Lyriost – Madentiraden

16.05.2005 um 10:11 Uhr

Innere Stimme

von: Lyriost

Innere Stimme

Dauernd dieses Gerede von der inneren Stimme. Wozu Vernunft und Verstand? Immer brav auf die innere Stimme hören und bloß nicht genau hinschauen, wer da spricht. Als hätte es weder die Aufklärung gegeben noch (mehr noch) die Erkenntnisse der Psychoanalyse.

Den klaren Blick mag die innere Stimme nicht, sie wird leicht unruhig und fängt an zu zicken, wenn wir sie mal unter die Lupe nehmen wollen, schauen, wer das ist, der da spricht. Aber wir sind folgsam und sehen nicht genau hin, sondern folgen brav unserer inneren Stimme. Nur wenn sie uns zu direkt sagte, es wäre gut für uns, aus dem Fenster im fünften Stock zu springen, dann würden wir doch etwas stutzig. Aber so dumm ist die innere Stimme nicht, sie führt uns subtiler in unser Unglück.

Wir hören auf dieses dumme Geschwätz, und alle Welt propagiert und idealisiert das Denken mit dem Bauch, während das Gehirn zu sehr mit Verdauung beschäftigt ist, um etwas dazu zu sagen. Und um seinen Teil dazu beizutragen, daß wir lernen, im Chor der inneren Einflüsterer unsere eigene innere Stimme zu hören. Die ist manchmal ganz leise und verschüchtert.

Mit Hilfe des Gehirns im Gezeter der inneren fremden Stimmen die eigene zu finden und damit ganz wir selbst und handlungsfähig zu werden, das ist unsere Aufgabe. Eine wahrhaft schwieriger Versuch.


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