HeadSpeakerBox

31.05.2006 um 10:49 Uhr

die bahn stinkt!

von: sjAlfur

Es gibt Tage... meistens beginnen diese Tage damit, dass man um sieben Uhr morgens aus dem Haus müsste. Müsste? Ja, müsste, denn ich bin chronisch zu spät. Aber ich bin auch schnell. Wenn ich will, dann kann ich schnell sein. Und dann erwische ich auch noch die Ubahn. Und dann...

Ja, dann fährt die Ubahn genau eine Station weit und geht kaputt. Doof. Aber okay, kann ja passieren. Ich habe eh zwei Möglichkeiten zur SAE in Perlach zu kommen, entweder mit der Ubahn durchfahren oder am Stachus auf die S-Bahn umsteigen. In diesem Fall wollte ich auf die S-Bahn umsteigen, da aber die Ubahn kaputt war, dachte ich, gut, nehme ich die nächste und fahr durch.

Die nächste kam auch. Geschickterweise fuhr die genau bis zum Hauptbahnhof. Dort fuhr sie dann an, ruckte kurz und blieb stehen. Von dem Moment an hatte ich einen Verdacht... Die Bahn stand also da, noch immer am Hauptbahnhof, Türen geschlossen. Ich sah nach fünf Minuten in der stehenden Bahn zur Uhr am Bahnsteig. Ich hätte auch Hauptbahnhof auf die S-Bahn umsteigen können, dann aber hätte ich mich jetzt beeilen müssen. Doof. Türen zu.

Kurz darauf: Türen gehen alle auf. Ich dachte: Cool, jetzt gibt's 'ne Durchsage, dass die Bahn kaputt ist. Gab's aber nicht. Jedenfalls da noch nicht, sondern erst weitere Minuten später. Toll. Ich bin dann, da ich auch mit dem nächsten Ersatzzug nicht mehr rechtzeitig gekommen wäre, zur S-Bahn runter und habe gewartet. Mittlerweile 50 Minuten zu spät.

Aber gut, ich bin ja eigentlich niemand, der wegen ein paar Verspätungen das Jammern anfängt, und die S-Bahn dann fuhr auch pünktlich. Und ohne weitere Vorfälle...

...zumindest bis zur St. Martin-Straße... da blieb die S-Bahn mal geschätzte fünf Meter zu früh stehen. Die Lautsprecher knackten und eine Ansage kam:
"Ja... ähm... tschuldigung, ich fahr noch ein Stück vor..."
Geil, immerhin klang er freundlich...
Nächste Station war Giesing. Die Bahn blieb geschätzte fünf Meter zu früh stehen. Diesmal keine Durchsage.

DIE HABEN DOCH ALLE GESOFFEN! Geht gar nicht...

Vor allem war meine Laune ungefähr bei Null Grad. Kelvin. Zumindest als ich am Bahnhof stand und auf die S-Bahn gewartet habe. Und dann rannten da nur hässliche Menschen rum. Und viel zu viele. Boulevardzeitungslesende Vollidioten, Schweiß- und Alk-Fahnen auf vielen kleinen Beinchen, sture alte Omas... In solchen Momenten holt die Welt alle Klischees raus, die es braucht um die Hölle zu emulieren.

Und dann hasse ich auch die Typen, die sich über die strikte galvanische Trennung von menschlichen Körpern hinwegsetzen. Vor allem hasse ich die Leute die - unverhohlen auf den letzten Resten ihrer Leberkas-Semmel kauend - und zufrieden summend auf einem breiten, freien Bahnsteig Milimeter an einem vorbeilaufen. Muss sowas sein? Noch schlimmer sind Reisetaschenträger die sich gaaanz laaangsam orientierungssuchend umdrehen und dabei die Ecken ihrer Tasche gaaanz laaangsam in meine Wirbelsäule bohren.

Und am allerschlimmsten sind dann Frauen, die einem ins Sichtfeld rennen, nur um einen Sekunden später anzuranzen: "Glotz woanders hin."
Warum sind es ausgerechnet die übelsten Schabracken, die einem ihr übergroßes, schlecht getünchtes Ego in den Weg stellen und glauben, man würde die Augen nicht schneller abwenden, wenn man das Reaktionsvermögen dazu gehabt hätte...

Ich hasse es. Das ist es also, das geistige sechste Reich. Nur weniger schillernd und ein bisschen mehr besoffen.


sjÁlfur

30.05.2006 um 00:53 Uhr

Someone to whom i could relate

von: sjAlfur

Manchmal muss man sich einfach selbst verlinken. Zum Beispiel wenn eine CD kurz bevorsteht...

sjÁlfur

29.05.2006 um 13:33 Uhr

Citizen Erased

von: sjAlfur

Durch die Bundesstraße B38 (Weinheim - Roßdorf) ist die Stadt an das Verkehrsnetz angeschlossen.
[laut Wikipedia]

Ja, sehr schön. Das nenne ich mal Standortvorteile. Aber das ist sicherlich nicht der einzige Glanzpunkt, den mein ehemaliges "Heimatdorf" (ich würge, ich würge...) zu bieten hat. Wikipedia weiß zumindest noch von der Kirche und der Ruine Rodenstein. Natürlich wurden die wirklich wichtigen Dinge vergessen. Der Katzenbuckel (höchste Erhebung der Gemeinde, glaube ich), der "Dicke Schorsch" samt Biergarten, die aus den 70ern stammende katholische Kirche, die eher einer größeren Kapelle gleicht und oben am Hang am Dorfrand (als gäbe es ein Zentrum...) im Wald versteckt ist... Katholen halt, ne, was haben die auch in Südhessen verloren???
Ich mochte den Weg hoch zur Kirche, auch wenn das "ich mochte" dann an der Tür der Kirche endete... aber was habe ich auf dem Weg nicht alles gesehen... Salamander, ein Hermelin, Dryllionen Eichhörnchen... und in der Predigt hieß es: "Geht in die Welt und staunt über Gottes Werk!"
Ja, toll... warum saßen dann alle drinnen?

Aber ich will nicht über Glaubensfragen schreiben, auch wenn sich die Gegend ganz klischeehaft bestens für Neuheiden eignen würde...

Neben Freibad, Schule, usw., die wohl nur für mich selbst aufgrund von Erinnerungen interessant wären, ist aber zweifelsohne das wichtigste Schaufensterstück des Ortes die Ruine Rodenstein. Und der benachbarte "Fallende Bach", den ich fast noch besser fand (das Bild wollten die auf ihrer Website nicht ohne weiteres rausrücken, aber ich lass mich doch nicht von einem Kaff mit einer solchen Internetpräsenz verarschen. Nehee... da müsst ihr schon aufgeweckter sein. Ja, Dorf, ich bin jetzt groß, verarschen könnt ihr jetzt jemand anderen...).

