Lyriost – Madentiraden

23.02.2012 um 15:25 Uhr

Menschenkenntnis

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Menschenkenntnis

Im Laufe der Jahre bildet sich bei den meisten Menschen ein Geflecht von Vorurteilen, die sie Erfahrung nennen, und deshalb betrachten sie die andern (wie sich selbst) meist recht oberflächlich und geben ihnen nur dann die Chance, genauer angeschaut zu werden, wenn sie ins Schema passen, das sie sich zurechtgelegt und dessen Grundlage sie mit dem Namen Menschenkenntnis versehen haben. Es ist sehr schwer, ein solches Verhalten abzustellen, weil dem unbewußte, nicht reflektierte Prozesse zugrunde liegen. Sich selbst nimmt man vor allem deshalb nicht realistisch wahr, weil man gleich einer Mater genau der stereotypen Grundform entspricht, die man sich zurechtgebastelt hat – eingehende Betrachtung nicht notwendig, denn man glaubt sich zu kennen, auszukennen mit sich selbst.

Akustische Ergänzung

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenPhil_Sophie schreibt am 05.03.2012 um 09:57 Uhr:Vorurteile gibt es immer beim Kennenlernen. Diese aber dann bei näherer und längerer, nachhaltiger Betrachtung des Einzelnen meist sukzessive abgebaut und in Erfahrung umgewandelt, bzw. als Vorurteil bestätigt haben.
    Viele Jahre der Kundenanalyse bestätigen mich heute zu 99 v.H. meiner "Vorhersagen", die keineswegs Vorurteile geschweige denn Oberflächlich sind.
  2. zitierenLyriost schreibt am 05.03.2012 um 14:46 Uhr:Das Gefährlichste und Hartnäckigste sind die (positiven) Vorurteile uns selbst gegenüber, unter denen ich selber auch leide, nach dem Motto: Meistens hatte und habe ich recht. Aber ich bewege mich da eher nur bei achtzig Prozent. Jedes Urteil über einen andern Menschen – außerhalb von Geschäftsbeziehungen: Ein potentieller Geschäftspartner paßt ja bereits ins Schema! – ist zwangsläufig oberflächlich: "Der Nachbar war solch ein freundlicher, hilfsbereiter Mensch. Daß der ein Serienmörder sein soll?" ;-)
  3. zitierenPhil_Sophie schreibt am 05.03.2012 um 15:38 Uhr:Mir scheint, du hast Angst vor analytischen Fehltritten. Die wird es immer geben, privat als auch geschäftlich. Niemals werden wir uns in einem Menschen zu 100 v.H. sicher sein können. Wäre das der Fall, gäbe es keine Scheidungen und Trennungen jeglicher Art.
    Jemanden in ein bestimmtes Schema zu stecken ist keine Oberflächlichkeit, sondern Erfahrung.
    In deinem Besteckkasten wirfst du deine Gabeln zu den Gabeln und nicht zu den Messern. Das ist ein Erfahrungswert der sich bewährt hat und keine Oberflächlichkeit.
  4. zitierenLyriost schreibt am 05.03.2012 um 16:44 Uhr:Angst habe ich nicht, aber ich bin vorsichtig und selbstkritisch genug, auch mir selbst nicht ohne weiteres zu trauen, und ich habe auch eine Besteckschublade ohne Kasten. Es gilt jedoch auch: Ohne eine gewisse Oberflächlichkeit wären wir nicht handlungsfähig.

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