Message in a bottle

30.05.2004 um 11:33 Uhr

zimt

von: hibou

und mit einem mal, sagt er, beginnen ganz viele filme, er kurbelt mit dem zeigefinger vor seiner stirn herum, beginnen ganz viele kleine filme sich in meinem kopf zu drehen. so wunderschön ist panama, und ich weiß nicht, zu wem ich gehöre, wie konfetti, das vom wind der strassen aufwärts gewirbelt wird, ich lass sie spielen, sagt er, ich glaube , ich gehöre nicht einem allein. die unzähligen requisiten. alles wie von selbst zur stelle, und wo eines fehlt, kann ich immer noch selbst einen rosenstrauß, der in der vase vertrocknet ist, hinstellen. schau, die blütenblätter sind zu bräunlichem weiß verblasst, was unter der hitze der spots nicht verwunderlich ist. er gleitet lautlos, wie auf schienen, durch die schauplätze, und er nimmt die dunkelheiten und unausgeleuchteten bereiche in sich auf. die pianisten kann er leicht auswechseln, immer aber nehmen sie nach kurzer zeit die züge von charles aznavour oder isabelle huppert an. der schnee vom kilimanjaro blutbefleckt in der wanne, schmilzt weg. die kugeln aber kehren zischend in den lauf zurück, die messer fahren aus dem fleisch, die schwänze aus der scheide, ohne dass er den geringsten impuls fasst. die detektivin schwitzt unter ihrem schulterhalfter und riecht ein wenig nach zimt. aber ansprechen, sagt er, kann ich sie nicht. von den toten auferstehen lassen, das ja, und manchmal vertauscht er ihnen wäsche und drehbücher. das macht den regisseur rasend, da jedes mal auch titel und abspann geändert werden müssen. er kurbelt noch mit dem finger, er lächelt mich an, er mustert mich, ob ich ihm glaube. ich fange ganz sachte an, nach nelken zu riechen.

29.05.2004 um 16:11 Uhr

Tamer Bey

von: hibou

Der Bruder von Tamer Bey, der letztes Jahr für eine Woche aus den Staaten hier herkam und gleich am ersten Ferientag von einem großen Hund gebissen wurde, ist wieder hier. Wir sehen uns beim wässern unserer respektiven Gärten, wenn wir zufällig zur gleichen Zeit den Hahn zwischen unseren Häusern an- oder abschalten. Er grüsst freundlich, ich bemerke, dass sein Schnauzer ihm gut steht. In der Landschaft seines Hirns besetze ich bestimmt nur einen sehr kleinen, abgelegenen Fleck. Ich könnte nun daran arbeiten diesen Flecken zu vergrößern, wie es der Hund tat, indem er sich nachhaltig in Erinnerung brachte. Das einzige, was dich aus seinem Hirn ganz und gar verschwinden lassen könnte, wäre Gleichgültigkeit, aber alle aktiven Emotionen, sei es Sympathie, Neugier, aber auch Abneigung, Hass oder Ekel vergrößern deine Parzelle in seinem Kopf. Du kolonisierst gewissermassen seine Erinnerungswelt, wirst aber sie andererseits nur im Extremfall, wenn entweder du an Paranoia oder er an Verfolgungswahn leidet, ganz und gar besetzen können. Sobald er zurück in die USA fliegt, verkleinert sich dein Claim rapide. Hast du ihn nach seiner Adresse (e-mail, Fax-Nummer) gefragt, um dich bei ihm lebendig zu halten?

27.05.2004 um 13:21 Uhr

Zeit-Relationen

von: hibou

Dass wir der mitteleuropaeischen Zeit um eine Stunde voraus sind, ist kein Schaden, denn hat man den Beginn des Arte-Films (zum Beispiel "Hundeliebe") um fünf Minuten versaeumt, ist man noch immer 55 Minuten zu früh. Ganz anders in Europa. Willst Du dort in TRT2 den grossen Bahnraub sehen, ist der Zug schon laengst abgefahren!