Apropos "verarschen": Ich sollte vielleicht noch das "Hofgut Rodenstein" vorstellen, die mir auf einem Schulausflug beim Bezahlen der dort gekauften Postkarten sagten: "Nein, Wechselgeld geben wir grundsätzlich nicht raus."
Die Schweine, echt... nicht dass es viel Geld gewesen wäre (was es eigentlich nur schlimmer macht), aber wer bitte zieht auf diese Art einen Grundschüler über den Tisch? Was schade, dass die kein Gästebuch haben... andererseits ist das auch schon vierzehn bis sechzehn Jahre her... die doofe Frau von damals steht heute sicher nicht mehr hinter der Kasse. Ziemlich sicher sogar, man hatte damals schon das Gefühl, die sterbe einem vor den Augen weg.

Naja, sollte ich jemals wieder in das Dorf kommen (ich würd das ja schon gerne mal wieder... so für ein paar Tage. Zwei oder so...), dann werde ich mal bei dem Hofgut vorbeischauen... und bei der Kirche. Und der Ruine natürlich.

Okay, ich hoffe ich habe euch dieses Ausflugsziel jetzt ein wenig schmackhaft gemacht, für To01 muss das von der Entfernung her ja als Tagesausflugsziel fast in Betracht gezogen werden...

Viel Spaß!


sjÁlfur


PS: Weil's passt... Current Music: "I'm going slightly mad"...

29.05.2006 um 00:06 Uhr

city, i'm sorry

von: sjAlfur

Nichts neues was zu schreiben lohnt oder schon geschrieben werden will. Einige Dinge werden mich in einigen Jahren vielleicht beschäftigen, einige Dinge werde ich ganz vergessen und bei einigen werde ich mich irgendwann ärgern, sie zu gegebener Zeit nicht hier aufgeschrieben zu haben.

Aber egal, nutze ich mein Blog für einen meiner unglaublich ätzenden Rückblenden, ja, eine von denen es zuviele gibt, die man nicht lesen will, die man eh nicht versteht... audience, i'm sorry

I wake up a ghost on a dry river bank
Thrown off a bridge in a bag full of stone
This night and I are all but one
Oh, City, I'm sorry no one's ever kind

In der Zeit, als ich mit meiner Familie in Südhessen gewohnt habe, war meine Wahrnehmung stark verzerrt. Wir wohnten in einem Neubaugebiet am Rande eines Dorfes, das uns nur zum Teil mochte. Meinen vater mochte das Dorf irgendwie schon, glaube ich, er war meistens nicht zu hause, verdiente gut, beruflich aufstrebend, oft auf Geschäftsreise in Amerika, meistens im Mai wenn mein Bruder Geburtstag hatte, ich war immer begeistert von den Geburtstagskarten die er ihm aus den Staaten schickte, vor allem weil sie so unglaublich hässlich waren. Bunt und groß und... penetrant aufdringlich.

Zwischen uns und dem alten Kern des Dorfes lag ein Feld, von dem es schon bei unserem Einzug hieß, es käme eine Straße und Häuser drauf. Die Straße haben wir in dem Jahr vor unserem Auszug sogar noch mitbekommen...
Das Feld gehörte uns, den Nachbarschaftskindern aus dem Neubaugebiet, von denen ich ungefähr die Hälfte nicht mochte. Trotzdem war das unser Feld. Ich war der älteste, in jedem guten Kinderbuch ist das immer die Rolle des Lindgren'schen Lausejungen, nicht dumm aber faul und schlecht in der Schule, mit permanent zu großer Klappe.
Ich hätte der Lasse Südhessens sein sollen. Gut, rein optisch wäre das vertretbar gewesen, auch war ich nicht dumm (behaupte ich mal), und faul... naja, das habe ich in dem Alter noch kaschiert und mir für später aufgehoben... Aber ich war gut in der Schule, und was die zu große Klappe anging...

Jedenfalls gehörte uns das Feld. Und dann gab es noch den Wald hinter der Straße und die Burgruine nahe des Wasserfalls, der für die Verhältnisse des kleinen Dorfes, das sich selbst oft so lächerlich wichtig nahm, schon ganz ansehnlich war.

Es war ein früher Morgen vor gar nicht so vielen Jahren, wir hatten Südhessen lange hinter uns gelassen, ich hatte das schulische Arbeiten völlig aufgegeben und war von dem nicht perfekten Lasse-Abbild zum nicht perfekten Ole-Abbild geworden. So'n bisschen. Nein, eigentlich auch nicht... egal.

Wir hatten auf 'ner Party zuviel geraucht und zu wenig getrunken und saßen zu dritt im Südpark, einer Parkanlage, die für die Kleinstadt, die sich selbst jeden August so lächerlich wichtig nahm, schon beträchtliche Größe hat. Irgendwann bin ich aufgestanden und ein Stück gegangen. Ich wollte den Kopf frei haben für was auch immer, ich weiß es nicht mehr so genau.

Ich ging jedenfalls ein Stück weit zum Waldrand. Ich war barfuß und meine Hosenbeine schleiften unter meinen Fersen im taufeuchten Gras. Von dort wo ich gekommen war sah man einen blassen schein, es war schon so spät, dass es wieder früh war. Ich habe diesen Moment geliebt wenn ich unterwegs war und ihn später verflucht wenn ich zum Vogelzwitschern ins Bett ging und wusste, dass der nächste Tag viel zu kurz sein würde.

The sun rises
The sun rises
Just minutes from daylight
The sun rises
The sun rises

Ich weiß noch, dass ich ohne es zu merken weiterging, dass das Geäst meine Wange zerkratzte, dass mir der aufgerissene Halsausschnitt meines dünnen Strickpullovers über eine Schulter rutschte und die feuchten Blätter an meiner Schulter klebten.
Dort in dem wald war die Burgruine. Natürlich nicht die wirkliche, niemand kann so dicht sein, dass er südhessische Ruinen in der Lüneburger Heide sieht, zudem war ich nüchtern in dem Moment. Viel zu nüchtern. Dieser Ort war die Burgruine, der Wasserfall und die Wiese hinterm Haus.

Dieser Ort war hier, und er war dort, wo ich mehrmals die Woche mit unserem Hund vorbeiging, dort wo ich auf dem Rückweg von der Schule mit dem Fahrrad blindlings vorbeigerauscht war...

