Ziehen am Gras
Ziehen am Gras
Klaus Werle schreibt in einem ansonsten ausgezeichneten Artikel im "Spiegel" , in dem es um den mittlerweile verbreiteten Frühlernwahn geht, mit dem viele Eltern zunehmend versuchen, ihre Kleinkinder noch vor dem Krähen der Hähne in die Startlöcher des Erfolgs zu zerren, das Gras wachse nicht schneller, wenn man daran ziehe. Das ist paßgenau und ein schönes Bild für die Verrücktheit solcher kinderquälerischen Idiotie. Man denkt sich: Fein, der Mann hat Phantasie. Hat er aber nicht, er hat nur im Sprichwörterlexikon (wahrscheinlich online) nachgeschaut, ob er etwas Passendes findet. Und ist fündig geworden. "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht", so ein afrikanisches Sprichwort. Weshalb, frage ich mich, hat der Herr Werle nicht auf diesen Umstand hingewiesen und so getan, als sei ihm der Satz spontan selbst in den Sinn gekommen? Man wird nicht glaubwürdiger, wenn man derart trickst. Leider greift solcherart Unterlassung mittlerweile ebenso um sich wie das heimliche Ziehen am Gras.
Klaus Werle schreibt in einem ansonsten ausgezeichneten Artikel im "Spiegel" , in dem es um den mittlerweile verbreiteten Frühlernwahn geht, mit dem viele Eltern zunehmend versuchen, ihre Kleinkinder noch vor dem Krähen der Hähne in die Startlöcher des Erfolgs zu zerren, das Gras wachse nicht schneller, wenn man daran ziehe. Das ist paßgenau und ein schönes Bild für die Verrücktheit solcher kinderquälerischen Idiotie. Man denkt sich: Fein, der Mann hat Phantasie. Hat er aber nicht, er hat nur im Sprichwörterlexikon (wahrscheinlich online) nachgeschaut, ob er etwas Passendes findet. Und ist fündig geworden. "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht", so ein afrikanisches Sprichwort. Weshalb, frage ich mich, hat der Herr Werle nicht auf diesen Umstand hingewiesen und so getan, als sei ihm der Satz spontan selbst in den Sinn gekommen? Man wird nicht glaubwürdiger, wenn man derart trickst. Leider greift solcherart Unterlassung mittlerweile ebenso um sich wie das heimliche Ziehen am Gras.



da ich weder gezogen noch irgendwohin getreten wurde
(ich besuchte übrigens keinen Kindergarten);
ich DURFTE „Einfach nur spielen“.
Mein großer Lehrmeister war die Natur
und sie ist es … auch heute noch ;-)
Kräftig zuhause Mitanpacken (Zarte können das *jaja*),
war zudem lehrreicher Standard, da wurde vom
Kellergraben bis zum Dachdecken nichts ausgelassen ;-)
~~~
Dass Herr Werle den "Grassatz" nur gepaust hat, kostet mich nur ein Lächeln, passiert mir ja auch hin und wieder ;-)
was noch fehlt:
"... und im übrigen bin ich der Meinung, daß Zitatenräuber öffentlich ausgepeitscht werden sollen!"
Wäre das in Ihrem Sinne, lieber Lyriost?
Solche Strenge kleidet einen Cato, aber doch nicht -- und das ist keine Ohrenbläserei -- den weltläufigen Dichter und Bürger der Gelehrtenrepublik Lyriost!
Lassen wir doch dem Herrn Werle das Verdienst, daß er uns so aus der Seele gesprochen hat ... wo doch über das Gras bald schon Gras wächst.
Und was uns selbst betrifft, segeln wir nicht oft auch unter falscher Flagge? Haben wir uns nicht, unwissentlich natürlich, schon so manche fremde Federn an den Hut gesteckt? Und rundheraus: Ist nicht das meiste von dem, was wir denken, schon gedacht worden? So daß alles letztlich Zitat ist?
Ich fürchte, auch hier hat Kohelet recht:
Nichts Neues unter der Sonne...
Herzlich
B. Denken
ich finde, es reicht, wenn wir den armen Afrikanern für Peanuts die Bodenschätze abluchsen, wir müssen ihnen nicht auch noch die Sprichwörter klauen.
Grundsätzlich soviel: Gewöhnlich wird in meiner Gedankenkäserei die Milch vieler Kühe verwendet, und wenn der Käse, den ich produziere, reif genug ist, um ihn zu vermarkten, dann weiß ich auch nicht mehr in jedem Falle die Namen aller Milchspender, so daß ich sie nicht immer nennen kann – der Käse aber ist dann ohnehin meiner, hat eine ganz persönliche Note. Wenn ich jedoch, um den Reifeprozeß abzukürzen, zum Fremdkäse greife, dann kann ich zwar auch nicht die Kühe mit Namen nennen, aber doch den des Käsers. Und das tue ich – aus Respekt vor seiner Leistung. Das mag kleinlich erscheinen, meinetwegen, sei's drum.
Obwohl ich mich manchmal im Labyrinth von "Zettels Traum" verirre und den dystopischen Ansatz der "Gelehrtenrepublik" für realistischer halte als die meisten Utopien, möchte ich kein Bewohner der Schmidtschen Insel sein, sondern betrachte mich eher als kastalischen Glasperlenspieler. Die zeitweilige Strenge, die Sie an Cato denken läßt, ist berufsbedingt, aber ich wende sie darüber hinaus im Gegensatz zu diesem in erster Linie bei mir selbst an.
Herzliche Grüße
Lyriost
Liebe Grüße
Unbreakable
da fängt`s nur an zu rauchen, auch wird
es mit der Zeit kürzer ;-)
Liebe Grüße
Lyriost
Soso, zartgewebt weiß Bescheid – nicht nur über die Gräser in den Bergen. ;-)
Werd ich es nach einem tiefen Zug am Gras wissen?
Fragen über Fragen. ;o)
Das macht einen erheblichen Unterschied ;-)
Den andern durchschaun
heißt nicht ihn erkennen.
Wer sieht die Scheibe?
Wenn du hindurchschaust
siehst du höchstens Schmutz.
Wenn du hindurchschaust, denkst du auch manchmal, das Glitzern der Regentropfen sei das Strahlen der Seele ...
... und manchmal ist es das auch.
;-)
... oh wie wohl ist mir .... ;-)
Gehab dich wohl, Lyriost. :-)
Zu heftigem Atmen bringt mich aber anderes ... äh.... glaub ich.