhaltiger Fortschritt nur in einem Staat und einer Gesellschaft erreicht werden, die ihren Bürgern eine gewisse Existenzsicherheit bieten kann. Wie Demokratie und Rechtsstaat ist auch die Ersetzung des hierarchischen Denkens durch das Selbstbewusstsein des freien Bürgers immer in Gefahr und muss täglich neu errungen werden, sonst bleibt sie eine Luxus- und Schönwetterveranstaltung.
  5. zitierenLyriost schreibt am 22.05.2013 um 08:51 Uhr:Folge des Enkulturationsprozesses oder natürliche Erblast? Beides gleichzeitig geht nicht. Aber mit dem "täglich neu erringen" hast du selbstverständlich recht, lieber Dierk. Sorry, ich hab deinen Kommentar jetzt erst gesehen.

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