Und nun kommt die einfache, triviale aber alles andere als unwichtige Erkenntnis: Dieser Ort war wied jeder Ort. Überall. Und er war meiner. Und mein Zuhause. Ich hasse Städte an denen ich bin, nur für Orte an denen ich lieber sein würde. So wie diese Stadt. Ich will zurück zu meiner Ruine, meiner Wiese, meinem Baum auf dem Feld und zurück zu dieser Stadt. Irgendwann wenn ich dazu bereit bin.

City, I'm sorry
for all the nights,
for all the bars,
for all the fights
The minutes have turned to hours
It's a new day now
Well, City, I'm sorry, it's time to move on

sjÁlfur

23.05.2006 um 00:41 Uhr

so i bite my tongue

von: sjAlfur

Keine Zeit, keine Lust, keine Themen die es wert wären.

Nichts konkretes, nichts vages, nichts extrovertiertes oder extrovertierendes.

Nur Gedanken ohne Ordnung, eine Flut von Gesangsaufnahmen, die ersten Aufnahmen zu "Aerosol" und das Warten auf eine CD aus Schweden.

Unordnung auf meinem Schreibtisch, Unordnung in meinem Zeitplan, Unordnung in meinem Kopf.

Ein erstes leises Hoffen auf die Möglichkeit mal wieder aus der Stadt rauszukommen, eine Erinnerung von Meer, ein Gedanke von Umbruch.


...und Stille für das Blog.


sjÁlfur

17.05.2006 um 10:56 Uhr

Hauptsache fett produziert!

von: sjAlfur

So, zur Weltmeisterschaft gibt es ja Unmengen von Liedern, die eigentlich keiner hören will (oder nicht mehr hören kann). Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, gibt es jetzt noch eins. Das ist aber das ultimative Lied zur WM! Vor allem ist es umsonst (auch als Klingelton für die ganz Bekloppten). Auch die Seite ist sehr... sehenswert. Ich kenne die Leute, die das gemacht haben (ich glaube, sonst würde ich das auch nicht verlinken...), ich will betonen, dass ich selber nicht dabei war, aber ich war mal währenddessen im Studio, und sie hatten Spaß bei der Sache, will ich mal behaupten.

Und die Hauptsache ist doch, die "Produktion" wurde mit 'nem AKG C414, 'nem SPL Channel One und ProTools via Digi002 gefahren. Da muss es ja gut sein... (die Tontechnikerwelt kann so einfach sein... fast).

Hier geht's lang...


sjÁlfur

16.05.2006 um 10:43 Uhr

take a picture

von: sjAlfur


"Was hast du die letzten zehn Jahre gemacht?"
Sie saßen in einem kleinen Straßencafé unweit des Nationalmuseums und hatten schon eine Weile wortlos in den prasselnden Regen gestarrt.
"Ich?" Mark sah Annalena an und brauchte etwas um seine Gedanken zu ordnen, "ich habe in Spanien gearbeitet, auf einem Hof, und einige Zeit in Düsseldorf, bevor ich nach München gekommen bin."
"Was hast du gemacht, in Düsseldorf meine ich?"
"Eine Fotografenausbildung," Mark hatte sie erst in München gemacht, doch er wollte ihr nicht von Elisa erzählen, "ich arbeite als Fotograf."
"Hast du ein Atelier oder so?" Mark bemerkte, dass Annalena wirklich Interesse daran zu haben schien. Früher hatte meistens sie geredet und er zugehört.
"Aber nur ein kleines für private Zwecke," Mark schlürfte an seinem Milchkaffee, "um Geld zu verdienen mache ich Fotos vor Ort für Firmen und Zeitschriften, und manchmal für den Bayrischen Rundfunk."
"Private Zwecke?" sie setzte ihr leeres Cola-Glas ab und kramte eine zerbeulte Packung Luckys aus ihrer Manteltasche.
"Ich fotografiere Menschen," er zwang sich dazu, sich nicht anmerken zu lassen, das ihm das Thema unbehaglich war. Ihr gegenüber.
"Echt?" sie verfluchte leise ihr Feuerzeug und zündete sich die Zigarette an der Kerze, die auf dem tisch stand, an, "würdest du mich auch fotografieren?"
"Dich...? Also," er versuchte die richtigen Worte zu finden, "eigentlich mache ich hauptsächlich Aktaufnahmen..."
"Ah..." erwiderte sie gedehnt und lehnte sich zurück, und für einige Zeit kehrte das Schweigen zurück...


sjÁlfur

15.05.2006 um 11:35 Uhr

drawn to distant places

von: sjAlfur




waterfall
waterfall
running down the hill
waterfall
waterfall
running down the hill
running
running from my soul
following my will
running
running from my soul
following my will
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
riverside
riverside
under an orange sky
riverside
riverside
under an orange sky
fade into black and white
passing
passing by
fade into black and white
passing
passing by
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
ocean wide
ocean wide
calming down at last
ocean white
ocean white
calming down at last
listening to the changing tide
drawn to the past
i feel drawn to distant places
drawn to the past
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine
mindmachine

["mindmachine" - deine lakaien]


sjÁlfur

14.05.2006 um 21:24 Uhr

Therapy...?

von: sjAlfur

Man nehme eine Schraube, lang und relativ dick, damit das Regal an der Wand hält. Dann nehme man einen 10er Dübel und bohre ein Loch in die Wand. Der größte Bohrer ist ein 8er. Man tausche den 10er-Dübel gegen einen 8er-Dübel, bohre das Loch etwa doppelt so lang wie der Dübel ist, schraube das Regal an die Wand, stelle fest, dass die Schrauben immer noch zu lang sind und such nach kürzeren Schrauben, die aber noch immer länger als die Dübel sein müssen im wilden Sammelsurium aus Schrauben.

Was bleibt? Vier 10er-Dübel mit zu langen Schrauben, ein Küchenregal an der Wand und die Erkenntnis, dass keine Planung gute Improvisation schlagen kann!

