Lyriost – Madentiraden

06.04.2005 um 11:45 Uhr

Latet anguis in herba

von: Lyriost

Latet anguis in herba

Eine Häufung lateinischer Zitate und Redewendungen wirkt selbst in wissenschaftlichen Abhandlungen oft verkrampft wichtigtuerisch und erzeugt bei aufmerksamen Lesern eher Abscheu als Bewunderung. Wenn aber die Texte um die Zitate herum wohlgeordnet und prägnant sind, ist man geneigt, ein Auge zuzudrücken.

Aber lateinische Redewendungen in einem Schreiben der Hausverwaltung? Da vermutet man doch sofort, daß die Hausverwalterin auf dem Flohmarkt versehentlich den Büchmann mitgenommen hat, weil die Farbe so gut zum grünen Kostüm paßt.

Und wenn es dann nur mit Mühe gelingt, den um das Zitat herumgruppierten Text in deutscher Kanzleiversuchssprache zu entziffern, dann hilft nur noch homerisches Gelächter. Aber das klingt ja nicht lateinisch, sondern griechisch. Ich werde mein Antwortschreiben mit ein paar altgriechischen Floskeln garnieren. Bin gespannt auf die Reaktion.

Wer die Sprachschleiferei nicht so gut beherrscht wie weiland Spinoza das Linsenschleifen, der sollte besser auf derlei bildungsbürgerlichen Schnickschnack verzichten, denn durch die Qualität solcher Zitateinsprengsel wird die Armseligkeit der Umgebung nur noch deutlicher.

Latet anguis in herba.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenLyriost schreibt am 06.04.2005 um 23:45 Uhr:... ungeheuer, und mit dem einfachen Rechnen hapert es auch.
  2. zitierenLyriost schreibt am 07.04.2005 um 10:48 Uhr:... den Büchmann gibt es, wie es ausschaut, in sämtlichen Modefarben, gar in Orange, und es ist auf jeden Fall preiswerter, mit Büchern für Abwechslung zu sorgen als mit Kostümen. Abwohl ich die Abwechslung bei den Kostümen vorziehe. Du wohl auch, da du wohl nur eine Büchmann-Ausgabe hast. Vielleicht kreieren wir hier gerade das neue Bildungsbürgerinnen-Outfit.
  3. zitierenLyriost schreibt am 07.04.2005 um 15:38 Uhr:... ich denke, die Schuhe sind das Wesentliche, und danach sucht man sich das Kostüm, oder irre ich mich da in der Einschätzung der weiblichen Psyche? Oder gibt es gar so was wie weibliche Prioritätenvielfalt?

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