Lyriost – Madentiraden

28.09.2017 um 11:14 Uhr

Textauslegung

von: Lyriost

Textauslegung

Mich wundert nicht selten gehörig, wie jemand einen für mich relativ eindeutigen Text bei der Rezeption in sein Gegenteil verkehren kann, aber bei der (literarischen) Hermeneutik, der Interpretation, Auslegung und Bewertung von Texten, kommt es darauf an, mit welchen Utensilien oder Werkzeugen wir uns dem jeweiligen Text nähern. Wenn wir ein Poliertuch zu Hilfe nehmen, wird uns ein anderer Text erscheinen, als wenn wir mit Bürste, Feile oder gar Hammer und Meißel zu Werke gehen, von unseren Welterklärungsmustern, die unserem Denken und Erfahren zugrunde liegen, ganz zu schweigen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 28.09.2017 um 13:14 Uhr:Ich kenne mich zwar mit der literarischen Hermeneutik überhaupt nicht aus, aber ist es denn nicht so, dass in erster Linie auch Sympathie und Antipathie zwischen Autor und Rezensionist über die Wahl der Mittel entscheiden?
  2. zitierenWolfsgeheul schreibt am 28.09.2017 um 14:18 Uhr:
    Zwischenweltler:Ich kenne mich zwar mit der literarischen Hermeneutik überhaupt nicht aus, aber ist es denn nicht so, dass in erster Linie auch Sympathie und Antipathie zwischen Autor und Rezensionist über die Wahl der Mittel entscheiden?


    Sehr guter Kommentar - oft werden wir durch Feinde zerpflückt, wenn wir nicht deren vorgefasste Meinungen bedienen!

    Wolfsgeheul
  3. zitierenLyriost schreibt am 28.09.2017 um 14:27 Uhr:Ja, sicher, lieber Zwischenweltler,

    aber Sympathie und Antipathie entstehen gerade durch Ablehnung oder Zustimmung im Blick auf die scheinbaren oder tatsächlichen Erklärungsmuster des Textproduzenten, die man beim ersten Blick auf die Textgestalt hinter ihr zu erkennen glaubt. Ohne unsere Vorurteile gehen wir nirgendwohin. Im Grunde stehen bereits vor jeder Hermeneutik zwar nicht deren Ergebnisse fest, wohl aber ist die Tendenz des späteren Urteils vorgeformt und damit die Wahl der Werkzeuge stark beeinträchtigt, wenn nicht gar bestimmt.

    Am Ende bleibt nur dies: Wer kann am besten eine unvoreingenommene Haltung vortäuschen und eine Art Mimikry zeigen, die sich als Empathie tarnt.

    Merkt man meistens nicht mal bei sich selbst.


  4. zitierenLyriost schreibt am 28.09.2017 um 14:32 Uhr:"... oft werden wir durch Feinde zerpflückt, wenn wir nicht deren vorgefasste Meinungen bedienen!"

    Ist es nicht eine vorgefaßte Meinung, wenn wir andere zu Feinden erklären, weil sie unsere vorgefaßten Meinungen nicht bedienen? ;-)
  5. zitierenSweetFreedom schreibt am 28.09.2017 um 16:06 Uhr:Touché.

Diesen Eintrag kommentieren