Lyriost – Madentiraden

22.06.2005 um 09:15 Uhr

Projektion

von: Lyriost

Projektion

Schematisch Denkende, klassifizierend Denkende denken differenzierungsarm und statisch. Wer so denkt, wähnt sich selbst schnell als abqualifiziert, weil in seinem Denkmuster nicht vorgesehen ist, daß ernstzunehmende andere eine andere Denkstruktur haben könnten als er selbst. Der Abqualifizierer fühlt sich auch dann abqualifiziert, wenn das gar nicht geschieht, weil ihm selbst etwas anderes als Abqualifizierung nicht in den Sinn kommt. Wie sollte es also einem anderen in den Sinn kommen? Das führt manchmal zu grotesken Situationen, in denen jemand, der andere fortwährend beleidigt und abqualifiziert, sich auf das schärfste gegen persönliche Beleidigungen und Abqualifizierungen verwahrt, obwohl er auf nichts weiter stößt als Gegenwind und sachliche Argumentation.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensynchrono schreibt am 22.06.2005 um 09:50 Uhr:Alles eine Frage der Wahrnehmung, oder? Und wer entscheidet, wessen Wahrnehmung die richtige ist? Einundderselbe Sachverhalt in unterschiedlichen Erfahrungswelten erscheint der einen Welt als schematisch, der anderen jedoch nicht... Der eine fühlt sich abqualifiziert und wehrt sich, der andere versteht genau das als abqualifizierend...
  2. zitierenLyriost schreibt am 22.06.2005 um 10:24 Uhr:Durchaus nicht alles eine Frage der Wahrnehmung. Sachliche Argumentation ist sachliche Argumentation und Beleidigung ist Beleidigung, wie auch immer das im einzelnen wahrgenommen wird. Und die Erfahrungswelt ist die Folge von Klassifizierungen, nicht ihre Ursache. Wir nehmen vor allem das wahr, was wir wahrnehmen wollen und was unsere unterschiedlichen Denkstrukturen uns erlauben. Deshalb ist es so wichtig, unsere eigenen Denkmuster regelmäßig kritisch zu beäugen.



  3. zitierensynchrono schreibt am 22.06.2005 um 11:32 Uhr:Ich bin der Meinung, daß wir vor allem das wahrnehmen, was wir auf Grund unserer Struktur wahrnehmen können. Sachliche Fakten sind bei Ihrer Reflexion immer gebrochen durch den Fundus persönlicher Erfahrungen. Und genau dadurch wird auch die Art und Weise der Auseinandersetzung bestimmt. Mit dem letzen Satz allerdings hast Du uneingeschränkt recht...
  4. zitierenLyriost schreibt am 22.06.2005 um 11:51 Uhr:Das stimmt. Aber ein Meterstab bleibt ein Meterstab, ganz gleich von welcher Seite wir ihn betrachten. Man kann und sollte über die unterschiedlichen Perspektiven diskutieren, sollte aber dabei den physisch vorhandenen Stab nicht ganz aus den Augen verlieren. Es gibt Regeln, die für alle gelten müssen, sonst funktioniert Kommunikation nicht.
  5. zitierenrollblau schreibt am 22.06.2005 um 13:25 Uhr:Klassifizierungen sind lebens (denk)notwendig, ansonsten könnte das menschliche Gehirn die Informationsflut nicht bewältigen. Eher nicht notwendig scheint mir, Abweichendes negativ zu bewerten, auch wenn dieses dem Menschen immer recht naheliegt. Fast immer verzichtbar sollte es sein, die Bewertung abweichender Denkweisen mit einer Abwertung der Person zu verbinden - auch wenn gewisse Zynismen ;) dies ab und an auch bei mir provoziert haben. Ein Freund hat mir einmal geraten, Anderes als eben etwas anderes, fremdes gelten zu lassen. Ich bemühe mich, mich danach zu richten. LG rollblau
  6. zitierenLyriost schreibt am 22.06.2005 um 13:40 Uhr:Solange diese Klassifizierungen nicht starr sind und als naturgegeben betrachtet werden, stimme ich zu, rollblau. Wichtig scheint mir vor allem, daß wir uns unserer eigenen Klassifizierungsmuster bewußt sind. Und sie nicht als endgültig betrachten. Muster können veralten und das freie Denken behindern.



    Auch eine gewisse Ironie kann hilfreich sein, wie man bei dir sieht. :))




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