Lyriost – Madentiraden

04.08.2014 um 20:49 Uhr

Sprachwarnung

von: Lyriost

Sprachwarnung

Zur Zeit haben wir es laufend mit Warnungen zu tun. Alle naselang Schlechtwetterwarnungen. Zuerst überall die zeternden Kassandra-Stimmen der Wetterberichter, dann das laute Krachen und Knallen, wenn Thor in seinem Wagen durch die Wolken brettert, und vor den Haustüren das Tuten der wehrhaften Verteidiger des Normalzustandes. Der Normalzustand, so finden wir, ist Ruhe und Ordnung, ein laues Lüftchen und Sonnenschein.

Für Roland Koch, ehemals Ministerpräsident in Hessen und Chef eines Baukonzerns, ist jetzt Ende Sonnenschein. Der Grund ist eine erneute Warnung. Keine Schlechtwetterwarnung, sondern in seinem Fall eine Gewinnwarnung. Der Normaldenkende fragt sich nun, wieso jemand Probleme mit einer Gewinnwarnung bekommen kann, denn im Gegensatz zum schlechten Wetter ist doch Gewinn etwas Gutes, und die Feuerwehr muß nicht ausrücken.

Das ist richtig, aber die Sprache der Finanzjongleure ist nicht so richtig die Sprache von Normaldenkenden, denn Gewinnwarnung heißt bei ihnen nicht Warnung vor Gewinn, sondern vor Verlusten beim Gewinn. Sie möchten nämlich bei den Gewinnen kein laues Lüftchen, sondern Blitz und Donner, daß es nur so kracht. Ist das nicht mehr zu erwarten, dann wird gewarnt – vorm Normalzustand moderater Gewinne.

Ich warne auch: vor den Worte- und Wörterverdrehern, vor denen, die die Sprache verhunzen. Sei es aus Dummheit oder mit Absicht.

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