[Außerdem die Erkenntnis, dass man seine Zeit produktiv nutzen kann. Manchmal...]


sjÁlfur

12.05.2006 um 22:04 Uhr

you were the witness, my eyes, my evidence

von: sjAlfur

[via AiHua]

1. Greife das Buch, das dir am nächsten ist, schlage Seite 18 auf und zitiere Zeile 4:
"G : zwischen l und d/t/n/s; zwischen r und ð/t/n : --- : --- fylgdi, bólgna, margt" (isländisch lehrbuch)

2. Strecke deinen linken Arm so weit wie möglich aus. Was greifst du?
AiHua

3. Was hast du als letztes im Fernsehen gesehen?
Monty Pythons "Sinn des Lebens"

4. Mit Ausnahme des Computers, was kannst du gerade hören?
Tool "Wings for Marie (Pt.1)"

5. Wann hast du den letzten Schritt nach draußen getan?
vor zwei Stunden etwa auf den Balkon

6. Was hast du gerade getan, als du den Fragebogen begonnen hast?
überlegt, wie marabus echter vorname sein könnte... (wegen ihrer antwort auf frage 19)

7. Was hast du gerade an?
jeans, t-shirt, und was man halt so unter 'ner jeans trägt, ne?

8. Hast du letzte Nacht geträumt?
keine ahnung.

9. Wann hast du das letzte Mal gelacht?
"diesem mann wurde im schlafe sein bein abgebissen."
"und er ist davon nicht aufgewacht?"
"öh.... nein..."

10. Was befindet sich an den Wänden des Raumes, in dem du dich gerade befindest?
siehe aihua (selber raum)

11. Hast du kürzlich etwas Sonderbares gesehen?
zwei troll-schatten auf der brücke über die a96

12. Was hältst du von diesem Quiz?
das sag ich erst, wenn ich weiß, was ich gewonnen haben werde...

13. Was war der letzte Film, den du gesehen hast?
Monty Python wäre jetzt langweilig (habe ich außerdem nur ein paar Minuten lang gesehen...)... ich weiß nicht mehr genau. so'n richtigen film? muss ewig her sein. ein james bond irgendwann in der nacht hat gute chancen...

14. Was würdest du kaufen, wenn du plötzlich Multimillionär wärst?
ein Geschenk für meinen Bruder, was ich - wie immer - schon wieder viel zu spät mache...

15. Sag' etwas über dich, was ich bisher nicht wusste.
ich bin vorhersehbar

16. Wenn du eine Sache auf der Welt ändern könntest, was wäre das?
ich würde mir von jetzt bis ich 27 bin einen punch in/out-bereich setzen und so lange im loop recorden, bis die aufnahme perfekt ist. ich lebe in overdubs.

17. Tanzt du gerne?
nein. naja. wenn es um 'ne runde derbes abspacken geht, passt das schon, aber nur wenn ich will, und das ist meistens dann, wenn ich es nicht kann.

18. George Bush?
ist das die frau von kate bush?

19. Stell dir vor, dein 1. Kind wäre ein Mädchen. Wie würde es heißen?
Fender Stratocaster

20. Und ein Junge?
Gibson Les Paul Special II

21. Würdest du in Erwägung ziehen, auszuwandern?
in Erwägung ziehen? es gehört zu meiner festen zukunftsplanung!

22. Was würdest du Gott sagen, wenn du das Himmelstor erreichst?
"Deine Mudda is Gott!"

23. Fünf Leute, die das hier auch ausfüllen sollen:
Asus, Emoll, Cdim, Gdur und Tritonus


sjÁlfur

12.05.2006 um 17:52 Uhr

stuck between the do or die

von: sjAlfur


Ich hatte über die Jahre hinweg angefangen, meine Eltern zu hassen. Während meiner Zeit in Spanien starb mein Vater an Krebs, von dem er gesagt haben soll, dass der "alte Menschenabfall" ihn angesteckt hätte. Zumindest war er so konsequent gewesen, nicht alt zu werden. Meine Mutter bat mich darum, sie zu besuchen. Ich sagte ihr, dass ich mir die Fahrt nach Deutschland nicht leisten könne, und dass ich auf einen Umzug zurück in die Heimat sparte. Sie beschimpfte mich und fragte, wie sie denn dastehe, wenn der eigene Sohn nicht zur Beerdigung des Vaters erschien. Ich sagte ihr, dass das ganz genau den richtigen Eindruck machen würde, und dass sie endlich so ehrlich sein sollte und ebenfalls wegbleiben sollte, wenn sie Vater verscharrten. Sie heulte und ich legte auf. Seitdem hatte ich nicht mehr mit ihr gesprochen. Ich habe ihr nie von Elisa und den Kindern erzählt...


sjÁlfur

11.05.2006 um 11:37 Uhr

Micro Cuts

von: sjAlfur

Zwischendurch mal wieder was optisches, wenn auch etwas aus der Konserve, aber... die Balance sollte ja stimmen (was sie bei mir nicht tut, aber was soll's...).



Was will uns dieses Foto sagen? Eigentlich gar nichts... nur dass ich mal wieder meine flickr-Kapazitäten genutzt habe...


sjÁlfur

11.05.2006 um 01:07 Uhr

Dreaming of Nepal [Pt. I]

von: sjAlfur

[Teil 2]
[Teil 3]

