Selten Erfolg bei Seniorenbetreuung
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist in einer Reportage über neu gegründete Unternehmen im Bereich Seniorenhilfe zu dem Schluss gekommen, dass Dienstleistungen im Bereich Haushalt/ Kleinreparaturen/ Betreuung/ Begleitung selten erfolgreich am Markt bestehen können. Grund ist zum einen, dass Senioren und deren Angehörige selten bereit sind, marktgerechte Preise zu zahlen, zum anderen stehen die Dienstleistungsunternehmen in Konkurrenz zu gemeinnützigen Projekten von Kirchen, Kommunen und Vereinen.
Die FAZ berichtet von dem Existenzgründer Oliver Neuhof, der in Wiesbaden einen Vermittlungsdienst für Senioren mit dem Namen Vitacum gegründet hat. Er vermittelt Dienstleistungen von der Haushaltshilfe bis zur Freizeitgestaltung. Existieren soll sein Unternehmens von Vermittlungsprovisionen, die er von den Anbietern erhält, für die er die komplette Auftragsabwicklung anbietet: von der Anfrage bis zur Abrechnung.
Ob das Unternehmen erfolgreich sein wird, steht noch nicht fest. Doch viele dieser Versuche sind gescheitert, weil zu wenig Aufträge erteilt wurden und die potentiellen Kunden nicht bereit sind, zum Beispiel 15 Euro die Stunde für Haushaltsdienstleistungen zu zahlen. Die FAZ zählt einige Jungunternehmen auf, die aufgeben mussten – von der Freizeitbegleitung für 10 Euro die Stunde bis zu Küchenaufbauhilfe für 25 Euro.
Vermutlich ist die Platzierung am Markt so schwierig, weil Nachbarn, Angehörige und Freunde bei sozial gefestigten Senioren viele Dienstleistungen übernehmen. Außerdem gibt es immer mehr Angebote von Projekten in gemeinnütziger Hand, die zum Beispiel Zivildienstleistende und Ehrenamtlich vermitteln.
In Frankfurt etwa gibt es von den katholischen und evangelischen Gemeinden mehrere Angebote, bei denen Arbeitslose, Studenten und Hausfrauen für einen Stundensatz von acht Euro Reparaturen erledigen oder im Haushalt helfen. Der Kunde zahlt für die Dienste 10,50 Euro. Die kirchlichen Träger behalten 2,50 Euro die Stunde. Ohne Zuschüsse der Kirchen und Spenden wäre dieses System nicht überlebensfähig. Nach Aussage der Projektleiter ist die Nachfrage groß.
Karin Brockmann hat hingegen mit ihrem Haushalts- und Homesitting- Service „Vier Hände“ in Frankfurt großen Erfolg. Doch ihre Zielgruppe sind nicht hilfsbedürftige Senioren, sondern gut verdienende Singles, die keine Zeit für ihren Haushalt finden. Sie bietet ein „Rundum-Sorglos-Paket“ an und beschäftigt zwischenzeitlich zehn Mitarbeiter, Minijobber und Teilzeitkräfte. Der Stundensatz für ihre Kunden liegt bei 23,80 Euro. Um ihre Zielgruppe zu erreichen, die mit dem Preis kein Problem hat, muss sie ein dementsprechendes Ambiente schaffen und gute Mitarbeiter beschäftigen, die gut bezahlt werden.
In Hamburg gibt es ein Angebot der Wirtschaftsförderung, die Haushaltshilfen mit drei Euro die Stunde bezuschusst.
