Lyriost – Madentiraden

13.03.2006 um 20:24 Uhr

Kunst am falschen Ort

von: Lyriost

Kunst am falschen Ort

Santiago Sierra, ein spanisch-mexikanischer Künstler, leitet Autoabgase in eine deutsche Synagoge, eine, wie er sagt, "Arbeit gegen die Banalisierung der Erinnerung an den Holocaust".

Was an dieser Aktion falsch ist, ist vor allem der Ort, an dem sie stattfindet. Hätte Sierra statt der Synagoge das Haus der Wannseekonferenz gewählt (aber hätte er so wählen dürfen?), würde ich diese Aktion wenn nicht begrüßen, so doch als legitim betrachten können angesichts der so häufigen leeren und verlogenen Betroffenheitsbekenntnisse allerorten. So jedoch muß ich denen recht geben, die eine solche Aktion als geschmacklos empfinden.

Spiegel online

Nachtrag

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLyriost schreibt am 14.03.2006 um 07:59 Uhr:Das Problem ist: Wie kann man betroffen sein, wenn man nicht selbst betroffen ist? \"Hautnah erleben\" kann man etwas nur, wenn man es hautnah erlebt. Aber wenn man dabei nicht wirklich seine Haut riskiert, dann kann man auch nichts begreifen. Deshalb sind solche Aktionen nicht geeignet, um den Schrecken nachvollziehbar zu machen. Wohl aber, um die Ritualisierung der Betroffenheitsgestik deutlich zu machen und uns allen vor Augen zu führen, wie überheblich wir sind, wenn wir uns einbilden, wir hätten etwas begriffen und könnten es gefühlsmäßig nachvollziehen.

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