Lyriost – Madentiraden

03.02.2013 um 13:22 Uhr

Katholische Merkwürdigkeiten

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Katholische Merkwürdigkeiten

Neben anderem dogmatischen Firlefanz: Eine Frau könne die Beziehung Christi zu seiner Braut, der Kirche, nicht sakramental-symbolisch sichtbar machen, erklärt der neue Chefdogmatiker des Vatikans, ein gewisser Herr Müller, angesprochen darauf, warum nur Männer im Weihrauchnebel das große Wort führen dürfen. Nun ist mir egal, wer in der katholischen Kirche mit Kultgegenständen hantiert, aber eine solche Aussage erscheint mir schlicht nicht nachvollziehbar. Wenn man das Braut-Bräutigam-Motiv bemüht, dann wäre doch eine Frau die bessere Wahl für den Bräutigam Jesus als ein bestenfalls schwuler männlicher Priester. Ein Priester als Braut ist doch eher karnevalesk, selbst wenn seine Kleidung ein wenig an ein schwülstiges Brautkleid erinnern mag. Die Kirche als Braut soll sich, wie im Epheserbrief nachzulesen ist, dem Bräutigam Jesus unterordnen, denn "der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist". Daraus abzuleiten, ein Mann könne besser eine Braut symbolisieren als eine Frau, ist in höchstem Maße lächerlich.

Und was der Erzdogmatiker über eine angebliche Pogromstimmung gegen Katholiken sagt, das ist eine Unverschämtheit, wenn man bedenkt, daß die von Herrn Müller geleitete Behörde mal als "Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis" ("Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition") angefangen hat, als "Säuberungs"instrument einer Kirche, die zu den Hauptverantwortlichen für ein Klima gehört, in dem Pogrome gegen Juden an der Tagesordnung waren. Als geschichtsbewußter Kirchenvertreter sollte man deshalb derartige Wörter besser nicht in den Mund nehmen, es sei denn in selbstkritischer Absicht.

Mir ist nicht bekannt, daß Katholiken jemals aufgefordert wurden, auch um ihre Identifizierung bei Pogromen zu erleichtern, farbige Ringe auf ihrer Kleidung zu tragen.

Die Welt


Diesen Eintrag kommentieren