Lyriost – Madentiraden

26.01.2009 um 18:00 Uhr

Katz und Maus oder Über das richtige Denken

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Katz und Maus oder Über das richtige Denken

Die Maus ist religiös und der Meinung, es wäre wünschenswert, daß alle Tiere von Käse und Körnern lebten. Deshalb propagiert sie eine Theorie, die besagt, fortschrittliches Denken sei ein Denken, das die Welt als Entwicklungsmodell zum immer Besseren und Gerechteren betrachte.

Die Maus spricht, wenn die Katze nicht da ist, vom Telos der Tiere, das zwangsläufig zu einem Ethos der Verständigung und des Friedens untereinander führe, und der Weltgeist, der die Geschichte alles Lebenden sinnvoll lenke, habe vorgesehen, daß in nicht allzu ferner Zukunft alle bestens miteinander auskommen werden und in noch fernerer Zukunft nicht nur das Haus, in dem die Maus wohnt, sondern das ganze Weltall, also auch die Nachbarhäuser, zum Vorteil der Tiere, besonders der Mäuse, von dieser Erkenntnis durchdrungen sein werde.

Dummerweise sei die Katze sehr unzugänglich und denkfaul, ja, eigentlich nicht tatsächlich denkfähig oder zumindest mit fehlerhaften Gedankenkonglomeraten kontaminiert, was dazu führe, daß sie sich nicht weiterentwickle, sondern nichts Besseres zu tun habe, als sich dauernd in der Nähe des Mauselochs herumzutreiben und drohende Blicke auf den Eingang zu werfen. Wo doch jeder weiß, wenn er denn richtig zu denken imstande ist, daß jede Art von Aggression etwas ist, das die Tierwelt überwinden muß, wenn sie in eine glorreiche Zukunft marschieren möchte – in ein Land, wo Milch und Honig fließen.

Und da Katzen Milch doch gerne mögen, auch wenn sie sie nicht sonderlich vertragen, was sie aber nicht wissen (ja, auch das nicht), verhalten sie sich dumm, wenn sie weiter auf Mäuse lauern. Ach, wenn die Katzen nur richtig denken könnten.

Die Zeit

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenUnbreakable schreibt am 31.01.2009 um 23:45 Uhr:Die diesem Eintrag vorhergehende und folgende Diskussion (in "Die Zeit") wirft die Frage auf, ob es mehrere "Arten" von Troglodyten gibt. Sie erinnert mich - wenn auch aus dem Zusammenhang gerissen - wieder an das Zitat aus "Bild der Wissenschaft", dass "die Ähnlichkeiten von Mensch und Fruchtfliege weitreichend", seien. ;o)
  2. zitierenLyriost schreibt am 01.02.2009 um 12:20 Uhr:Deshalb, dear Unbreakable, hatte ich dort ja auch geschrieben:

    Wir Troglodyten unterscheiden uns nicht seinsmäßig, sondern bewußtseinsmäßig. Während jene mit dem "höheren" Bewußtsein, das ja mehr ein Gefühl des Berufenseins zum Höheren ist, bei jedem kleinen Photonenwindchen auf ihrer Netzhaut das spirituelle Raunen anfangen und die Ursache für die dabei entstehende Gänsehaut in der nahenden Erleuchtung vermuten, heute natürlich Enlightenment genannt, sind die etwas weniger Enthusiasmierten eher geneigt, das Dunkel um sich herum zu erkunden. Die meisten jedoch sind sich von jeher ihres Höhlendaseins entweder nicht bewußt oder wenden sich den wichtigeren Dingen, wie Höhlensport oder der Klassifizierung der Stalaktiten- und Stalagmitenarten, zu. ;-)
  3. zitierenLyriost schreibt am 01.02.2009 um 14:41 Uhr:Und zum Vergleich des Menschen mit Drosophila: Bei allen Ähnlichkeiten muß ein Unterschied erwähnt werden, den ich als nicht unerheblich betrachte, nämlich das Flugverhalten. Im Gegensatz zur besagten Fliege ist der Mensch ein Nichts, denn er kann nicht mal selbständig fliegen. :-)))))))
  4. zitierenUnbreakable schreibt am 01.02.2009 um 18:48 Uhr:Man (in dem Fall ich) sollte die Fragen schon so stellen, wie sie gemeint sind. Deine weiteren Ausführungen zum Sein und Bewusstsein hab ich natürlich gelesen. Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob der Unterschied der Bewusstseins"arten" evolutionär gesehen eklatant von Bedeutung ist oder diese - immer noch - als homogene Masse betrachtet werden müssen. Oder ist das eh wurscht, weil wir nicht in der Lage sind, das Ganze zu betrachten und deshalb "Haare spalten" müssen?

    Dieser Unterschied zwischen Drosophila und dem Menschen ist zumindest für mich ein Segen, denn ich geh so ungern in die Luft. ;o))))
  5. zitierenLyriost schreibt am 01.02.2009 um 20:03 Uhr:Wurscht ist das wohl nicht, ich denke, es ist so, daß sich in unserem Bewußtsein, das im Vergleich zu dem unserer evolutionären Vorgänger vormutlich ein weiterentwickeltes ist, die Natur, der Christ würde sagen die Schöpfung, ihrer selbst bewußt wird, was vielleicht der Sinn der ganzen Übung Evolution ist: Der blinde Drang drängt zur Ausfaltung des Seienden, um seiner selbst in seinen Erscheinungen ansichtig zu werden. Mit anderen Worten: Ein energetisches Etwas hat den Drang, sich selbst aus sich selbst in etwas zu materialisieren, das wie ein Spiegel wirkt, so als bliese man einen Luftballon auf, auf dessen Oberfläche man sich selbst zu sehen zu bekommen hofft, wenn er denn groß und glatt genug ist, daß solches gelingt. Bis das Bild ausreichend klar ist, werden unzählige Materialien verschlissen, bis man eines hat, das die nötigen Eigenschaften besitzt.

    Das könnte der "Sinn" der Evolution sein. Es könnte jedoch auch anders sein: Das Sein als Daßseiendes langweilt sich mit sich selbst und schafft sich soseiende Klone, um Gesellschaft zu bekommen, oder auch nur ein Theaterensemble, das ihm die permanente Vorstellung gibt. Und da das "Auftraggeber"-Seiende die Abwechslung liebt, reihen sich Komödien und Tragödien aneinander.

    Meine Spekulationen sind also vielleicht gar nicht meine, wer bin schon ich?, nicht die des evolutionär Erscheinenden, sondern die Selbstinterpretationsversuche des im Erscheinenden vorborgenen Seienden. Damit hätten sie naturgemäß ein wenig mehr Gewicht.

    Ob wir in der Lage sind, das Ganze zu betrachten, kommt darauf an, ob wir, die wir mit unseren individuellen Augen sehen, die aufgenommenen Bilder mit unsrem individuellen Bewußtsein interpretieren oder mit dem überzeitlichen, das hinter allen Erscheinungen steckt.

    Eigentlich ganz einfach. ;-)
  6. zitierenUnbreakable schreibt am 01.02.2009 um 22:01 Uhr:Lieber Lyriost! Willst du damit sagen, dass ich am Sonntag des abends am Bügelbrett steh, weil sich irgendein blinder Drang oder ein Sein entweder selbst erkennen will oder langweilt?

    Ich stelle sofort das Bügeln ein! ó.ò

    (Über das überzeitliche Bewusstsein denk ich noch nach, so mein Intellekt das zulässt. ;o) )

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