wieder in Silberdorf
In Distanz zur Strasse, jenseits des struppigen braunen Grases, sah man grade noch ein weiteres Haus, wie fast immer mit der weinbegrünten Pergola und den “Blumentöpfen” am Rande (es sind alte Ölkanister, mit Alufolie überzogene Plastikgefässe, Yoghurtbecher und Farbeimer, darinnen Rosen, Farn, Paprikastauden, Russelia und eine Art roter Canna). Im Schatten dahinter hatte eben ein Mann der Tochter des Hauses einen Heiratsantrag gemacht, nachdem er der Mutter höflich die Wangen geküsst hatte, wohl eher die Luft neben den Wangen? Er trat dabei wie ein Elefant mit Hospitalismussyndrom von einem Bein aufs andere. Ob der Antrag angenommen wurde, wissen wir nicht. Wir, mit Oben, schauen der fast busenlosen, dürren Malergesellin zu, wie sie in verschiedenen Läden Brot, Geflügel, Orangensaft und Papierservietten einkauft. Sie hat heut morgen wie an jedem Wochentag hastig eine zerknitterte schwarze Bluse, eine khakifarbene Armeehose mit weiten Taschen – die, mit den vielen Farb- und Gipsflecken, die es Oben erst ermöglicht, ihren Beruf zu bestimmen – und lilafarbene Gummigaloschen angezogen. Ihre struppigen schwarzen Locken hält ein Taschentuch zusammen. Die Stirn ist gerade, die Brauen buschig, die Stupsnase nicht weiter auffällig. Nur wenn sie sich bückt, um eine der vom Rollerarm heruntergeglittene Tüte wieder aufzuheben, sieht man auch ein dreieckiges Höschen sich abzeichnen. In dem hatte sie – traumlos! – geschlafen. Das war gut so, denn wir können hier nicht auch noch Träume wiedergeben......