"Annalena?" er hatte einige Augenblicke gebraucht, bis er sie erkannt hatte. Früher in der Schule trug sie weiße Blusen und Strickjacken, Stoffhosen und knielange Röcke, und ihre dunkelblonden Haare meist offen. Jetzt saß sie dort neben ihm, die Haare unter einer Baskenmütze dunkel gefärbt, in schwarzer Lederhose, dickem grauen Wollpullover und schwarzem Stoffmantel. Ihre Augen waren dunkel geschminkt, ihre Haut wirkte etwas blass. Er wusste nicht, ober sie noch so schön fand wie früher, doch das spielte keine Rolle.
"Hey! Was machst du hier?" sie bemühte sich um ein heiteres Lächeln, doch Mark merkte, dass sie müde war, vielleicht auch etwas distanzierter als früher.
Er war mittlerweile dreißig, hatte zwei Kinder, die bei seiner Ex-Frau in Düsseldorf lebten, er sah sie fast nie. Er war mit 19 ins Ausland gegangen. Während die meisten seiner Freunde beim Bund waren oder Zivildienst machten, wollte der wegen starkem Untergewicht ausgemusterte Mark vor allem weg von seinen Eltern. Er arbeitete einige Monate auf einem Hof in Spanien um sich eine Reise nach Nepal leisten zu können, doch bald begann er eine Affäre mit der Tochter seines Arbeitgebers, und als diese schwanger wurde, bestanden ihre Eltern auf eine schnelle Heirat. Ein Jahr später ging er mit ihr zurück nach Deutschland, wo sie ihr Studium fortsetze. Er blieb zuhause und träumte vom Himalaya. Mit 25 erklärte er seiner Frau, dass dies gar nicht sein Leben war und er bereits zu lange gebraucht hätte, um aus diesem Traum aufzuwachen. Elisa, seiner Frau, standen die Tränen in den Augen. Erschlief noch einmal mit ihr, gab seinen Kindern Christine und Júlian einen Kuss und fuhr davon.
"Ich bin schon seit fast fünf Jahren in dieser Stadt," sagte Mark mit einem verlegenen Seitenblick.
Sie lächelte nur.
"Und du machst hier Urlaub?" er warf einen Blick auf ihren Koffer.
"Nein, ich ziehe ein," sie ließ ihren Blick aus dem Fenster schweifen, "ich habe eine kleine Wohnung in Lehel."
"Im Lehel," verbesserte Mark automatisch, nach fünf Jahren hatte man sich gewisse Dinge angewöhnt, "es heißt 'im Lehel'."
Sie schwieg.
"Dann wohne ich nicht sehr weit entfernt," sagte er, "unten an der Isar, nicht weit vom Maximilianeum."
Sie nickte.
Er setzte erneut an, hielt dann aber inne und betrachtete sie näher.
"Du siehst müde aus, soll ich dich zu einem Kaffee einladen?" es klang sonderbar normal dafür, dass er sie mehr als zehn Jahre nicht gesehen hatte.
"Mark, ich sehe schrecklich alt aus, oder?"
"Du siehst... was?" darauf war er nicht vorbereitet gewesen, er sah sie überrascht an.
"Ich sehe alt aus, oder?" wiederholte sie und sah ihm nun ins Gesicht. Er bemerkte die kleinen Fältchen um ihre Augenwinkel und eine ihm ungewohnte Schwere in ihrem Blick. Normalerweise liebte er das an Frauen, Spuren von Leben in ihren Gesichtern, doch Annalena bestach früher vor allem durch ihre Jugendlichkeit, den Anflug von Unschuld, und mittlerweile hatte sie diesen Reiz verloren.
"Wir alle werden älter," begann er ohne sich die Mühe der Diplomatie zu machen, "sehe ich etwas noch so aus wie mit 19?"
"Nein," ihr Blick prüfte sein Äußeres, "du hast dich gemacht, Mark, du siehst gut aus."
Mark verengte die Augen. Er hatte bisher nie gehört, dass er gut aussehe, auch wenn ihm bewusst war, dass er über die Jahre ein gewisses Wirken auf Frauen bekommen hatte, aber das ausgerechnet von Annalena zu hören, berührte ihn, es schmerzte, ohne dass er sich sicher war, warum.
"Du siehst auch gut aus," erwiderte Mark, "das war schon immer so. Natürlich verlieren wir unsere Jugend, aber wir gewinnen auch etwas im Laufe der Zeit hinzu."
Die Tram kam am Maxmonument zum Stehen und Annalena sah auf. Mark half ihr, den Koffer hinaus zu tragen, zögerte einen Moment und folgte ihr dann in den Regen. Er hätte ohnehin nur eine Station später aussteigen müssen...


sjÁlfur

10.05.2006 um 00:55 Uhr

Chicken Wings

von: sjAlfur


Ich erreichte München am späten Nachmittag und schleppte mich und meinen Koffer direkt in den Burger King. Mit einer Tüte Chicken Wings ging ich kurz darauf ziellos einen der Bahnsteige entlang, bis ich die offene Halle des Hauptbahnhofs hinter mir gelassen hatte. Auf einer leeren Bank setzte ich mich und schlug den Kragen gegen den beißenden Wind hoch. Ich hatte mir meine Ankunft hier anders vorgestellt, weniger trostlos. Ich aß zwei der Chicken Wings, doch hatte keinen sonderlichen Appetit. Diese Stadt sollte für die nächsten Monate mein Zuhause sein. Sie würde sich noch bemühen müssen, um es auch zu werden.
Ich ließ schließlich die Chicken Wings Tüte stehen und schlenderte langsam zurück in die große Halle, wo ich meinen Weg zur U-Bahn suchte. Ich versuchte, den U-Bahn-Plan zu lesen, war aber nie besonders gut darin. Ich landete schließlich auf dem Bahnhofsvorplatz, ohne wirklich zu wissen, wie ich dahin gekommen war. Es gab keinen Grund zur Eile, die Wohnungsschlüssel hatte ich im Gepäck, und über das Wochenende lagen keinerlei Verpflichtungen an.
Nachdem ich meinen Koffer bis zum Karlsplatz und von dort durch die überfüllte Fußgängerzone geschleppt hatte, nahm ich die Tram am Marienplatz. Ich suchte nach einem Sitzplatz, meine Knie schmerzten und meiner Schultern waren verspannt vom Schleppen des Koffers...


sjÁlfur

09.05.2006 um 11:18 Uhr

Tram 19

von: sjAlfur


Der Regen hatte München fest im Griff, schon den ganzen September über. Die wartenden Menschen am Promenadenplatz drängten schnell durch die sich öffnenden Türen der gerade angekommenen Tram. Durch die beschlagenen Scheiben war Mark Wittmann einen Blick zurück auf den Bayrischen Hof, in dem er geschäftlich zu tun hatte. Er versuchte sich auf den Feierabend zu freuen, doch irgendwie wollte es ihm nicht gelingen. Es war Samstag Abend, und am nächsten Morgen wurde er erneut hier erwartet. Er konnte sich besseres vorstellen als Sonntags zu arbeiten, andererseits machte es kaum einen Unterschied, wann er frei hatte, er wohnte alleine und musste sich nach niemandem richten.
Das kleine blaue Kästchen vor ihm klackte, als ein weiterer Fahrgast seine Fahrkarte entwertete. Mark sah auf. Ein älterer Herr steckte umständlich sein Portemonnaie ein und griff nach einer Stange, als die Tram sich in Bewegung setzte. Es ratterte leise und der Zeitstempel in dem blauen Kästchen setzte um eine Markierung vorwärts.
"Entschuldigung, ich..." erklang eine Stimme neben Mark. Er rutschte automatisch auf den Sitz am Fenster. Eine Frau setzte sich neben ihn. Es dauerte fast eine ganze Minute bis Mark merkte, dass die Frau ihn anstarrte. Nun sah auch er auf. Und erschrak. Er kannte die Frau...


sjÁlfur

09.05.2006 um 01:18 Uhr

with the birds i'll share this lonely view

von: sjAlfur

Vorhin kam mal wieder (wie zu jedem neuen Album) eine Stunde Konzert der Chili Peppers auf MTV. Diesmal nicht auf einem Hochhaus vor geladenen Gästen wie zur "By the way"-Veröffentlichung sondern von einem 'normalen' Auftritt in Mailand.