25.05.2004 um 20:46 Uhr

uva

von: hibou

uva. wer das wohl ist? eine neue eva vielleicht oder aber eine rebensorte, womöglich eine reblaus... jedenfalls spielt sie in den meisten deutschen filmen mit, wiewohl sie noch nie eine grössere rolle ergattert hat. immer steht ihr name als letzter im abspann. (die alte rolling-title-maschine!! ich knipste den schalter wenn der assi sagte: "roling teitel ab!"). es sieht etwa so aus:

 

sandro: michael rehberg

blume: klaus hübchen

kommissarin: michaela may

ferner: sibel kekilli, meltem cumbul, neslihan demirtas, andré reuter, herbert bugnoli, gerlinde steinke, ulla hahn, uva... (da ist sie!! die uva. ich kann sie in dem film aber nur selten wiedererkennen....)

 

ein aehnliches problem ist die aufnahme aus dem innern des kühlschranks. in der werbung leuchtets noch einigermaszen ein, man sieht am bildschirm erst dunkelheit, dann wird der eisschrank geöffnet und ein wesen mit strahlendem gesichtsausdruck nimmt die margarine weg. im spielfilm kommts aber auch oft, dort ist der kühlschrank meist traurig leer (bis auf eine angebrochene flasche jim beam und einige angeknackste eier). aber warum bin ich, also der betrachter, quasi im innern des schranks??

 

diese welt macht nachdenklich

23.05.2004 um 09:01 Uhr

Yugoslavijo!

von: hibou

FYR of Macedonia... Former Yougoslavian Republic....

Wie mir von einem Schlagloch in Skopje beide Vordertüren davonflogen. Sehnsucht nach Vergangenheit, ein Übel. Trauern ja. Jugoslawien war ein gutes Modell. Wie alles Gute hatte es starke Feinde, die staerksten saszen in der Akademie Belgrad und brüteten Mord. Natürlich spielt auch Geostrategie eine Rolle. Wann schon nach 45 bot sich für amerikanische Militaers die Chance, europaeische Staedte zu bombardieren? Ich reiste damals durch alle Republiken. Ein Land. Zwei Schriften. Drei Religionen. Vier Zigarettensorten. Fünf Zacken am Stern. Sechs Republiken. Sieben Sprachen. Yugoslavijo!

21.05.2004 um 13:14 Uhr

submarin

von: hibou

un sousmarin n' a pas le droit de rèver, il doit plonger.....

20.05.2004 um 19:15 Uhr

Apache

von: hibou

After they exterminated them and many other tribes to build a democracy upon their graves, they took the names for their purposes. They founded Manhattan where Chief Mannahatta used to dwell. They constructed Cheyenne-Jeeps, Dakota-airplanes and Apache-Helicopters.  Apache people were regarded as keen, bold and fair and they relayed on intuition to live and die in harmony with nature. They worshipped their adversaries. Council and good advice stood at the source of all their actions, undertakings and ventures. Didn’t they resist with all their might to an enemy which poisoned them with fire weapons and firewater?

An Indian adolescent got his name only after he proved qualities, talent and self-containment. The Apache- aircrafts are transporting those myths, but in complete distortion. The pilots are fully dependent on high tech and computer. Never have they looked into the eye of the opponent. To destroy and to kill by cruise missile is their job, they fulfill it with a fingertip, and they are not aware of the dismembered women and children. On their bombs they write the address and a derisive message. The prisoners are tortured and raped, all this is documented on photos and videotapes. Then they return home and take up their job as a judge, fast-food seller or drugstore assistant. Mannahatta is haunting their nightmares.

