Lyriost – Madentiraden

10.03.2008 um 08:23 Uhr

Mensch und Religion

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Mensch und Religion

Der Mensch ist das Tier, das sich wunderte. Und als seine äußere, physische Existenz im Kampf mit den anderen Tieren, mit Wind und Wetter einigermaßen gesichert erschien und er mal etwas Zeit zum Nachdenken hatte, erwachte in ihm – oder vielmehr schob sich ihm ins Bewußtsein – das, was wir das metaphysische Bedürfnis nennen und das ihm tief eingeschrieben ist, ob es nun immerzu bewußt wird oder nicht, ein tiefverwurzelter Wunsch nach Erklärung seines Daseins.

So entstanden Kosmogonien, Schöpfungsmärchen, religiöse Schriften, Tempel und Kirchen, Pagoden und Moscheen und mit ihnen Berufsweise und Priesterkasten, denn das Leben war schon zu diesen Zeiten sehr hart und mühsam, und es gab, wie heute auch noch, Menschen, die erkannten, daß das metaphysische Bedürfnis nach Befriedigung strebt und einer, der erbauliche Geschichten zu erzählen weiß, von harter Feldarbeit freigestellt wird, wenn er die andern des Abends um sich sammelt und beim Verbrennen von allerlei Kräutern berichtet vom Ursprung und vom Sinn allen Seins.

Das Ganze setzt sich, trotz aller säkularisierenden Zwischenspiele bis heute, rituell manchmal verfeinert und ausdifferenziert, fort, denn die Ersatzreligion Wissenschaft schafft es nicht, das Bedürfnis des Menschen nach Aufklärung über die Grundlagen seiner Existenz zu befriedigen.

Daß Religionen ihren Einfluß auf die Menschen nutzen, um ethische Regeln aufzustellen und deren Einhaltung zu überwachen, ist ein häufig positiver, aber manchmal, je nach Regelwerk, auch negativer Nebeneffekt.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierengrenzgaenger schreibt am 10.03.2008 um 08:52 Uhr:ich schließe mich dem an. weder religion, noch die wissenschaft vermögen eben jene antwort zu geben, die antwort, die unser bedürfnis nach aufklärung über unser SEIN befriedigen könnte. jedes noch so ausgefeilte hypothesensystem diesbezüglich, sei es absolut, relativ, logisch, pragmatisch, ockhamrasiert, glaubensbasiert, spirituell oder was auch immer, wird nicht einmal einer annäherung an den kern der frage gerecht werden können. und warum? weil es DIE antwort nach der existenz unseres seins nicht gibt.
    allerdings gibt es antworten. die allerdings müssen nicht im 'außen' produziert werden, es gibt sie bereits, und zwar als vollkomme und über jeden zweifel erhabene, also absolute, antworten. in jedem einzelnen von uns, steckt eben jene antwort, die genau dieses metaphysische bedürfnis eines jeden zu befriedigen in der lage wäre. nur sind wir nicht in der lage, leider, vielleicht aber auch gottseidank, die stimme in uns wahrzunehmen oder zu hören, die diese antwort gibt, geben kann, vielleicht wollen wir es aber auch einfach nicht, verdrängen gekonnt, um uns nicht mit der konsequenz auseinandersetzen zu müssen, die dem erkennen, dem wissen um diese antwort unweigerlich folgen würde. und doch haben wir eine vage ahnung, irgendwo tief drinnen, die sich jeglichem unterbewussten, vor- und bewussten versuch, sie zu greifen, entzieht. sich entziehen muss; und möglicherweise werden wir erst im moment unseres sterbens wirklich WISSEN, weswegen wir waren.
  2. zitierengrenzgaenger schreibt am 10.03.2008 um 10:08 Uhr:...why pretend to make sense of a multiversal life that is truly stranger than fiction...

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