Und hier sind wir an einem Knotenpunkt. Oder genauer: Hier bin ich an einem Knotenpunkt, ihr dürft mir zugucken... Es gibt da gerade mehrere Türen, die zu nehmen sind:


TÜR 1: milanó

Ich war selber schon mal in Mailand. Herbst 1998, Schüleraustausch mit einigen Italienern aus Brescia. Mailand war nur eines der Ausflugsziele während der zwei Wochen, die wir dort waren, und im Gegensatz zu Venedig (wo ich allerdings da schon zum drittem mal war) oder der Führung durch Brescia selbst kaum erwähnenswert. Auch wenn seitdem der Mailänder Dom wohl meine Lieblingskirche ist (und nebenbei auch dafür gesorgt hat, dass ich überhaupt sowas wie 'ne Lieblingskirche habe). Wir lagen in der Sonne auf dem Dom-Dach und... machten sonst eigentlich nichts. Es war fast so ruhig wie auf den Partys abends in Ospitaletto, dem Vorort Brescias, in dem einige von uns waren.

Erwähnenswerter ist da schon das Referat, was ich mit einem Freund nach der Fahrt über Mailand halten sollte. Wir hatten kaum was anderes gesehen als das Dom-Dach, und waren für unsere (meist nicht gehaltenen) Referate berüchtigt (bei unserem Referat über Ghandi haben wir den Salzmarsch vergessen...). Wir trafen uns am Tag vor Referatabgabe bei ihm in seinem kleienn Zimmer, setzten uns vor seinen Amiga und spielt Blob. Kennt jemand das Spiel? Man ist eine farbige Kugel und muss versuchen andere farbige Kugeln kaputt zu hüpfen. Ich war sowas von der Held bei diesem Spiel, aber das ist eien andere Geschichte (die ich bis eben gerade auch vergessen hatte...).

Schließlich, es dürfte mittlerweile angehende Nacht gewesen sein, beschlossen wir, unser Referat zu schreiben (als "Referat" verstanden die zuständigen Lehrer in diesem Falle einen geschriebenen Bericht über den Ausflug). Damals war in unserer Region der Räucherstäbchen-Wahn ausgebrochen, es hatte sogar ein Head Shop aufgemacht! In unserem Kaff! Naja, und da man für ein Referat klare Sinne benötigt, kamen Sinnesbenebelungen anderer Art nicht in Frage. Aber es gab da noch diese dicken Räucherstäbchen "Indische Tempelrose". Ich sag euch: HAMMER! Innerhalb von Minuten hatten die uns das Hirn weich gebraten. Wir schrieben wie auf Drogen in prosaischer Form immer abwechselnd in Absätzen das Referat über den Prinzen von Mailand (ich) und seinen Dom, und den bösen Herzog im Castell. Ich habe nie wieder so viele Drogenanspielungen in einem einzigen Satz gebracht, wie in diesem Referat, während mein literarischer Gegenspieler dazu übergegangen war, Reime aus dem Buch "Sagen aus der Heide" abzutippen.

Kinder, kifft, sauft, injiziert euch Coke oder sammelt Pilze, aber lasst die Finger von diesen Räucherstäbchen! Naja... die zuständigen Lehrer hielten das Referat für ganz toll und haben angeblich sehr gelacht. (Es wurde ja auch nicht benotet.) Ich glaube aber, die hatten nach der Lektüre einfach nur Angst vor uns. Zu Recht!


TÜR 2: scar tissue

Nach dem Italienaustausch folgte das wohl exessivste Jahr, das ich jemals durchlebt habe. Ich weiß, das klingt nach Klischee, aber... na und? War halt so. Und man weiß ja, dass zu sowas unweigerlich der richtige Soundtrack gehört. Und im Abspann des Jahres 1999 findet man auch die Chili Peppers wieder. Als ich vorhin "Scar Tissue" hörte, reichten schon die ersten Töne aus um zurückzudenken. An die Mengen an Alkohol, die mein Hirn nachdrücklich beeinflusst haben müssen, zumindest brannten sie einige Momente in meiner Erinnerung fest. An die Leute, die man damals kannte, zwangsweise, bei einigen gut so, bei anderen freut man sich, dass man sie damals kannte. Aber auf dem Land ist die Auswahl nicht so groß. Man muss nehmen was kommt.

Zudem kam gestern auf MTV das Video zu "Champagne Supernova". Ungekürzt! Noch so ein Lied, zwar noch etwas älter, aber was machen ein oder zwei Jahre auf diese Entfernung?

...in a parallel universe...


TÜR 3: road trippin'

Und dann wäre da noch eine leibhaftige Begegnung mit den Chili Peppers. Naja, der Auftritt beim Hurricane 2002. Das war schon zur "By the way"-Zeit. Es war kurz bevor ich nach München gezogen bin. Und es war ein kurioses Wochenende... spät in der Nacht kam aus der ganzen Lage irgendwie das Wort "hypsurd" dabei raus, die perfekte Symbiose für das Festival in dem Jahr.
Alles begann damit, dass Nappo zu New Order wollte. Ich hatte daren auch schon gedacht, und da sonst keiner mit wollte, habe ich mich ihr mal angeschlossen. Vorher waren Garbage auf der Mainstage. (Bei dem Konzert habe ich jegliche Sympathien für Shirley Mansons verloren, aber das ist wieder eine andere Geschichte.)
Während der letzten Garbage-Lieder fing es an zu regnen. Eigentlich nicht erwähnenswert, ist ja ein Festival, da muss man abends nass und dreckig ins Zelt kriechen, sonst war's nicht gut. Und am Tag darauf muss noch schnell ein Sonnenbrand her, dann hat sich's richtig gelohnt...
Allerdings wurde der Regen stärker. Sehr stark. Richtig derbe stark. Wir standen in der Menge irgendwo am Zaun vor'm Mosh Pit, das nach dem Roskilde-Unfall eingeführt wurde.Wir konnten nicht weh durch die Masse. Und wir wollten auch gar nicht weg. Irgendwann kam eine große Folie über die Köpfe der Menschen hinweggewabert. Durch strategisches Stehenbleiben und Hoffen hatten wir das Glück, dass der Planenrand irgendwann bei uns ankam und wir für eine kurze Zeit etwas geschützt waren. Aber wir waren natürlich von Kopf bis Fuß durchnässt. Klatschnass. Nasser geht's nicht. Und New Order kamen erst sehr viel später, weil durch den Regen die Bühne komplett umgebaut werden musste. Damals war noch nichts mit In-Ear, da standen vorne am Bühnenrand noch die guten alten Monitorboxen...