18.05.2004 um 11:21 Uhr

Apache

von: hibou

 Nachdem sie sie und viele andere Stämme ausgerottet hatten, um auf deren Boden eine Demokratie zu errichten, benutzten sie deren Namen für sich und ihre Zwecke. Sie gründeten Manhattan dort, wo Häuptling Mannahatta gelebt hatte. Sie bauten Cheyenne-Geländewagen, Dakota-Flugzeuge und Apache-Helikopter. Traditionell galten die Apache-Krieger als mutig, verwegen, fair, und sie vertrauten ihrer Intuition um im Einklang mit der Natur zu leben und zu sterben. Sie ehren ihre Gegner. Die Ratsversammlung und der gute Rat standen am Anfang all ihrer Unternehmungen. Sie wehrten sich nach Kräften gegen einen technisch überlegenen Feind, der sie unter anderem mit Büchsenfeuer und Feuerwasser niederstreckte. Erst nachdem sie sich nach den Regeln ihres Volkes bewährt hatten, erhielten sie ihren Namen.

Der Apache-Hubschrauber transportiert diesen Mythos. Zu Recht? Deren Piloten sind vollkommen Technik- und Netzwerk-abhängig. Nie sehen sie das Auge des Feindes. Mit ferngelenkten Geschossen verwüsten sie Büros und Häuser, töten mit Vorderladern oder Steinschleudern bewaffnete Gegner und metzeln Frauen und Kinder nieder. Kein eigener Mann soll dabei umkommen. Sie malen die Namen ihrer Gegner samt einer höhnischen Botschaft auf ihre Bomben, bevor sie sie abwerfen. Sie bringen die Demokratie und entehren dabei selbst die Namen ihrer Feinde. Auch filmen und fotografieren sie ihre Gefangenen, wenn sie sie foltern und vergewaltigen. Danach kehren sie heim und nehmen ihren Job als Drogerieverkäufer, Friedensrichter oder Kellner wieder auf. Sie sind von allen guten Geistern verlassen. Ihre Opfer schreien zum Himmel.

11.05.2004 um 21:07 Uhr

newspeak

von: hibou

fragen sie ihren arztodapotheka

 

nuida potheke

10.05.2004 um 08:19 Uhr

nützliche Wissenschaften

von: hibou

Der Streit geht - wieder einmal - darum, ob auf die soften Geisteswissenschaften gegenüber den so praktischen und weiterführenden Naturwissenschaften nicht zu verzichten waere. Allein schon aus finanziellen Gründen. Oder aber, ob man nicht von den Philosophen, Philologen, Soziologen etc. konkrete Leistungsnachweise verlangen sollte. Was haben sie schon zu bieten? Gesellschaftsanalysen? Handlungsangebote für denkende Exemplare des Homo sapiens? Ansiedlung des Menschen in der Geschichte seiner Spezies? Kultur? Ethische Alternativen?

Was ist das schon gegenüber auf dem Mars herumkrabbelnden Robotern, ferngelenkten Streubomben, Genetisch veraenderten Lebewesen oder den bekanntlich so praktischen Teflonpfannen?

09.05.2004 um 09:18 Uhr

space shuttle

von: hibou

The sky is full of white lines charterflights left there. Are they allowed to do that? I remember the pub in Berlin and live in tv the explosion of the american shuttle. People thought it was firework and clapped their hands. We were near Glienicker Brücke. You are leaving the american sector! Someone lost our Hotelkey and we had to come home through the window.

06.05.2004 um 10:44 Uhr

writing and painting

von: hibou

„Writing is unhappiness. There is only one thing that can veil the world, so that I don’t have to see it like it is and that can liberate me from the act of writing, with turns the world into a hell: painting.“

(Ilhan Berk)

 

D.H.Lawrence: „I wouldn’t paint anything that wouldn’t shock the castrated sensivity of the society.“

04.05.2004 um 21:00 Uhr

Rot

von: hibou

Der Mond scheint rot heute Nacht (wie ein blutig Eisen)

 

03.05.2004 um 11:29 Uhr

Organe

von: hibou

the truth is out there.....

dachte die Botschaft in der Flasche. Absender: noch unbekannt (selbst mir zum Teil).

Heute leide ich. Hab gestern nachmittag das Rauchen geskippt. Nun werde ich an Leberzirrhose sterben.

Drausssen kam der Sommer und ich schnitt ein Stündchen Gras. Wunder mich was ihr wohl tut.