Lyriost – Madentiraden

15.11.2016 um 18:41 Uhr

Postfaktisch

von: Lyriost

Postfaktisch

Diese schwachsinnige Gerede vom "Postfaktischen". Was soll das? Jeder zweite Gartenzwerg mit Intellektuellenbrille wirft den Begriff ins Feuilletongelaber und bildet sich dabei ein, er würfe Perlen vor die Säue. Dabei ist es doch nur zu Sprachkugeln getrocknete Kuhscheiße. Am schlimmsten stinkt es, wenn diese aufgeschnappte Modesülze mit der von gestern zusammengerührt wird zum "postfaktischen Paradigmenwechsel".
 
Leute, denkt doch mal ein bißchen selber nach und, vor allem, sprecht eure eigene Sprache. Und klärt vor allem erst mal, wessen Fakten das sind, die in der sogenannten postfaktischen Ära angeblich ignoriert werden, und welchen Wahrheitsgehalt diese haben. Als hätten nicht schon immer Faktenverkäufer ihre Fakten in Wahrheitspapier mit den kümmerlichen Beinamen objektiv und absolut eingewickelt, bevor sie sie auf den Markt geworfen haben. Und wer nicht daran geglaubt hat, der galt als Traumtänzer. Gilt er heute immer noch. Nur heißt der Tanz heute anders.
 
Wenn schon postfaktisch, dann so: Wer die Tatsache ignoriert, daß die wenigen immer reicher werden und die vielen immer ärmer, und ungehemmt weiter an Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Wachstum mit Wohlstand für alle glaubt oder vorgibt zu glauben, der ist tatsächlich einem postfaktischen Wahn verfallen. Leider wird der Begriff so nicht gebraucht. Das "Postfaktische" ist vielmehr ein Kampfwort aus der Lügenküche der Vertreter der Alternativlosigkeit.

Und nun nehme ich dieses Dummwort nicht mehr in den Mund.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenunbreakable schreibt am 15.11.2016 um 22:30 Uhr:Die wenigen wurden immer schon reicher, die vielen waren immer schon ärmer. Gelogen wurde schon immer. Seit Gott. Oder schon vorher. - Das entzieht sich meiner Kenntnis.






  2. zitierenLyriost schreibt am 15.11.2016 um 23:14 Uhr:Nur hat man früher nicht von Chancengleichheit gesprochen, und das Dummwort postfaktisch gab es auch noch nicht. Nur die Idee von Gott oder von Göttern.
  3. zitierenAlcide schreibt am 16.11.2016 um 12:51 Uhr:Schöner Beitrag, gefällt mir. Besonders das mit dem "Wahrheitspapier" um das vermeintlich "Faktische".

    Diese mediale Rhetorik. Mein Gott, so wie man thematisch immer eine Sau durchs Dorf treibt, so kommen und gehen diese Worthülsen. Zum Glück sterben sie auch irgendwann aus. Oder wie oft hat man seit der Finanzkrise noch das Wort "Leistungsträger" gehört, das früher in keiner Talkshow fehlen durfte. Und wenn es in Griechenland wieder eng wird, dann dürfen wir uns wieder tausendmal was von "Hausaufgaben machen" anhören.
    Genauso schrecklich Begriffe wie "Wutbürger", "German Angst", und wenn Leute "falsch" wählen, dann haben sie "nach Gefühl gewählt", nicht mit dem "Verstand". Wie überhaupt jede abweichende Meinung, jedes Verlassen des schmalen Pfades der Alternativlosigkeit als "Populismus" diffamiert wird. Und dann sie sie auf einmal "tief besorgt"... aber immer nur wegen des Symptoms, nie wegen der Ursachen...

    Rhetorik ist eine Verpackung, die den Blick in eine Richtung lenken möchte, um ihn vom Eigentlichen abzulenken.
  4. zitierenLyriost schreibt am 16.11.2016 um 14:06 Uhr:Ja, "Populismus" ist auch so ein Wort aus der Giftküche des Elitismus, angerührt von denen, die so durchdrungen sind von Wichtigkeitsgefühlen und Profiteursgedanken, daß es ihnen am liebsten wäre, bei Wahlen zum alten preußischen Dreiklassenwahlrecht zurückzukehren. Zuviel gleichberechtigt wahlberechtigter Plebs stört nur.
  5. zitierenAlcide schreibt am 16.11.2016 um 15:05 Uhr:Na klar: Das mit der Demokratie ist eine heikle Sache, wenn sich der Mob herausnimmt nicht mehr den "richtigen" Interessen zu dienen.
  6. zitierenGrafKroete schreibt am 18.11.2016 um 14:14 Uhr:Ah ha .......... aber was begegnet dem "Selbstdenkenen"? Unverständnis, denn unsere Welt ist zum Glaubenssatz verkommen.

    Die postfaktische Demokratie wurde alternativlos weil das Volk weder seine Mauern noch seine Gesetze verteidigen wollte und so hat es genau das bekommen was es verdiente, den Stempel der Individualschablone, Gleichheit, Brüderlichkeit, Freiheit, der unsäglich "Gewerkschaftsgedanke" rasiert die Köpfe, die aus der Masse herausragen einfach ab ......

    Wir leben in einer Welt in der "gute Menschen" dem Bösen anheim fielen und Bildung die alternative Gedanken produziert als Vorstufe des Terrorismus gilt.

    Weiter, weiter ins Verderben, wir müssen leben bis wir sterben, aber bis es soweit ist hab zumindest ich noch eine Riesenmenge grimmigen Spasses vor mir!

    Wie schön ist es eine Forelle zu sein und die Strömung lediglich noch zu spüren.
  7. zitierenLyriost schreibt am 18.11.2016 um 16:35 Uhr:Paß auf die Angelhaken auf, mein Lieber. ;-)
  8. zitierenGrafKroete schreibt am 18.11.2016 um 17:15 Uhr:.......... schon lange, mein Lieber, schon lange. Und Netze erspüren ist auch unproblematisch *g*

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