Aber schließlich ging es los. Und nach so langer Wartezeit dauert es nicht besonders lang und die Menge ging ab. Wir mittendrin. Gut so, bis ich meine Haare ausschütteln wollte, die mittlerweile voller Wasser waren (und ich hatte ziemlich kurze Haare damals). Wer es nicht weiß: Ich bin Brillenträger. Ich hatte bereits einen Monat zuvor beim ortsansässigen Open Air schon ein Brillengestell geschrottet, als ich schon halb dicht bei Stone the Crow (ja, die waren bei uns auf'm Land!) etwas zu heftig in der Menschenmasse unterging. Beim Hurricane waren aber noch beträchtlich mehr Leute da. Und ich merkte zuerst nur, dass der Blick seltsam undeutlich war. Ich vermutete, der Regen sei Schuld, merkte dann aber, dass das nicht mein einziges Problem war...

Trotz großangelegter Suchaktion (die Leute da waren echt solidarisch!) konnte der Patient leider nur noch tot geborgen werden. Die Gläser zwar heile, aber das Gestell wies klare Festivalspuren auf...

Und dann mussten wir irgendwie zurück zum Zeltplatz. Doofe Sache das. Ich (meine Dioptrinzahl könnte zwar schlimmer sein, es reicht aber aus um ohne Brille ziemlich doof da zu stehen) brauchte dringend kompetente Führung. Aber außer Nappo war ja keiner da... Okay, das klingt jetzt fies... man sollte dazu sagen, dass sie in der Dunkelheit nicht so besonders gut sieht. Außerdem war das Gelände selbst bei normalen Sichtverhältnissen reines Glückspiel, denn alles war so aufgeweicht, dass man bei jedem Schritt Zentimeter einsank. Auf den sichereren Wegen.
Wir nahmen dann den direkten Weg. Es war nass und dreckig, sag ich mal, aber wir wissen ja bereits: das muss so. Es war etwas wie bei Hänsel und Gretel, nur ohne Kieselsteinspur. Und ohne Hexe. Und wir hießen glücklicherweise anders. Und waren nicht verwandt. Und... egal.
Wir kamen irgendwann bei unseren Zelten an (die zu finden auch nicht so ganz einfach war). Ich dachte nur: Schnell ins Zelt und meine Sonnebrille holen, die einzige Chance, wieder Sehschärfe zu erlangen.
Ich öffnete mein Zelt (ein zehn Euro-Zelt von Hagebau ohne Innenzelt... ihr werdet ahnen was jetzt kommt...), griff in das große schwarze Etwas, was meine Reisetasche sein musste, und erreichte tatsächlich sofort die Brille. Ich setzte sie auf, fühlte mich zwar irgendwie dunkel aber immerhin wieder scharf, un dann...
...
...dann sah ich, dass mein Zeit ungefähr zehn Zentimeter tief unter Wasser stand. Einige Scheiben Toast schwammen fröhlich am Nutellaglas vorbei Richtung Schlafsack. Es war... verstörend und grausam, es war dreckig und nass, es war ROCK'N'ROLL! Aber sowas von!

Ich habe dann das Privileg gehabt, zwischen zwei guten Freundinnen in deren Zelt zu schlafen (auch wenn es komisch war, mit 'ner Sonnebrille auf am nächsten Morgen zwischen den beiden aufzuwachen...), und nachdem ich das Zelt mit Inhalt zum Kofferraum des Autos meiner Mutter geschleift hatte, das wir dann danach noch auf dem völlig aufgeweichten Parkplatz festgefahren hatten, nutzte ich zu Hause die Dusche und stand Sonntag Abend dann mit Sonnenbrille beim Chili Peppers-Konzert. Sonntag Abends guckt sich auch keiner mehr verwundert um, wenn man im Dunkeln noch mit Sonnenbrille rumläuft. Die Fahrt nach Hause im Dunkeln mit Sonnenbrille (ich war dummerweise der einzige, der - in Anbetracht des Fahrens - noch (wieder) nüchtern war) verbuche ich im Nachhinein unter leichtsinnig, aber nach diesem Wochenende war jeglicher Realitätsbezug sowieso verloren gegangen.

"road trippin' with my favourite allies
fully loaded we got snacks and supplies
it's time to leave this town it's time to steal away
let's go get lost anywhere [in the usa]
let's go get lost, let's go get lost
blue you sit so pretty west of the sun
sparkles light with yellow icings
just a mirror for the sun"


sjÁlfur

09.05.2006 um 00:17 Uhr

we need hints before we get tired

von: sjAlfur

Abseits der ganzen Blogigo-Verkauf-ich-zieh-um-Geschichten mal wieder ein anderer Beitrag. Ich habe letztens mal meinen Block (ja, mit 'ck'... so ein Ding mit karierten Blättern) durchgeblättert und bin auf ein paar Seiten handschriftlicher Geschichte gestoßen, die ich wohl irgendwann im letzten Sommer geschrieben habe. Ich war - treue Leser mögen sich erinnern - zu der Zeit ziemlich im Bann von "2046", und das nicht (nur) wegen Zhang Ziyi. Das merkt man der Geschichte an. Ich habe keine Ahnung, ob diese Geschichte wert ist, veröffentlicht zu werden, aber - hey! Mein Blog, ich kann glücklicherweise hochladen, was mir in den Sinn kommt. Die Geschichte eignet sich ziemlich gut für eher kurze Textpassagen, die auch der Fast-Food-Leser noch ganz gut aufnehmen kann. Wer dazu was zu sagen hat, für Kritik bin ich natürlich immer offen, wer damit gar nichts anfangen kann, überblättert die Einträge einfach.

Nochmal auf  "2046" zurück: Ein Satz in dem Film lautete "In meiner Jugend liebte ich ein Mädchen..." Mit dem Satz fängt auch die Geschichte an. Das ist für mich insofern wichtig, weil ich diesen Satz ansonsten nie so geschrieben hätte. Ansonsten sollte die geschichte aber keinerlei größere Parallelen aufweisen.

Zur Erläuterung sei noch gesagt, dass alles rein fiktiv ist, trotz zeitweiliger Ich-Erzählung ist der Protagonist nicht ich. Ich habe zwar kleinere Begebenheiten aus meinem Leben mit einfließen lassen, aber das sind mehr Randnotizen.

Okay, noch eine letzte Anmerkung vorweg: Als ich die Geschichte wiedergefunden habe, hörte ich gerade die "Veneer" von José González und fand, dass die Musik ganz gut dazu passte, vor allem das Lied "Hints". Da die Geschichte bislang noch keinen Titel hatte, habe ich erstmal den genommen.



