Lyriost – Madentiraden

04.02.2014 um 09:32 Uhr

Rufmord

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken


Rufmord

Alice Schwarzer war ein wenig "nachlässig", wie sie es selbst formuliert. Sie hatte über Jahrzehnte einen Teil ihrer Millionen in der Schweiz deponiert und den Steuerbehörden verschwiegen. Da sie eine Frau ist und dazu noch eine ganz besonders immer rechthabende, wie sie ein ums andere Mal in der "BILD-Zeitung" und in Talkshows unter Beweis stellt, fand sie, daß die Steuergesetze für sie selbst nur eingeschränkt gelten dürfen, so wie moralische Vorstellungen natürlich nur für andere als Handlungsmaxime angemessen sind. Nun aber, da mehr und mehr bewußtseinsschärfende Steuer-CDs im Umlauf sind, hat sich auch ihr "persönliches Unrechtsbewusstsein ... in den letzten Jahren geschärft". Deshalb war sie unlängst bereit, einen vergleichbar geringen Teil des durch Schweizer Zinsen Erwirtschafteten dem Finanzamt in den Rachen zu werfen. Das alles gibt sie zu: Sie hat "einen Fehler gemacht", so wie wir alle Mal einen Fehler machen. Ende der Geschichte, dachte sie.

Nun aber hat eine Zeitschrift, nicht etwa die "BILD-Zeitung", sondern der "Spiegel", in böswilliger Absicht über ihr Finanzgebaren berichtet. Das bringt sie in Rage, und so spricht sie von "Rufmord". Rufmord? Macht Frau Schwarzer damit nicht erneut einen Fehler? Was sagt uns der Duden zum Thema Rufmord?

Rufmord – böswillige Schädigung des Rufes, des Ansehens eines anderen (durch Verleumdungen)

Aha. Und was sagt das Gesetz zum Thema Verleumdungen?

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Eine "unwahre Tatsache" also. Gibt es im "Spiegel" unwahre Tatsachenbehauptungen in bezug auf Frau Schwarzers Schweizer Geldgeschäfte? Nein.

Also kann von Rufmord keine Rede sein. Es sei denn, jede Behauptung über Frau Schwarzer, egal ob zutreffend oder nicht, wäre dann nicht erlaubt, wenn Frau Schwarzer sie als eine Art Majestätsbeleidigung empfindet. Aber sie ist doch weder Kaiserin noch Königin, noch Fürstin, sondern nur durchs Geschlecht geadelt. Ob das reicht?

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensynchrono schreibt am 04.02.2014 um 22:24 Uhr:Nun, es war doch wohl eher ein Selbstmord denn ein Mord des Rufes... Und wer so lange daran arbeitet, muss irgendwann mal erfolgreich sein!
  2. zitierenGrafKroete schreibt am 21.02.2014 um 08:48 Uhr:Grins ....... krakelende, hässliche Kellerkinder können so lustisch sein. Ein dreifach donnerndes ......
  3. zitierenAmanita schreibt am 11.03.2014 um 14:39 Uhr:Rufmord? Ein merkwürdiger Vorwurf von einer Dame, die einen gewissen Herrn Kachelmann ohne vorliegende Beweise dermaßen rufgemordet hat, dass der ein eigenes Buch hinter seinem Prozess herschieben musste.
    Wobei ich ihre journalistischen bzw. kampagnenmäßigen Verdienste sonst durchaus würdige und mir eine Welt ohne sie kaum vorstellen kann.

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