Hints
while the crowd is waiting for the final kiss
the one which allows them to sleep well
we'll walk along our own path
the one which will lead us to our own bless
but we need hints before we get tired
we need speed before we lose pace
we need a hint to know we're on the right track

In meiner Jugend liebte ich ein Mädchen. Ich lernte sie kennen, da war ich elf Jahre alt. Sie war ein Jahr jünger, ging auf dieselbe Schule wie ich und war beliebt. Im Gegensatz zu mir. Ich hatte schlechte Noten, schlechte Eltern und kaschierte meine Schüchternehit mit Arroganz.
Mein Vater arbeitete als Pfleger im Altenheim. Er gehörte zu jenen Personen, die ein Alter über siebzig Jahren für höchst unanständig hielten. Er sprach schlecht von den Bewohnern des Altenheims, nannte sie "Sozialschmarotzer" oder "debilen Kompost". An schlimmen Tagen sprach er von "Altlasten aus der Nazi-Zeit". Er hatte sich früh mit seinen Eltern überworfen, die eine Fabrik in Nürnberg hatten während des Krieges. Er hatte ihnen seit seiner Jugend immer wieder alle möglichen Verbrechen des Krieges vorgeworfen, hatte ihre Fabrik ein KZ genannt und seinen Vater "Judenschinder". Er selbst rannte sein Leben lang im Army-Parka rum und erzählte jedem, ob er ihn nach seiner Meinung gefragt hatte oder nicht, dass alle Soldaten Mörder seien. Er kannte auch ansonsten alle Parolen der kleinen Antifa-Bibel. Ich hatte ihm eines Tages bei einer unserer zahlreichen Streitereien alle Verbrechen der R.A.F., die er heimlich als Freiheitskämpfer verehrte, vorgeworfen. Ich war nicht besser als mein Vater.
Meine Mutter arbeitete bei der Kirche, irgendein Hilfsjob, glaube ich, ich habe mich nie dafür interessiert, und sie sprach nie davon, schon gar nicht in der Gegenwart meines Vaters, der der Kirche noch immer die Kreuzzüge übel nahm und eines Tages zur Taufe meiner Cousine mit Intifada-Schal im Gottesdienst auftauchte. Er hatte bis zu seinem Tod nicht verwunden, dass es niemanden interessierte.
Ich hörte einmal eine alte Frau im Supermarkt über meine Mutter sagen, dass sie ein herzensguter Mensch sei. Ich habe davon wenig erfahren dürfen. Sie schämte sich für meine schlechten Leistungen in der Schule und im Sportverein und auch für ihren Mann, auch wenn sie es nie so deutlich gesagt hatte.
Das Mädchen, das ich liebte, hieß Annalena, kein seltener Name, aber sie war etwas besonderes und nicht nur deshalb, weil ihr halber Freundeskreis auf sie stand. Ich gehörte zu ihrem Freundeskreis, auch wenn ich nie wirklich verstand warum. Ich kam mit ihr sehr gut aus, konnte mit ihr reden, mich mit ihr treffen. Doch Hoffnungen machte ich mir nie. Zumindest keine ehrlichen. Ich konnte mit ihr über ihre Beziehungen sprechen, über ihre Freunde, die kamen und gingen, doch selber kam und ging ich nie. Ich blieb immer dort auf der Stelle...


sjÁlfur

08.05.2006 um 12:18 Uhr

Molekularbewegung?

von: sjAlfur

Also. Ich habe mein "Aerosole"-Blog mal aufpoliert und rechts ganz oben in die Favoritenliste gestellt. Nur für den Fall, versteht sich. Falls ich also aus irgendeinem Grund demnächst mal weg sein sollte, wisst ihr, wo ihr mich findet...

sjÁlfur

08.05.2006 um 02:28 Uhr

Community Rescue

von: sjAlfur

Wir werden verkauft. Die meisten wissen es bereits, für die, die nicht wissen, um was es geht, ist hier der Link.

An einigen Orten in der Blogigosphäre wurden bereits die Bedenken laut, dass (aus verschiedensten Gründen) der Verkauf auf kurz oder lang das Ende von Blogigo bedeutet. Natürlich bemühen sich die Verantwortlichen an einen würdigen Nachfolger zu verkaufen, aber der Weg, blogigo über ebay zu versteigern und die Tatsache, dass die ganze Aktion so wirkt, als solle möglichst schnell der ganze Apparat an jemand anderen weitergegeben werden, lassen zumindest mal Befürchtungen zu. Eine Diskussion dazu kann man beispielsweise bei AiHua nachlesen.

Ein großes Problem an der möglichen Schließung von Blogigo wäre meines Erachtens der Verlust der Kontakte untereinander. Was würde ich denn bitte machen, wenn ich zwar ein neues Blog woanders hätte, aber nicht mehr weiß, wo z.B. To01 gelandet ist? Eben, doof wäre das (okay, von To01 hätte ich 'ne Mail-Adresse, aber das Problem sollte klar sein).

Daher biete ich folgendes an: Ich richte auf meinem eigenen (bezahlten, also nicht ohne weiteres verlierbar) Webspace eine kleine, simple Seite ein, auf der alle, die wollen, mit Nick und Blog-Name aufgelistet werden. Alphabetisch in einer Liste. Hat einer auf dieser Liste jetzt ein neues Blog irgendwo anders eingerichtet, und will das den alten Lesern, Kontakten etc. mitteilen, sagt er/sie mir bescheid und ich trage die neue Blog-Adresse in die Liste ein.

Die Adresse dieser Seite würde ich dann möglichst schnell an alle Blogger, die Interesse zeigen weitergeben, damit die Kontaktmöglichkeit erhalten bleibt.

NATÜRLICH gilt das nur für den schlimmsten Fall, der eintreten kann, dass wirklich alle Blogs verloren gehen. Man soll ja den teufel nicht an die Wand malen, aber das wäre eine relativ simple Maßnahme um dem vorzubeugen.

Jemand Interesse?


sjÁlfur

07.05.2006 um 04:40 Uhr

In den Kesseln da faulte das Wasser...

von: sjAlfur

Achja... für alle Hessen unter uns, und für solche, die ungefähr wissen, wo Hessen liegt oder die wissen, wo Madagaskar liegt, oder die wissen, was di Pest ist, gibt es hier noch 'nen Link für den täglichen Lachflash.


[via Allee der Spackonauten]


sjÁlfur


PS: Die Spackonauten lohnen sich auch abseits des Links...